Autor Thema: Was war. Was wird. (Die Wochenschau von Hal Faber)  (Gelesen 69835 mal)

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Was war. Was wird. Verdammte Brexternity aber auch.
« Antwort #810 am: 02 Februar, 2020, 10:52 »
Got Brexit done – und nun? Manche fürchten eine lange Periode der Ungewissheit heraufziehen, die Brexternity. Aber Hal Faber weiß schon, wohin die Reise geht.

Wie immer möchte die Wochenschau von Hal Faber den Blick für die Details schärfen: Die sonntägliche Wochenschau ist Kommentar, Ausblick und Analyse. Sie ist Rück- wie Vorschau zugleich.

Was war.

*** Sie sind weg, die Briten. In Brüssel wurde die kreuzbunte Flagge eingeholt. In London läuteten die Glocken von Big Ben, im Playback-Modus vom Tonband. Es ist vorbei, ist es nicht? Einige versprechen schon jetzt, bald wiederzukommen. Aus den Remainern sind über Nacht Returner geworden, während die Brexit-Fans die imperiale Größe beschwören. Ist es nicht dieses Großbritannien, das aus freien Stücken seine Kolonien in die Freiheit entlassen konnte, während Deutschland jeweils nach kriegerischen Niederlagen gezwungen wurde, seine Kolonien aufzugeben? Ausgerechnet die tageszeitung beschwört diese Selbstaufgabe und den Mut zur britischen Bescheidenheit, während man sich auf der anderen Insel namens Schweiz darüber wundert, wie das aufstrebende Indien als Ex-Kolonie bevorzugter Partner Großbritanniens werden soll. Prompt habe ich auch ein neues Wort lernen müssen, denn auf den Brexit folgt jetzt die Brexternity, eine ungewiss lange Periode der Unsicherheit, wie es weitergeht.

*** Noch sind Spuren britischer Größe vorhanden, etwa bei den Forschungsausgaben von Horizon 2020 im europäischen Vergleich, aber das wird sich legen. Pünktlich zum Austritt zeigt unsere Bundesregierung die Richtung auf dem Weg nach vorn: Brexit – Was nun? heißt die Informationsseite, die sich ganz doll ein Austrittsabkommen wünscht, damit der Ausblick nicht zu düster ist. Denn auch im europäischen Forschungsrat und im europäischen Investitionsrat haben die Briten ihre Koffer gepackt und sich verabschiedet.

*** Wohin die Reise geht, ist nicht schwer zu erraten. Ein etwas groß geratenes Singapur möchte man werden, mit guten Verbindungen zu China. Niemand anderes als Boris Johnson hat keine Probleme damit, Huawei bei 5G-Projekten zu beteiligen. Nur ein vage definierter Kernbereich der regierungsgeschäftlichen Lebensführung, wie er bereits unter Theresa May definiert wurde, soll davon ausgeschlossen werden. Welche britische Firma da tätig werden kann, ist unklar. ARM kann es wohl nicht sein, denn dort kooperiert man ja mit Huawei und macht nicht mit beim Huawei-Shaming. Was an den Berichten dran ist, die den Konzern zu einem riesigen Staatstrojaner abstempeln, wird sicher noch für weitere Nachrichten sorgen. In der Forschung, etwa bei der Fertigung von Quanten-Chips, will man ja auch mehr denn je mit China zusammenarbeiten.

*** In diesem Bereich ist Deutschland übrigens Weltspitze und will Weltspitze bleiben, deshalb gibt es seit Freitag 300 Millionen Euro Forschungsmittel für die große Quanterei. "Das Rennen um die Technologie für den Quantencomputer ist nicht gelaufen," so Forschungsministerin Anja Karliczek. Zuvor hatte bereits Bundeskanzlerin Angela Merkel am Donnerstag alle am Rennen beteiligten Parteien ermahnt, die weltspitzige deutsche Quantentechnologie rasch den Unternehmen zur Verfügung zu stellen. Was warten da für neue Geschäftszweige und Möglichkeiten, vom Entleeren dieser Bitcoins bis zum Knacken von Verschlüsselungen aller Art. Es gibt da viel zu tun, auch in anderen Ministerien, wo man jetzt bitteschön klarstellen will, wie das ist mit der Herausgabe von Passwörtern. Die Beschwichtigung ist nett, dass das neue Gesetz nur bei der Verfolgung schwerster Straftaten wie Kindesmissbrauch und Terrorismus gelten soll, wenn Missbrauchsbilder oder Anschlagspläne mit VeraCrypt und glaubhafter Abstreitbarkeit verschlüsselt sind. Dann können die Straftäter verurteilt werden, wenn nichts gefunden wurde. Wie war das nochmal mit dem Ändere-Dein-Passwort-Tag?

*** Manchmal ist das mit dem Suchen und Finden halt kompliziert. Nichts illustriert das besser als die Entscheidung des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik, passend zur Heiseshow über die eID des neuen, nunmehr bald 10 Jahre alten Personalausweises einen Referatsleiter für die Abteilung "eID-Struk­tu­ren für die Di­gi­ta­li­sie­rung" zu suchen, damit es endlich einmal Fortschritte gibt. Ein heißer Tipp für den neuen Referatsleiter: Ab auf die Insel! Nein, nicht zu den Briten, sondern zu den ebenfalls nicht der EU angehörenden Føroyar, den Färöer-Inseln. Dort wird gerade auf der Basis des von der c't getesteten Yubikey 5 eine moderne, vielfach zu nutzende eID-Infrastruktur installiert, die auch mit der europäischen eIDAS-Signaturrichtlinie konform ist. Wer abschätzig meint, so eine Lösung sei nur etwas für eine kleine Infrastruktur von 50.000 Insulanern, hat den Schuss einen Absatz früher wohl nicht gehört. Ganz nebenbei ist Talgildu ein hübsches Wort, ganz anders als unser schwerfälliger Begriff der Digitalisierung.

*** Das kleine bisschen Transparenz ist ein Artikel überschrieben, in dem ein Journalist auf einer Reise durch Georgien ist und sich über die neue Facebook-Auskunftsseite "Deine Facebook-Informationen" mal einklinkt, um zu sehen, was Facebook alles von dieser Reise mitbekommen hat. "Hunderte Apps und Logins mit Tausenden Pageviews werden auf diese Weise in das individuelle Profil integriert, um „dir relevante Werbung zu präsentieren“, wie Facebook es selber ausdrückt. Die Krone der Abschöpfung, der Homo digitalis, ist immer zum Konsum bereit, nur relevant müssen die Produkte sein. Es ist die Macht der Plattform, genau diese Relevanz, mindestens aber eine Illusion davon vermitteln zu können." Ist das so? Was jedenfalls mir an "relevanter Werbung" auf meinem Weg durch die Netze und Portale angeboten wird, ist der allerletzte Blödsinn, aber ich lasse alle Cookies nach jeder Browser-Sitzung löschen. Bei Facebook – und sicher auch bei Google und anderen – glaubt man aber fest daran und schreibt: "Dazu gehört, dass Menschen mehr davon sehen, was für sie interessant ist und mehr von den Menschen mitbekommen, mit denen sie am meisten interagieren und dass ihnen nur Werbung angezeigt wird, die für sie relevant ist."

Was wird.

An jedem verdammten ersten Sonntag superbowlt es im Fernsehen, mit dem Unterschied, dass es diesmal zu einem Duell der Alphatiere kommt. Für 10 Millionen Dollar hat US-Präsident Trump einen Werbespot gekauft, zusätzlich wird er vor dem Spiel von seinem Freund Sean Hannity von Fox News interviewt. Etwas mehr als 10 Millionen hat Michael Bloomberg für seinen Werbespot gezahlt. Bloomberg, ein Herausforderer von Trump, hat damit den Präsidenten provoziert, der früher mal meinte, dass Politik und Sport nichts miteinander zu tun haben. Damals, als Colin Kaepernick für die Francisco 49ers spielte. Wer erinnert sich noch an #BlackLivesMatter?

Zum Februar gehört auch der europäische Polizeikongress, der dieses Jahr ein kämpferisches Motto hat: "Europa: Rechtsstaat durchsetzen." Law and Order wird halt groß geschrieben, wenn es in der Einladung an Politiker und Journalisten heißt: "Das Recht durchzusetzen gilt nicht nur an den Grenzen, sondern Grenzen müssen auch im Alltag und Umgang miteinander wieder eingehalten werden." Das klingt, als ob der Rechtsstaat erodiert ist und die Polizei ganz saft- und kraft- und ratlos nur noch auf ihre Bildschirme mit der Palantir-Software starren kann, in der Hoffnung, dass diese Gefährder erkennt und Clan-Mitglieder richtig zuordnet. Auffällig ist der hohe Stellenwert, den die künstliche Intelligenz beim Polizeikongress hat. In mehreren Fachforen wird sie als Werkzeug der Polizeiarbeit behandelt, bis hin zu ethischen Aspekten mit der Frage, wie man ein ganzes Land mit einer funktionierenden Gesichtserkennung überziehen kann.

Bekanntlich stehen wichtige Gerichtsverhandlungen an. Es geht um das, was Geheimdienste wie der BND machen können. "Da ist zum einen das Bundesverfassungsgericht, das in einer zweitägigen Verhandlung schon deutlich gemacht hat, dass die alte Linie des Bundesnachrichtendienstes, wonach Ausländer 'zum Abschuss freigegeben' sind (so formulierte es ein Mann des BND im NSA-Untersuchungsausschuss), wohl keinen Bestand haben kann. Anders gelagert und doch ähnlich bemerkenswert ist ein Prozess vor dem Europäischen Gerichtshof, wo es um das anlasslose und massenhafte Sammeln von Daten durch die Geheimdienste Frankreichs, Großbritanniens und Belgiens geht. In einer Stellungnahme hat der Generalanwalt bereits gemahnt, 'Mittel und Methoden müssten den Erfordernissen des Rechtsstaats entsprechen'." Es geht um das, was der Journalist Georg Mascolo richtig als Snowdens Erbe bezeichnet – dabei ist Edward Snowden nicht tot, nur vergessen.

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Was war. Was wird. Nach dem Bruch ist vor dem Bruch.
« Antwort #811 am: 09 Februar, 2020, 09:20 »
Bevor man Bücher verbrennt, verbietet man sie erstmal. Und bevor man nach rechts ausschert, tut man so, als hätte man von nichts gewusst, wütet Hal Faber.

Wie immer möchte die Wochenschau von Hal Faber den Blick für die Details schärfen: Die sonntägliche Wochenschau ist Kommentar, Ausblick und Analyse. Sie ist Rück- wie Vorschau zugleich.

Was war.

*** Im Westen nichts Neues. Im Osten auch nicht. Bevor die Bücher verbrannt wurden, wurden sie dort verboten. 1930 wurde der Nationalsozialist Wilhelm Frick zum Innen- und Volksbildungsminister von Thüringen ernannt. Eine seiner ersten Amtshandlungen war es, den Antikriegsroman Im Westen nichts Neues für den Schulunterricht zu verbieten. So einen Roman könne unmöglich jemand geschrieben haben, der im Krieg an vorderster Front gekämpft habe. Eine Haltung, die dem beurlaubten Geschichtslehrer Björn Höcke gefallen dürfte. Seine AfD will bekanntlich das Volk bilden. Eine Bildung, von der auch diese Werte-Union in der CDU schwärmt, die mit ihrem Hans-Georg Maaßen an der Spitze den von der AfD gewählten Ministerpräsidenten Thomas Kemmerich begrüßte. Leutselig und lächelnd lief Maaßen dieser Tage auf dem europäischen Polizeikongress herum und wurde an einigen Ständen freudig empfangen. Gut möglich, dass Maaßen in die wahltaktischen Pläne der AfD eingeweiht war.

*** Die Haltung der Eintagsfliege Thomas Kemmerich dürfte Höcke und seinen Flügel dagegen kaum interessieren. Mit seiner Wahl ist der Partei ein großer Coup gelungen. Sie konnte zeigen, wie schnell Machtgier und Leichtsinn (oder war es Dummheit?) der sogenannten bürgerlichen Mitte ausgenutzt werden kann, sie konnte zeigen, wie "das System" und diese "Systemparteien" ausgetrickst werden können. Amüsiert dürften sie jetzt das Gestammel eben dieser Mitte verfolgen, die den Tabubruch zu rechtfertigen sucht. Dabei macht sie aus dem sozialdemokratisch orientierten Linken Bodo Ramelow einen SED-Nachfolgepräsidenten, den man keinesfalls die Hände schütteln und ihn wählen darf. Auf das Gebrabbel kann die AfD verweisen und wieder einmal behaupten, wie gleichgeschaltet diese Mitte doch ist. Und wenn die groteske Hufeisentheorie aufgefahren wird, können AfDler die Köpfe schütteln und darauf verweisen, dass sie doch keine Faschisten sind: Wo bitte sind die Kampfverbände, die die NSDAP von Anfang an begleiteten? Und so ein Gauforum127 wie das in Weimar wolle man auch nicht, wo jetzt so ein schönes Einkaufszentrum daraus geworden ist. Nur ein klitzekleiner Widerspruch bleibt: Da ist ein Gericht, das geurteilt hat, dass der Thüringer AfD-Chef Björn Höcke Faschist genannt werden darf, während AfD-Oberchef Alexander Gauland das anders sieht und meint, dass der Faschismus in Deutschland verboten ist.

*** Die FDP und ihr Christ-Tur-Tur Lindner hat bei der Wahl von Thomas Kemmerich zum Ministerpräsidenten gezeigt, dass sie ihre braunen Wurzeln nicht vergessen hat. Man denke an die SS-Leute August Martin Euler, Martin Derichsweiler und besonders Margarete Hütter, die nach dem Kriege die DVP und die FDP mitgründeten und 1950 dafür warben, dass deutsche Kriegsverbrecher nur noch "Kriegsverurteilte" genannt werden sollten. Man denke an die Jungen Adler der FDP, die Paramilitärisch agierten und "Saalschutz" betrieben. Man denke an die FDP-Forderung von Hermann Becher, die Reichsflagge Scharz-Weiß-Rot wieder einzuführen und seine Bezeichnung der Widerstandskämpfer des 20.Juni 1944 als "Landesverräter". Es war der junge Rechtsanwalt Gerhart Baum, der als Vorsitzender der Jungdemokraten das Ehrengerichtsverfahren gegen Becher führte, eben jener Baum, der jetzt angesichts des Schachzuges in Thüringen nur noch fassungslos ist.

*** Ja, wir haben einmal hier auf dieser Webseite des kleinen Verlags aus der norddeutschen Tiefebene vor gerade mal ein paar Jahren geschrieben, dass wir die FDP noch einmal vermissen werden. Nichts könnte falscher sein in diesen Tagen. Oder vielleicht doch nicht? Ja, diese AFDP vermissen wir keineswegs, deren Spitzenpersonal sich windet und krümmt. Die FDP, um die es uns damals ging, die FDP einer Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, eines Gerhart Baum, eines Burkhard Hirsch, ja, die vermissen wir immer noch. Glücklicherweise haben sich die Grünen ein bisschen darauf besonnen, das Feld der Bürgerrechte auch in Digitalien nicht ganz unbestellt zu lassen, nachdem die FDP ausfällt. Lange genug hat es ja gedauert.

*** Aber vielleicht war in Thüringen ja die Technologie Schuld. Nach den ersten beiden Wahlgängen brauchte es nur 10 Minuten, bis die Laserdrucker die neuen Wahlzettel mit den Namen von Bodo Ramelow, Thomas Kemmerich und Christoph Kindervater gedruckt hatten. Das ist schon arg knapp, um sich in der bürgerlichen Mitte Gedanken zu machen, wen man da wählt, wenn eine einfache Mehrheit ausreicht. Wie überhaupt das Denken in dieser Mitte Probleme macht: Eine CDU-Vorsitzende, die nach diesem Desaster fordert, dass Grüne und SPD einen der CDU genehmen Kandidaten präsentiert, hat das Prinzip der Wahl nicht wirklich verstanden. Nun, wo die Schwäche der FDP und der CDU für autoritäre Lösungen bekannt sind, kann man sich fragen, ob wir erfolgreich mit Antikörpern geimpft sind.

*** Ja, Auschwitz wurde von der Roten Armee befreit. Das darf aber kein Grund sein, auf einer Gedenkfeier Karten zu präsentieren, die dem Weltbild des russischen Präsidenten entsprechen. Er gibt bekanntermaßen den Polen die Mitschuld am Ausbruch des zweiten Weltkrieges. Ausgerechnet die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem hat auf einem Forum zum Gedenken an Auschwitz historisch falsche Videos gezeigt und sich nun gegenüber Polen in dieser Woche dafür entschuldigt. Auf den Videos, die in Anwesenheit von Wladimir Putin gezeigt wurden, war weder die Aufteilung Polens durch Deutschland und die Sowjetunion gezeigt worden noch die Okkupationen in Westeuropa durch die Deutschen. Für eine Gedenkstätte, die so viel Wert auf die korrekte historische Aufarbeitung legt, ist der Vorgang mehr als eine "Panne".

*** Gut ist es, dass jetzt mehrere Initiativen auf das Schicksal von Julian Assange aufmerksam machen, dem in den USA ein Schauprozess droht. Was dort im Zuge der Ermittlungen gegen den CIA-Mitarbeiter Joshua Schulte ans Tageslicht kommt, ist mehr als seltsam. Schulte hatte Assange und Wiklieaks mit den Leaks Vault 7 und Vault 8 versorgt. Nun kommt heraus, dass das FBI als Ermittlungsbehörde nach der Festnahme von Schulte über ein Jahr wartete und dann die Dateien inkognito in einem Starbuck-Coffeeshop als Beweismittel "sicherte". Ein ähnlicher Umgang mit den Beweisen könnte bei der anonymen Grand Jury, die Assange wegen Spionage verurteilen möchte, gravierende Folgen haben. Unterdessen gibt es Neuigkeiten vom vergessenen Edward Snowden: Er hat seinen russischen Anwalt beauftragt, seine Aufenthaltserlaubnis zu verlängern. Bittere Ironie: Der Wikileaks-Zuträger Joshua Schulte wünschte sich für den selbstständig und auf eigenes Risiko handelnden Whistleblower Edward Snowden die Todesstrafe.

Was wird.

Die Tempomacher für vernünftige Politik in Thüringen hat es aus der Kurve getragen. Etwas verzögert hat Speed King Thomas Kemmerich seinen sofortigen Rücktritt erklärt. Der aber auf sich warten ließ, bevor es dann doch noch was wurde. Ob sich Kemmerich wie Ritchie Blackmore fühlt, über den es anlässlich des Speed Kings hieß: "Blackmore zersplitterte in nur fünfzig Sekunden die gängigen Konventionen der Beat-Ära, und machte die sechziger Jahre der Popmusik zur Historie". Aber damit ist Blackmore Unrecht getan und Kemmerich dann doch zu viel Bedeutung zugemessen. Denn wie schon erwähnt, ist es die Dummheit der sogenannten "bürgerlichen Mitte", die hier etwas zertrümmert – und zwar nicht einfach nur kulturhistorische Bedeutsamkeiten. Die nächste Wahl, auf der das viel geschmähte Volk das Sagen haben wird, findet in Hamburg in diesem Februar statt. Zur gefälligen Erinnerung sei an die Wahl des Jahres 2001 erinnert, als CDU und FDP und die Partei Rechtsstaatliche Offensive des rechten Populisten Ronald Barnabas Schill den Stadtstaat regierten. Auch damals gab es Proteste, besonders als Schill die Einwanderungspolitik für alles Mögliche verantwortlich machte. Es muss nicht immer der Vergleich mit Weimar sein.

Ich habe mich geirrt. Die Debatte über die Gesichtserkennung ist noch lange nicht vorbei, nur weil das Innenministerium einen entsprechenden Gesetzentwurf vorerst zurückgestellt hat. Vorbereitungen laufen, die Gesichtserkennung auf eine ausgeklügelte Basis zu stellen.

Da ist die Berliner Polizei, die 167.578 ihrer Datenbanken um phänotypische Merkmale erweitert hat. Da ist der BKA-Chef Holger Münch, der einen grundsätzlichen Handlungsbedarf bei der Überwachungstechnik sieht und von der "zentralen Speicherung öffentlicher Videoüberwachung" schwärmt, die in "anderen Ländern Europas" die Polizeiarbeit wesentlich beschleunige. Welche Länder das sind, ließ Münch offen. Vielleicht meinte er die Schweiz, wo man an einer Überwachungsmaschine werkelt. Womit wir wieder bei den Wahlen zur Hamburger Bürgerschaft sind.

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Was war. Was wird. Niemals vergessen: 50 Millionen Tote.
« Antwort #812 am: 16 Februar, 2020, 09:50 »
Wer siegt, hat noch lange nicht den Frieden gewonnen. Was die, die man Ewiggestrige nennt, geflissentlich auszunutzen suchen, beklagt Hal Faber.

Wie immer möchte die Wochenschau von Hal Faber den Blick für die Details schärfen: Die sonntägliche Wochenschau ist Kommentar, Ausblick und Analyse. Sie ist Rück- wie Vorschau zugleich.

Was war.

*** Jetzt diskutieren und demonstrieren sie wieder mit einem "Trauermarsch" gegen den "alliierten Bombenterror" in Dresden, ohne Coventry und Southampton zu nennen. Jetzt empören sie sich über das Verbrennen der Toten auf dem Marktplatz in Dresden, ohne das Verbrennen der Toten in Auschwitz zu nennen.

Ja, Dresden war überfüllt, im Gegensatz zu Dessau, das bei einem Bombenangriff viel stärker zerstört wurde. Die flächendeckende Bombardierung war nicht die intelligenteste Entscheidung der Alliierten. Als einer der ersten Journalisten reiste Isaac Deutscher gleich nach der Kapitulation durch das zerstörte Deutschland und schrieb den Artikel "Die Wirkung der Bombenangriffe", der am 10. November 1945 im Economist erschien. In ihm sagte er voraus, dass die Luftangriffe in den kommenden Jahren das am heftigsten diskutierte Thema der militärischen Debatte werden wird. Die Verwandlung deutscher Städte in Wüsteneien hätte dabei geholfen, den Sieg zu beschleunigen. "Sie hat es aber auch erschwert, den Frieden zu gewinnen. Man könnte sagen, dass der Beitrag des Bomberkommandos zum militärischen Sieg viel weniger entscheidend ist als das Hindernis, das dadurch für die Gewinnung des Friedens entstanden ist."

*** Die erste Stadt, die es flächendeckend traf, war Mannheim. Von einem Gedenken an die Opfer der Operation Abigail Rachel kann nicht die Rede sein, auch weil diese Stadt über ein perfektes System von Luftschutzkellern verfügte. Dort erschien am 23. April 1945, noch vor der Kapitulation und dem Kriegsende der Aufruf "Wir bauen auf." "Ganz bescheiden können wir das vorläufig nur, denn erst gilt es, Berge von Trümmern zu beseitigen, bevor wieder ein Boden gefunden wird, auf dem gebaut werden kann. Am besten fängt man damit an, den Schutt zu beseitigen, und nach einem alten Sprichwort zuerst einmal den vor seiner eigenen Tür. Damit werden wir schon fertig werden. /../ So wollen wir wieder aufbauen, zuerst ganz bescheiden, Schritt für Schritt, damit erst einmal wieder Fenster und Dach zu sind, dann werden wir weiter sehen."

*** Bescheidene Worte für einen Neuanfang, wo kurz zuvor ein erbitterter Krieger wie der Generaloberst Heinz Guderian sich vor die Auslandspresse stellte und – am 7. März 1945 – von "sowjetischen Bestien" redete und sich in Lügen flüchtete: "Ich habe selbst in der Sowjetunion gekämpft, aber nie etwas von Teufelsöfen, Gaskammern und ähnlichen Erzeugnissen einer kranken Phantasie bemerkt. Die Absicht ist unverkennbar, mit solchen offenbaren Lügen die Hassgefühle der primitiven Sowjetsoldaten aufzustacheln." Der nationalsozialistische Propagandist Hans Georg von Studnitz, der bei der Pressekonferenz anwesend war, notierte damals in seinem Tagebuch: "Der Eindruck dieser Ausführungen war kein guter. Die Welt kennt jetzt Photographien, Filme und Augenzeugenberichte über das Todeslager von Maidanek, das Todeslager Auschwitz und ähnliche Institutionen in den besetzt gewesenen Gebieten. Das deutsche Volk weiß von diesen Dingen allerdings nichts." So folgte auf eine Lüge gleich die nächste.

*** Es war Generaloberst Guderian, der als Mitglied des "Ehrenhofes" der Wehrmacht die Offiziere unehrenhaft aus der Armee entließ, die sich am gescheiterten Attentat vom 20. Juli 1944 beteiligt hatten. Damit konnten sie höchst unehrenhaft an einem Fleischerhaken erhängt werden. Aus diesen dunklen Zeiten zieht sich eine Geheimspur durch die deutsche Geschichte, denn es war ein Geheimschreiber, auf dem Claus Schenk Graf von Stauffenberg den Walküre-Befehl auf einem Lochstreifen absetzte. Das Chiffrat sollte die nachgeordneten Dienststellen des Wehrmacht dazu auffordern, alle Gestapo und SS-Dienststellen zu besetzen und die Konzentrationslager zu öffnen. Für die Verschlüsselung und Entschlüsselung war bei der Wehrmacht Erich Hüttenhain zuständig, der später im BND und der Zentralstelle für Chiffrierwesen arbeitete. Einige seiner Erkenntnisse wurden in den Chiffriermaschinen der Schweizer Crypto AG umgesetzt, etwa in den Bundeswehr-Maschinen, die die Kieler Firma Hell in Lizenz baute.

*** Damit sind wir bei den Cryptoleaks, dem Aufreger-Thema dieser Woche schlechthin, das die europäische Presse und die Washington Post beschäftigte. Aufreger-Thema? Nur wegen ein paar Tausend kompromittierter Chriffriergeräte, die weltweit im Einsatz waren und von einer Crypto AG kamen, die insgeheim dem BND und der NSA gehörte? Ach was, das ist doch ein Thema der Schweizer, sollen die sich doch darum kümmern.

Bei der Crypto AG war kurzzeitig ein Disclaimer zu finden, der auf Kriegsfuß mit der Aussagenlogik stand. Mittlerweile ist die Erklärung länger geworden, doch nicht besser. Es ist ja auch sooo lange her, das alles. Selbst die wichtigsten Bücher zum Thema wie Verschlüsselt von Res Strehle findet man nur noch im Archiv.

*** Beim BND, der mit seiner finanziellen Beteiligung von 1970 bis 1993 zusammen mit der NSA die Geschicke und die Geräte der Crypto AG bestimmte, findet sich, ähem, nichts. Zum Herunterladen steht Das Ding unter dem seltsamen Titel "Repräsentative Vorfahrt" bereit, aber sonst? Immerhin gibt es eine Stellungnahme des BND-Präsidenten Bruno Kahl in der aktuellen Ausgabe der GSZ. Es ist das übliche Gerede darüber, dass das Recht der Nachrichtendienste mit den tatsächlichen Bedrohungen Schritt halten muss und diese genau wie Kriminelle und Terroristen immer auf dem neuesten Stand der Technik arbeiten müssen. Dazu gibt es eine Erläuterung: "Dabei geht es nicht um eine Erweiterung der Kompetenzen, sondern nur um die Übertragung auf neue Medien. Ein Beispiel: Ein deutscher Gefährder bewegt sich im Ausland im Aufklärungsbereich des BND und kommuniziert verschlüsselt über sein Smartphone. Nach geltendem Recht dürfen wir nicht verdeckt sein Mobiltelefon infiltrieren, obwohl ausländische Dienste uns darauf hinweisen, dass die Person in terroristische Aktivitäten oder in den Menschenhandel verstrickt ist. Hier sollte der BND eine Rechtsgrundlage bekommen, um gemeinsam mit den anderen Sicherheitsbehörden seinen Beitrag für die Gewährleistung unserer Sicherheit effektiv und verantwortungsvoll leisten zu können." Überträgt man diese Aussage über das "Infiltrieren" in die Vergangenheit, bleibt übrig, das man effektiv die Verschlüsselung brechen konnte. Wie sagte es der damalige Kanzleramtsminister Bernd Schmidbauer: "Die Aktion Rubikon hat sicher dazu beigetragen, dass die Welt ein Stück sicherer geblieben ist."

Was wird.

Zum Ende der Woche ist ein weiteres altes Staatsgeheimnis gelüftet worden, jedenfalls ein bisschen. Der Text des Betreibervertrages zur LKW-Maut von 2002 zwischen Bundesregierung und Toll Collect ist veröffentlicht worden und dürfte in den nächsten Wochen für Diskussionen unter den Juristen sorgen. Oder auch nicht. Vielleicht bleibt es beim Schweigen der Belämmerten. Denn 15.000 Seiten mit den Anhängen fehlen, insbesondere E 1.1 zum technischen Konzept und natürlich die Anhänge, in denen die enormen Summen stehen, die Toll Collect einstreichen konnte. Das wurde dank Wikileaks bekannt, das 2009 die Anhänge veröffentlichte. 700 Millionen Euro genehmigte sich Toll Collect, bei damals (2002) geschätzten Mauteinnahmen von 3 Milliarden, dazu noch einmal 24,8 Millionen für die jährliche Wartung der Software.

Was ohne die Anhänge auch nicht funktioniert, ist die Bewertung der technischen Innovation, die im gesamten Mautsystem steckt. Daran ist auch das Schiedsgericht gescheitert, als es 2011 bewerten sollte, wie dank der Nutzung bewährter "Off-The Shelf"-Produkte das "innovativste Maut-System seiner Zeit" entstehen konnte. Zur ehrenwerten historischen Dokumentation durch "Frag den Staat" kommt noch ein aktueller Aspekt: bekanntlich fordern Grüne nach der Ausweitung der LKW-Maut auf Bundestraßen nun die Bemautung der Kommunalstraßen.

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« Antwort #813 am: 23 Februar, 2020, 09:11 »
Wahnvorstellungen? Als ob das bei den ihr Unwesen treibenden Rechtspopulisten, Identitären und Incels etwas Ungewöhnliches wäre, schüttelt Hal Faber den Kopf.

Wie immer möchte die Wochenschau von Hal Faber den Blick für die Details schärfen: Die sonntägliche Wochenschau ist Kommentar, Ausblick und Analyse. Sie ist Rück- wie Vorschau zugleich.

Was war.

*** Nein, sie haben mit der Tat rein gar nichts zu tun. Schließlich war der Mann krank und für Kranke ist die AfD nicht zuständig, sie sorgt sich ja um die Gesundheit des Volkskörpers. Bedroht wird sie zum Beispiel durch erhöhte Kohlenmonoxidwerte in Shisha-Bars, wie die AfD Celle das am Mittwoch kritisierte. Diese Bars müssen nach Meinung der Partei als Orte der Vergiftungen durch Rauch gesetzlich reguliert werden. Der letzte Satz wortwörtlich: "Derartige Kontrollen müssten viel öfter durchgeführt werden, wenn man bedenkt, was bereits in diesem einen Fall an kriminellen Machenschaften zutage gefördert wurde. Keinesfalls dürfen sich hier rechtsfreie Räume herausbilden.“

*** Am Mittwochabend gab es den "Angriff auf uns alle". Da ermordete dann ein psychisch kranker, von Wahnvorstellungen und rassistischen Überlegenheitsfantasien geplagter Mensch in Hanau Fatih, Ferhat, Gökhan, Hamza, Kalojan, Mercedes, Said, Sedat, Vili Viorel und seine Mutter Gabriele. Geht es nach dem AfD-Fraktionsvorsitzenden Alexander Gauland, soll es "schäbig" sein, die Morde von Hanau zu instrumentalisieren. Das sagt einer der Führer einer Partei, die Aufwiegelung als Geschäftsmodell betreibt und "keine Gelegenheit auslässt, Straftaten, die von Migranten begangen wurden, für ihre politischen Zwecke 'zu instrumentalisieren'. Bei Verbrechen an Menschen mit ausländischen Wurzeln aber wäscht die AfD die Hände in Unschuld." Hanau liegt in Hessen, wo die AfD im Hessischen Landtag in einer parlamentarischen Anfrage zu Shisha-Bars nach verstärkten Tabak-Kontrollen rief und die Landesregierung antwortete, dass man regelmäßig "360-Grad-Kontrollen" durchführe: Kontrolliert werden auch die Gäste.

*** Wobei: Wenn man sich auch in der AfD von manchen mitgezimmerte Verschwörungstheorien anschaut, dann sind Wahnvorstellungen der Normalfall bei Rechtspopulisten, Identitären, Incels, und wer sich sonst noch so rumtreibt dunklen Ecken des Netzes. Was wir sonst noch wissen: Hessen besitzt als eines der wenigen Bundesländer ein eigenes Terrorismus- und Extremismus-Abwehrzentrum namens HETAZ, in dem Verfassungsschutz und die Polizei zusammenarbeiten, die selbst noch 140 Beamte in einer "BAO Hessen R" (Besondere Aufbauorganisation Hessen Rechts) zusammengeführt hat. Und dann ist da ja noch die wunderbare Software von Palantir Technologies: "Wenn rechte Straftäter innerhalb Hessens umziehen, bleiben sie ohne Zeit- und Wissensverlust auf dem Radar der hessischen Polizei. Dafür haben wir auch durch unsere Analysesoftware hessenDATA gesorgt. Nun ist der Mörder nicht straffällig gewesen und auch nicht umgezogen. Er wohnte bei seinen Eltern. Aber er schrieb einen Brief an die Bundesanwaltschaft, der in weiten Teilen mit dem hinterlassenen Bekennerschreiben identisch ist, freilich ohne die später eingefügten rassistischen Passagen und Vernichtungsfantasien. Müsste nicht bei den geäußerten Wahnvorstellungen von der Beeinflussung durch Geheimdienste und den Ankündigungen eines Kampfes wenigstens überprüft werden, ob der Absender im Besitz von Waffen ist? Nein, muss nicht. Ja, dann wälzen wir es auf die Ärzte ab, dass ein Waffenschein nur mit einem ärztlichen Attest der geistigen Gesundheit ausgegeben wird.

*** Es geht noch einfacher mit den Schuldzuweisungen. Da ist ja dieses schlimme Internet, der Hort von allen möglichen Informationen: "Die Botschaft in einem der Videos von R. lautet: Vertraut nicht den „Mainstream-Medien“ und beschafft Euch 'Information'! Das ist in einem Satz die Handlungsanweisung, die in die Irre führt: Wenn für Information gehalten wird, was Wahnvorstellungen sind, und für Lüge, was um die Wahrheit bemüht ist. In der digitalen Welt ist diese verkehrte Welt zum Geschäftsmodell geworden – zum politischen, zum extremistischen, zum terroristischen. Verantwortung müssen deshalb all diejenigen übernehmen, die von diesem Geschäftsmodell leben oder profitieren." Nicht nur der verdutzte Perlentaucher fragt sich:, was den FAZ-Redakteur da gebissen hat: "Vielleicht hat er ja recht, aber muss Altenbockum dann nicht auch glauben, dass die Zeitungen an Hitler schuld waren?"

*** Bekanntlich ist gerade Karneval in Deutschland, mit lustigen Motivwagen und Büttenreden. Als Hannoveraner hat man so seine Probleme mit dieser Art zu feiern. Doch aus dieser Rede eines "Obermessdieners" möchte ich zitieren: "Die Demokratie, die werden wir schützen, eure Gesinnung wird euch nix nützen. Unsere Kinder werden nicht mehr für euch erfrieren, auf keinem Schlachtfeld mehr krepieren, und auch nicht kämpfen bis zuletzt, während ihr euch in den Führerbunker setzt. Sie vor euch zu schützen ist erste Bürgerpflicht, Mainz ist weltoffen, ihr nehmt uns die Freiheit nicht. Solltet ihr für jedes Naziopfer eine Schweigeminute gestalte, müsstet ihr 38 Jahr' lang eure Schandmäuler halte. Es war millionenfacher Völkermord, ihr braunen Wichte, und kein Vogelschiss der deutschen Geschichte. Die Morde von Hanau, die Schüsse auf die Synagoge in Halle - ob Juden, Christen, Muslime, das war ein Angriff auf alle. Wir leben hier zusammen, die Demokratie wird triumphieren, dieses Land werdet ihr niemals regieren."

*** Mit dem Regieren haben andere so ihre Probleme. Die CDU debattiert seit Tagen, wie linksextrem der ehemalige Thüringische Ministerpräsident Bodo Ramelow ist. Nun hat die Führung in Berlin entschieden, was ein Thüringer Würstchen ausmacht. Ordentlich Flagge zeigen konnte dabei Gesundheitsminister Jens Spahn, der Parteichef werden möchte. Jens, der Macher, hat diese Woche viel gemacht. Am Ende wurde sogar ein waschechter Bundeswehrgeneral in die Abteilung Gesundheitsschutz und Gesundheitssicherheit abkommandiert, der erst im Januar ein Bundeswehr-Krankenhaus befehligte. Das abkommandiert ist wörtlich zu verstehen: Generalarzt Hans-Ulrich Holtherm wird Soldat bleiben, also in Uniform für die Sicherheit unseres Gesundheitssystems kämpfen. Wie wäre es damit, bei Arvato Systems anzufangen. Dort wird die nach der CCC-Kritik gerade reparierte "sichere Lieferkette" für die Praxiskonnektoren der Ärzte mit anonymen E-Mails und der Bitte eingeleitet, doch einen Anhang mit einer Excel-Datei zu öffnen. Mal sehen, wie die neuen elektronischen Gesundheitskarten und der zugehörige PIN-Brief verschickt werden, die für die Einführung der elektronischen Patientenakte benötigt werden.

Was wird.

Am kommenden Montag beginnt in London die eigentliche Gerichtsverhandlung zur Auslieferung von Julian Assange an die USA. Nach all dem, was in den letzten Tagen bekannt wurde, müsste schnell vom Gericht entschieden werden, dass der Australier nicht ausgeliefert wird: Da gibt es einen US-Präsidenten, der allen Ernstes glaubt, über dem Gesetz zu stehen. Eine Verhandlung nach dem Code of Law ist damit nicht möglich. Da gibt es Dokumente, nach denen dem Wikileaks-Gründer eine strenge Isolationshaft droht, die er nicht überleben würde. Doch was ist an diesem Verfahren schon normal? Eine wichtige Rolle soll die Aussage von Assange aus dem Jahre 2016 spielen, derzufolge der Hack des Mailsystems der Demokraten nicht durch Russland erfolgte. Für diese Aussage sollte ihm Pardon gewährt werden. Dazu wollen Assanges Verteidiger einen Zeugen präsentieren. Nun hat Assange 2016 ja erklärt, dass Russland nicht beteiligt war, also müsste das Pardon greifen. Doch das verweist wiederum auf den US-Präsidenten als höchsten Richter, mit einem neuen Geheimdienstkoordinator der, so es gewünscht wird, neue geheime Anklagen vorbereiten dürfte.

Hätte Assange am 27. September 2010 nicht fluchtartig Schweden verlassen, sähe die Sache jetzt sicher anders aus. Doch hätte, hätte, diese Fahrkette hat kein Ende. Da gibt es keine bleibenden Werte, wie die Fotos zeigen: Andy Müller-Maguhn, der treueste Besucher von Assange in der Botschaft von Ecuador, fehlt ebenso wie die mutige Sarah Harrison oder die preisgekrönte Dokumentarfilmerin Laura Poitras.

Nennen wir es die erdabgewandte Seite der Geschichte.

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4W: Von schlimmen Zeichen und schlimmen Zeiten.
« Antwort #814 am: 01 März, 2020, 08:51 »
Panik! Panik! Panik? Ach nee, doch nicht. Die Zeiten sind schlimm genug, da reicht das normale Entsetzen völlig aus, meint Hal Faber.

Wie immer möchte die Wochenschau von Hal Faber den Blick für die Details schärfen: Die sonntägliche Wochenschau ist Kommentar, Ausblick und Analyse. Sie ist Rück- wie Vorschau zugleich.

Was war.

*** Die Planeten lügen nicht, die Aussichten sind düster: Der Merkur ist rückläufig, das ist ein ganz, ganz böses Omen. Schreckliches passiert deshalb in der virenverseuchten Welt: Keine Tourismusmesse in Berlin, nur die Bundesliga reimt sich auf Corona und ist damit sicher. Die Fechter lassen ihre Säbel fallen und wir fühlen uns ganz wie in einem schlechten Film. Oder in einem guten Computerspiel.

*** Ach, könnten wir doch wie Prinz Prospero mit tausend netten Menschen in die stille Abgeschiedenheit einer befestigten Abtei und dem roten Tod entkommen, über den Edgar Allen Poe schrieb. "Und nun erkannte man die Gegenwart des Roten Todes. Er war gekommen wie ein Dieb in der Nacht. Und einer nach dem andern sanken die Festgenossen in den blutbetauten Hallen ihrer Lust zu Boden und starben – ein jeder in der verzerrten Lage, in der er verzweifelnd niedergefallen war. Und das Leben in der Ebenholzuhr erlosch mit dem Leben des letzten der Fröhlichen. Und die Gluten in den Kupferpfannen verglommen. Und unbeschränkt herrschte über alles mit Finsternis und Verwesung der Rote Tod."

*** Ach und oh, hätten wir doch wenigstens die magischen Kräfte eines Mike Pence, der das Coronavirus nur anzustarren braucht, damit es verschwindet. Doch die Zeichen stehen schlecht und die Märkte stöhnen und jammern, schreibt die FAZ. Nur die taz hat da noch den Durchblick: "Wer auf Aktien-Prickeln aus ist und Geld übrig hat, kann gerne zocken. Für alle anderen gilt: Vorsicht ist die Mutter der Coronakiste."

*** Dabei haben Sterndeuter, Wahrsager und Quacksalber schon lange die Zeichen gesehen, die von einem großen Unheil kündeten. Wie heißt es noch in den Prophezeiungen des Nostradamus, in den Centuren II, Nummer 46 mit einem klaren Hinweis auf den großen Beweger Trump, im Original der große Motor genannt, der die Pest bringt:
Nach dem großen menschlichen Zwist, folgt noch Schlimmeres. Der große Regent (Beweger) erneuert die Jahrhunderte. Regen, Blut, Milch, Hunger, Feuer und Seuchen, Am Himmel, Feuer zu sehen, fliegen lange Funken.
Apres grâd troche humain plus grâd s'appreste Le grand moteur les siecles renouuelle: Pluye sang, laict, famine, fer & peste, Au ciel veu feu, courant longue estincelle.
Auch in unseren Tagen haben sich die Zeichen gezeigt, die gar schlimme Zeiten angekündigten. Flackerte da nicht Beteigeuze, die rechte Lunge im Sternbild Orion? Und war da nicht dieser schreckliche Moment, als die heilende Quelle aus der Öl spendenden Bibel versiegte da in Dalton, der Stadt mit 94 Kirchen und 33 Tausend Einwohnern? Wo sie doch die Visionen von Trump hatten, der mit göttlichen Beistand allen Kugeln und Viren trotzt. Schließlich sind die USA eines der Länder, in denen es kaum "paid sick leave" gibt, was bedeutet, dass man krank auf der Arbeit erscheint.

*** Ja, verglichen mit dem großen Motor Trump sind unsere Politiker von einem anderen Kaliber. Sie geben zu, nicht alles zu wissen und verhindern zu können und bekommen so von unverhoffter Seite Lob: So geht Demokratie, so kommt Vertrauen in die Politik zurück, verkündet die taz. Ein erstaunliches, ein verblüffendes Urteil über den größten Digitalisierungs-Minister aller Zeiten, der dieser Tage mit seinem Patientendaten-Schutzgesetz den Datenschutz von Patientendaten aushebelt. Denn was steht da im "Kleingedruckten": Die elektronische Patientenakte kommt 2021, das Sperren von Daten durch den mündigen Patienten frühestens 2022.

*** Bleiben wir bei diesem Datum: Bei dem Tempo, mit dem sich die britische Anhörung zur Auslieferung von Julian Assange entwickelt, dürfte 2022 ein realistisches Endziel sein. Im Mai oder Juni geht es weiter, bis zum Jahresende. Dann gibt es noch zwei weitere Instanzen nach dem britischen Recht und dann ist da noch der europäische Gerichtshof, der eingeschaltet werden könnte, obwohl Großbritannien gerade von Europa weg driftet. Bis dahin gibt es anrührende Reportagen, aber auch kritische Nachfragen zur Dramatisierung des Falles. Die wirklich wichtige Frage, warum Assange über die gesamte Zeit in einem ihn offenbar deprimierenden Gefängnis bleiben muss und nicht in einer gesünderen Umgebung leben kann, wird nicht gestellt. Ein Aufruf zu seiner sofortigen Freilassung hatte viele prominente Unterzeichner, die durchaus (noch einmal) die Kaution stellen können. Doch ist die Anhörung selbst schon seltsam genug: Ein für die USA auftretender Anwalt kann behaupten, dass Assange durch Veröffentlichungen bei Wikileaks Menschenleben riskiert habe, muss dies aber nicht beweisen. Und die Gegenseite macht eine Buchveröffentlichung von Journalisten für diesen Dammbruch verantwortlich. Vielleicht wird man ja herausfinden, dass der US-Anklage genau 6 Tage Jabber-Material fehlen und auf dieser Basis urteilen.

*** Er war einer der jungen brillanten Mathematiker, die im zweiten Weltkrieg für die britische Luftwaffe Rechenmodelle entwickelte, wie man möglichst effektiv Bombenteppiche über deutsche Städte legte, eine Matheaufgabe, für die er sich Zeit seines Lebens schämte. Ein Thema, das auch diese Wochenschau und meine Leser beschäftigte. Nun ist der Mathematiker und Physiker Freeman Dyson im Alter von 96 Jahren nach einem Unfall in der Cafeteria der Princeton University gestorben. Der nach Amerika ausgewanderte Brite schrieb mit dem Beweis der Äquivalenz der Feynmannschen Quantenelektrodynamik einen der berühmtesten mathematisch-physikalischen Aufsätze. Die Idee zu dem Beweis kam ihm, wie er schrieb, als er mit dem Greyhound-Bus durch die USA tourte.

*** Freeman Dyson hatte viele manchmal richtig abgefahrene Ideen: Als selbst erklärter Umweltschützer wollte er spezielle genetisch modifizierte Carbon-Bäume züchten, die effektiv die Luft säuberten. Mit seinem Sohn George versuchte er, in einem Baumhaus abseits der Zivilisation zu überleben. Als Weltraumpionier untersuchte er zunächst den Nuklearantrieb von Großraketen im Orion-Projekt und schlug dann vor, die Menschheit müsste sich in ausgehöhlten Kometen auf die Reise zu anderen Sternensystemen machen. Intelligentes Leben vermutete er auf Planeten, bei denen weit fortgeschrittene Zivilisationen mit einer selbst gebauten Schutzhülle ihren gesamten Energiebedarf von der jeweiligen Sonne bezogen. Seine letzte wissenschaftliche Veröffentlichung schrieb er im Alter von 88 Jahren über das Gefangenendilemma, seine Autobiographie "Maker of Patterns: An Autobiography Through Letters" schrieb er mit 95 basierend auf den Briefwechseln mit seinen Kindern Esther und George Dyson. "Wenn wir ins Universum hinausblicken und erkennen, wie viele Zufälle in Physik und Astronomie zu unserem Wohle zusammengearbeitet haben, dann scheint es fast, als habe das Universum in gewissem Sinne gewusst, dass wir kommen."

*** Aber natürlich gibt es in diesen schlimmen Zeiten auch gute Zeichen. Dass "There is no evil", ein Film unter anderem darüber, was autoritäre Regime mit den Menschen machen, den Goldenen Bären auf der 70. Berlinale gewonnen hat, ist ein solches. Auch an alle diejenigen hierzulande, die meinen, sich in die guten alten Zeiten zurücksehnen zu müssen.

Was wird.

Wohin wir auch kommen, wir leben jedenfalls in interessanten Zeiten. Mit einem Grundsatzurteil hat das Bundesverfassungsgericht die Menschenwürde gestärkt und mit dem Recht des Menschen auf selbstbestimmtes Sterben erweitert. Das ist ein großer Schritt für eine Gesellschaft, die sich frei macht von christlichen Frömmeleien und jenen Verboten, die Selbstmord mit dem Leben in der Hölle bestraften. Das Recht auf selbstbestimmtes Sterben ist als Akt autonomer Selbstbestimmung nicht auf das sichtbare Lebensende begrenzt. Die Hilfe soll nicht durch Ärzte erfolgen, sondern durch Sterbehilfe-Vereine. Deshalb müssen jetzt Mindeststandards für die Suizidhilfe beschlossen werden, damit kein Schindluder getrieben wird mit dem Exitus.

Ob in Deutschland ein neues Kapitel kollektiver Ethik geschrieben wird, ist noch nicht auszumachen, doch mit dem selbstbestimmten Sterben ist etwas in Gang gekommen, das über das Gerede von abend- und morgenländischen Werten und Religionen hinausgeht. Vielleicht kann man sich mit dieser erlangten Freiheit dem mörderischen Kapitel der Euthanasie widmen, so kurz vor all den Gedenkfeiern zum Todestag von Anne Frank.

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Was war. Was wird. Ein Virus kommt selten allein.
« Antwort #815 am: 08 März, 2020, 09:35 »
Dass die Besten jung sterben, ist auch so ein Quatsch-Satz, der nicht verschwinden will, grummelt Hal Faber, der wieder trauert. Und das nicht wegen Viren.

Wie immer möchte die Wochenschau von Hal Faber den Blick für die Details schärfen: Die sonntägliche Wochenschau ist Kommentar, Ausblick und Analyse. Sie ist Rück- wie Vorschau zugleich.

Was war.

*** Absagen über Absagen, soweit die Viren tragen. Manche Veranstaltungen wie die Hub.Berlin werden um ein Jahr verschoben, andere in den Sommer verlegt, weil der Virus Hitze nicht mag. So wird der CeBIT-Nachfolger Twenty2x im Juni darüber befinden, wie die digitale Zukunft des Mittelstandes aussieht.

Geschäftsreisen fallen aus und werden durch Videokonferenzen ersetzt, deren große Stunde bei der Digitalisierung des Ruhestandes schlägt: Weil der Besuch in Altersheimen und Wohnstiften die dort lebenden Menschen besonders gefährdet, wird das Skypen zum wichtigsten Kommunikationsmittel für Omas und Opas. Mit Hilfe von Googles Hangout und Slack haben sie bei Twitter eine Vollversammlung abgehalten, die erfolgreich verlaufen sein soll. Glückliche USA, die ein Naturtalent als Präsidenten haben, was das Verständnis von Viren anbelangt. Fehlt nur noch, dass er seine Golfclubs als Quarantänestationen bezeichnet, auf denen sich die amerikanischen Oligarchen vor der drohenden Epidemie zurückziehen können.

*** Für die Armen ist die notwendige Quarantäne eine harsche ökonomische Bedrohung. Insofern ist die Aktion von Microsoft erwähnenswert, auch an die wenig verdienenden Mitarbeiter zu denken, die in der Infrastruktur des Unternehmens arbeiten und ohne Arbeit leer ausgehen würden. Ohnehin wird das Coronavirus zum Lackmustest für eine solidarische Gesellschaft. Auch bei SAP im saarländischen Sankt Ingbert, wo die Zentrale und die Kantine schließen musste, gibt es ähnliche Maßnahmen, obwohl das deutsche Arbeitsrecht in diesen Fällen ganz anders gestaltet ist.

*** Was nicht ausfällt oder abgesagt wird, sind Bundesligaspiele. Selbst im Rheinland neben der "Virus-Hauptstadt" Heinsberg geht es weiter, obwohl der oberste Aufklärer der Nation davor gewarnt und eine Absage des Spiels gefordert hat. In Deutschland wird gekickt, basta, in Deutschland haben Fläschchen mit Desinfektionsmitteln sogar Stadionverbot und werden von den Ordnern in den Müll geworfen. Der Deutsche Fußballmännerbund (nur 1 Frau im Vorstand, soviel zum Frauentag heute) postiert sich gegen den Antihoppismus, von einer Ansteckungsgefahr durch ein Virus an der frischen Luft will er nichts wissen. The Show must go on sang schon Freddie Mercury, bevor ein Virus seinem Leben ein Ende setzte.

*** "Auch wen das Entsetzen packt vor Informationstechnologien und ihren Möglichkeiten, unsere Lebensformen von Grund auf zu ändern, die Entfremdung des Menschen von sich und seinesgleichen voranzutreiben – der sollte im Kampf um Kontrollen nicht resignieren. Nichts wäre gefährlicher, als wenn eine ganze Generation die konkreten Kämpfe um Datenkontrolle nicht mehr wahrnimmt, weil sie eh glaubt, nur der völlige Ausstieg verspreche Hilfe, und weil sie schon nicht mehr unterscheidet zwischen dem, der mit Computern umzugehen gelernt hat, um ihre Anwendungen zu kontrollieren -- oder dem, der über den Gaukeleien des technisch Möglichen sich selbst, seine Umwelt und die demokratische Verfassung dieses Landes vergisst."
Das schrieb Freimut Duve im August 1982 im Vorwort von "Schöne elektronische Welt", einem Buch aus seiner rororo-aktuell Reihe "Technologie und Politik". Mit dieser Reihe beeinflusste Duve so manche Debatte, sie begann mit der "Kritik des Industriesystems", fragte nach der "Zukunft der Arbeit", nach dem Zusammenhang von "Energie und Arbeitsplätze", mehrfach nach alternativen Energien und diskutierte ein "Leben ohne Vollbeschäftigung" mit einem Grundeinkommen. Im besagten Computerbuch von 1982 kamen Kritiker wie Joseph Weizenbaum zu Worte, aber auch Befürworter wie das legendäre Kollektiv Wuseltronick, das Wumm und Wuwickel erfand. Nun ist Freimut Duve im Alter von 83 Jahren gestorben.

*** Ach, und als wär das alles nicht genug, ist auch wieder einer der Großen der Musik von uns gegangen. McCoy Tyner war wohl einer der wichtigsten Pianisten des Jazz. Wegweisend sein Spiel in John Coltranes legendärem Quartett, mit dem Coltrane mit McCoy Tyner, Jimmy Garrison und Elvin Jones legendäre Aufnahmen wie "A Love Supreme" produzierte, die ganz nah an die Grenze zum Free Jazz heranrückten, die dann Coltrane mit "Ascension" und ebenfalls unter Mitwirkung von Tyner, Garrison und Jones (unter anderen) überschritt. Aber auch Solo oder im eigenen Trio hatte Tyner immer wieder richtungsweisendes zu Gehör zu bringen.

*** Nun gut, es mag Wichtigeres als Musik geben, auch wenn sie mir schon als unverzichtbarer Bestandteil meines Lebens erscheint. Aber es gibt natürlich daneben einiges zu bedenken, um es mal so vorsichtig zu formulieren: "Es gibt die private wie staatliche Sucht nach Erfassung von Personendaten, zwecklos, ziellos. Noch stehen ihr die Sehnsucht nach Lebensformen entgegen, ohne den Verfall der Identität, ohne die Aushöhlung der Demokratie. Noch! Dieser Band zeigt, wie das Netz an Informationstechnologien den Menschen zu ändern vermag. Die große elektronische Entpolitisierung der Bürger könnte die Demokratie wirksamer beschädigen als die Kompetenzüberschreitung der Exekutive: Plötzlich könnte es solche Menschen nicht mehr geben, die aufbegehren, wenn sie überwacht werden."
Wie das mit der Aushöhlung der Demokratie im Jahr 2020 aussieht, wurde dieser Tage wieder einmal deutlich. Da plant der Westdeutsche (!) Rundfunk für den kommenden Mittwoch eine Talkshow in Erfurt und lädt Suleman Malik ein, der sich dort für den Bau einer Moschee engagiert. Kurze Zeit später erfolgt die Ausladung von Malik, damit der AfD-Poltiker Tino Chrupalla bei Maischberger zu Worte kommen kann. Das wohl aus Gründen der Aktualität, denn Chrupalla passierte das Schlimmste, was einem Alternativdeutschen widerfahren kann: Sein Auto brannte aus, mutmaßlich infolge einer Brandstiftung. So wird, nur kurz nach den Morden von Hanau, die Demokratie gerempelt, mit einer AfD, die über Hanau im Bundestag lästert. Moderatorin Maischberger mag ein Vorbild für die Sprachgemeinschaft sein, doch ihr Satz dazu ist ein verrenktes Eingeständnis der Hilflosigkeit angesichts einer Partei, die diese Demokratie erklärtermaßen vorführen will: "Vertreter der AfD generell nicht mehr einladen zu wollen, lässt sich in unserer Demokratie nicht begründen."

*** Die Woche begann übrigens mit dem 14. Integrationsgipfel der Bundesregierung, auf der NAPI verabschiedet wurde, mal ein anderes Akronym. Es steht für Phase I des "Nationalen Aktionsplan Integration" mit dem leicht irreführenden Hashtag #VieleChancen, der an die Fußballerei erinnert. Die 20,8 Millionen Bürger mit Migrationshintergrund können nicht gemeint sein, sie erfahren vielfältige Formen der Ausgrenzung. Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach den schönen Satz: "Wir sind alle Gesellschaft." Ex-Fotomodell Sara Nuru, mit ihren Mikrokrediten für Frauen in Äthiopien ist sie Star der heutigen Frauen-taz, beeindruckt mit Sätzen, die weit über einen Aktionsplan hinausreichen: "Wohin gehöre ich? Bin ich Deutsche oder Afrikanerin? Gerade Menschen mit Migrationshintergrund müssen sich ständig solchen Fragen stellen. Doch muss ich mich entscheiden?" Und in Griechenland gibt es eine Grenze, an der die Nächsten warten.

Was wird.

Ist einmal der Virus eingedämmt und das Toilettenpapier wieder im Überfluss zu haben, leben wir gesund und munter weiter. Mit der Gesundheitskarte, die mächtig aufgepeppt wird. Auch die Patientenakte, die mit all den Akten-Apps der Krankenkassen kommt, ist mit dabei, ein Segen, den 250.000 Mitglieder der TK bereits heute genießen. Andere haben es noch besser. Da ist z.B. die Hanseatische Krankenkasse, die die Versorgung ihrer Versicherten auf eine Service-App umgestellt hat. Was man sich zuvor herunterladen und ausdrucken konnte, wird jetzt über das moderne Kundenzentrum besorgt. Aus der Anfrage von besorgten Versicherten ist ein Thread entstanden, der die Bevölkerung verunsichern könnte. Darf man so mit Gesundheitsdaten umgehen? Man darf.

In den nächsten Tagen wird viel von der strukturellen IT-Krise die Rede sein, die Deutschland wie ein Coronavirus befallen hat. Man merkt es schon an den Artikeln über die heroischen Hacker, die Firmen helfen, ihre verkorkste IT-Infrastruktur abzusichern. Was das alles mit unserer Gesundheit/Krankheit zu tun hat, ist ganz einfach: Minister Jens Spahn hat die guten Hacker eingeladen, das nunmehr ihm unterstehende Projekt auf Herz und Nieren zu prüfen. Diese fühlten sich am Kopf gestoßen. Es geht voran, sangen einstmals die Fehlfarben. Tralala.

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Was war. Was wird. Hamstert Hölderlin!
« Antwort #816 am: 15 März, 2020, 08:58 »
Ja, diese Ausländer, jetzt kommen sie schon als Viren über die Grenze! Es gibt nichts Dummes, was manche Leute nicht in die Welt setzen würden, klagt Hal Faber.

Wie immer möchte die Wochenschau von Hal Faber den Blick für die Details schärfen: Die sonntägliche Wochenschau ist Kommentar, Ausblick und Analyse. Sie ist Rück- wie Vorschau zugleich.

Was war.

*** "Wir hatten in jenen Tagen nicht so etwas wie gedruckte Zeitungen, um Gerüchte zu verbreiten und über Dinge zu berichten, damit sie durch Erfindungen der Menschheit verbessert werden konnten, wie es der Fall ist, seit ich lebe." So beginnt der zweite Absatz der großen Reportage von Daniel Defoe über die Große Pest von London. Das Tagebuch der Pest, wie es im großen Internet Archive verwahrt wird, ist ein Lehrstück über den Wert von Nachrichten, über die Geschwindigkeit der Nachrichtenproduktion und die Rolle der aufgeklärten Obrigkeit bei der Verhängung von Quarantäne. Defoe arbeitete 1720 als Journalist in London, wo er nach der Aufhebung der Pressezensur im Jahre 1690 eine lesehungriges, sehr gut informiertes Publikum hatte, das seine Artikel schätzte. Er reagierte auf seine Weise auf die Nachricht, dass in Marseille die Pest ausgebrochen war und schrieb zahlreiche Artikel, in denen er den "Quarantine Act" der britischen Regierung verteidigte. England sollte geschützt werden, in dem allen Schiffen das Einlaufen in Häfen untersagt wurde, die aus Ländern kamen, in denen die Pest gemeldet worden war. Damit diese Maßnahme greifen konnte, mussten die Nachrichten schneller als die Schiffe die Insel erreichen und in der Zeitung schnellstens und weitreichend verbreitet werden. Der Journalist Defoe beließ es nicht dabei, für die Quarantäne zu werben und vor der Pest zu warnen. Eine Serie von Artikeln "Due Preparations for the Plague, as well for Soul and Body" folgten, in denen Ratschläge für das Lüften von Wohnungen gibt. Auch den guten Rat, große Ansammlungen zu vermeiden, kann man bei Defoe finden.

** Mit seinem Tagebuch der Pest greift Daniel Defoe zu einem Trick. Als Daniel Foe war er zur Zeit der große Pest als Kleinkind aufs Land gebracht worden und so schreibt er als Henry Foe seine Reportage von der Pest, als sei er mittendrin gewesen im großen Sterben. Der Seuchen-Reporter wollte mit der detailfreudigen Schilderung der Pest seine Leser vor der trügerischen Gewissheit warnen, man sei gerüstet, der Pest zu entgehen. Ein Staat mag robust genug sein, drastische Maßnahmen wie die Quarantäne zu verhängen, doch richtig antifragil kann er nicht sein. Es ist kein Zufall, wenn das Frontispiz von Hobbes' Leviathan eine leere Stadt zeigt, in der nur zwei Pestärzte mit ihren Schnabelmasken vor einer Kirche zu sehen sind. Staatliche Politik ist immer Biopolitik. In diesen Tagen merkt man es nicht nur am britischen Sonderweg, über den ein Daniel Defoe sicher entsetzt wäre. Aus Furcht vor einer angenommenen "Müdigkeit" der Bevölkerung setzt man dort auf die Wirkung einer künftigen Herdenimmunität, frei nach der Erkenntnis von Lems Roman Der Schnupfen: ""Solche Dinge passieren eben auf unserer Welt. Die Menschheit hat sich so vermehrt und verdichtet, dass atomare Gesetze sie zu lenken beginnen."

*** Man merkt die Biopolitik auch daran, wie über die erfolgreiche Coronavirus-Bekämpfung in Taiwan berichtet wird, nämlich fast gar nicht. Dabei gehörte Taiwan im Jahr 2003 zu den am schwersten betroffenen Ländern, als der SARS-Virus das Land erreichte. Gleich drei zentrale Behörden wurden gegründet, die am 31. Dezember sofort ihre Arbeit aufnahmen. Die positiv getesteten Personen wurden übrigens über ihre Mobiltelefone ständig überwacht, ob sie die Quarantäne-Auflagen einhielten, sofern sie nicht in Krankenhäuser verlegt wurden. Stattdessen gibt es Lobeshymnen auf das Festland. Dort, wo das Virus herstammen soll, leben offenbar komische Tiere und noch komischere Menschen. Eine solche Betrachtung ist beliebt, doch schwachsinnig, denn sie verkennt, welchen Einfluss der Mensch und seine Umweltpolitik auf die Habitate hat. Man muss halt alles im Kontext sehen. Und erkennen, dass es auch eine soziale Ansteckung gibt, mit einer Historie, die Entstehung von Krankheiten noch unter ganz anderen Aspekten verdeutlicht.

*** Wir sind eine Welt in einer von Menschen gemachten Welt, das kann man als Antwort auf den scheidenden Donald Trump schon singen, der den Unsinn von einem "ausländischen Virus" in Kameras brabbelte. Vielleicht klingt es nicht ganz so schön wie die Gesänge der Menschen in Italien, aber eben echt. Oder wie wäre es mit dem klassischen deutschen Durchhaltelied schlechthin, wie es nach Forschungen von Musikwissenschaftlern tief im kollektiven Bürgergedächtnis verankert sein soll? Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern soll angeblich die Nummer 1 sein. Keine Angst, Rosemarie, was in der Welt passiert, ist alles halb so schlimm, auch wenn die nächste Whisky-Bar geschlossen hat. Ja, harte Sachen taugen nicht nur zur Desinfektion, sondern sind nötig, wenn eine Mehrheit der Bürger glaubt, mit der Lockerung des Datenschutzes und einer Ausweitung der Vorratsdatenspeicherung den Virus bekämpfen zu können. Dazu passt es, es, wenn Gesundheitspolitiker wie Karl Lauterbach oder Jens Spahn umstandslos von Gefährdern oder Gefährdungslagen sprechen.

Was wird.

Vor nunmehr 80 Jahren begannen die ersten "Bomben" damit, die verschlüsselten Funksprüche der deutschen Wehrmacht zu entschlüsseln. Das klappte nach einigen Verbesserungen und half dabei, den Krieg abzukürzen. Ob man so weit bis zur Aussage gehen kann, das ohne die Entschlüsselungen die Atombombe auf Deutschland gefallen wäre, ist eine schwierige Frage, die sich bei der Vorbereitung der Feiern zum 75. Jahrestag des Kriegsendes stellt – falls überhaupt im Mai gefeiert werden kann. Eigentlich sollte der Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus mit Großveranstaltungen am Feiertag begangen werden, die allesamt noch in den Veranstaltungskalendern aufgeführt sind, während Megatreffen wie die re:publica bereits verschoben sind. Nun lässt sich ein historischer Feiertag nicht so einfach in den Sommer hinein verschieben wie eine Versammlung schwitzender Netizens, doch stellt sich die Frage, was passieren soll und dem Tag angemessen ist. Nur in Russland stellt sie sich nicht, denn dort ist die größte Militärparade alle Zeiten unter dem ewigen Putin geplant. Mit aktuell 47 Infizierten und keinem Todesfall steht man bestens da – in der Statistik.

In Quarantäne lässt es sich bekanntlich mit guten Büchern aushalten, wie es #bücherhamstern ja beweist.

Mit vielen Terminen in Laufen, Tübingen und Marbach gehört auch Hölderlins 250. Geburtstag am kommenden Freitag zu den ausgefallenen Jahrestagen. Traurig klirren die Fahnen, und die Gedichte werden auf Facebook gestreamt.

"Du räumst dem Staate denn doch zu viel Gewalt ein. Er darf nicht fordern, was er nicht erzwingen kann. Was aber die Liebe giebt und der Geist, das lässt sich nicht erzwingen. Das lass’ er unangetastet, oder man nehme sein Gesez und schlag’ es an den Pranger! Beim Himmel! der weiss nicht, was er sündigt, der den Staat zur Sittenschule machen will. Immerhin hat das den Staat zur Hölle gemacht, dass ihn der Mensch zu seinem Himmel machen wollte.
Dann, wann die Lieblingin der Zeit, die jüngste, schönste Tochter der Zeit, die neue Kirche, hervorgehn wird aus diesen beflekten veralteten Formen, wann das erwachte Gefühl des Göttlichen dem Menschen seine Gottheit, und seiner Brust die schöne Jugend wiederbringen wird, wann - ich kann sie nicht verkünden, denn ich ahne sie kaum, aber sie kömmt gewiss, gewiss. Der Tod ist ein Bote des Lebens, und dass wir jezt schlafen in unsern Krankenhäusern, diess zeugt vom nahen gesunden Erwachen. Dann, dann erst sind wir, dann ist das Element der Geister gefunden!"

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Was war. Was wird. Eine Verschwörung kommt selten allein.
« Antwort #817 am: 22 März, 2020, 10:21 »
Zonen der Unbestimmtheit? Der große Verdacht: ein automatischer Reflex, nicht nur von Verschwörungstheoretikern, die fröhliche Urständ feiern, zetert Hal Faber

Wie immer möchte die Wochenschau von Hal Faber den Blick für die Details schärfen: Die sonntägliche Wochenschau ist Kommentar, Ausblick und Analyse. Sie ist Rück- wie Vorschau zugleich.

Was war.

*** Was unterscheidet eine Ausgangssperre von der Schaffung einer Zone der Unbestimmtheit? In einer solchen Zone leben wir jetzt, wenn man dem italienischen Philosophen Giorgio Agamben glaubt, der eine sich ausweitende Zone der Rechtlosigkeit inmitten eines formal gültigen Rechtssystems sieht. Er sieht ein wölfisches System, in dem es nur noch um das nackte Überleben geht, das je nach Land eine teure Sache ist: In den USA soll ein nicht versicherter Mensch nach seiner Genesung 34.927,43 Dollar für die Behandlung zahlen. Für seine Sätze erntet Agamben heftige Kritik von seinem Genossen Slavoj Žižek, der die reflexhafte Reaktion von Linken kritisiert, hinter jedem Ausnahmezustand eine Reaktion "der Machthaber" zu sehen, denen die soziale Kontrolle entgleitet. Leider haben beide Großdenker die durchaus vernünftige Fernsehansprache unserer Bundeskanzlerin nicht gesehen, die einige Worte zur Demokratie in Zeiten der Corona-Krise parat hatte, freilich ohne das Wort von der Ausgangssperre in den Mund zu nehmen. Dafür wurde wiederum Merkel in Deutschland kritisiert, im Ausland dort gelobt, wo man nur das Gelaber von Trump zum "Chinese Virus" kennt und seine ärztlichen Ratschläge für seriös hält.

*** So leben wir in Zeiten, in denen wir – auch das ist Merkelisch – "soziale Distanz" von einer Tapirlänge halten sollen, womit eigentlich eine räumliche Distanz gemeint ist. Denn sozial sollen wir ja mehr denn je zusammenhalten; und das vor wenigen Wochen noch oft allzu häufig gehörte Gejammer über die schlimmen Jugendlichen, die sich nur noch virtuell treffen, ist gänzlich verstummt. Außerdem sollen wir und nicht einfach ein Auto aufbrechen, wenn ein paar Rollen Toilettenpapier auf dem Rücksitz liegen. Wir leben in Zeiten, in denen wir uns sorgfältig informieren sollen, in denen aber die Infodemie fröhliche Urständ feiert. Man könnte meinen, dass die Menschheit nichts aus der furchtbaren Toilettenpapierkrise von 1973 gelernt hat.

*** Die fröhliche Wiederauferstehung der Gerüchteküche begleitet diese kleine Wochenschau, in dem sie sich heute dem großen F widmet, dem F wie Fake News und den Ferschwörungstheorien. Da gibt es bekannte V-Theoretiker wie Alex Jones, die große Verschwörungen kennen und gleichzeitig die von ihnen vertriebene Zahnpasta preisen, die den Coronavirus aus dem Rachen spült. Die Fake News starten mit Orson Welles, der Bilder seiner Lebensgefährtin Oja Kodar mit denen von Raumschiffen verschnitt, die 1956 im Science-Fiction-Film "Fliegende Untertassen greifen an" ("Earth vs. the Flying Saucers") das erste Mal auf der Leinwand auftauchten. Bekanntlich inszenierte Orson Welles 1938 das Hörspiel War of the Worlds im US-amerikanischen Radio, was dazu führte, dass Marsianer das Hörspiel mithörten und sich schleunigst auf den Weg machten, um die Erde zu überfallen. In Spaced Invaders kehren die Marsianer am Ende heim, aber das ist ja auch nur ein Film.

*** Womit wir doch wieder bei der Ausgangssperre sind, denn die gab es vor 125 Jahren nicht, als ein historisches Ereignis stattfand: Am 22. März 1895 wurde die erste Publikums-Projektion eines Films gezeigt, "Das Tor der Lumière-Fabrik in Lyon". Bis zum ersten Science-Fiction-Film Reise zum Mond dauerte es noch etwas.

*** Auffallend viele Verschwörungstheorien haben damit zu tun, dass die Außerirdischen längst unter uns leben, seien sie nun Marsianer oder die dreiäugigen Lebewesen vom Sirius. Diese sollen nach einer V-Theorie zunächst fischartig in unserem Gewässern gelebt haben, ehe sie sich mit dem Stamm Benjamin der Israeliten paarten und so das Geschlecht der Merowinger bildeten, das bis heute die Welt regiert. Das behauptete jedenfalls Gérard de Sède in seinen Büchern über Rennes-le-Chateau und die Maria-Magdalena-Kirche. Heute sind diese geheimen Herrscher, die die Welt regieren, als Bilderberger bekannt. Ihre wichtigste Aufgabe ist die Desinformation über eine zweite Erde, die Gegenerde, die genau hinter der Sonne steht. In einer anderen Variante ist unsere olle Erde hohl und wird von vier Meter hohen Siriussen bewohnt, die vegetarisch leben. Sicher kommt bald eine Variante der Verschwörungstheorie, die COVID-19 als Bestandteil der Herrschaft dieser Wesen aufgreift.

*** Es geht freilich auch ganz ohne Aliens. Man denke nur an die Testreihen und Experimente im Gefängnis von Holmesburg, über die etliche Theorien im Umlauf sind, an die Operation Sea-Spray in der Bucht von San Francisco oder an die Malaria-Studie von 1940, die im Nürnberger Ärzteprozess eine Rolle spielte. Über all diese Vorfälle gibt es Verschwörungstheorien, auch zu den Einsätzen chemischer und biologischer Waffen im Korea- und Vietnamkrieg, um von laufenden Kriegen ganz zu schweigen.

*** Das Konzept der technologischen Souveränität ist in dieser kleinen Wochenschau des Öfteren ein Thema gewesen. Zeit also, mal das Konzept der Entsouveränisierung vorzustellen, das der V-Theoretiker Buckminster Fuller als Desovereignization entwickelte. Seiner Ansicht nach kontrollieren die geheimen Großen Piraten seit der Bronzezeit, was auf der Erde passiert. Dank des bald die ganze Welt umspannenden Internet, so befand Fuller kurz vor seinem Tod im Jahre 1983, übernehmen die Computer die Kontrolle. Die Großen Piraten können nicht mehr regieren, weil die Macht in das Internet als dezentralisierte Gehirn der Menschen übergeht, mit schnellen algorithmischen Entscheidungsprozessen und mit direkter elektronischer Demokratie. Seine Zukunftsvision unserer Gegenwart:
"Nie zuvor waren die Ungerechtigkeiten und die Wucht einer gedankenlosen Geldmacht so offensichtlich für eine solch gewaltig große Menge gebildeter, kompetenter und konstruktiv denkender Menschen auf der ganzen Welt. Bald wird ein kritischer Moment erreicht sein, in dem die Intuition der verantwortungsgeleiteten Mehrheit, im Gegensatz zu zornigen Maschinenstürmern und rächenden Robin Hoods, angesichts einer umfassenden funktionalen Diskontinuität des nationalen techno-ökonomischen Systems nach weltweiter Reorientierung unserer planetarischen Affären ruft und diese durchsetzt."

Was wird.

Doch wer Visionen hat, benötigt bekanntlich einen Arzt. Nichts ist passiert von dem, was Fuller sich erhoffte und erträumte. Wir leben bekanntlich in Neuland, einer Gegend, die uns sehr vertraut ist, in der es aber unendlich viel zu entdecken gilt. In diesem Neuland kann man twittern, aber auch schwafeln: "Die Grenzen zwischen digitaler und analoger Realität lösen sich in der Digitalität immer mehr auf, Verhaltensmuster aus der Netzwelt formen unser Miteinander." Das ist Thema einer Ausstellung im Frankfurter Museum für Kommunikation, die am Mittwoch beginnt und wegen der Corona-Pandemie nur in einer digitalen Sneak-Preview betreten werden kann. So klickt man sich auf der Couch oder im Home-Office durch eine "netzpolitische Steppe" bis hin zum "Big Data Jungle" und kichert erschröcklich über die "gewaltsame Revolution, die vertraute Werte und Normen durcheinanderwirbelt." So was aber auch.

Was ist eigentlich noch nicht abgesagt in der realen Welt, die auf die Betten in den Intensivstationen schaut und auf die platte Kurve hofft, bis sich eine gewisse Immunität gebildet hat? Genau, die olympischen Spiele soll es geben, drüben in Japan. Daran hält das IOC fest, als wäre Japan auf der Gegenerde.

Es geht um das viele gute Geld, um Medienrechte und Sponsorengelder, nicht um den Spocht und schon gar nicht um die Athleten, die eigentlich jetzt trainieren müssten auf den verbotenen Sportplätzen. Die Flamme ist in Tokio angekommen und brennt, freut sich Thomas Bach und faselt davon, dass man nicht den "Traum der Athleten" zerstören dürfe. Die nächsten Spiele finden dann in Italien statt, wo ganz andere Träume platzen.

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Was war. Was wird. Vom neuen Überwachungsstaat.
« Antwort #818 am: 29 März, 2020, 10:48 »
Die Geschichtsschreibung der Historiker in tausend Jahren über die Coronakrise würde Hal Faber gerne lesen. Vielleicht, aber nur vielleicht brächte sie Trost.

Wie immer möchte die Wochenschau von Hal Faber den Blick für die Details schärfen: Die sonntägliche Wochenschau ist Kommentar, Ausblick und Analyse. Sie ist Rück- wie Vorschau zugleich.

Was war.

*** Eine Krise ist immer auch eine Chance, doch diesmal haben wir sie verpasst, und das auch noch im großen Stil: Derzeit macht ein Bild der Nachrichtenagentur dpa die Runde, dass den "Macher" Heiko Maas vor einer Wandtafel zeigt, über der Uhren die Zeiten in verschiedenen Zonen der Erde anzeigen. Auf der Tafel sind alle Länder aufgeführt, in denen sich noch deutsche Bürger aufhalten, von 36.000 in Ägypten bis 80 in der Republik Togo. Was fehlt, ist eine Tafel mit Zahlen zu den Menschen, die an Europas Grenzen festhängen. Sollte sich dort das Coronavirus im großen Stil verbreiten, so wird man den Außen- und Rückführungsminister Maas fragen können, warum keine Hilfe erfolgte. So ist die Situation pervers verdreht: Sein Ministerium warnt dringend vor Reisen in den Iran, während die Bundesregierung Privatjets chartert, um abgelehnte Asylbewerber dorthin zu fliegen. In Tausenden von Jahren ist es vielleicht egal, wenn von der Coronakrise nur eine vage Erzählung übrig geblieben ist, wie die Aussätzigen an der Grenze des Reiches lebten und dann in ein anderes Land mit neuen Göttern zogen. Doch heute ist es ein anderes Signal, wie Europa sich abschottet. Dazu kommt noch das finanzielle Äquivalent von "Schotten dicht": Die reichen Länder wie Deutschland lehnen die Eurobonds ab, die Ländern wie Italien helfen können, wieder Tritt zu fassen. Es ist ein Trauerspiel.

*** Was sich noch in der Krise zeigt, kann man in der hübschen Grafik finden, die vom tazgezwitscher über Twitter verbreitet wurde. Den deutschen Föderalismus in Ehren zu halten, das haben die Bundesländer mit ihren Verordnungen und Allgemeinverfügungen doch großartig geschafft. Meckpomm und das Saarland schreiben 2 Meter Mindestabstand vor, woanders reichen 1,5 Meter. In Sachsen und Bayern ist alles verboten und mit Bußgeld verknüpft, nur seinen Personalausweis, den darf man zu Hause lassen. In Berlin muss er mitgeführt werden, allerdings wird hier auch der Presseausweis akzeptiert bzw. reicht offenbar aus, um aus "triftigem Grund" draußen zu sein. Das Sitzen auf der Parkbank ist untersagt, nur kurzzeitiges Pausieren ist erlaubt. Zur sozialen Distanz ist besonders in Bayern die soziale Isolation gekommen, denn "Kontakte zu Menschen außerhalb des eigenen Hausstandes" müssen auf ein absolut nötiges Minimum reduziert werden. Der Staat mischt sich jetzt ein in das, was früher einmal privat war. Nur in Hamburg wird die Sache mit dem Lebenspartner noch etwas lockerer gesehen. Dort darf man sich in "Begleitung der Personen, die in derselben Wohnung leben" draußen sehen lassen und kann "mit einer weiteren Person, die nicht in derselben Wohnung lebt", ein Treffen verabreden.

*** Viel ist in diesen Tagen darüber diskutiert worden, was im neuen Überwachungsstaat im Jahr 1 n.Cor. mit den Telefondaten passieren darf. Bekanntlich lehnte die Justizministerin die Handyortung ab, während andere Politiker den digitalen Handschlag verfolgen wollen, weil er dank der Standortdaten Infektionsketten abbilden könnte. Was den dabei diskutierten Datenschutz anbelangt, so ist er selbst in den Augen von Datenschützern nachrangig "weil man so Aufschluss bekommt, ob und wie sich Bewegungsströme der Gesellschaft mit den Eindämmungsmaßnahmen verändern". Noch umfassender argumentieren IT-Fachleute auf der moralischen Ebene, wenn sie im Datenschutz ein ausgesprochen niederes Gut gegenüber dem Schutz des Lebens sehen. Wahrscheinlich sehen nur die kritischen Juristen die Probleme, die sich im neuen Überwachungsstaat mit seinen ausgeweiteten Befugnissen und Verboten ergeben, während die parlamentarische Demokratie in Quarantäne geschickt wird. Irgendwo muss ja die Vorstellung herkommen, dass an den Grundrechten so ein handlicher Kippschalter angebracht ist, mit dem sie ein- und ausgeschaltet werden können. Der Rest ist schon Geschichte.

*** Was aus dieser Argumentationskette mit den Daten von Infektionsketten folgen kann, zeigt sich in Großbritannien. Dort, wo statt Klopapier die Eier knapp geworden sind, weil Kartons fehlen, geht es mit einer ganz besonderen Informationskette weiter. Dort steht die mit ihrer formidablen Überwachungstechnik werbende Firma Palantir bereit, zusammen mit Amazon und Microsoft die eingehenden Anrufe beim medizinischen Dienst NHS auch inhaltlich auszuwerten und mit weiteren Daten zu verknüpfen. Mit dabei ist Faculty AI, die Firma, die mit künstlicher Intelligenz nach terroristischen Inhalten im Internet sucht. Ob alle Daten dabei helfen, den maroden und ziemlich unvorbereiteten NHS besser durch die Krise zu steuern, wird sich zeigen. Der Vergleich mit dem staatlichen Gesundheitssystem im Stadtstaat Singapur ist absurd, obwohl dort das Gesundheitssystem zunächst ganz nach britischem Vorbild aufgebaut wurde. Mit Medisave, Medishield, Eldershield und Medifund hat Singapur längst drei zusätzliche Sicherungssysteme, in die Beschäftigte wie Rentner einzahlen müssen. Und was wäre eine asiatische Antwort ohne den passenden Song? Die vielzitierte App TraceTogether, die Personen in Quarantäne dazu zwingt, Bildbeweise von ihrem Aufenthalt in der Wohnung zu schicken, ist wissenschaftlich untersucht worden. Das Fazit: Der Schutz von Daten der Anwender vor anderweitiger Nutzung ist zwar gegeben, doch der staatliche Zugriff auf diese Daten kennt keine Grenzen. Du aber räumst dem Staat zuviel Macht ein, das war mal Hölderlin. Heute sind wir weiter.

*** In London, wo der politische Emigrant und Kapitalismus-Erforscher Karl Marx nur knapp einer Cholera-Epidemie entkam, muss Wikileaks-Gründer Julian Assange weiterhin im Gefängnis Belmarsh auf den Fortgang seines Auslieferungsverfahrens warten. Unter der Woche gab es nur eine kurze Verhandlung zu organisatorischen Fragen, bei der sein Anwalt einen Antrag auf GPS-überwachten Hausarrest stellte, abgesichert durch eine Kaution. Begründet war der Antrag mit der Gefahr, dass sich in Belmarsh der Coronavirus verbreiten und den gesundheitlich angeschlagenen Australier bedrohen könnte. Die Richterin lehnte den Antrag unter Verweis auf Assanges Flucht im Jahre 2012 ab und sprach davon, dass Belmarsh virenfrei sei. So liegt es jetzt am erkranken Premierminister Boris Johnson, einen Schlussstrich unter die Farce zu ziehen: Wer glaubt, dass Mitte Mai das Verfahren regulär mit der Befragung ausländischer Zeugen weitergehen kann, glaubt sicher auch an die Wunderwirkung blauer M&Ms. Möglicherweise kommt es zu einer Situation wie mit der "Corona-Regel" von deutschen Gerichten: Bei uns können ab sofort Hauptverhandlungen für 3 Monate statt für 3 Wochen ausgesetzt werden. Dann dürfte die Causa Assange frühestens im September verhandelt werden.

Was wird.

Wie seinerzeit vor und nach der Geburt von Jesus Christus wird sich die Welt in vor und nach dem Coronavirus aufteilen. Man denke nur an die Debatten über die heute Nacht anstehende Umstellung auf die Sommerzeit, mit allen kleinen Aufregern – und vergleiche das mit der Debatte über die "Lockerung der Corona-Regeln". Nein, dieser Ausnahmezustand geht nicht einfach vorüber, denn der neue Überwachungsstaat will erst einmal all seine Instrumente testen. Bald werden wir netflixbetäubt die ersten Filme nach Corona sehen, so wie wir heute bereits etwas fremdelnd Geschichten anschauen, in denen Leute sich umarmen und quatschend zusammenstehen. Wo man sich mit "machs gut" verabschiedete statt mit diesem "Bleiben Sie gesund".

Die schlappe Summe von 1 Milliarde US-Dollar soll der US-Konzern General Motors am Donnerstag vorab von der US-amerikanischen Regierung verlangt haben, ehe er in Kooperation mit Ventec Life Systems die Produktion von Beatmungsgeräten der Marke Vocsm aufnimmt. Auf diese Art der Vorkasse muss US-Präsident Donald Trump gereizt reagiert haben und so erklärte er, dass beide Firmen unter das Kriegswirtschaftsgesetz fallen und damit das aus 700 Einzelteilen bestehende Gerät massenhaft produzieren müssen. Anschließend ließ er sich als der Chef-Durchblicker in der Coronakrise feiern, was sicher ein Fake ist, denn nur Christian "ChucK" Lindner weiß über alles Bescheid, was jetzt zu tun ist.

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Was war. Was wird. Von guten Leben in faktischer Quarantäne.
« Antwort #819 am: 05 April, 2020, 08:30 »
#WasKommtDanach, das wird der Hashtag des Jahers, befürchtet Hal Faber. Wobei: Die drängenden Fragen unserer Zukunft haben sich doch gar nicht verändert?

Wie immer möchte die Wochenschau von Hal Faber den Blick für die Details schärfen: Die sonntägliche Wochenschau ist Kommentar, Ausblick und Analyse. Sie ist Rück- wie Vorschau zugleich.

Was war.

*** Uns geht es gut. Vor dem Bildschirm haben wir schon immer gesessen, daran hat sich nichts verändert. Jetzt sitzen wir halt noch mehr davor und lesen in den Zeitungen, die in der Coronakrise ihre Zahlschranken abgebaut haben, von der Denkschlampigkeit der 68er und dem kommenden Vorsorgestaat, der "nach Corona" als neuer europäischer Staat aufgebaut werden muss. Das jedenfalls meint Joschka Fischer, der alte Jogger. Immerhin: "DieFrageist:Waskommtdanach" hat das Zeug zu einem Hashtag. Denn das, was in härterer Form als die einer Pandemie kommt, ist der Klimawandel. Da reicht es nicht aus mit den 1,50 Metern Sozialdistanzabstand. Mit seinem Buch "Willkommen im 21. Jahrhundert" weist Fischer auf Deutschlands Verantwortung für Europas Aufbruch hin und lässt keinen Zweifel daran, dass die digitale Souveränität eine zentrale Frage ist. "Unser virtuelles Leben wird eine sehr starke Dominanz bekommen. Die Frage ist: Wer beherrscht uns, wer verfügt über unsere Daten? China oder die USA oder wir selbst, Europa? Das ist keine Technikfrage, sondern die zentrale Frage der Freiheit im 21. Jahrhundert."

*** Uns geht es gut, wir können zu Hause bleiben, während die anderen raus müssen zur Arbeit und noch andere zur Arbeit rein sollen in dieses unsere Land, in dem die Würde des Spargels unantastbar ist. Diese zu retten, ist Aufgabe von 40.000 Menschen, die eingeflogen werden und in "faktischer Quarantäne bei gleichzeitiger Arbeitsmöglichkeit" leben müssen. Dazu werden zur Rettung anderer Gemüsearten im April und Mai jeweils 10.000 inländisch lebende Menschen gepackt, die nichts zu tun haben im Home-Office und denen es eben nicht besonders gut geht. Sie kommen "aus dem großen Potenzial der Personengruppen" mit schlechter Work-Life-Balance. "Arbeitslose, Studierende, Asylbewerber, Kurzarbeiter", listet die Pressemitteilung des Innenministeriums auf und spricht bei diesem schnellen Entscheid von einer guten Lösung. Auf die viel beredete europäische Lösung für die Flüchtlinge warten wir noch immer, das kleine bisschen Vernunft will sich nicht einstellen.

*** Unser Leben in Corona-Zeiten spielt sich unter der Regie von R0 ab. Das ist die Basisreproduktionszahl des Virus, die angibt, wie viele Personen ein infizierter Mensch wiederum ansteckt. Damit sich hier etwas bessert, werden überall Tracking-Apps entwickelt, die die Kontakte eines Smartphone-Besitzers analysieren können. Die einen Apps machen das mehr, die anderen weniger Datenschutz-affin, die einen zur freiwilligen Nutzung, die anderen zum Datensammeln hinter dem Rücken der Smartphone-Benutzer. Israels Geheimdienst Shin Bet holt sich die Daten direkt von den Mobilfunkbetreibern, was Fachleute für wenig sinnvoll halten. Da hilft dann nur der Glauben, wenn die beiden Oberrabbiner Israels an die Ultraorthodoxen appellierten: "Lasst eure Handys am Schabbat an!" titelt die Frankfurter Allgemeine Zeitung hinter ihrer Paywall zur Lage in Israel.

*** Viel Lob gab es für das in der letzten Wochenschau erwähnte TraceTogether, das in Singapur entwickelt wurde. Die App verfolgte vor allem, ob die Regeln für die Quarantäne eingehalten wurden. Sie sollte auch über Infektionen informieren, doch jetzt zeigt sich, dass eine App alleine nicht ausreicht: Auch Singapur geht in den Lockdown, weil es unbekannte Infektionsketten gibt, die nicht von einer App erfasst werden. Der nächste Ansatz kommt natürlich von Google und setzt voll auf Big Data. Die Daten für Deutschland sind auf der Ebene der Bundesländer aufgeschlüsselt.

*** Die Debatte, ob es so etwas wie anonymisierte Informationsflüsse geben kann, die in der aktuellen Situation helfen, steht erst am Anfang. Es gibt durchaus Stimmen von Datenschützern, die dramatisch vor einer Corona-Falle warnen, während IT-Fachleute Möglichkeiten sehen, Gesundheit und Privatsphäre unter einen Hut zu bringen. Wieder andere sehen das nicht, weil die Smartphones über eine Vielzahl von Kanälen kommunizieren, von denen etliche zur Aufhebung der Privatheit führen können.

*** Dann gibt es da noch ganz andere Stimmen, etwa die der Finanzwelt. Da wird eine Datenkrake wie Palantir für ihre uneigennützigen Angebote gelobt und für die Zukunft nach Corona statt vom "preemptive policing" von der präemptiven Pandemiebekämpfung geschwärmt. Wobei die Zukunftsforscher sich schon 2002 mit der neuen Pest beschäftigten und lakonisch feststellten "Frühindikatoren: keine". Das war bei der alten Pest nicht anders, wie Pest auf Sendung zeigt.

*** Doch bleiben wir noch ein bisschen bei Palantir und der vorausblickenden Polizeiarbeit. Weitab von den Corona-Nachrichten hat sich Holger Münch, der Chef des Bundeskriminalamtes, dieser Tage zu Worte gemeldet und klargestellt, dass der Attentäter von Hanau nach Ansicht der Ermittler ein Rechtsextremist war. Einer, der an einem Schießtraining in der Slowakei teilnahm und sicher auch an einem ähnlichen Training in Güstrow interessiert gewesen wäre. So warten wir gespannt auf den vollständigen BKA-Abschlussbericht nach den ersten fehlerhaften Berichten über den Bericht. Schließlich gilt es auch zu klären, warum das Palantir-Supertool Hessendata bei der Analyse nicht das "Manifest" des späteren Mörders fand. Eine Erklärung wäre, dass Hessendata derzeit überhaupt nicht im Wirkbetrieb arbeitet.

Was wird.

Der "zornige Sozialrealist" Bill Withers ist gestorben. Sein Lean on Me wird uns bleiben, ebenso sein Lied vom ausbleibenden Sonnenschein und sein Lied über die Sommernächte in Harlem. Musik wird gebraucht, erst recht vor Ostern, wenn man drinnen bleiben muss. Ja, gestern war alles anders. Aber auch heute noch kann eine Familie ihren Spaß haben und muss nicht ständig Scrabble spielen.

Plötzlich ist die Entschleunigung da. "Meine Welt ist räumlich und zeitlich sehr eingeschränkt auf den unmittelbaren Nahbereich: Ich kann nicht weit weggehen und nicht weit in die Zukunft planen. Ich nenne das eine radikale Weltreichweitenverkürzung. Und dann öffnet man sich wieder in einen Modus, den ich als Resonanzmodus beschreibe, nämlich: hören, wahrnehmen und antworten, ohne auf etwas Bestimmtes hinauszuwollen, ohne optimieren zu müssen", beschreibt es der Soziologe Hartmut Rosa. Möge es so kommen. Nicht jeder sieht das so. In einem fröhlichen Interview erklärt ein Psychoanalytiker das Geraune von Urängsten und Ursprüngen für großen Quatsch. Sein Blick in die Zukunft ist ein Blick auf die Zeit, in der HIV wütete, "Safer Sex" propagiert wurde und die Schwulenbewegung die "Avantgarde eines vernünftigen Präventionsbewusstseins" wurde und dann verbürgerlichte.

"Damit wiederum ist eine Verbürgerlichung der Schwulenbewegung befördert worden, die inzwischen die Forderung 'Ehe für alle' zu einer Maxime des gesunden Menschenverstands gemacht hat. Das ist aber nicht die kausale Folge dieser Pandemie, sondern ein überaus erstaunlicher Effekt, den niemand hätte vorhersehen können. Es ist nicht 'das Gute', das Aids hervorgebracht hat." Wer in dieser Richtung weiter denkt, wird kurz oder lang sich fragen müssen, wie die Zeit nach dem Virus gestaltet wird. Was passiert, wenn die Überlebenden von COVID-19, die andere nicht mehr anstecken können, andere Reiserechte, Arbeits- und Grundrechte bekommen als die Nicht-Immunen, die sich gedulden müssen, bis ein Impfstoff gefunden ist? Die Antwort auf all diese Fragen ist nicht 42.

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Was war. Was wird. Das Heiseberg-Protokoll.
« Antwort #820 am: 19 April, 2020, 09:22 »
Was ist schon Alltag. Nichts Gemeinsames jedenfalls, hält Hal Faber fest, wenn es um die Verbreitung von PR einer- und Wissen andererseits geht.

Wie immer möchte die Wochenschau von Hal Faber den Blick für die Details schärfen: Die sonntägliche Wochenschau ist Kommentar, Ausblick und Analyse. Sie ist Rück- wie Vorschau zugleich.

Was war.

*** "Es wird uns zwar, so wie anderen Zeitungs=Schreibern, nicht möglich sein, die Weltbegebenheiten früher anzuzeigen, als sie geschehen sind; oder, als sie auswärtige Zeitungen der Welt berichten. Aber doch haben wir Anstalten getroffen, vermittels der besten Französischen, Englischen, Italienischen, Holländisch= und Deutschen Zeitungen, und auch durch zuverlässige Privat=Correspondenz die Nachrichten immer so bald zu erhalten, und in unsere Zeitungen einzurücken, als es andere von unseren Nachbarn thun können." (Zum Start der Zürcher Zeitung am 17.1.1780)
Ich bin ein Journalist. Manche Leser sehen das anders und finden dafür rohe Worte, die ich an dieser Stelle nicht wiedergeben werde. Selbst wenn sie gekocht sind, sind sie immer noch ungenießbar. Also habe ich im Kästlein des deutschen Kulturschatzes nach einem passenden Zitat gewühlt und bin bei Christian Friedrich Daniel Schubart fündig geworden: "Unter allen kriechenden Kreaturen des Erdbodens ist der Zeitungsschreiber die kriechendste." Schubart mag heute nur als Komponist und Dichter noch in Erinnerung sein, doch auch er war Journalist und wurde für eine Serie kritischer Artikel in der "Deutschen Chronik" 10 Jahre lang auf der Festung Hohenasperg weggeschlossen.

*** Das Geschäft des Journalisten ist die Verbreitung von neuen Informationen, definiert als das Gegenteil von Unkenntnis. Das Geschäft ist immerhin so kompliziert, dass es nicht von Maschinen oder diesen Social Bots betrieben werden kann, von denen manche Forscher schwärmen. Aber es gibt ja eine andere Spielart, mit Informationen umzugehen. Sie nennt sich Public Relations, systematisiert und perfektioniert von Edward Bernays, einem Neffen von Sigmund Freud und begründet von Ivy Lee. Dessen Grundsatz verfolgt Journalisten bis heute: "This is not a secret press bureau. All our work is done in the open. We aim to supply news." Was Lee und Bernays unter "News" verstanden, ist mehr als die Verbreitung von neuen Informationen, sondern die Verbreitung von Informationen im Sinne eines Auftraggebers. Etwa einem Kunden wie der mächtigen American Tobacco Company, der Edward Bernays half, die Marke Lucky Strike zu popularisieren. Ganz öffentlich wurde da die "Tobacco Society for Voice Culture" gegründet, die den wissenschaftlichen Nachweis führte, dass die Stimmen rauchender Sänger und Sängerinnnen besser klangen. In den Statuten der Society stand ebenso offen und klar: "Our ultimate goal is a smoking teacher for every singer."

*** Das bringt die kleine Wochenschau in die Gegenwart, in der eine PR-Agentur namens Storymachine agiert. Sie begleitete mit dem #heinsbergprotokoll offen und unbekümmert eine wissenschaftliche Studie, suchte davor Sponsoren für ihre PR-Arbeit und fand auch welche. Offen und ehrlich der Anspruch, "Wissen" zu verbreiten, mit dem ein "Weg zurück zur Normalität" gefunden werden kann, in der viele Geschäfte und Büros wieder geöffnet sind. Verbreitet werden sollte die "prinzipielle Erzählung", die da lautete: "Wissenschaft und Fakten geben uns die Hoffnung und die Möglichkeit, wieder als Gesellschaft zu funktionieren.". Als Gesellschaft funktionieren, so ist das wunderbar an dem Punkt vorbei, dass die Wirtschaft wieder funktionieren soll. Für Feinheiten ist @hbergprotokoll da, so als Kanal in den sozialen Medien ein Gewässer, das Tempo machen soll: "Je schneller wir erste Erkenntnisse teilen können, desto eher kehren wir in unseren gewohnten Alltag zurück."

*** Im journalistischen Alltag kommen dann die üblichen Zahlen, Daten, Fakten und zur Steigerung der Spannung ein Schuft vor, der Böses dabei denkt. Denn viel Böses ist ja nicht passiert. Das Firmen wie die Depot-Handelskette PR-Arbeit unterstützen, die beste Argumente liefert, die Läden wieder zu öffnen, ist doch die "verantwortungsvolle Normalität", die ein Politiker wie Armin Laschet sich wünscht. Sicher dürfte sich die Storymachine freuen, wenn sie mit dieser Arbeit wieder bei der Wahl zur PR-Agentur des Jahres dabei ist. Ein kleiner Aufreger könnte vielleicht in der Information stecken, dass man auch bei der Atlantikbrücke angefragt hatte, ob man ein paar Rubel zur Unterstützung rollen lassen möchte. Schließlich steht die deutsch-amerikanische Freundschaft auf dem Spiel! Bang warten wir auf Trumps Schlachtruf "Liberate Germany!", denn irgendwie ist es schon ärgerlich, wie ein Merkel-Video zur Reproduktionsrate des Virus mit lakonischen englischen Untertiteln die Kanzlerin deutlich besser aussehen lässt als alle anderen Politiker. Dabei geben sich auch US-Forscher Mühe mit ihren Tabellen.

*** Wer in diesen Wochen liest, was Medienforscher über den Journalismus im Zeichen des Coronavirus schreibt, landet bei den Kriechtieren von Schubart. Durch die Bank weg wird behauptet und gemäkelt, dass alle Journalisten Versager sind.. Das "Systemversagen des Journalismus" beginnt mit dem Vorwurf des kritiklosen Umganges mit Zahlen und Statistiken und geht bis zum Vorwurf, mit der Übermacht der Bilder zu spielen, wenn wieder einmal eine Blockchain-basierte Sau durchs Dorf getrieben wird. Ganz schlimm wird es, wenn in der Abwägung über diese Corona-App mit Contra und Pro der Vorwurf aufkommt, dass Journalisten die Einschränkung der Grundrechte keiner Erwähnung wert ist? Zentral, dezentral, lokal, anal, alles das Gleiche? War er noch bis vor kurzem als KI-Urgestein unterwegs, dann im Digitalrat der Bundesregierung, ist Hans-Christian Boos nun der Tracing-App-Star sondergleichen, der sich für Deutschland eine zentrale Server-Lösung vorstellen kann. Man muss es klar und deutlich sagen: Es sind solche Entwickler, denen die Grundrechte egal sind – und "die Medien". Nachdem sich die ETH Zürich und die EPF Lausanne aus der PEPP-PT-Allianz zurückgezogen haben, kam auch ein bislang nicht bestätigter Tweet, dass das CISPA der Helmholtz-Gesellschaft die Reißleine zieht. Aber vielleicht gibt es da "draußen" eine PR-Agentur, die schon an der Erfolgsgeschichte bastelt. Der Solutionismus der Digitalpropheten (nicht nur) aus dem Silicon Valley ist allemal für eine geile PR-Story gut.

Was wird.

Im Zeichen des Coronavirus gibt es traurige Nachrichten. Eine ist die vom Tod des Mathematikers John Horton Conway, dem zahllose Programmierer von kleinen Frickelkisten durchwachte Nächte verdanken, als sie das Spiel des Lebens in ihre Brot- oder Sonstwas-Kästen pfriemelten. Der schönste Nachruf auf Conway findet sich übrigens bei xkcd und zeigt, wo die Grenzen des Journalismus liegen. Conway wurde vor Jahren auf der längst verblichenen Computermesse Comdex von Stephen Wolfram als sein Vorbild ausgerufen, was kein Wunder war, da Wolfram damals keine Software wie Mathematica vorstellte, sondern sein Buch A New Kind of Science. Das passte nicht ganz zur Verkaufsshow, störte aber wenige. Nun hat sich Stephen Wolfram in dieser Woche wieder mit einem sehr anspruchsvollen Beitrag zu Worte gemeldet. Überall in der Welt werden viele Menschen das Virus zum Teufel wünschen und sich lieber ausführlich mit der Behauptung beschäftigen, dass die alles umfassende Universalformel gefunden werden kann, auf die 42 die Antwort ist. Wolframs Physik-Projekt startete nach seinen Angaben im Jahre 1965 und soll nun all die losen Enden der Ideen zusammenfügen, die Albert Einstein und Bernhard Riemann aufgeschrieben haben.

So ist es etwa schade, dass zum Ende dieser kleinen Wochenschau nicht das lustige Skype-Interview stehen kann, das von der Süddeutschen Zeitung geführt wurde. Unter Riemannschen Himmeln leben wir da, sagt Kluge, was ein ganz großartiges Bild im Kopf erzeugt, bevor er sich an der Paywall eine Beule holt. Aber da gibt es noch den Perlentaucher: "Ich glaube schon, dass unser Verhältnis zur Natur einigermaßen gestört ist. Es geht nicht nur um die Verteilung der Güter in der Welt. Wenn alle Schutzmasken in China produziert werden und alle Medikamente in Indien, dann haben wir ein konkretes Problem, dann fangen wir wieder mit der Naturalwirtschaft an und produzieren in den Nähereien der Stadttheater Gesichtsmasken."

Das sind jetzt 57 Worte und nach den Worten von Helga Trüpel, einer Politikerin der Grünen, eine schwere Urheberrechtsverletzung. Das wiederum entnommen aus einem Artikel, in dem sie Julia Reda vorwirft, die Corona-Krise zu benutzen, um gegen Urheber-Interessen zu verstoßen und Urheber in Dreck und Asche zu schleifen. Als Journalist ist man übrigens Urheber und Ausheber und Verheber und ... History Repeating.

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Was war. Was wird. Nach dem Lysol-Moment der Geschichte.
« Antwort #821 am: 26 April, 2020, 08:39 »
Auch in den aktuellen Debatten wünscht man sich oft, jemand würfe Hirn vom Himmel, barmt Hal Faber. Bei machen hilfts aber nicht, sie wissen es eh schon besser.

Wie immer möchte die Wochenschau von Hal Faber den Blick für die Details schärfen: Die sonntägliche Wochenschau ist Kommentar, Ausblick und Analyse. Sie ist Rück- wie Vorschau zugleich.

Was war.

*** Da hat er sich das Maul zerrissen, der Orangene. Als solche Äußerung kannten schon die alten Griechen den Sarkasmus, mit dem der US-Präsident hochgradigen Unsinn über Desinfektions- und Bleichmittel vor versammelter Presse erzählte. Bemerkenswert dabei, dass in der deutschen wie der englischen Wikipedia Sarkasmus als eine sprachliche Äußerung beschrieben wird, bei der die beiden Hirnhälften zusammenarbeiten müssen, um den Sarkasmus zum Klingen zu bringen. Sarkastisch könnte man sagen, dass so etwas bei Donald Trump gar nicht funktionieren kann. Was aber ist dann die Erklärung der anwesenden Ärztin Deborah Birx? "Wenn der Präsident neue Informationen erhält, denkt er gern laut über sie nach und spricht mit sich selbst in einer Art Dialog. Das war also ein Dialog. Ich denke, er sah diese Informationen (über Desinfektions- und Bleichmittel) und war dann dabei, diese Informationen zu verdauen." Auch so eine Erklärung muss man erst einmal verdauen, mit beiden Gehirnhälften. Wir haben dem Präsidenten der abstürzenden Weltmacht USA bei einem inneren Monolog zugehört, bei dem er Informationen verdaute, wie das Virus auf den meisten Oberflächen weggeputzt werden kann? Glücklicherweise wurde sofort eine wissenschaftliche Studie veröffentlicht.

*** Was bei uns unter dem Namen Sagrotan vertrieben wird, heißt im Vereinten Königreich Dettol, im Reich von Präsident Trump Lysol. Dementsprechend wird der Unsinn von Trump als der "Lysol-Moment" in die Geschichte eingehen und vielleicht der Anfang vom Ende der 45. US-Präsidentschaft sein. Kurz nach der sarkastischen Fernsehansprache wurde in vielen Nachrichten die dringende Warnung verbreitet, Lysol oder Dettol nicht zu injizieren oder zu trinken. Dabei gab es eine Zeit, in der in Frauenzeitschriften schamhaft für die Lysol-Tinktur geworben wurde, mit der die "frauliche Hygiene" verbessert werden kann. Was sich anhört, als würden genitale Gerüche gemeint sein, war der Euphemismus, mit Lsysol einen Schwangerschaftsabbruch einzuleiten. Was als "Germ-Killer" beworben wurde, wurde in Wahrheit als Sperm-Killer für die vergessliche oder "nachlässige" Frau gepriesen. Ganz ohne Werbung war diese gefährliche Praxis natürlich auch in Europa bekannt.

*** Das bringt uns jenseits aller Lockerungsphantasien zu einem anderen ärztlichen Streit, gewissermaßen als Fortsetzung der letzten Wochenschau, die sich mit der Differenz von Journalismus und Public Relations beschäftigte. Gegen Ende des Ersten Weltkrieges, als die aus den USA stammende "Spanische Grippe" in drei Infektionswellen wütete, schrieb der US-amerikanische Journalist Henry L. Mencken im Dezember 1917 über die Erfolgsgeschichte der Badewanne. Nach seinen Angaben wurde sie erst ein akzeptierter Teil des Hausstandes, als der US-amerikanische Präsident Millard Fillmore eine Badewanne im Weißen Haus installieren ließ. Zuvor hatten Ärzte lang und breit über die Schädlichkeit des Zu-Bade-Gehens diskutiert, jedenfalls berichtet Mencken davon, dass nach den Aufzeichnungen eines "Western Medical Repository" vor "phthisic, rheumatic fevers, inflammation of the lungs and the whole category of zymotic diseases" gewarnt wurde.

*** Erst mit einer gehörigen Verspätung von acht Jahren deckte Mencken in "Melancholischen Betrachtungen" auf, dass der Artikel über das vergessene Jubiläum der Badewanne von A-Z eine einzige Erfindung war, allein geschrieben, um kriegsmüde Leser etwas aufzuheitern. Was ihn danach beunruhigte, war die Leichtigkeit, wie diese "Fake News" ihren Weg ins Allgemeinwissen machten, ohne dass jemand jemals die von ihm gemachten Angaben überprüfte. Auch dieses Geständnis von Mencken half nicht weiter, wie die Auflistung zur Sittengeschichte der Badewanne zeigt: Im September 1952 war es der US-Präsident Harry S. Truman selbst, der die Geschichte von der Badewanne im Weißen Haus zum Besten gab. Dabei war Henry L. Mencken ein großer Journalist, der nicht nur in die Vergangenheit schauen konnte, sondern auch in die Zukunft. Ihm verdanken wir den erhellenden Kommentar zum Amt des US-Präsidenten, gedruckt in der in Baltimore erscheinenden Evening Sun vom 26. Juli 1920: "Alle Chancen liegen bei dem Mann, der eigentlich der abwegigste und mittelmäßigste ist – der die Ahnung, dass sein Geist ein virtuelles Vakuum ist, am geschicktesten zerstreuen kann. Das Präsidentenamt neigt Jahr um Jahr mehr zu solchen Männern. Mit der Vervollkommnung der Demokratie widerspiegelt dieses Amt mehr und mehr die innere Seele des Volkes. Wir nähern uns einem erhabenen Ideal. Eines großen und glorreichen Tages wird sich der Herzenswunsch der einfachen Leute des Landes letztendlich erfüllen und das Weiße Haus mit einem wahren Idioten geschmückt sein."

*** Ist das eigentlich auch Sarkasmus, was die radikale Linke da als "Corona-Kritik" verkündet? Mit einer gewissen Ratlosigkeit scrollt man in der Zeitung herum, die "grundgesetzlich abgesichert" erscheint. Da wird von der "Panikmache überalterter Eliten" gesprochen, von einer "Rekalibrierung des kapitalistischen Herrschaftssystems", gegen die protestiert werden müsse. In einer Volksfront trifft man sich dann auf "Hygienedemos" mit Verschwörungstheoretikern und AfD-Demonstranten zum Querfront-Marsch und veröffentlicht ein Plädoyer für den lebenslangen Generalstreik und einen "Widerstand mit Stil". Ist das schon Kunst oder kann das weg? Das geht dann zusammen mit Forderungen der AfD, alle Corona-Infizierten in eine Fahndungsdatenbank zu stecken und alle Beschränkungen aufzuheben. Geht nicht? Nun, Sachsen-Anhalt ist auf diesem Weg ein großes Stück vorangekommen und das ganz ohne AfD.

*** Beunruhigend ist die Geschwindigkeit, mit der in dieser Woche in der Diskussion um die Corona-App zwei Dinge zusammengeworfen wurden. Eigentlich ging es um die Ermittlung möglicher Kontakte mit Hilfe des Smartphones, natürlich so datensparsam und privatsphärenschonend wie möglich. Dabei rutschte eine Server-Lösung auf die Zielgerade, vor der nicht nur der Chaos Computer Club warnte. Das wurde dann auch noch ziemlich oberflächlich als Streit um kryptografische Eleganz verhöhnt. Unter der Hand wurde aus dem "Contact-Tracing" die Feststellung von Infektionsketten nach den Forderungen der Epidemiologen, die mit einer Server-Lösung besser möglich ist. Nimmt man zu dieser Forderung noch die App-Pflicht für medizinisches Personal, die ein Gutachten des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages für machbar hält, wird der "opportunistic turn" vollends deutlich. Dann ist es auf einmal der Chaos Computer Club, der "Scheuklappen" trägt und der in Kommentaren herbeigesehnte Überwachungsstaat, der fröhliche Urständ feiert: "Was wohl die Gesundheitsämter dazu sagten, wenn bei ihrer verzweifelten Suche nach Infektionsketten Datenschutz vor Infektionsschutz ginge?" Was, wenn es gar nicht um eine App für Gesundheitsämter geht und beides zwei Paar Schuhe sind? Die Krone der Verdrehung ist dann ein ahnungsloser Gesundheitsminister, der den datensparsamen Ansatz von Apple und Google so kommentiert: "Dieser Grundglaube daran, dass Daten, die bei Apple und Google aufgehoben sind, bei amerikanischen Großkonzernen, besser geschützt sind als Daten, die in Deutschland auf Servern auch staatlich kontrolliert liegen, diesen Glauben verstehe ich manchmal nicht." Da müsste jemand was vom Himmel werfen.

*** Wer das nicht braucht, ist wohl Al Pacino. Dafür ist er 80 geworden, und auch ich verneige mich in tiefer Verehrung vor ihm. Guter Anlass, mal wieder alle drei Teile des "Paten" zu sehen – der eigentlich Star als Michael Corleone, dem Paten aller Paten, ist doch Pacino, auch wenn Marlon Brandos Vito Corleone in seiner allseits bewunderten nuschelnden Art die Zitate fürs Leben geliefert hat. Aber man muss ja nicht nur an all seine herausragenden Filme in der Vergangenheit erinnern, auch heute noch glänzt er, etwa als Jimmy Hoffa in "The Irishman", als Marvin Schwarz in "Once Upon a Time in Hollywood" – oder als Meyer Offerman in "The Hunters" (das mich, trotz aller Kritik, die die Serie auslöste, doch mitgenommen hat, in jeder Bedeutung des Wortes). Feiern wir also Al Pacino. Es heißt, er möchte noch den König Lear spielen (Shakespear ist Pacino nicht fremd, im Gegenteil). Ja, bitte! Wir möchten das sehen! Bis dahin schauen wir uns alle seine Filme noch einmal an. Es wird uns nicht langweilig werden dabei. Und wir werden nie enttäuscht sein.

Was wird.

Unter leeren Himmeln aber auch in einer leeren "Station Berlin" wird die diesjährige Ausgabe der re:publica nur online stattfinden. Gespannt darf man sein, wie das Gewimmel im Innenhof der Station Berlin abgebildet wird. re:publicaTV kann auf die ersten Blogger-Treffen zurückgreifen und die Frage aufwerfen, die damals die Teilnehmer bewegte: Geld verdienen mit Bloggen, wie geht das? Im Zeitalter von Corona, YouTube und der Influencer ist es Zeit, eine Bilanz zu ziehen. Auch die Lehren aus dem Homeschooling dürften interessant sein. Man lernt ja so viel dieser Tage. Was waren noch einmal die Lehren aus Tschernobyl vor 34 Jahren? Aber so etwas bitte doch nicht heute, am Tag der Außerirdischen, benannt nach dem Planeten LV-426. Sie sind unter uns, immer mit 2 Metern Abstand.

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Was war. Was wird. Wenn nicht nur die Bäume ausschlagen.
« Antwort #822 am: 03 Mai, 2020, 08:40 »
Frieden, Krieg, was ist da schon der Unterschied? Hauptsache, man erfährt nichts davon, mäkelt Hal Faber, der eigentlich auch nur seine Ruhe haben will.

Wie immer möchte die Wochenschau von Hal Faber den Blick für die Details schärfen: Die sonntägliche Wochenschau ist Kommentar, Ausblick und Analyse. Sie ist Rück- wie Vorschau zugleich.

Was war.

*** Der Mai ist gekommen, die Radarwarner bleiben aus.
Da bleibe, wer Lust hat, mit Sorgen zu Haus.
Wie die Wolken dort wandern am himmlischen Zelt,
so steht auch mir der Sinn in die weite, weite Welt.

Tralala, nach Der Mai ist gekommen. Was für ein schönes Lied und was für ein schöner, für sich sprechender Dateiname. Von denen gibt es derzeit viele: BescheuerterLaschetbeiWill.mp4, LindnerohneAhnungbeiIllner.mp4, Familienunternehmerstuss als PNG-Datei, so sind die Zeiten und schon kann ein Vergehen vorliegen. In dieser Woche wurde der Beschluss des Bundesverwaltungsgerichtes vom 5. März veröffentlicht, wonach bereits die Nennung von Dateinamen, der Größe einer Datei oder die Dateiendung als Hinweis auf den möglichen Inhalt einer Datei als Veröffentlichung von Geschäftsgeheimnissen angesehen werden können. Ja, so muss das investierte Know-How einer Firma ordentlich geschützt, müssen viele Details geschwärzt werden, denn es gilt: "Die Möglichkeit solcher Folgerungen wird verstärkt, wenn sich über die Kenntnis der Dateiendung die verwendete Programmiersprache erschließen lässt, und wird bis hin zur Erstellung eines Gesamtbilds erweitert, je mehr Dateien offengelegt sind und sich in ihren Informationen miteinander verknüpfen lassen. Schließlich sind auch Informationen über die Größe von Dateien aussagekräftig, weil sich in Kombination mit den Dateinamen Hinweise darauf ergeben, welchen Aufwand der Hersteller betrieben hat, um die mit dem Dateinamen bezeichnete Funktionalität einzufügen." Eine recht pfiffige Argumentation vor dem Hintergrund, dass nunmehr SAP und die Telekom die sattsam diskutierte Corona-App fertigstellen sollen. Diese App hat ja schon eine kuriose Entstehungsgeschichte hinter sich und so muss man kein Hellseher oder Schwarzseher sein, um zu ahnen, dass da noch einiges kommen mag. Alles natürlich fein als Open Source dokumentiert, mit ein paar Änderungen, dass man den Aufwand nicht sehen kann, der da betrieben wurde.

*** Große Erleichterung auch an anderer Stelle: Mit der Entscheidung der ICANN, .org doch nicht zu privatisieren und der profitorientierten Ethos Capital zu überlassen, ist dieser unserer Bundesregierung ein großer Stein vom Herzen gefallen. Erinnert sei an die Regierungsantwort auf die Frage, wie viele .org-Domains die Bundesregierung besitzt. Im Januar, als die Gedanken noch freien Ausgang hatten, wurde in dieser Wochenschau die Antwort der Bundesregierung auf die Frage verlinkt und zitiert. Die Namen der regierungseigenen .org-Domains unterlagen der Geheimhaltungspflicht, weil es mindestens 120 solcher Adressen zu geben scheint, darunter so aktuell systemrelevante wie ichpflegeweil.org oder ich-pflege-weil.org, die auf mehr Pflegekraft umleiten. "Nach Einschätzung der Bundesregierung bestehen bezüglich einer öffentlichen Herausgabe nicht unerhebliche Sicherheitsbedenken, da nachteilige Auswirkungen auf Belange der Sicherheit der Informationstechnik der Bundesverwaltung zu erwarten sind. Insbesondere könnten aggregierte Informationen über von der Bundesregierung genutzte Domains geeignet sein, um einen erfolgreichen Angriff auf die Informationstechnik des Bundes – beispielsweise 'DNS-Hi-jacking' und 'DDoS'-Angriffe – zu ermöglichen oder zumindest entscheidend zu erleichtern." Verkauf abgewehrt, Angriffe abgewehrt. deutschlandkanndas.org!

*** Doch halt! Immer neue Bedrohungen tauchen auf, so ein Staat ist eine fragile Sache mit der bekannten Aufschrift "Nicht stürzen!". Das Staatswohl muss täglich aufs Neue gepflegt, begossen und geschützt werden. So auch in dieser Woche. Alle Mauscheleien, die der Bundesnachrichtendienst und der CIA bei der Operation Rubikon austüftelten, sind und bleiben VS Geheim, weil besagtes Staatswohl wieder in äußerster Gefahr ist. Das alles erinnert an das pinkfarbene Buch, dass der Rentner Gerhard Schindler über seine Zeit als BND-Chef verfasst hat. Zum Wohl des Staates schlummern die Memoiren im Bundeskanzleramt. Wer einmal den Rubikon durchquert hat, muss auf der anderen Seite des Flüsschens bleiben.

*** Was aber tun, wenn das Staatswohl im Staube von Afghanistan liegt und geheime militärische Papiere des Stufe VS NfD entwichen waren, die zu allem Übel in die ungewaschenen Hände recherchierender Journalisten gefallen sind? Die diese Papiere einordnen und erklären, um sie schließlich unter dem etwas reißerischen Namen Afghanistan-Papiere in der Art von Wikileaks zu veröffentlichen. Klare Sache, man nimmt die Keule des Urheberrechtes und haut zu. Diesmal klappte es nicht, denn die Journalisten berichteten im Rahmen tagesaktueller Ereignisse, befand das Gericht. Denn die Veröffentlichung geschah, um die Frage zu klären, ob die Bundeswehr sich in Afghanistan auf einer "Friedensmission" oder eben in einem Krieg befand. Ob schwierig zu lesende Lageberichte generell vom Urheberrecht geschützt sind oder ob das nicht greift, wurde nicht entschieden. Bis zum nächsten Keulenschlag. Wie war das noch mit den urheberrechtlich geschützten Glyphosat-Gutachten in den Giftschränken der Ministerien?

*** Es gibt Verschwörungstheorien, in denen die Bill und Melinda Gates-Stiftung für die Ausbreitung des Coronavirus verantwortlich gemacht wird. Es gibt auch das Gegenteil, die quasi-religiöse Verehrung für die Gates-Familie, die jetzt zu dritt in ihrem Haus in Seattle festsitzt – die älteste Tochter lebt als Berufsreiterin mit ihrem Lebensgefährten. Leider steckt das Interview mit Melinda Gates hinter einer Paywall, doch diese Worte über die Lockerungen der Auflagen sollte man schon lesen: "Ich habe mit Kanzlerin Merkel darüber gesprochen, wie man Öffnungen richtig machen kann. Man folgt der Wissenschaft, man bewegt sich sehr, sehr langsam, man beobachtet genau, ob es neue Ausbrüche gibt. Es ist ein Balanceakt." Richtige Worte, zusammen mit der Einschätzung von ihr, dass es zwei Jahre dauern wird, bis wir alle wieder in einer Art der Normalität leben. Aber folgt man denn der Wissenschaft?

*** Der Blödsinn, den Politiker wie Laschet, Kubicki oder Kemmerich über die Herrschaft der Virologen von sich geben ist bedenklich. Deutschlands oberster Wissenschaftserklärbär Ranga Yogeshwar beschäftigt sich in einem großen Text (auch hinter einer Paywall) mit den Äußerungen dieser Politiker und wird grundsätzlich, wenn er auf die Verdrängung zu sprechen kommt, die nach der Öffnung kommen wird. "Wir alle sind Meister in diesem kollektiven Verdrängungsprozess, denn nur so lässt sich erklären, dass wir in einem Jahrhundert gleich zwei Weltkriege führten und inzwischen wieder zu Exportweltmeistern der Rüstungsindustrie aufgestiegen sind."

Was wird.

In der anstehenden Woche werden die Politiker des Bundestages über das "zweite Corona-Schnellgesetz" beraten, mit dem eine "Immunitätsdokumentation" umgesetzt wird. Das wird in aller Wahrscheinlichkeit eine kontaktlose NfD-Chipkarte sein, die den Namen der Krankheit, das Datum der Feststellung der Immunität, die Testmethode und den Namen und die Nummer des Arztes gespeichert hat, der die Immunität bescheinigt. Bereits im Juni könnte das System anlaufen, allen Problemen zum Trotz. Der größte Schwachpunkt ist, dass das Gesetz "vorsorglich" durchgereicht wird, weil es noch gar keine zuverlässige Methode zur Bestimmung der Immunität gibt, sondern nur Vermutungen und Tests, die auch bei anderen Coronaviren als SARS-CoV-2 anschlagen. Schon jetzt darf man sich auf die App freuen, die ein solches Immunitätsdokument simuliert, wenn der Chip unter einem Smartphone liegt – zur Sicherheit der Datenspeicherung und des Zugriffs gibt es nur vage Überlegungen und eine Warnung des Bundesdatenschutzbeauftragten, dass Gesundheitsdaten "nicht zu Diskriminierungen führen" dürfen.

Macht nichts, hübsch locker werden, das ist doch auch ein Abenteuer. Schließlich feiern wir in der nächsten Woche das Kriegsende, das in Berlin schon am 1. Mai 1945 begann.

Mit ausreichender sozialer Distanz und Maskenpflicht kann man im Historischen Museum bald zu Hannah Arendt gehen und lesen, wie Arendt als Geschäftsführerin der Jewish Cultural Reconstruction die überlebenden Deutschen als lebende Gespenster beschrieb, "die man mit Worten, mit Argumenten, mit dem Blick menschlicher Augen und der Trauer menschlicher Herzen nicht mehr rühren kann". Doch schon bald kam Leben in die Ruinen, es wurde aufgeräumt, angepackt und gefringst, was das Zeug hielt. Erwähnte Arendt, dass sie Jüdin war, gab es nur eine kurze Verlegenheitspause und "eine Flut von Geschichten, wie die Deutschen gelitten hätten". Mit der Judensache hatte man nichts zu tun und mit diesen Kriegsverbrechern da hätte man doch bitteschön kurz & schnell den Prozess machen können, so wie es die ja vorher auch gab.

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« Antwort #823 am: 10 Mai, 2020, 08:00 »
Ach, Deutsch. Überhaupt: Deutschland. Ein Land selbst mit gebrochenem Herzen lieben, das fällt Hal Faber schwer. Da gibt es besser geeignete Liebesobjekte.

Wie immer möchte die Wochenschau von Hal Faber den Blick für die Details schärfen: Die sonntägliche Wochenschau ist Kommentar, Ausblick und Analyse. Sie ist Rück- wie Vorschau zugleich.

Was war.

*** Absturz, welcher Absturz? Es geht voran und locker wird's. Tschüss, Homeoffice, du garstiges Ding mit viel zu kleinem Schreibtisch, mit Kindergetrappel oben, Gebrüll unten und den Zimmerleuten gegenüber, die auf Riesengerüsten an Riesenlofts das letzte Bisschen Sonnenstrahlen wegbauen, dass auf den Balkon schien. Willkommen Büro, der schöne Irrsinn wild gestapelter Artikel und Bücher, mit dem leise säuselnden Sound der Scanner, die die Welt digitalisieren. Ganz unpoetisch durften wir diese Woche lernen, wie schön es ist, dass Büro Büro geschrieben wird und nicht etwa Bureau. Zum großen Amüsement in diesen Coronazeiten gehört die Geschichte eines der weltbesten Hacker namens Dimitri Badin, der 2015 den Deutschen Bundestag knackte und 19 Gigabyte Daten abgreifen konnte. Er wird seit dieser Woche mit einem deutschen Haftbefehl gesucht. Nun kommt heraus, dass dieser Superstar mit seinem Superprogramm VSC.exe (Visual Studio Code?) an dem ü scheiterte, das aus aus dem frankophonen Bureau ein trällerndes deutsches Büro macht, in dem die Bürokratie in den gesunden Büroschlaf fällt. Der heimtückische Cyberangriff scheiterte nach dieser Darstellung, weil der Angriff auf das Abgeordnetenbüro von Angela Merkel die denglische Pfadangabe "\Users\Merkel\Büro" beim Umlaut spotzte und ein "\Users\Merkel\B?ro" produzierte. So wurde nicht der Büro-Ordner geöffnet, sondern ein freundliches "File not Found" oder Ähnliches zum russischen Bären geschickt.

*** Ob die Geschichte glaubwürdig ist, steht auf einem anderen Blatt. Der Artikel der Tagesschau stützt sich auf eine Einschätzung des Bundesnachrichtendienstes, der sich "nahezu sicher" ist, dass der russische Militärgeheimdienst GRU hinter der Bärentruppe steht, die sich durch "eine hohe bis punktuell sehr hohe Fachexpertise" auszeichne und über große Finanzmittel und personelle Ressourcen verfüge. Mit sehr hoher Fachexpertise an einem Umlaut scheitern, das hat was. Möglicherweise ist auch die die Expertise des BND von diesem Kaliber: In dieser Woche lancierte besagter Nachrichtendienst in einem Zeitungsartikel das Gerücht, "dass hinter dem Verfahren eine gezielte geheimdienstlich gesteuerte Aktion stecken könnte, um der Bundesrepublik zu schaden". Mit dem Verfahren ist diese Klage von Journalisten gegen die Massenüberwachung des BND gemeint, bei der das Urteil am 19. Mai erwartet wird. Hier werden die Grenzen der Grundrechte ausgeleuchtet, was ehemaligen BND-Hüte gar nicht gerne sehen.

*** Zur Aufgabe des Bundesnachrichtendienstes gehört es, die Arbeit anderer Nachrichtendienste (und nicht von Journalisten-Organisationen) zu bewerten. Am Montag machte der australische Daily Telegraph mit dem Knüller auf, dass ein Geheimdienstpapier der "Five Eyes" Fakten zusammengestellt haben soll, die als Beweise für eine Vertuschung des Coronavirus-Ausbruch durch China herhalten können. Nun entpuppt sich das Geheimdienstpapier als gezielte Falschnachricht, produziert von einem der "Five Eyes". Das sagt jedenfalls der BND, der hilfsweise von einer "Verwechslung" spricht.

*** Wie drückte sich Paul Virillo aus, als er 1995 Microsofts Internet Explorer 1.0 rezensierte und vor dem "Drogenkapitalismus der elektronischen Medien" warnte, den dieses Programm erzeugen würde: "Es gibt keine Information ohne Desinformation. Künftig könnte es eine Desinformation neuen Typs geben, die nichts mit absichtlicher Zensur zu tun hat. Es handelt sich um eine Art Erstickung des Sinnes, eine Art Kontrollverlust der Vernunft. Darin liegt, verursacht durch die Informatik und Multimedia, eine weitere große Gefahr für die Menschheit." Damit kommen wir zu den guten Dingen, denn an diesem Wochenende feiert die deutsche Ausgabe von Le Monde Diplomatique (LMD) ihren 25. Geburtstag mit einer dicken Sondernummer, in der auch Virillos Aufsatz unter dem Titel "Alarm in Cyberspace!" neben vielen anderen denkwürdigen Artikeln aus den vergangenen Jahren abgedruckt ist. 1997 etwa schrieb LMD-Direktor Ignacio Ramonet den Aufruf "Die Märkte entschärfen", was zum Gründungsmanifest von Attac wurde. Ein lesenswertes Stück angesichts der Forderungen, mit ungezügeltem Konsum der Wirtschaft zu helfen, aus dem Lockdown herauszukommen.

*** IANAL, wie es früher einmal hieß. Ich bin kein Jurist. Dennoch ist es nötig, auf die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes hinzuweisen, die am Dienstag für Furore sorgte. Das BVG urteilt, dass die Europäische Zentralbank ultra vires ihre Kompetenzen überschritten hat, als sie mit dem Public Sector Purchase Programme Staatsanleihen aufkaufte und dies vom Europäischen Gerichtshof akzeptiert wurde. Mit der Entscheidung hat sich das BVG gegen den EuGH gestellt und damit eine europäische Institution gemaßregelt, ein einmaliger Vorgang. Entsprechend kühl kommentierte ihn der Europäische Gerichtshof. Das Urteil erging im Vorfeld der Europa-Feierlichkeiten und dürfte Folgen haben. In einfachen Worten drückte es der juristische Kommentator der tageszeitung aus: "Den größten Nutzen aus dem Karlsruher Urteil können vermutlich Problemstaaten wie Polen und Ungarn ziehen, die sich nun gerne auf das Bundesverfassungsgericht berufen werden, wenn sie Brüsseler Vorgaben ignorieren."

*** "Die Befreiung war 1945 von außen gekommen. Sie musste von außen kommen – so tief war dieses Land verstrickt in sein eigenes Unheil, in seine Schuld. [...] Doch auch wir selbst haben Anteil an der Befreiung. Es war die innere Befreiung. Sie geschah nicht am 8. Mai 1945, und nicht an einem einzigen Tag. Sondern sie war ein langer, schmerzhafter Weg. Aufarbeitung und Aufklärung über Mitwisserschaft und Mittäterschaft, quälende Fragen in den Familien und zwischen den Generationen, der Kampf gegen das Verschweigen und Verdrängen. [...] Diese Jahrzehnte des Ringens mit unserer Geschichte waren Jahrzehnte, in denen die Demokratie in Deutschland reifen konnte. Und dieses Ringen, dieses Ringen bleibt bis heute. Es gibt kein Ende des Erinnerns. Es gibt keine Erlösung von unserer Geschichte. Denn ohne Erinnerung verlieren wir unsere Zukunft. [...] Es gibt keinen deutschen Patriotismus ohne Brüche. Ohne den Blick auf Licht und Schatten, ohne Freude und Trauer, ohne Dankbarkeit und Scham. Rabbi Nachman hat gesagt: 'Kein Herz ist so ganz wie ein gebrochenes Herz.' Die deutsche Geschichte ist eine gebrochene Geschichte – mit der Verantwortung für millionenfachen Mord und millionenfaches Leid. Das bricht uns das Herz bis heute. Deshalb: Man kann dieses Land nur mit gebrochenem Herzen lieben. [...] 'Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung.' Ich glaube: Wir müssen Richard von Weizsäckers berühmten Satz heute neu und anders lesen. Damals war dieser Satz ein Meilenstein im Ringen mit unserer Vergangenheit. Heute aber muss er sich auch an unsere Zukunft richten. 'Befreiung' ist nämlich niemals abgeschlossen, und sie ist nichts, was wir nur passiv erfahren, sondern sie fordert uns aktiv, jeden Tag aufs Neue. Damals wurden wir befreit. Heute müssen wir uns selbst befreien! Befreien von der Versuchung eines neuen Nationalismus. Von der Faszination des Autoritären. Von Misstrauen, Abschottung und Feindseligkeit zwischen den Nationen. Von Hass und Hetze, von Fremdenfeindlichkeit und Demokratieverachtung – denn sie sind doch nichts anderes als die alten bösen Geister in neuem Gewand. Wir denken an diesem 8. Mai auch an die Opfer von Hanau, von Halle und von Kassel. Sie sind durch Corona nicht vergessen!" So sei es. Oder, um es mit Little Richard zu sagen, der nun leider auch von uns gegangen ist: Got me run, hide, hide, run anyway you want to let it roll.

Was wird.

Die re:publica liegt hinter uns, und weiter geht es im Reigen der Online-Konferenzen. Es folgt die DLD Sync als Online-Ausgabe der DLD, wiederum gefolgt von der Digital X der Telekom mit dem zugeschalteten Exilanten Edward Snowden. Bereits jetzt signalisieren Black Hat und Defcon, dass sie online stattfinden werden. Während die hub.berlin des Bitkom gleich aufs nächste Jahr verschoben wird, ist noch unklar, was mit dem Big Data AI.Summit passieren wird.

So ist es schwierig, sich über die Fortschritte bei Big Data und AI/KI zu informieren, aber es gibt ja noch Bücher und wissenschaftliche Paper. Ein bemerkenswerter Durchbruch soll den Erforschern der Künstlichen Intelligenz gelingen sein, mit einem Programm, dass ohne jegliche rassistische Vorurteile allein auf Basis der Gesichtserkennung mit 80-prozentiger Genauigkeit feststellen kann, wer kriminell ist und wer nicht. Jedenfalls war dies einer Pressemitteilung der Harrisburg University zu entnehmen, die mittlerweile zurückgezogen wurde. Aber vielleicht ist auch das nur verschoben. Denn interessant wäre es schon, wenn die Kriminologie eines Cesarae Lombroso und die Phrenologie von Franz Joseph Gall mit der KI zusammenkommen. Nicht jeder hat die natürliche Intelligenz des amtierenden US-Präsidenten, der bei den Demonstrationen gegen die Aufenthalts-Auflagen im Zeicen des Coronavirus die Good Guys von den Bad Guys unterscheiden kann.

Aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Erinnert sich noch jemand an das AI-Startup Clearview, das mir nichts, dir nichts Fotos sammelte für die perfekte Gesichtserkennung? Auch auf erkennungsdienstliche Polizeifotos war man scharf. Jetzt schließt sich ein Kreis: Clearview verzichtet nach diesem Bericht auf Privatkunden und will in Zukunft nur noch mit Polizeien und Strafverfolgungsbehörden zusammenarbeiten. Die Gesichtserkennungssoftware soll dabei auch bei der Kontaktverfolgung von Infizierten mit dem Coronavirus zum Einsatz kommen.

In diesen Tagen hat sich das Virus besonders bösartig gezeigt, infiziert es doch die Hirne von Protestierern, die an diesem Wochenende mit Parolen wie "Wir sind das Volk" querfrontheischend und gröhlend durch die Straßen laufen. Das diese Durchgeknallten kein neues Phänomen ist, beweist ein Gedicht über die "Spanische Grippe" aus dem Schweizer Nebelspalter, das so endet, nachdem die Regierung mit Verboten und Sperren erfolgreich war.

"Regierung, he! Bist du verrückt –
Was soll das alles heißen?
Was soll der Krimskrams, der uns drückt,
Ihr Weisesten der Weisen?

Sind wir denn blos zum Steuern da,
Was nehmt ihr jede Freude?
Und just zu Fastnachtszeiten -- ha!"
So gröhlt und tobt die Meute.

"Die Kirche mögt verbieten ihr,
Das Singen und das Beten –
Betreffs des anderen lassen wir
Jedoch nicht nah uns treten!

Das war es nicht, was wir gewollt,
Gebt frei das Tanzen, Saufen,
Sonst kommt das Volk -- horcht wie es grollt,
Stadtwärts in hellen Haufen!"

Die Grippe, die am letzten Loch
Schon pfiff, sie blinzelt leise
Und spricht: "Na, endlich – also doch!"
Und lacht auf häm'sche Weise.

"Ja, ja – sie bleibt doch immer gleich
Die alte Menschensippe!"
Sie reckt empor sich hoch und bleich
Und schärft aufs Neu' die Schippe.

Quelle : www.heise.de

Arbeits.- Testrechner :

Intel® Core™ i7-6700 (4 x 3.40 GHz / 4.00 GHz)
16 GB (2 x 8 GB) DDR4 SDRAM 2133 MHz
250 GB SSD Samsung 750 EVO / 1 TB HDD
ZOTAC Geforce GTX 1080TI AMPExtreme Core Edition 11GB GDDR5
MSI Z170A PC Mate Mainboard
DVD-Brenner Laufwerk
Microsoft Windows 10 Home 64Bit

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Offline SiLæncer

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Locker bleiben, rät Hal Faber. Nicht alles, was als Weltuntergang ausgemalt wird, illustriert das Ende aller Zeiten. Auch Freitage gehen vorbei.

Wie immer möchte die Wochenschau von Hal Faber den Blick für die Details schärfen: Die sonntägliche Wochenschau ist Kommentar, Ausblick und Analyse. Sie ist Rück- wie Vorschau zugleich.

Was war.

*** Locker, locker sind die Zeiten und wir in ihnen. Gut möglich, dass sie eines Tages mit dem Kriegsausbruch von 1914 verglichen werden oder mit der Münchener Konferenz 1938, zwei Ereignisse, die die Welt erschütterten und veränderten, doch schon wird eine "neue Normalität" praktiziert, die für manche unheimlich ist. Locker wird die Bedrohung durch Corona weggesteckt, die Maske gegen die Tröpfchen aufgesetzt. Ausnahmen gibt es bei brüllenden Verschwörungstheoretikern und Menschen, die nur Nutwave im Hirn haben. Natürlich kann es reizvoll sein, den Fall der Mauer durch ein Lied zu erklären, dass die CIA den Scorpions untergeschoben hat.

Landauf, landab wird so über die Verschwörungstheoretiker berichtet, obwohl Umfragen zeigen, dass die meisten Menschen mit dem Management by Merkel zufrieden sind. Oder ist es gar der feminine Faktor? Aber was soll diese Erkenntnislage, viel lieber schreibt der kundige Journalist darüber, dass die Verschwörungstheoretiker von "den in Deutschland quer durch Gesellschaft, Politik und Medien ins Irrationale und neurotische übersteigerten Datenschutzbedenken" profitieren würden. Neurosen haben immer die anderen.

*** Nach der elenden Vorratsdatenspeicherung ist eine echte Neuheit auf dem Markt: Das Denken auf Vorrat, durchgeführt von Philosophen, die "Echtzeit-Beiträge" zur aktuellen geistigen Situation dieser Zeit verfassen. Das geht flott und schnodderig wie bei Žižek oder schnell und sorglos wie bei Nikil Mukerji und Adriano Mannino. Schicke Begriffe wie "Cocooning Plus" machen da die Runde. Gemeint ist die fortlaufende Isolierung und Testung der Alten und Kranken, während die Jungen und Agilen draußen herumtollen. Ob dies der Weisheit letzter Schluss ist, steht auf irgendeinem Blatt in irgendeinem Buch. Wie drückte es der große Habermas aus? "So viel Wissen über unser Nichtwissen und über den Zwang, unter Unsicherheit handeln und leben zu müssen, gab es noch nie."

*** Inmitten all der Lockerungen und Lockerungsübungen ist es eher untergegangen, dass die vorab viel diskutierte Corona-App in Teilen auf Github aufgetaucht ist und erste Rückschlüsse auf ihre Arbeitsweise zulässt. So wird sie offenbar eine Benachrichtigungsfunktion dafür haben, wenn Testergebnisse beim behandelnden Arzt bzw. Hausarzt vorliegen. Sie funktioniert also anders als die Benachrichtigungsfunktion der App, die von Testlaboren ins Feld geschickt wurde. Was bleibt, ist die Frage, die einen sonst so besonnenen Menschen wie Ranga Yogeshwar "rotzig" werden lässt. "Da offenbart sich, dass wir in Sachen Digitalisierung ziemlich rückständig sind, und wir vernebeln unsere technische Unfähigkeit mit einer Diskussion über Datenschutz. Es muss langsam ein Bewusstsein wachsen, dass wir in Deutschland, was diese Techniken angeht, nicht gut aufgestellt sind. Wir sind ein digitales Entwicklungsland! Während der Kontaktsperre nutzen wir eine Vielzahl digitaler Tools, doch keines dieser Programme stammt aus Deutschland. Wir nutzen amerikanische oder chinesische Software." Seine Forderung, einfach die App aus Südkorea zu nehmen, dürfte zu den Schnellschüssen in der Debatte um das Kontakt-Tracing kommen, aus der andere wie Merkels China-Experte Sandro Gayken längst das Tracking von Infizierten gemacht haben. Und während sich Yogeshwar über den Datenschutz ärgert, geht er längst auf andere Weise flöten. Schließlich hat Jens Spahn sein zweites Pandemieschutzgesetz durch den Bundestag und gleich hinterher durch den Bundesrat gebracht. Jetzt werden auch die Daten von Getesteten weitergegeben und gespeichert, die sich nicht infizierten. Nennen wir es eine Daten-Bagatelle. Andere mit eher minderem Verstand nennen es NWO.

*** Auch die Raserei mit dem Auto ist wieder eine Bagatelle geworden, obwohl die Zahl der Unfälle in den Städten deutlich zurückgegangen ist, nicht nur in Deutschland: Eine idiotische Petition namens "Führerschein-Falle rückgängig machen" wurde vom diensteifrigen Autoverkehr-Minister Andreas Scheuer aufgenommen. Wie war das noch mit dem Lob des Föderalismus, weil jedes Bundesland die Coronakrise nach eigenen Zahlen und eigenem Ermessen aussteuerte? Genau diese Länder haben im Bundesrat die Straßenverkehrsordnung verschärft, die der Minister als Schutzpatron der deutschen Raser nun zurücknimmt.

*** Wie bereits hier erwähnt, wird in der kommenden Woche ein Urteil vom Bundesverfassungsgericht zur Arbeit des Bundesnachrichtendiensts erwartet, das ein Signal für die Pressefreiheit sein soll. Im Vorfeld wurde Journalisten ein 72 Seiten starkes Papier zur Signal Intelligence zugespielt, demzufolge der BND 1,2 Billionen Verbindungen am Tag auswertet. Das ist schon eine Größenordnung, die das Logo von "Zahlen, bitte!" sprengen würde. Wie handlich ist dagegen die Zahl von 30 "Fehl-Erfassungen" privater oder intimer Kommunikation, die dem BND unterläuft, nicht täglich, sondern pro Monat gerechnet. Dieser "geschützte Verkehr", der verbotenerweise mitgeschnitten wurde, sei doch ein Klacks gegen die enorme Aufklärungsarbeit, die man so leistet. Sie lohnt sich auf ihre Weise, wie der Disput zwischen Bundeskanzlerin Merkel und Sergej Lawrow zeigt, seines Zeichens Außenminister von Russland. So sorgt der aufgedeckte Angriff von Fancy Bear für Misstrauen und Ärger, doch welche Sanktionen folgen könnten, ist unklar.

*** In Hamburg ist die Fotografin Astrid Kirchherr gestorben. Ihre Fotos der frühen Beatles hatten Stil, Charme und Pilz-Köpfe. Sie gehört insofern in diese IT-gesättigte Rückschau, weil es schließlich der ehemalige IBM-Europachef Hans-Olaf Henkel war, der liebend gern die Geschichte ausschmückte, wie er dank seiner angebeteten Astrid die Beatles in Hamburg kannte, lange bevor sie zu Weltruhm kamen. Etwas ausgeschmückt kann man seine Geschichte auch online nachlesen, ganz ohne Bravo-Starschnitt.

Was wird.

Er ist eigentlich gerade erst vom US-Präsident Trump angekündigt und hat doch schon begonnen. Der Handelskrieg zwischen den USA und China, in dem China zur mächtigsten Volkswirtschaft dieses Jahrhunderts aufsteigen wird, dürfte eines Tages (siehe Anfang) die Geschichtsbücher füllen, die von den Siegern geschrieben werden. Es wird spannend sein, wie sich das gerade mal wieder zusammenfindende Europa in diesem Handelskrieg – oder ist es ein Technologie-Krieg – verhalten wird. Mögest du in interessanten Zeiten leben, so lautet ja ein hier schon mehrfach zitierter chinesischer Fluch der höflichen Art. Wir tun es jetzt und schauen zu, wie Trump, innerlich vom Neid auf seinen Vorgänger zerfressen, zur Vorbereitung des großen Krieges Facebook, Instagram, Twitter und Google unter seine Kontrolle bringen möchte. Die besagten Dienste sollen von der "radikalen Linken" gesäubert werden, ein gewisser Herr McCarthy lässt grüßen.

Ob Donald Trump dieser Kampf gegen seine persönlichen Windmühlen gelingen wird, mag man bezweifeln. In jedem Fall ist es an der Zeit, sich bei den dezentralen Alternativen umzuschauen, wenn der grassierende Wahnsinn diese Angebote erfasst. Die Entzauberung des Silicon Valleys ist so gesehen eine unverhoffte Chance. Sie kann man nutzen oder auch nicht. Es ist wie mit der Verschlüsselung der Kommunikation, die derzeit wieder unter Beschuss genommen wird. Immer gilt es, gegenzusteuern, mitunter andere Wege zu beschreiten als etwa Enigmail, dessen Zeit abgelaufen ist. Wie sagte das ein kluger Mensch? "Wir schaffen das schon."

Quelle : www.heise.de

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