Autor Thema: Was war. Was wird. (Die Wochenschau von Hal Faber)  (Gelesen 68691 mal)

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Was war. Was wird. Von Gesichtern und Geschichten.
« Antwort #795 am: 20 Oktober, 2019, 10:25 »
Ewig grüßt das Murmeltier. Hal Faber ist selbst überrascht, dass er angesichts der Lage abgedroschene Sprüche aus der Sprachmülltonne holt. Aber Sprache, ach.

Wie immer möchte die Wochenschau von Hal Faber den Blick für die Details schärfen: Die sonntägliche Wochenschau ist Kommentar, Ausblick und Analyse. Sie ist Rück- wie Vorschau zugleich.

Was war.

*** Manchmal lohnt es sich, alte, abgestandene Nachrichten herauszukramen. Was waren das noch für Zeiten damals, als ein gewisser Thomas de Maizière Bundesinnenminister war und anno 2017 vom Test der Videoerkennung am Bahnhof Südkreuz schwärmte, den Ausbau der wunderbaren Gesichtserkennung für die Fahndung nach Terroristen forderte und im Interview auch noch den Zugriff der Sicherheitsbehörden auf die verschlüsselte Kommunikation von Messenger-Diensten einforderte. Ja, das kennen wir doch?

Die einschlägigen Überwachungsphantasien nach den Morden in Halle mit den Messengern oder mit der Gamer-Szene zu verbinden, obwohl keine einzige Sicherheitsbehörde den Täter auf dem Schirm hatte, das ist ein gern abgespultes Ritual zupackender Politik. In dieser Hinsicht darf man noch auf Steigerungen gespannt sein, wenn man die Nachricht aus China liest, nach der der Kauf einer SIM-Karte oder die Bestellung eines Internet-Anschlusses ab Dezember nur noch mit einem Gesichts-Scan gestattet sein soll. Der Täter streamt seine Tat? Zack, haben wir ihn geortet, zackzack haben wir sein Gesicht, zackzackzack ist er gebodigt und entwaffnet. Jetzt komme man mir nicht mit diesem Gerede vom besonderen chinesischen Sozialkreditsystem, denn so viel anders sind unsere "westlichen" Ansätze zum Scoring nicht, wie eine Konferenz gezeigt hat. Falsche Straße? Kein Vertrag!.

*** Zu den Nachrichten dieser Woche gehört der Bericht des UN-Sonderbeauftragten für Armut und Menschenrechte, in dem ein "Sozialstaat" beschrieben wird, der mit künstlicher Intelligenz und Scoring-Systemen aller Art die digitale Wohlfahrtspflege betreibt. Dazu passt bestens "The Technology Trap", ein Buch des schwedischen Wirtschaftshistorikers Carl Benedikt Frey, das beschreibt, wie derzeit die Mittelklasse (wieder einmal) in die Armut abgedrängt wird und welche Rolle die künstliche Intelligenz dabei spielt. Sehr hübsch zu lesen – bis man auf die Passage stößt, in der Bundesinnenminister Thomas de Maizière anno 2017 die Gesichtserkennung am Bahnhof Südkreuz über den grünen Klee lobt. 70 Prozent aller gesuchten Personen seien fehlerfrei erkannt worden, während weniger als ein Prozent fälschlicherweise identifiziert worden seien, hauptsächlich wegen schlechter Bildqualität. Das Fazit von Frey: Gesichtserkennung ist auch im Westen angekommen. Ei der Daus, da wundert man sich doch über diese Sorte Wissenschaft, wenn man sich an das Geeiere erinnert, dass zum Abschluss des Tests am Südkreuz veröffentlicht wurde. Da glaubte nur Bundesinnenminister Seehofer an einen erfolgreichen Test, während Wissenschaftler die Falschtrefferrate auf das hohe Passagierauskommen am Südkreuz umrechneten. Egal, nun steht es also in einem wissenschaftlichen Buch. When the legend becomes fact, print irgendwas. Augen zu und durch, das ist die Devisage.

*** Wer die Kommunikation via Messenger überwachen will, muss die gern bemühte Quellen-TKÜ auf dem Gerät eines Verdächtigen installieren oder – um unbekannten Terroristen auf die Spur zu kommen – den Generalschlüssel besitzen, den WhatsApp, Signal oder Threema gefälligst herausrücken sollen. Bekanntlich gibt es dafür eine Anleitung, der man den griffigen Titel "Seehofer's Law" geben könnte. Auf Deutsch: "Man muss Gesetze komplizierter machen. Dann fällt das nicht so auf." In dieser Woche ist eine neue Ausgabe der Zeitschrift für das Gesamte Sicherheitsrecht erschienen, in der sich im Editorial der Jurist Christoph Gusy mit dem "Glanz und Elend der Sicherheitsgesetzgebung" beschäftigt. Vor allem geht es um ein großes Elend, den von Netzpolitik.org geleakten Referentenentwurf eines Gesetzes zur Harmonisierung des Verfassungsschutzrechtes.

Ein längeres Zitat sollte man sich zu Gemüte führen: "So formuliert etwa der genannte Rentenentwurf zur Verhältnismäßigkeit heimlicher Informationserhebung: 'Eine geringe Beeinträchtigung ist in der Regel anzunehmen, wenn die Information aus allgemein zugänglichen Quellen gewonnen werden kann.' So richtig und wichtig das ist: Warum nur in der Regel? Und was sind die Ausnahmen? Für die besonders eingriffsintensive Maßnahme der Ermittlung in informationstechnischen Systemen wird jener Grundsatz wieder aufgenommen. Sie 'sind in der Regel nur zulässig, wenn die Erforschung des Sachverhaltes mit anderen Mitteln aussichtslos oder wesentlich erschwert wäre.' Die Formulierung gibt neue Rätsel auf. Wird hier eine konkrete Regel aufgestellt im Kontext der zuvor genannten ohnehin geltenden allgemeinen Regel, also die Regel von der Regel? Das wäre rechtssetzungstechnisch Neuland und gewiss weiterer Forschung wert. Oder geht es um dieselbe Regel, also die Ersetzung der generellen durch eine spezielle Eingriffsgrenze? Aber warum dann der Verweis auf die allgemeine Bestimmung, die doch gleichfalls eine Regel enthält?" Wenn der Referentenentwurf Gesetz wird, wird "in der Regel" zum Kampfwort.

*** In Berlin gibt es eine neue Art der Baufinanzierung, vermittelt durch einen Werbespot, in dem zwei Dragqueens eine Nachbarin dabei beobachten, wie sie mit allein mit der Hand die Tür zu ihrem schicken neuen Haus öffnet. Das Ganze ist ein Angebot einer Berliner Bank zur Baufinanzierung. Wer es wahrnimmt, bekommt von der Bank zwei Implantationen eines NFC-Chips in die Daumenfalte bezahlt, der die Schließanlage aktiviert bzw. deaktiviert. Die Message ist wohl, dass Bodyhacker die besten Häuslebauer sind und sich auch nicht von Berliner Geschichten über das Hacken des NFC-Chips beirren lassen. Andere erinnert die Aktion zur Steigerung der Aufmerksamkeit an die Falschmeldung der Berliner Polizei, Hacker hätten in einem besetzten Berliner Haus einen Türgriff unter Strom gesetzt. Berliner Geschichten, die darauf warten, zur Legende zu werden, genau wie die nicht personenbezogene Auswertung von Handy-Bewegungsdaten durch die Berliner Verkehrsbetriebe. Erinnert euch! Ja, wie war das nochmal damals, so um 2019, als das Zeitalter der Maschinen-Menschen mit einem Bausparvertrag begann? Oder war das schon viel früher, so vor 70 Jahren, als der Barcode zum Patent angemeldet wurde? Oder in den 60ern, als Manfred Clynes und Nathan Kline den Begriff Cyborg in die Welt setzten und einer Laborratte den Schwanz durch eine kleine Nährstoffpumpe ersetzten?

*** Und was ist mit Handke, Peter Handke? Nun ist ja dazu schon alles gesagt, nur nicht von allen. Was mich aber wundert, dass so mir nichts dir nichts Handke zum Gralshüter der deutschen Sprache gemacht wird, selbst von denen, die ihn wegen seiner Serbien-Ausfälle für einen unwürdigen Preisträger halten. "I'm not convinced", um einen anderen Ausspruch zu zitieren, der sich allerdings um die Ablehnung eines Krieges bemühte, ganz anders als im Jugoslawien-Krieg, in dem die NATO eingriff und eine eher unrühmliche Rolle spielte, wenn auch wohl aus nachvollziehbarem Anlass. Aber zurück zu Handke: Sein in den Mystizismus abdriftendes Geraune ist mir spätestens seit der Niemandsbucht zuwider. Was aber ein ästhetisches Argument ist, und wenn man so will, sich um die Poetik Handkes dreht. Wobei wir wiederum bei der von Handkes Verteidigern immer wieder angeführten Trennung von Werk und Vita sind, der Trennung von Handkes Poetik und Handkes Politik. Denn sein Geraune führt genau dazu, dass er sich in seiner Sprache verirrt, Verbrechen gegen die Menschlichkeit rechtfertigt und gleichzeitig die Berichterstatter, die die Verbrechen benennen, denunziert. Handke hat seine Serbien-Texte expressis verbis als Teil seiner Poetik bezeichnet, in der sich Handkes Sprache gegen die Sprache der von Handke so titulierte "üble Auslandsreporterhorde", gegen die "Hassleitartikler" richtet. Spätestens dann ist Werk und Politik nicht mehr zu trennen. Und das Geraune wird verdächtig, verdächtig wie Heideggers Geraune, dass seine antisemitische Grundierung verbarg und doch in seinem nationalsozialistischem Engagement durchbrach. Paul Lendvai zitiert in seinem richtungsweisenden Essay "Handke, Milosevic und der Skandal" seinen Freund Milo Dor, den in Serbien geborenen und im Widerstand gegen Hitler aktiven Schriftsteller, Handke sei ein "ahnungsloser Tourist". Die Invektive mag eine passende Antwort auf Handkes Ausfälle sein. Nur leider ist Handke eben nicht nur ein ahnungsloser Tourist ohne öffentlichen Resonanzboden – sondern nunmehr Nobelpreisträger mit unzähligen öffentlichen Apologeten. Michael Martens hat dazu mit Recht angemerkt, auch Ernst Jünger, Ezra Pound oder Gottfried Benn seien zwar unbestreitbar große Literaten, waren aber aufgrund ihrer rechtsextremen und nationalsozialistischen Verirrungen trotz Nominierung keine Nobelpreisträger (und Bert Brecht, by the way, wegen seines stalinistischen Unsinns eben auch nicht). Damit ist nun wirklich alles gesagt.

Was wird.

Benehmt Euch! ist ein Buch, das sich mit der Verrohung, Verblödung, Verkindung und dem Verderben Deutschlands beschäftigt, eben weil sich keiner mehr artig benimmt. Das entnehme ich jedenfalls aus dem Waschzettel zum Buch und das sollte erst einmal reichen. Denn hier soll auf den 4. Deutschen Interoperabilitätstag hingewiesen werden, der unter dem Titel Benehmt Euch! startet. Gutes Benehmen ist dabei weniger gefragt, denn es geht um den Benehmensherstellungsprozess zur Interoperabilität der elektronischen Patientenakte. Diese Akte soll bald kommen und ein großer Wurf werden, wie dies auch in dieser Woche bei der Bundestagsanhörung Thema war. Auch der Petitionsausschutz des Bundestages hat sich eingeschaltet und regt an, "dass auf der Chipkarte der Krankenkassen alle relevanten Gesundheitsdaten des Patienten gespeichert werden." Auf der Karte könnte das sicherer sein als alles, was über modische Gesundheits-Apps bekannt geworden ist. Allerdings wäre dafür wohl die Ausgabe einer neue Generation von Gesundheitskarten fällig. Ob das eine Chance ist, das heilloses Chaos zu beenden, ist eine andere Frage. "In der Regel" ist das Chaos eine einzige Ansammlung von vielen Ausnahmen, das wusste schon Yogi Berra.

Danach beginnen die Feierlichkeiten zum 50. Geburtstag des Internet. Neben den üblichen Verdächtigen inklusive Liveschalte des Internet-Urgesteins Peter Altmaier vom Digitalgipfel in Dortmund sollen die Teilnehmer am Neuland-Kurs im Open-HPI beschreiben und begründen, "wie das Netz der Netze im Jahr 2069 aussehen wird." Es ist schwer, etwas vorherzusagen, vor allem die Zukunft. Nein, das stammt nicht von Yogi Berra, sondern von Niels Bohr. Aber wie wäre es mit der Annahme, dass "Menschen" so als Konzept kohlenwasserstoffbasierter Neuronalschaltkreise nicht mehr existieren werden? So, wie wir aktuell mit der Welt umgehen, ist das keine verwegene Annahme. Es kann natürlich sein, dass uns irgendeine künstliche Intelligenz im Wunderland der Zukunft retten wird, einfach nur so, weil es viel zu langweilig ist, einfach nur Büroklammern herzustellen.

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Was war. Was wird. Von Untoten und anderen Personen.
« Antwort #796 am: 27 Oktober, 2019, 08:25 »
Wenn die Menschheit von Maschinen ersetzt ist, wird die elektronische Person vielleicht die Erde retten. Hal Faber rätselt über seltsame Gedankengänge.

Wie immer möchte die Wochenschau von Hal Faber den Blick für die Details schärfen: Die sonntägliche Wochenschau ist Kommentar, Ausblick und Analyse. Sie ist Rück- wie Vorschau zugleich.

Was war.

*** Sie ist tot. Sie ist eiskalt ermeuchelt worden. Ein Begräbnis findet nicht statt, das ist schon immer so bei Unpersonen gewesen, die aus der Gesellschaft ausgestoßen wurden. Die Rede ist von der elektronischen Person, die selbst in dem Labertaschenlexikon Wikipedia nur kurz behandelt wird. Sie ist von der mehrheitlich aus Juristen gebildeten Datenethik-Kommission getötet worden. In der Empfehlung Nummer 73 (hier die Kurzfassung als PDF-Datei) liest sich der Mord so: "Der Gedanke, algorithmischen Systemen hoher Autonomie künftig Rechtspersönlichkeit zuzuerkennen und sie selbst für Schäden haften zu lassen ('elektronische Person'), sollte nicht weiterverfolgt werden. Soweit dieser Gedanke auf eine Analogie zwischen Mensch und Maschine gestützt wird, ist er schon ethisch nicht vertretbar, und soweit es schlicht um die Anerkennung einer neuen Gesellschaftsform im Sinne des Gesellschaftsrechts geht, löst er keine Probleme." Gut, man kann die Haftung autonom fahrender Autos auch anders begründen, wie das die Kommission in Punkt 74 macht, wenn die Haftung für Gehilfen nach § 278 BGB für die Juristen als ausreichend angesehen wird: "Der Schuldner hat ein Verschulden seines gesetzlichen Vertreters und der Personen, deren er sich zur Erfüllung seiner Verbindlichkeit bedient, in gleichem Umfang zu vertreten wie eigenes Verschulden." Aber vor der anstehenden Entwicklung autonomer Autos und vor allem von eigenständigen Pflegerobotern hätte die elektronische Person schon Sinn gemacht.

*** Man muss ja gar nicht so weit gehen wie James Lovelock, der als Vertreter der Gaia-Hypothese bekannt wurde. Sie besagt, dass die Erde ein Lebewesen ist. Deswegen ist Lovelock nun davon überzeugt, dass Maschinenwesen die von uns ruinierte Erde kühlen und retten werden. Spätestens dann, wenn das Anthropozän durch das Novazän abgelöst wird, in dem Mischwesen aus Mensch und Maschine die Erde bevölkern, wird man sich an die "elektronische Person" erinnern. So als Mitbürgerin, die von den Datenethikern eskamotiert wurde, weil es keine Maschinenwürde geben sollte und diese Algorithmen in den Maschinenwesen sowieso kein Taktgefühl haben. Die drei Informatiker dieser Kommission hatten offenbar nicht den Hauch einer Chance, die elektronische Person zu retten. Vielleicht ist der Gedanke, dass es ein Ende der Menschheit geben kann, einfach noch zu neu: Er erstand ja erst, als Immanuel Kant sich seines eigenen Verstandes bediente und seinen Mitmenschen im Gefolge der Gedanken von Edmond Halley über Erdkatastrophen und Kometen erklärte, wie das Ende des Sinns aussehen kann.

*** Wer genau hinsieht, kann ja beobachten, wie Maschinen voller Liebe und Güte bereits mit der Regulierung begonnen haben. Da wäre etwa dieses Smartphone, von dem aus US-Präsident Trump zu später Stunde und am frühen Morgen angeblich in personam twittert. Doch wenn dann davon die Rede ist, das Menschen Abschaum sind, ist es verdächtig. So verunmenschen, das kann nur eine Maschine, die keinen Algorithmus zur Bestimmung der Menschenwürde besitzt, oder? Auch die Tatsache, dass Rudy Guiliani, Trumps eifrigster Helfershelfer, angeblich einen Butt-Dial Schwarzgeld im besten Gangsterstil anfordert, gibt zu denken. Ist es nicht viel wahrscheinlicher, dass da eine Maschine ihre Schalter im Spiel hatte? Kann so viel Blödheit bei Juristen vorhanden sein, die doch das Gegenteil von abschäumigen Menschen verkörpern?

*** Natürlich lässt uns die Vorstellung schaudern, dass Maschinen im Spiel sind, gerade zu Halloween, diesen Schaudertagen, die in der IT eine ganz besondere Bedeutung besitzen. Man denke nur an die Halloween-Dokumente von Microsoft. Das ist die Firma, die nun ein ganz besonderes schauriges Halloween-Projekt an Land gezogen hat. Microsoft, nicht Amazon, baut die JEDI-Cloud für das "Pentagon der Macht", gemäß Lewis Mumford das perfekte Symbol eines totalitären Absolutismus. Da kommt das große Heulen und Klappern auf, bei dieser Verschwörung. Und was will uns der erst kürzlich hier erwähnte Peter Altmaier damit sagen, wenn die riesige europäische Cloud, die auf dem IT-Gipfel der Bundesregierung in Dortmund vorgestellt wird, Gaia X heißt? Sie sind unter uns, die Maschinen, und sie lenken die Erde mit rauchenden Schloten. Irgendwo läuft das Scoring-System von Gaia und der Punktestand der Menschheit schrumpft immer schneller.

*** Wo bleibt das Positive? Fangen wir einmal mit dem Bundeskriminalamt an, dessen Chef Holger Münch in dieser Woche auf einer Goodwill-Tour durch die Redaktionen zog. Seine Nachricht: Seit dem Anschlag auf dem Breitscheidplatz konnte seine Truppe sieben Anschläge verhindern. In einer anderen Zusammenfassung nannte Münch den Rechtsextremismus "demokratiegefährdend". Ob damit auch die eigenen Beamten gemeint sind, die sich Namen wie Holocaust=fake, H1tler und NateHigger geben, dürfte er noch beantworten müssen. Spätestens bei der anstehenden Herbsttagung seiner Behörde werden sie beantwortet, denn dann geht es um "die Erscheinungsformen und die Dimensionen von Hasskriminalität" in der analogen wie in der digitalen Welt. Für letztere der Heiseticker-Lesern bestens bekannte Cyber-Kriminologe Thomas-Gabriel Rüdiger.

Was wird.

Unversehens ist die kleine Wochenschau in der Zukunft angelangt, wo ein Kessel Buntes auf uns wartet. Da warten erstaunliche Ereignisse auf uns wie die Wahl im kleinen Thüringen, wo ein ehemaliger Historiker namens Höcke aus der ersten Regierungsbeteiligung der NSDAP an einer Landesregierung im Jahre 1930 seine Inspirationen bezieht, da er kein eigenständiger Denker ist. Schöner ist es da in Hannover, wo ein Grüner Chancen hat, die über 70 Jahre währende Herrschaft der SPD zu beenden.

Es folgt weitaus weniger dramatisch der Digital-Gipfel in der Bierstadt Dortmund mit dieser Cloud Gaia X, getragen von Bosch, der Deutschen Telekom, SAP und Siemens. Weitere Projekte zur Industrie 4.0 und zum Smart Living 5.0 sollen zeigen, wie sich "Deutschland auf dem Weg zum souveränen Standort" befindet. Schaut man ins Programm, ist alles irgendwie eine "Plattform".

Gleich neben Dortmund liegt die Bierstadt Köln – wobei diese Zueignung bei manchen Biertrinkern angesichts solcher Dinge wie "Kölsch" doch sehr umstritten ist, jedenfalls wird in Köln mit der Messe Digital X so etwas wie "Digitalisierung zum Anfassen" geboten. Bei der Telekom wird etwas namens "Edge in the Box" gezeigt, womit man wohl die Chance hat, einmal eine Cloud zu streicheln. Ähnliches möchte ich mal bei "Blockchain as a Service" sehen, ordentliche solide rasselnde Ketten um den Hals all derer, die über die Blockchain schwafeln. Ein Beispiel? "Die Hoffnung, die sich 1945 mit der Gründung der Vereinten Nationen verband, ruht heute auf Blockchain als Code eines weltbürgerlichen Gesellschaftsvertrags," heißt es in einer einstmals ehrwürdigen Zeitung.

Zwischen Dortmund und Köln liegt Düsseldorf, angeblich auch eine Bierstadt. Im November ersäuft sie regelmäßig unter dem Ansturm der Besucher der Medica, diesmal mit dem Schwerpunkt "Internet of Medical Things", dem 3D-Druck von Körperteilen und eben jenen Behandlungs- und Pflegerobotern, in denen wir keine "elektronischen Personen" sehen. Das alles komplettiert mit Exoskeletten, die zeigen, was passiert, wenn in China ein paar Säcke Reis umfallen. Immer wieder gern gesehen ist auch die Gematik dabei, mit weiteren Hinweisen, wie man einen Konnektor in der Praxis anschließt. Das Thema beschäftigt Viele, denn nicht nur Gesundheitsapps sollen gefälligst sicher mit medizinischen Daten umgehen, sondern auch die Ärzte. Sonst alpt der Traum vom digitalen Krankenschein. So mancher ist da aus schönen Träumen gerissen, wie es das Ende des Ärzte-Vernetzungsprojekt bei T-Systems zeigt. Ein Konnektor macht noch keinen Sommer, so eine uralte Bauernweisheit.

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4W: Eine kleine Geburtstagsgeschichte vom rechtsfreien Raum.
« Antwort #797 am: 03 November, 2019, 10:42 »
Man soll die Geburtstage feiern, wie sie fallen. Besonders alt muss man sich aber im rechtsfreien Raum nicht fühlen, meint Hal Faber. Alles ist Neuland.

Wie immer möchte die Wochenschau von Hal Faber den Blick für die Details schärfen: Die sonntägliche Wochenschau ist Kommentar, Ausblick und Analyse. Sie ist Rück- wie Vorschau zugleich.

Was war.

*** In dieser Woche hat das Internet seinen 50. Geburtstag gefeiert. Viele feierten mit, nicht nur der Newsticker mit Artikeln über die Frühzeit des Netzes, den Weg in die Kommerzialisierung und das Laben der ersten Netzgeneration, der Generation X. Besonders alt ist das nicht. Man denke nur an die Frankfurter Allgemeine Zeitung, gemeinhin FAZ genannt, die dieser Tage ihren 70. Geburtstag feierte, stilecht mit Alexander Gauland im Berliner Nobelrestaurant Borchardt. Oder wie wäre es mit der ältesten noch heute existierenden Schnüffelbehörde der Welt, die sich vor 100 Jahren als Government Code and Cypher School ans Schnüffeln machte und später als GCHQ Pionierarbeit beim Abhören der Satellitenkommunikation leistete?

*** Immerhin gab es dieses Internet schon vor dem Fall der Mauer. Damit könnte man an Demos.su erinnern, den ersten kommerziellen Service-Provider, der sich den Spaß machte, die Adresse kremvax.demos.su zu sichern und einen alten Witz mit neuem Leben füllte. 30 Jahre später haben die Internet-Provider dort nichts mehr zum Lachen und die Opposition wird im Netz kaltgestellt.

*** Da könnte man auch an den Remailer anon.penet.fi von Julf Helsingius erinnern, der Post aus Russland transportieren sollte, wegen seiner Anonymisierungsfunktion aber abgeschaltet werden musste. Weil ja nicht sein darf, was sein kann, nämlich ein Internet, das lange vor Tor ein rechtsfreier Raum war. Damit bin ich beim Thema dieser Woche angelangt, das beim Feiern des Netzes der Netze gerne vergessen wird. Wann entstand eigentlich dieser rechtsfreie Raum da im Internet? Wer lebt(e) in ihm mit Saus und Braus? Wer fürchtet sich vor ihm wie vor Sauron, dem Herrn der Ringe? Was ist das eigentlich für ein merkwürdiger Raum, in dem ein Chemiekonzern wie Monsanto einfach einen fliegenden Gerichtsstand einrichten konnte, der jedweden Kritiker beim Anflug zerquetscht? Redet eigentlich heute noch jemand über diesen Raum? Zu denken gibt das aktuelle Statement eines Wählers, der von der Piratenpartei zur AfD gewechselt ist, um den rechtsfreien Raum im Internet für die Netzgemeinde zu verteidigen.

*** Die Rede vom Internet als rechtsfreier Raum kennt jeder, der sich mit den politischen Aspekten des Netzes beschäftigt, das nunmehr seit 50 Jahren aufgespannt und ausgerollt wird. Am schönsten im Sinne von schöner Metapher hat dies "Kohls Küken" ausgedrückt. Denn was ist schon ein Raum? Am 26.09.1996 erklärte die damalige Familienministerin Claudia Nolte: "Das Internet darf keine Insel mit Sonderrechten sein." Allein auf einer Insel der Seligen, wie Robinson Crusoe unter warmer Sonne sein eigenes Recht setzend, das ist doch ein schönes Bild. Weniger schön der Hintergrund: Nolte versuchte damals, eine Reihe von Servern mit kinderpornografischem Material in Südamerika schließen zu lassen und stritt sich mit der "Internet Content Task Force", heute eco Verband der Internetwirtschaft genannt. Die Vorgängerin von Zensursula kam mit ihrer Idee der Netzsperren nicht durch.

*** Wer sich auf die Suche nach den Wurzeln all dieser Metaphern von freien Inseln und rechtslosen Räumen macht, muss bis in das Jahr 1987 zurück, als Ed Krol als NFSnet-Administrator den Hitchhikers Guide to the Internet (hier die Fassung als RFC1118 von 1989) verfasste. Dem kleinen Führer war als Anhang die Acceptable Use Policy des NSFnet beigegeben, die zu klären versuchte, was im Dienste der Forschung und der Weiterbildung erlaubt ist und was nicht. Aus dem Handbuch des Anhalters durch das Internet entstand im Jahre 1992 ein sehr einflussreiches Buch von Krol, The Whole Internet User's Guide. Krols Verleger Tim O'Reilly war von den Chancen, die das darin geschilderte Internet bot, so begeistert, dass er jedem Kongressabgeordneten eine Kopie des Buches schenkte.

*** Krol versuchte am Anfang, den lesenden Novizen das seltsame Netz zu erklären, das auf dem ersten Blick anarchisch erscheint: "In actualtity, the network is a very ethical place, the ehtics are just a bit different than normal. To understand this, consider the term 'frontier justice'. When the West was young, there was a set of laws for the United States, but they were applied differently west of the Mississippi river. Well the network is on the frontier of technology, so frontier justice applies here too." Damit war Krol allerdings kein Cypherpunk, sondern durchaus ein Realist, als er schrieb: "Just be aware that this is a murky part of law which will be hammered out in the next decade."

*** Während sich Ed Krol mit dem Internet beschäftigte, beschäftigte sich eine junge Organisation namens Electronic Frontier Foundation (EFF) mit der Meinungsfreiheit. Sie war 1990 anlässlich der Durchsuchung von Steve Jackson Games durch das FBI gegründet worden. Unter dem Eindruck des Vorfalls schrieb John Perry Barlow sein einflussreiches Crime and Puzzlement: Wenn Computersysteme beschlagnahmt werden können, auf denen Mailboxen laufen, die dem Meinungsaustausch dienen, dann sei die freie Rede gefährdet, erklärte Barlow in dem Gründungsdokument der EFF. Im Diskussionsraum, den Mailboxen zur Verfügung stellen, müssten Meinungsfreiheit und das Recht der freien Rede Vorrang haben. Das FBI verlor das Verfahren. Ein Jahr später veröffentlichte Barlow seinen Wachruf Jackbots on the Infobahn: Er war in der Maschine des Vizepräsidenten Al Gore mitgeflogen und diskutierte dort Bestrebungen, alle Computer für den Anschluss an den "Information Highway" mit einem Clipper-Chip auszustatten. Das war der Beginn der großen Krypto-Debatte (ein anderes Thema), aber auch hier argumentierte Barlow mit der Redefreiheit.

*** Wir schauen auf Deutschland, wo sich auch eine Mailboxszene entwickelte und finden im Jahr 1992 den Hinweis auf eine Veranstaltungsreihe namens Public Domain in einem unbekannten Ort namens Bielefeld. Dort stellte man sich in einem Keller am Ulmenwall die Frage: "Globales Dorf – Rechtsfreier Raum?" Hinter der Frage stand das Problem, ob Mailbox-Betreiber nicht mit einem Bein im Knast stehen und für das haften müssen, was die Besucher in einem Tölleturm, im Fidonet oder im CL-Netz oder im Z-Netz alles anstellen. Das war eine Frage, die auch die Hacker bewegte, wie die Datenschleuder 39 zeigt. Sie berichtete direkt aus Bielefeld. Dort trat der Rechtsanwalt Günter (Freiherr von) Gravenreuth auf und erklärte die juristische Drei-Unterschiedheit von Mailboxen. Zusammengefasst: Mailboxen, die nur persönliche Nachrichten weiterleiten, unterliegen dem Postgeheimnis. Mailboxen, die öffentliche Bretter haben, entsprechen dem Medienrecht. Mailboxen, die Software verteilen, sind für Gravenreuth des Teufels Ausgeburt, egal wie die Lizenzbestimmungen dieser Software aussehen. Ein paar Datenschleudern später wurde im Jahre 1994 ein Leserbrief von Gravenreuth abgedruckt, in dem es heißt: "So hatte ich beispielsweise bei der Netzwerk-Tagung in Kiel und der vorangegangenen Diskussion im FIDONET den Eindruck gewonnen, dass bei so manchem SYSOP und USER sich erstmalig die Erkenntnis durchsetzte, dass Netze wohl ein globales Dorf, jedoch nicht zwingend ein rechtsfreier Raum sind." Dem CCC warf Gravenreuth vor, sich im Bildzeitungsstil über diese Erkenntnis hinwegzusetzen.

*** Den Vogel schoss in dieser Hinsicht ein ganz anderes Blatt ab. Unter dem Titel Gesetzlos im Cyberspace berichtete der Spiegel im August 1994 vom Treiben der US-amerikanischen Anwälte Laurence Canter und Martha Spiegel, die kurzerhand die "Acceptable Use Policy" der Backbones für juristisch ungültig erklärten und das Netz mit Werbung für ihre Kanzlei spammten. In völliger Umdrehung des Sachverhaltes wurden im Artikel diejenigen Administratoren und Nutzer, die sich gegen die Anwälte wehrten, zu Anarchisten und die das Recht ignorierenden Anwälte zu redlichen Bürgern erklärt, die nur ein bisschen Profit im Internet machen wollen. So werden die ehrbaren Anwälte gelobt: "Ihr Vorteil: Das Internet bildet inzwischen den größten rechtsfreien Raum der Welt. Verträge zur Benutzung, wie etwa beim deutschen Bildschirmtext der Telekom, gibt es nicht."

*** Den Höhepunkt der Debatte über den rechtsfreien Raum markierte das Jahr 1996. Es war das Jahr, als Ministerin Nolte das Internet als "Insel mit Sonderrechten" denunzierte, es war aber auch das Jahr, in dem die Bundesanwaltschaft alle deutschen Internet-Provider verpflichten wollte, den Kunden-Zugang zu "World-Wide-Web-Computern zu sperren, die die Untergrund-Zeitung 'radikal' vorrätig halten", wie es damals formuliert wurde. Beanstandet wurden zwei Nummern der Zeitschrift, die nach ihrem Verbot auf Papier elektronisch auf einem niederländischen Server des Providers XS4all gehostet wurde. Pikant wurde der Fall dadurch, dass ein Provider handelte: Compuserve schloss kurzerhand die Homepage Nur Mitglieder können Links sehen. Du kannst dich Registrieren oder Anmelden. Damit wurde die stellvertretend PDS-Vorsitzende Angela Marquardt aus dem Internet geworfen, denn sie hatte einen Link auf die Zeitschrift gesetzt. Während deutsche Internet-Provider die Aufforderung der Bundesanwaltschaft ignorierten, handelte die deutsche Niederlassung eines US-Konzerns – und betonte dabei auch noch, dass das Internet schließlich kein rechtsfreier Raum sei. Der gesamte Vorfall ist ausführlich dokumentiert.

*** Die Debatte um die Erfolgsaussichten von Sperrungen im Internet führte dazu, dass sich ausgewiesen Juristen mit dem Problem beschäftigten. So veröffentlichte Rigo Wenning 1997 den umfänglichen, aber gründlich recherchierten Artikel Das Internet – ein rechtsfreier Raum? Heute erinnert sich der Jurist amüsiert an diese Zeit. "Unter den Juristen galt ich fortan als der John Perry Barlow der Juristerei." John Perry Barlow schon wieder? Genau der hatte eine donnernde Unabhängigkeitserklrung des Cyberspace verfasst und auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos den verwunderten Staatslenkern und Staatsdenkern vorgetragen. Auf der Milia in Cannes erhielt er stehenden Applaus und einen spontan verliehenen Milia d'Or der Multimediamesse. "Regierungen der industriellen Welt, ihr müden Riesen aus Fleisch und Stahl, ich komme aus dem Cyberspace, dem neuen Zuhause des Geistes ..."

Was wird.

Es geht weiter, ganz bestimmt. Im rechtsfreien Raum ist immer was los, weil das Hetzen zum schlechten Ton gehört. Bekanntlich hat Twitter-Chef Jack Dorsey angekündigt, dass sein Dienst künftig keine politische Werbung zulassen wird. Das findet US-Chef Trump blöd. Die weltweiten Sozialisten von der Vierten Internationale sprechen gar von einer neuen Zensur des Internet.

So ist es nur natürlich, dass deutsche Politiker klare Regeln für diesen Raum sehen wollen, den Elon Musk gerade verlässt. Er will sich künftig bei Reddit zu Worte melden, auch das ein Angebot, das einmal mit seinen recht anarchischen AMAs als rechtsfreier Raum galt.

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4W: Von halben Jahrhunderten und anderen Jahrhundertereignissen.
« Antwort #798 am: 10 November, 2019, 09:00 »
Ach, der 9. 11.. Ein Schicksalstag der Deutschen, in jeder freudigen und entsetzlichen Hinsicht. Mancher zieht daraus seltsame Lehren, wundert sich Hal Faber.

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Was war.

*** Vor dreißig Jahren standen zigtausende von Menschen auf der Mauer, die Ost- und Westdeutschland trennte. Das hielt die Mauer nicht aus und so sprechen wir heute vom Mauerfall. Der machtvolle Antifaschismus aus dem Osten siegte und so sprechen wir heute von der Fahrerlaubnis mit all ihren Klassen, während der westdeutsche Führerschein mit seiner Erinnerung an den Führer den Nieten mit Hundekrawatten überlassen bleibt, die zwanghafte ihre Herrschafts- und Zersetzungsphantasien ausleben. So sieht halt Meinungsfreiheit aus. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Nieten suchte sich ausgerechnet die Kanzlerin als Zielscheibe aus, die in einem Interview davon spricht, dass es eher ein halbes Jahrhundert dauern wird, ehe sich Ost- und Westdeutschland angeglichen haben. Das packen wir zur Wiedervorlage in 20 Jahren.

*** Ja, so ein 9. November hat es in sich. Wer ein halbes Jahrhundert zurück blickt, landet bei einem ganz anderen Datum deutscher Geschichte. Vor 50 Jahren deponierten die Tupamaros West-Berlin eine Bombe im Jüdischen Gemeindehaus von West-Berlin, die ein V-Mann des Verfassungsschutzes geliefert hatte. Die Tupamaros wählten bewusst den 9. November der Progrome von 1938, um auf diese Weise für den "Befreiungskampf des palästinensischen Volkes" zu werben. In der Phantasie der Täter würde sich die linke Bewegung vom Protest gegen den Vietnamkrieg abwenden, schon allein deshalb, weil der Antisemitismus in weiten Teilen der Bevölkerung anschlussfähiger sei als der Antiamerikanismus. 50 Jahre später wissen wir mehr über diesen Hass.

*** Zu den vielen tollen Geschichten, die von den Ereignissen von damals erzählt werden, gehört die Geschichte vom Ende der Geschichte, die der US-Philosoph Francis Fukuyama im Jahre 1989 zum ersten Mal zum Besten gab. In dieser Woche referierte er vor den Schülern der Hertie School of Governance, warum er zwar richtig prognostiziert hatte, sich das Geschehen jedoch in einer ganz anderen Richtung bewegte. Es ist dieses verdammte Internet, das alles verzerrt und den unausweichlichen Triumph des liberalen Westens verlangsamt, es ist diese elektronische Kommunikation, die die "nationalistische Internationale" eines Putin oder Xi erst möglich macht. Eine Woche nach der Geschichte vom rechtsfreien Raum Internet kommt die Geschichte vom Netz als obersten Bremser der Geschichte, natürlich unter Hinweis auf den twitternden Präsidenten, der fürs Twittern übrigens immer einen Lakaien zur Hand hat. Darin unterscheidet er sich von anderen Zwölfjährigen, die ihr Smartphone bedienen können. Für den Propheten Fukuyama ist die Sache mit Trump übrigens ausgestanden: "Wir werden sehen, ob das amerikanische Volk zweimal denselben Fehler macht".

*** Unter all den Artikeln, Erinnerungen und Anekdoten zum Fall der Mauer ragt ein "Manifest" hervor, das den Mauerfall aus Ostberliner Perspektive betrachtet. Es heißt Was wir wollen und soll wohl die Leitplanke der künftigen Entwicklung der "Berliner Zeitung" sein, die jetzt Silke und Holger Friedrich gehört. Erstmal ist Leid beim Lesen und Verstehen angesagt, die Salonkommunisten sprechen gar von einer ostdeutschen Melange des Grauens: Verlegerin und Verleger bedanken sich zum Mauerfall bei Egon Krenz und Angela Merkel. Ferner danken sie den Eltern von Sergej Brin, dass sie von Russland aus in die USA ausgewandert sind und nicht nach Deutschland, denn sonst hätten wir etwas so schönes, großes und "technisch brilliantes" wie Google nie bekommen. Und noch größerer Dank geht an Vladimir Putin, aber nicht an den KGB-Agenten, der in Dresden Robotron überwachte, sondern an den weisen Staatsmann und großen Visionär mit seiner liebevollen Behandlung der Menschen auf der Krim und im Donezbecken. "Und reden wir nicht nur mit ihm darüber, wie verantwortungslos es heute ist, neue Atomwaffen entwickeln zu lassen, obwohl der Gödelsche Unvollständigkeitssatz in Wikipedia für jeden nachlesbar ist."

*** Kopfkratzen ist auch angesagt, wenn im Manifest von den "an unsere Türen schlagenden Social-Scoring-Systemen" die Rede ist. Wer sie an die Tür schlägt, ist unklar. Aber sie erzeugen einen Datenschatz, der dringend gehoben werden muss. "Die einen nutzen Daten und die anderen verbieten es, Daten zu erheben, obwohl wir das fortschrittlichste Datenschutzrecht zur Durchsetzung unserer informationellen Selbstbestimmung in der EU unser Eigen nennen – Maschinenbauer gegen Maschinenstürmer, Fortschritt gegen Reaktion, Pragmatismus gegen Nostalgie." Der Mensch ist der Datenwolf des Menschen, oder so. Dazu passt das in dieser Woche vom Bundestag verabschiedete Digitale Versorgung Gesetz, das der medizinischen Grundlagenforschung einen großen Datenreichtum beschert, wie es selbst der Bundesdatenschützer bemerkt und kritisiert. Von der datengetriebenen Medizin haben auch die Versicherten etwas. Sie werden Apps statt Ausdrücke vom Arzt bekommen und damit souveräne ManagerInnen ihrer Gesundheit. Wir wissen ja, wie das läuft: Am Anfang war Ada.

*** Nicht nur Kopfkratzen ist angesagt, auch etwas Sentimentalität, wenn hipster-gewendete Spätberufene aus dem Osten den Wessis die Geschichte erklären. Auch musikalisch mag man den erinnerungsseligen Neu-Verlegern Geschichtsvergessenheit vorwerfen. Und auch ihnen keine Verhärtung wünschen.

Wir schwelgen derweil in Erinnerungen, die uns mal hier, mal dort verweilen lassen.

Was wird.

Aller Anfang ist Ada. Isso. Nach der Feier ist vor der Feier. Jedenfalls manchmal. Am kommenden Montag hat der westdeutsche Oberpoet Hans Magnus Enzensberger einen runden Geburtstag von fast zwei halben Jahrhunderten, doch er ist schon hier und hier und hier gefeiert worden, deshalb blättern wir in der Vorschau zurück bis in die Zeit der frühen Kursbücher, die Enzensberger herausgegeben hat. Da finden sich dann so lustige Sachen wie dieser Text über "Das internationale System in den kommenden 50 Jahren" des Medienforschers Ithiel de Sola Pool im Kursbuch vom August 1968. Für das nächste halbe Jahrhundert schrieb er vor einem halben Jahrhundert: "Um 1980 wird eine größere politische Krise in der UdSSR ausbrechen. […] Obwohl es nicht ganz bis zur Revolution kommt, ist das Ergebnis dieser Unruhen die tatsächliche Abschaffung der Kommunistischen Partei, oder aber ihre Zersplitterung in mehrere Einzelorganisationen, die Aufhebung der Kolchosen etc. Während dieser Ereignisse verliert die Sowjetunion endgültig jeglichen Einfluss in Ost-Europa. Der Versuch einer Vereinigung von Ost- und Westdeutschland bleibt vorerst ohne Ergebnis; er verhindert jedoch das Ausbrechen der Revolution in der UdSSR. Letzten Endes führt der diplomatische Druck seitens West-Europas und der USA zur deutschen Wiedervereinigung." Das ist doch einmal eine erfolgreiche wissenschaftliche Prognose, ganz im Gegensatz zu den schriftstellerischen Versuchen, die Wiedervereinigung vor der Wiedervereinigung zu beschreiben. Die Prognose des Zusammenbruches beruhte übrigens auf einer Computersimulation, wie im Artikel Der Kaiser, der Zar und der Computer beschrieben.

Gratulieren muss man Enzensberger auf jeden Fall für seinen Baukasten zu einer Theorie der Medien, die im Kursbuch vom März 1970 erschienen ist. Sein Baukasten enthält eine Menge handlicher Werkzeuge und ist voller nummerierter Thesen, mit denen andere ihr Fett wegbekommen. So wird Marshall McLuhan als "Sandgrube unbewältigter Beobachtungen" beschrieben. "Der Satz, das Medium sei die Botschaft, übermittelt jedoch noch eine andere Botschaft, die viel wichtiger ist. Er teilt uns mit, dass die Bourgeoisie zwar über alle möglichen Mittel verfügt, um uns etwas mitzuteilen, dass sie jedoch nichts mehr zu sagen hat.". Sehr gelungen ist auch das Lob der Manipulation von elektronischen Medien, die der Autor als Agent der Massen beherrschen muss. "Ein unmanipuliertes Schreiben, Filmen und Senden gibt es nicht. Die Frage ist daher nicht, ob die Medien manipuliert werden oder nicht, sondern wer sie manipuliert. Ein revolutionärer Entwurf muss nicht die Manipulateure zum Verschwinden bringen; er hat im Gegenteil einen jeden zum Manipulateur zu machen." In diesen Sinne ist auch die Verklärung des Kurt von Hammerstein eine gelungene Manipulation.

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Was war. Was wird. Vom richtigen Leben im falschen.
« Antwort #799 am: 17 November, 2019, 09:09 »
Fake-News haben ein langes Leben, muss Hal Faber leider feststellen. Dafür darf man dann auch die Wunder der IT bewundern, selbst in der Klinik.

Wie immer möchte die Wochenschau von Hal Faber den Blick für die Details schärfen: Die sonntägliche Wochenschau ist Kommentar, Ausblick und Analyse. Sie ist Rück- wie Vorschau zugleich.

Was war.

*** Es ist passiert. Es ist wirklich passiert. Ich habe einen Fake-Kommentar gepostet und damit weiter verbreitet.

Und daran geglaubt, dass es ein netter Sidekick wäre, zu allem dem Getue um den 9. November und dem Mauerfall. Was passiert ist, kann man aus dem Screenshot hier oben erkennen. Das ist die Passage eines Textes, den ich in der letzten Wochenschau zu Ehren von Hans Magnus Enzensberger vor seinem 90. Geburtstag zitiert habe. Danach sei das Jahrhundertereignis, die Wiedervereinigung Deutschlands, im Kursbuch 14 mit der "Kritik der Zukunft" tatsächlich korrekt vorhergesagt worden. Autor war der Politik- und Medienwissenschaftler Ithiel de Sola Pool, der am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in den 60er Jahren angefangen hatte, die dort installierten Computer für spieltheoretische Aussagen zu nutzen. Sein erster Wurf war ein Text mit dem hübschen Titel "Der Kaiser, der Zar und der Computer". Letztgenannter berechnete unter 17.000 möglichen Schritten, wie sich Kaiser Wilhelm II und Zar Nikolaus II hätten verhalten können, um den ersten Weltkrieg zu vermeiden. Beide machten katastrophale Fehler, so die Analyse des Computerprogrammes.

*** In der Folge berechnete de Sola Pool weitere politische Entscheidungen, wagte sich aber auch an die Auslegung möglicher Zukünfte, was man damals auf Vorschlag von Ossip Flechtheim Futurologie nannte. Es ging um nichts Geringeres als die Befreiung der Zukunft. Aus einer Berechnung entwickelte der ehemalige Trotzkist de Sola Pool eine Gesamtschau der Entwicklung des internationalen Machtsystems bis zum Jahr 2015. Damit kommen wir zur Hohen Schule der Manipulation, wie sie Enzensberger in seinem "Baukasten zu einer Theorie der Medien" rühmte (auch das steht in der Wochenschau). Denn die Übersetzung, die das Kursbuch da abdruckte, war eindeutig falsch. Was die damalige Praktikantin Ingrid Heckl, heute eher bekannt als Kursbuch-Herausgeberin Ingrid Karsunke, übersetzte, läuft vollkommen in die Irre. Ithiel de Sola Pool prognostizierte gar keine Wiedervereinigung, sondern einen Stopp der deutsch-deutschen Vereinigungsversuche durch die USA und Deutschlands Nachbarstaaten, gefolgt vom Austarieren neuer Machtblöcke. Seine Vorhersage liest sich im Original so: "During these events, the Soviet hold over Eastern Europe will be completely broken. An unconsummated attempt at East German-West German unification will occur. This will stop the revolution in the Soviet Union from going full course. In the last analysis, German unification will be aborted by diplomatic pressure from Western Europe and the United States. This will create a kind of US-Polish-Hungarian alliance with guarantees against Germany and, implictly, against the Soviet Union." Am Ende prognostizierte er die Auflösung der NATO und ein enges Bündnis der USA mit Frankreich, das die Teilung von Deutschland weiterhin überwacht, nur ohne diesen Kommunismus in Ostdeutschland. So sah "die Zukunft der Konterrevolution aus", wie im Kursbuch das Dossier der Futurologen überschrieben war.

*** Die Berechnung von 1965 wackelte schon im Jahre 1967, als der Aufsatz von Ithiel de Sola Pool erschien, wie er im Vorwort schrieb. Vor allem China entwickelte sich rasanter als im Computermodell berechnet und das, obwohl Mao Tse-Tung noch lebte. Trotz dieser Abweichung gelangen dem Wissenschaftler einige bemerkenswerte Zukunftsprognosen. Im Jahre 1983 beschäftigte sich de Sela Pool angesichts der TCP/IP-Umstellung des Arpanets mit den "Technologies Ob Freedom" im Zeitalter der elektronischen Vernetzung. Seine Prognose war, dass im Zeitalter der elektronischen Medien das Copyright verschwindet: "The recognition of copyright and the paying of royalties emerged with the printing press. With the arrival of electronic reproduction, these practices became unworkable. Electronic publishing is analogous not so much to the print shop of the eighteenth century as to word-of-mouth communication, to which copy­right was never applied.” Damit schalten wir in die Gegenwart direkt um, denn schließlich haben wir eine Kultur-Staatsministerin, die in dieser Woche in einer Rede mahnte, das Leistungsschutzrecht der Verleger zügig umzusetzen. Es geht um Geld für die Verleger und ihre Verwertungsgesellschaft, aber die Kulturexpertin verwechselt das, spricht von einer "gemeinsamen Verwertungsgesellschaft" von Autoren und Verlegern. Dann schwingt sie sich zu der kühnen These auf, dass dieses Geld der journalistischen Qualität zugutekomme, womit die Demokratie gerettet werde.

*** Schnief, Schnüffel, schnaff. Erkältung im Herbst? Aber nicht doch! Zu den beglückendsten Momenten in dieser Woche zählte die feierliche Eröffnung des ZNAF, des Zentrum für Nachrichtendienstliche Aus- und Fortbildung in Berlin. Ob Bundesnachrichtendienst, Verfassungsschutz oder Militärischer Abschirmdienst, hier werden künftig die besten Schnüffler des Landes in trautem Beisammensein ausgebildet – 110 Dienstunterkünfte sind gleich nebenan. "Die Studierenden und Auszubildenden lernen, wie sie Informationen zu aktuellen außen- und sicherheitspolitischen Fragestellungen sowie extremistischen Bestrebungen beschaffen und analysieren können. Hierzu gehört auch, wie man Quellen führt, Zielpersonen observiert und dabei selbst unentdeckt bleibt. Auch die rechtlichen und ethischen Rahmenbedingungen nachrichtendienstlicher Arbeit sind ein wichtiges Thema." Wer da fehlt beim Erlernen des nachrichtendienstlichen Handwerks "von A bis Z" ist das B wie das Bundeskriminalamt oder das B wie Bundesinnenministerium, die beide im Fall von Anis Amri nichts von der richtigen Quellenführung gehalten haben, sondern im Februar 2016 die Anweisung erteilt haben sollen die Quelle VP-01 "kaputt zu schreiben" und abzuschalten. Bis dahin berichtete die Quelle VP-01 ausführlich über den späteren Attentäter. Ein Fall, wie er wohl in einem schicken neuen Hörsaal des ZNAF erzählt wird – als Schauermärchen für angehende Dipl-Znfas. Auch schick ist der neue Masterstudiengang "Intelligence and Security Studies", früher simpel Abhören genannt. "So wirkt das ZNAF als Motor für die Herausbildung einer deutschen Intelligence Community und einer gemeinsamen nachrichtendienstlichen Kultur in Deutschland." Hoppla, da ist sie wieder, diese Kultur.

*** Zu den Wundern, die nur ITler wirklich verstehen und würdigen können, gehört die Verwandlung von Geräten durch ein zauberhaftes Upgrade. Im Vorfeld der Medica hat die Gematik auf diese Weise die erste Verwandlung eines normalen Konnektors in einen hochsicheren eHealth-Konnektor zugelassen. Nur solche Geräte dürfen einen Notfalldatensatz oder einen Medikationsplan auf die Gesundheitskarte schreiben. Ein weiteres Wunder ist leider ausgeblieben: Im Zuge der Dauerdiskussion über die richtige Installation des Konnektors in Arztpraxen wollte ein Rechercheverbund demonstrieren, wie leicht eine Arztpraxis gehackt werden kann. Das gelang mit einem eigens präparierten Rechner, dazu wurde ein Telefoninterview mit einem Arzt nachgesprochen, der sich eine nicht näher bezeichnete Malware eingefangen hatte. Richtige Aufklärung sieht anders aus, vor allem bei der haftungsrechtlichen Seite. Ohne solche Aufklärung geraten die Ärzte in Stress und dann muss Software her, um die Gestressten ins Lot zu bringen. Die Rede ist von Ambient Clinical Intelligence, "die das Behandlungszimmer der Zukunft unterstützt, in dem sich die klinische Dokumentation von selbst schreibt."

Was wird.

Künstliche Intelligenz ist das Stichwort für den Blick in die nahe liegende Zukunft, aber ohne Futurologie. Gerade hat der Bundesverband Bitkom eine ziemlich harsche Kritik der KI-Strategie der Bundesregierung vorgetragen, da bietet es sich an, auf die kritischen Informatiker des FIfF zu verweisen, die am nächsten Wochenende in Bremen ihre FIfFkon 2019 unter dem Titel "Künstliche Intelligenz als Wunderland" abhalten. Bei freiem Eintritt geht es in der öffentlichen Veranstaltung um die Frage, ob künstliche Intelligenz unser aller Leben bereichert oder uns mit ihren Handlungsempfehlungen bevormundet. Was passiert etwa, wenn die klinische Dokumentation sich nicht nur von selbst schreibt, sondern einfach zu schreiben aufhört, weil ein Expertensystem im Hintergrund längst die Diagnose einer tödlichen Krankheit gefunden hat? Was ist los, wenn künstliche Intelligenz bei der Entwicklung von Malware eingesetzt wird, wovor das Bundeskriminalamt gerade gewarnt hat? Und was hat es eigentlich zu bedeuten, wenn ein "KI-Bundesverband" Informatik als Pflichtfach an den Schulen fordert, damit die künstliche Intelligenz endlich, endlich ernst genommen wird? G^tt ist groß, der Mensch ist klein, dazwischen wird wohl der Computer sein.

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Was war. Was wird. Vom erneuerbaren Stoff, aus dem die Daten sind
« Antwort #800 am: 24 November, 2019, 08:30 »
Daten – der erneuerbare Treibstoff dieses Jahrhunderts. Was wird in Zukunft damit angetrieben, fragt sich Hal Faber, und wer denkt sich so etwas aus?

Wie immer möchte die Wochenschau von Hal Faber den Blick für die Details schärfen: Die sonntägliche Wochenschau ist Kommentar, Ausblick und Analyse. Sie ist Rück- wie Vorschau zugleich.

Was war.

*** Sapperlot, da hat die CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer auf dem CDU-Parteitag eine lange, nörgelnde und anklagende Rede gehalten, als hätte die Partei 14 Jahre lang die harten Bänke der Opposition gedrückt. Stolz wird prompt vermeldet, ihre mitschläfernde Rede habe die DNA der CDU zum Ausruck gebracht. Immerhin gab es mal Beifall, als sie kämpferisch ein "Digitalisierungsministerium" forderte. Das soll mutig gewesen sein, so die einschlägigen Kommentare. Da geht noch was, liebe Große Koalition unter Beteiligung der CDU! Wie wäre es mit zwei Digitalisierungsministerien? Eines ist für die 0 zuständig, das andere für die 1. Jeweils zur Mittagspause treffen sich dann 0 und 1, um im Digitalisierungslabor von Horst Seehofer ein Mittagsschläfchen zu halten. Ist ja soo anstrengend, dieses Neuland. Natürlich hat AKK Akzente gesetzt. Während die aktuelle Bundeskanzlerin Angela Merkel davon gesprochen hat, dass die Daten das neue Öl sind, hat die kommende Bundeskanzlerin davon gesprochen, dass "Daten der erneuerbare Treibstoff" dieses Jahrhunderts sind. "Erneuerbarer Treibstoff", klingt das nicht fantastisch und irgendwie voll öko-logisch? Schimmert da nicht das große Heilsversprechen vom Datenreichtum mit? Was erneuerbar ist, kann man speichern, kopieren und nochmal speichern und verhökern, es kommt ja immer was dazu.

*** Wenn Treibstoff ausfließt, dann gibt es eine große Sauerei und die Feuerwehr kommt. Das ist bei diesem Datentreibstoff nicht anders, wie der Datenknaller der Woche zeigt. Zehntausende von Patientendaten offen im Internet dank offener SMB-Ports, verursacht durch eine vergeigte Konfiguration bei den Benutzerrechten in Kombination mit einem nachlässig geprüften Router der Telekom. Zur Explosion wäre es gekommen, wenn jemand diese Daten verscherbelt. Jetzt gibt es eine muntere Debatte, wer alles in der Haftung ist. Der Arzt, der technische Dienstleister, die Telekom oder alle zusammen. Da wiederhole ich doch glatt einen Link der letzten Wochenschau auf einen Text zur Haftungspflicht des Arztes, im Vorfeld der Medica gepostet. Während auf dieser Messe von den Chancen des Digitalen-Versorgungs-Gesetzes geschwärmt wurde und wieder mal ein Besucherplus erzielt wurde, wollte niemand die reale Gefahr des Datenminus beim Abfangen der Patientendaten kommentieren. Gesundheitskritisch gab man sich allenfalls im Stil des Silicon Valley, wo das Dopamin-Fasten der Ditouzou très chic geworden ist. Ditouzou ist chinesisch und kann als "Volk der Kopfbeuger" übersetzt werden, ein Volk, das den aufrechten Gang verlernt, weil es immerzu aufs Smartphone starrt.

*** Die Rede von den Daten als erneuerbarer Treibstoff erklärt auch, warum ein mit begrenzten kognitiven Fähigkeiten ausgestatteter Verkehrsminister gleichzeitig Minister für die digitale Infrastruktur ist. Wo Treibstoff, da Verkehr, wo Verkehr, da viel Arbeit. Die digitale Infrastruktur wird nun von der neuen Staatssekretärin Tamara Zieschang mit ruhiger Hand geführt, die zuvor Staatssekretärin für Inneres und Sport in Sachsen-Anhalt war. Das ist das Land mit dem Hashtag #moderndenken und dem Slogan "Hier macht das Bauhaus Schule". Zieschangs Posten bekommt jetzt der 62-jährige Rainer Wendt, im Hauptberuf Scharfmacher bei der Deutschen Polizeigewerkschaft. Zuletzt hatte Wendt den Fall Miri kommentiert und von skrupellosen Anwälten gesprochen, die den Rechtsstaat aushebeln wollen. Ach, was heißt schon Rechtsstaat, für Wendt ist es die Kuscheljustiz. In Sachsen-Anhalt wird er ganz gewiss die innere Sicherheit fördern und besonders die Außengrenzen des Landes gegen die invasive Migration stärken. Der eine oder andere Vorstoß zu der von seiner Gewerkschaft angepriesenen Videoaufklärung (PDF-Datei) dürfte da nicht fehlen. #moderndenken geht anders.

*** Den Hashtag #verkehrtdenken gibt es noch nicht. Eigentlich schade, denn das, was unter dem amtierenden SPD-Finanzminister Olaf Scholz gerade passiert, ist ein Skandal erster Güte. Die einst mit vielen Vereinen wie dem Deutschen Freidenker-Verband gesegnete SPD will das Gemeinnützigkeitsrecht "reformieren". Vereine dürfen sich künftig zwar politisch engagieren, doch sind sie nur dann steuerlich begünstigt, wenn das Engagement thematisch dem Vereinszweck entspricht. Das ist ein elendes Armutszeugnis, entspricht aber der harten Linie, denen Vereine wie Attac oder die Petitionsplattform Campact zum Opfer gefallen sind. Jetzt ist nach einer Entscheidung des Finanzamtes Berlin der VVN-BDA an der Reihe, der Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten, gegründet von Überlebenden der Konzentrationslager, basierend auf dem Schwur von Buchenwald. Im Prüfverfahren habe der von SPD und KPD-Mitgliedern gegründete Bund nicht nachweisen können, dass man keine extremistische Organisation sei. Auf diese verquere Sicht der Geschichte sattelt nun der künftige SPD-Parteiführer seine Reform des Gemeinnützigkeitsrechts. Mit Grausen kann man zusehen, wie die SPD die letzten Schritte vom aufrechten Gang verlernt und in die Bedeutungslosigkeit stolpert. Irgendwann ist sicher auch Politik digital dran, denn PolitikerInnen sind Fleisch und Blut und niemals digital. Ehrenwerte Bürger sind bei der Zivilen Koalition. So endet das Projekt Aufklärung als Appell an den Bürger, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen.

*** Achja, die Aufklärungstechnik, da gibt es immer etwas zu erzählen. Die erste von fünf Global Hawk-Überwachungsdrohnen der NATO ist bei seinem Heimatstützpunkt im sizilianischen Signorella angekommen. Von dort aus wird sie in großen Höhen Frankreich und Deutschland überfliegen, um dann iihre Überwachungschleifen über der Ukraine drehen. Wer will, kann die Drohne verfolgen. Vielleicht findet sie ja diese geheimnisvollen Server, von denen republikanische US-Politiker und ihr Präsidentendarsteller faseln. Etwas ernster ist da die Frage, was aus der deutschen Drohne Euro Hawk wird, die in Manching vor sich herrostet. Die Ersatzteile, Werkzeuge und Prüfgeräte wurden an die NATO verkauft, zurück ist nur die fluguntaugliche Drohne geblieben. Zuletzt soll Kanada ein Kaufinteresse gehabt haben, ist dann aber abgesprungen.

*** Als Hacker kann man Millionär werden, wenn man eine richtig wichtige Schwachstelle findet. Da Andere auch Geld haben wollen, liegt das Interview mit dem deutschen Super-Hacker Julien Ahrens hinter einer Paywall. Er ist noch nicht einer der fünf bis sechs Bounty-Millionäre, konnte sich und seiner Partnerin aber schon eine Weltreise leisten. Sein Geschäftsgeheimnis: mit mehreren Bounty-Firmen arbeiten, und aus vielen kleinen Sicherheitslücken und Unachtsamkeiten einen Angriff vorzuerfinden, der eine Firma wirklich im Mark so treffen kann, dass ihr der erneuerbare Treibstoff flöten geht, zerstört oder verschlüsselt wird. Je komplexer, je teurer, je höher der Gewinn für den Bounty-Kopfgeldjäger.

Was wird.

In Nürnberg wird Theater gespielt. Seit Donnerstag gibt es ein Stück über das Automatenzeitalter, frei nach dem 1930 veröffentlichten Roman von Ludwig Dexheimer. Die Sache ist deswegen erwähnenswert, weil der im Jahr 2500 spielende Roman das Internet vorweggenommen hat, auch die künstliche Intelligenz sowie eine Art Wikipedia und erneuerbare Energien sind im Roman zu finden. Allerdings entstand der Roman in Offenbach am Main. Die Bavarian Space Force von Markus Söder gehört zur künstlerischen Freiheit, ist er doch der größte Sohn seiner Stadt und niemand anders. Mit seinem Roman hatte der Pazifist Dexheimer keinen Erfolg. Als die Nazis an die Macht kamen, wurde das Buch verboten, weil in ihm alle Völker und Rassen in Frieden miteinander leben und es keine Kriege gibt.

Das bringt uns zurück in die Gegenwart. In der anstehenden Woche beginnt das zehnte Internet Governance Forum der UN in Berlin, auf dem über eine Friedensordnung für das Internet diskutiert wird. Die Vorlage liefert die Global Commission on the Stability of Cyberspace. Sie hat in einem auf dem Pariser Friedensforum vorgestellten Report acht Normen aufgestellt, die von allen UN-Staaten eingehalten werden müssen, damit der Cyberspace friedlich bleibt und nicht in ihm herumgecybert wird, weder als Angriff noch als Hack-Back. Sie reichen vom Verbot, Botnetze einzusetzen bis zur Verpflichtung der Staaten, Gesetze und Verordnungen zu erlassen, die eine Cyber-Hygenie garantieren. Das oberste Gebot ist natürlich "Du sollst das Internet nicht töten", ausformuliert als "State and non-state actors should neither conduct nor knowingly allow activity that intentionally and substantially damages the general availability or integrity of the public core of the Internet, and therefore the stability of cyberspace." Die Friedensordnung für das Internet enthält auch die Verpflichtung für Staaten, Unternehmen und Entwickler, alle erkannten Sicherheitslücken sofort offen zu melden und gemeinsam an dem Schließen dieser Lücken zu arbeiten. Die Zeit der Bounty-Kopfgeldjäger ist dann vorbei und Router, die gleich eine ganze Reihe von Ports für den Zugriff auf Patientendaten öffnen, sind ein Ding der Vergangenheit. "Kühe und Bären werden auf der Weide gehen, daß ihre Jungen beieinander liegen; und Löwen werden Stroh essen wie die Ochsen."

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Was war. Was wird. Von Gedenk- und echten Feiertagen.
« Antwort #801 am: 01 Dezember, 2019, 09:44 »
Humor? Ach ja, warum nicht, vor allem SPD-Fans und Hertha-Ultras brauchen den dieser Tage besonders, gniggert Hal Faber. Es gibt aber auch Beeindruckendes.

Wie immer möchte die Wochenschau von Hal Faber den Blick für die Details schärfen: Die sonntägliche Wochenschau ist Kommentar, Ausblick und Analyse. Sie ist Rück- wie Vorschau zugleich.

Was war.

*** So, endlich geschafft. Die SPD-Mitglieder haben sich für ein neues Führungsduo entschieden, "die Saskia" und "der Nowabo" sollen es nun richten. Hat das Elend nun ein Ende? Wahrscheinlich aber bleibt weiter gültig, was die Zeit in einer Satiregrafik formulierte: "Was ist das größte Problem der Sozialdemokratie?" "Die SPD." Vielleicht aber ist die SPD auch nur genauso verzweifelt wie Hertha BSC – wenn gar nichts mehr hilft, hilft nur noch Galgenhumor.

*** Aber genug, widmen wir uns langlebigeren Thema. Denn: Was langer Wert, wird endlich gut. Seit 1988 begehen Mathematiker in aller Welt den Pi-Day als Feiertag ihrer eigenen, manchmal skurrilen Disziplin. Auch in den Nachrichten vom Rande der norddeutschen Tiefebene spielt er eine Rolle, sei es bei Zahlen, bitte! oder sei es bei der heißen Nachricht in diesem Jahr, dass Google einen neuen Pi-Rekord geschafft hat. So gesehen ist es doch wunderbar, dass die UNESCO auf ihrer 40. Generalversammlung den Pi-Day nun auch ganz offiziell zum Tag der Mathematik bestimmt hat. Ab jetzt kann er richtig gefeiert werden, mit Kranzniederlegung vor dem Denkmal des endlos geflochtenen Bandes. Oder ist dafür nicht der Tag der Logik zuständig, der 14. Januar, der ebenfalls von der UNESCO zum Welttag erklärt wurde? Was dann eine Hommage an Kurt Gödel sein könnte, der am 14. Januar 1978 starb. Logischerweise werden jetzt Leser jaulen, denn schließlich wurde Alfred Tarski am 14 Januar 1901 geboren. Er entwickelte eine Formel, die fast dem Unvollständigkeitssatz des großen Gödel entsprach. Die Aufzählung der neuen Welttage wäre unvollständig ohne den neuen "International Day against Violence and Bullying at School, including Cyberbullying", der jeweils am ersten Donnerstag im November gefeiert werden soll. Mit ihm soll auf das weltweite Problem von Gewalt und Anmache in der Schule aufmerksam gemacht werden, ähnlich wie beim Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen, den wir gerade begangen haben.

*** Zu diesem Tag ist in der Neuen Zürcher Zeitung ein Interview mit dem Männerforscher Klaus Theweleit erschienen, das einen furiosen Anfang hat:
"Die SPD-Politikerin Katarina Barley hat etwa neulich im Bundestag Männer für den Brexit verantwortlich gemacht. Vor kurzem gab es einen Bericht im Deutschlandfunk, der dem Patriarchat die Schuld am rechten Terror in die Schuhe schiebt.
Ich glaube, Sie sitzen da einfach einem Journalisten-Fehler auf.
Welchem?
Sie glauben das veröffentlichte Print-Wort. Doch das kümmert die meisten Menschen überhaupt nicht. Das sind Randphänomene, ebenso wie das, was Politiker so daherreden. Das ist schließlich deren Beruf."
Auch sonst hat Theweleit Recht, wenn er davon spricht, dass Männer eine 12.000 Jahre alte Gewaltgeschichte im Körper tragen, die in der Gesellschaft weiter gefördert und gepflegt wird. Da helfen keine Gedenktage. Ganz nebenbei klärt Theweleit über die Denk-Grenzen von Evolutionsbiologen und Gender-Theoretikerïnnen auf.

*** Aber halt, da war noch was. Mit dem 24. Januar hat die UNESCO einen Tag für afrikanische und afrikastämmige Kultur festgelegt, der auf den ungeheuren kulturellen Reichtum des Kontinents aufmerksam machen soll. Was eben auch eine 12.000 Jahre alte Geschichte über die Wiege der Menschheit ist, die gegen die Rechtsausleger von der AfD verteidigt werden muss, wenn diese den deutschen Kolonialismus bejubeln und den Troll Bruce Gilley in den Bundestag einladen. Sein Thema: "Die Bilanz des deutschen Kolonialismus. Warum sich die Deutschen nicht für die Kolonialzeit entschuldigen und erst recht nicht dafür bezahlen müssen." Ja, was hat das Deutsche Reich den Menschen in Togo oder Namibia gebracht, was ist mit dem Völkermord an den Herero und Nama? Und was hat man alles gestohlen oder auf fragwürdigen "wissenschaftlichen Expeditionen" mitgenommen?

*** Die Kleinteiligkeit der aktuellen Restitutionsdebatte ist auch eine europäische mickrige Denke, wie Felwine Sarr im Interveiw erklärt: "In Europa dreht sich alles um Fragen des Besitzes, des Rechts oder der Frage, ob die Objekte ohnehin universellen Status hätten, also der 'Weltgemeinschaft' gehörten und sich die Rückgabefrage daher nicht stelle. In Afrika hingegen fragt man viel nach dem immateriellen Wert der Objekte, die für Afrikaner traditionell oft gar keine Objekte, sondern Subjekte waren. Man fragt sich, ob und wie man diese Gegenstände in die Gemeinschaft resozialisieren könnte oder ob sie durch den langen Aufenthalt in den Museen nicht sogar ihren "Spirit" verloren haben." Was uns zum ganz besonderen "Spirit" von Afrika bringt, von dem Bill Gates fasziniert ist und jetzt auch Twitter-Chef Jack Dorsey. Der will jetzt jeweils ein halbes Jahr in Afrika verbringen.

Wie kommt man weg vom hottentottenartigen Bild von Afrika, das den AfD-Politikern und all denen vorschwebt, die da von Gaudimigration faseln? Vielleicht mit einem kleinen Gedankenspiel, das dieser Tage veröffentlicht wurde. Was wäre gewesen, wenn Julius Caesar die Bibliothek von Alexandria gerettet hätte, anstatt sie verbrennen zu lassen? Die Schriften der Griechen über Dampfkraft wären erhalten geblieben, die Alexandriner hätten mit Dampfschiffen Amerika erobert und die erste Mondlandung wäre im Jahre 1492 gewesen, alles mit dem Wissen von Mutter Afrika, wie hier gesungen.

*** Aus Afrika sind die gekommen, die dann der Welt den Gospel-Gesang geschenkt haben. Das ist ein großes Geschenk mit all den Phrasierungen und Rhythmuswechseln, mit Chören und mit Aretha Franklin. Ihr Produzent Jerry Wexler meinte einmal, es müsse in der Geschichte der Pop-Musik eigentlich von Gospel & Blues geredet werden, nicht von Rhythm & Blues. So komme ich nicht umhin, inmitten all der Quatsch-Meldungen zu den Schnäppchen der Black Fridays, Sundays oder Mondays auf das größte Weihnachtsgeschenk hinzuweisen, das es in diesem Jahr überhaupt geben kann. Dagegen kommt kein Laptop und keine VR-Brille oder sonst ein Schnickschnack an. Geht in die Kinos, Leute, schaut euch "Amazing Grace" von Sydney Pollack und Alan Elliot an. Das ist der Dokumentarfilm zur Aufnahme der Platte "Amazing Grace" vor 47 Jahren, was bis heute das weltweit erfolgreichste Gospelalbum ist. Mit einer Aretha Franklin, die vor nicht allzu langer Zeit verabschiedet werden musste – und die die Aufführung des Filmes mit allen juristischen Mitteln blockierte. Mit James Cleveland, dem "King of Gospel" als Arrangeur und begnadetem Moderator. Man braucht kein Verehrer höherer Wesen zu sein, um den Gesang aus einer anderen Dimension zu würdigen, das zeigen auch Mick Jagger und Charlie Watts, die bei der Live-Aufnahme dabei waren. Ein besseres Weihnachtsgeschenk gibt es nicht. Und wenn's nicht fürs Kino reicht, kann man sich wenigstens die vollständige Originalaufnahme anhören.

Was wird.

Die frisch gewählte EU-Kommission unter der Präsidentin Ursula von der Leyen nimmt ihre Arbeit auf und will sich in den nächsten Wochen gleich mal um die innere Sicherheit und die Geheimdienste kümmern. Dazu hat der frisch abgetretene Präsident Jean-Claude Juncker in seinem Abschieds-Blogbeitrag eine kleine, aber feine Anekdote erzählt. Junker nutzte offenbar in seinem Amt ein altes, nicht verschlüsselndes Nokia-Telefon wie das 3310. Kurz nach einem Telefonat mit seinem Freund Bill Clinton klingelte das Handy und Jacques Chirac war am Apparat. "Was hast du da gerade zu Clinton gesagt, Jean-Claude?" Wie war das noch mit dem Abhören unter Freunden, das gar nicht geht? Es geht, es ging und es wird weiter gehen, weil es ja um unser aller Sicherheitsphantasma geht.

Die kleine Anekdote ist deswegen ein Thema für die Zukunft, weil Bundeskanzlerin Merkel auf dem Internet Governance Forum und auf einer Veranstaltung des Deutschen Industrie und Handelskammertags in dieser Woche betonte, bei 5G den chinesischen Konzern Huawei als Anbieter nicht ausschließen zu wollen. Gleichzeitig werkeln EU-Kommission wie Bundesregierung an Plänen für die digitale Souveränität Deutschlands oder mindestens Europas, indem darüber nachgedacht wird, ob durch eine Zusammenarbeit von Nokia und Ericsson einen "europäischen Champion" im Bereich der 5G-Netze entstehen könnte. Schon die Geburtsvorbereitungen für diesen Champion sind alles andere als optimal, da besagte Firmen die 5G-Patente von Huawei erwerben müssten. Nicht zu vergessen die Patente von Cisco, wo man zur "Offenlegung" des Quellcodes für 5G-Produkte durch das BSI gerade ein Technology Verification Center eröffnet hat.

So kann man das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik bequem zum Jagen tragen. Heraus kommt dann ein vielleicht ein hübsches Siegel, das vom BSI auf sichere IoT-Geräte gebappt wird. In Finnland sieht das neue Logo für die Cybersicherheit ganz eschermäßig aus.

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Was war. Was wird. Unser Auschwitz.
« Antwort #802 am: 08 Dezember, 2019, 09:46 »
Das "größte Menschheitsverbrechen" gemahnt auch an eine Ursünde der IT, die Datenerfassung zur "Volksgesundheit" betrieb, erinnert Hal Faber. Unter anderem.

Wie immer möchte die Wochenschau von Hal Faber den Blick für die Details schärfen: Die sonntägliche Wochenschau ist Kommentar, Ausblick und Analyse. Sie ist Rück- wie Vorschau zugleich.

Was war.

*** Im 14. Jahr ihrer Amtszeit ist Bundeskanzlerin Merkel nach Kattowitz geflogen und hat zunächst das Konzentrationslager Auschwitz und danach das Vernichtungslager Auschwitz/Birkenau besucht. Auschwitz war ein "deutsches, von Deutschen betriebenes Vernichtungslager", wie es Merkel in ihrer Rede betonte, das größte Lager seiner Art. Tiefe Scham empfinde sie, aber auch die Verpflichtung, mit Auschwitz die Erinnerung an das "größte Menschheitsverbrechen" offen zu halten. Täglich wachsam zu sein, das ist die Mahnung, die die bald aus dem Amt scheidende Bundeskanzlerin allen Zuhörern mit auf den Weg gab: "Wir erleben einen Angriff auf die Grundwerte der liberalen Demokratie und einen gefährlichen Geschichtsrevisionismus im Dienste einer gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit." Höfliche Worte in Zeiten, in denen Abgeordnete des Bundestages die zwölf Jahre des Nationalsozialismus als "Vogelschiss" beiseite wischen oder von einer "Wende der Erinnerungskultur um 180 Grad" schwadronieren.

*** Auschwitz führte nicht nur das Alphabet der Vernichtung an. Es war mit der Codenummer 001 der größte Lagerkomplex, gefolgt von Buchenwald (002), Dachau (003), Flossenburg (004), Groß-Rosen (005), Herzogenbusch (006), Mauthausen (007), Natzweiler (008), Neuengamme (009), Ravensbrück (010), Sachsenhausen (011) und Stutthof (012). Die Codenummern wurden von Amt DII im Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt der SS (WVHA) unter Leitung des ehemaligen Auschwitz-Kommandanten Rudolf Höß vergeben. Im Sommer 1944 begann man damit, in allen Lagern "Hollerithabteilungen" einzurichten, die letzte wurde kurz vor Kriegsende in Bergen-Belsen in Betrieb genommen. Ziel war der Aufbau einer zentralen Häftlingskartei, um einen schnellen Überblick über die tatsächliche Arbeitskraft aller Häftlinge in den Lagern zu erhalten. Die WVHA entwickelte ein Codenummern-System, mit dem 6000 verschiedene Berufe erfasst werden konnten und ein weiteres, mit dem 400 verschiedene Formen von Zwangsarbeit vermerkt wurden. Erfasst wurde auch die Zahl der Goldzähne von Häftlingen.

*** In den Hollerithabteilungen übertrugen KZ-Häftlinge die Lagerinformationen auf Karteikarten, die dann an das "Maschinelle Zentralinstitut für optimale Menschenerfassung und Auswertung" in der Berliner Friedrichstrasse geschickt wurden, das direkt dem SS-Reichsführer unterstand. Dort sollten die Informationen aus der Hollerith-Vorkartei auf Hollerith-Lochkarten übertragen und von Hollerith-Maschinen bearbeitet werden. Das WVHA der SS wollte so einen schnellen Überblick über das Lagersystem bekommen. "Wurden spezielle Facharbeiter in einem bestimmten Lager benötigt, konnte an zentraler Stelle nach den jeweiligen Kapazitäten in anderen Lagern gesucht werden. /../ Neben Angaben zur Einlieferung, Staatsangehörigkeit und Haftkategorie wurden vor allem die erlernten Berufe festgehalten. Die Identifikation des einzelnen Häftlings erfolgte durch die Häftlingsnummer und das Geburtsdatum, für die Namen der Häftlinge war kein Feld vorhergesehen."

*** Die Namen waren uninteressant, es ging um die Arbeitskraft, so der Bericht des Historikers Christian Römmer, der vor 10 Jahren in den Dachauer Heften erschien. Sein Titel: "Ein gescheitertes SS-Projekt: Die zentrale Häftlingskartei des WVHA". Im Bericht werden Karteikarten aus der Hollerith-Vorkartei und die aus ihnen produzierten Lochkarten analysiert, von denen ca. 150.000 Stück in deutschen und polnischen Archiven erhalten geblieben sind. Das Projekt scheiterte unter anderem daran, weil die Häftlinge, um weiterhin Arbeit in der Hollerithabteilung haben und weitere Häftlinge in die Abteilung einschleusen zu können, viel mehr Informationen in die Vorkartei füllten, als für die Lochkarten nötig waren.

*** Ausgerechnet vom Lager Auschwitz und seinen zusätzlichen Lagern wie dem Vernichtungslager Birkenau und dem von der I.G.Farben AG gebauten Arbeitslager Monowitz sind keine Karteikarten vorhanden, weil in Monowitz tatsächlich Hollerith-Maschinen für das Stanzen und Auswerten der Lochkarten installiert waren, die hauptsächlich für die Verwaltung der Chemieunternehmen genutzt wurden. Sie wurden vor der Befreiung des Lagers am 27. Januar 1945 vernichtet. Steht also IBM als Kürzel in der unheilvollen Geschichte des Holocaust für Ich Bin Mitschuldig? Als diese Frage 2001 nach der Veröffentlichung des Buches "IBM und der Holocaust" auftauchte, erklärte Hildegard Hamm-Brücher über den IBM-Chef Thomas J. Watson: "Meiner Ansicht nach hat Watson wie einer der größten Verbrecher des 20. Jahrhunderts agiert. Watson hätte nach dem zweiten Weltkrieg wie andere Kriegsverbrecher auch verurteilt werden sollen mitsamt seinem System." Hamm-Brüchers Argumentation fußte damals nicht auf der Nutzung der Lochkarten in der Häftlingsverwaltung der Konzentrationslager, sondern der Nutzung der Lochkarten bei Volkszählungen. In Frankreich, wo man die Juden mit Hilfe von Bleistift und Papier katalogisierte, wurden 24 Prozent erfasst und ermordet, in den Niederlanden, wo man Hollerith-Maschinen benutzte, wurden 73 Prozent der vorab erfassten Juden ermordet.

*** Mit den Hollerith-Maschinen der Deutschen Hollerith Maschinen AG (Dehomag) eng verbunden war der Generaldirektor Willy Heidinger, der im Jahre 1934 bei der Neueröffnung des Dehomag-Werkes in Berlin-Lichterfelde über die Karteikarten schwärmte: "Der Arzt untersucht den Körper des Menschen, stellt fest, ob seine Organe in einer harmonischen Schwingung, d. h. gesund miteinander arbeiten im Interesse des Ganzen. Wir hier sezieren den deutschen Volkskörper weitergehend wie der Arzt bis auf die einzelnen Körperzellen zurück. Wir legen die individuellen Eigenschaften jedes einzelnen Volksgenossen auf einem Kärtchen fest. Wir sind stolz, an einer derartigen Arbeit mitwirken zu dürfen, einer Arbeit, die dem Arzte unseres deutschen Volkskörpers das Material für seine Untersuchung bietet, damit unser Arzt feststellen kann, ob die auf diese Weise errechneten Werte vom Standpunkt der Volksgesundheit aus gesehen in einem harmonischen, d. h. gesunden Verhältnis zueinander stehen, oder ob durch Eingriffe krankhafte Verhältnisse heilend korrigiert werden müssen." Auch so kann man die Datenerfassung beschreiben. Die Dehomag besaß in Oberlenningen eine eigene Papierfabrik und konnte bis zum Ende des Krieges und gleich danach zum beginnenden Wiederaufbau Lochkarten für die Erfassung produzieren.

*** Kurz vor dem Besuch von Angela Merkel in Auschwitz tauchte bei Amazon "Weihnachtsschmuck" mit Auschwitz-Motiven auf. Das aus China zugeführte Angebot mit Bildern der "Schwarzen Wand" und des widerständigen Schriftzuges von Jan Liwacz haben es offenbar Ex-Nazis, Noch-Nazis und Neo-Nazis angetan. Man sollte noch erwähnen, dass Weihnachtsfeiern in Auschwitz eine ganz besonders grausige Geschichte waren, mit Menschenopfern unter Christbäumen.

*** Wie kriege ich jetzt die Kurve zu erfreulichen Geschehnissen? Man sollte angesichts solchen Grauens wirklich lieber schweigen? Ach was, es gibt auch gute Gründe zu feiern, und vor allem, einen Künstler, einen der wohl wichtigsten Künstler der USA zu feiern, dessen Lebenswerk das Grauen nicht vergessen, auch nicht verständlich macht. Der aber auch dafür steht, dass solches Grauen sich nicht wiederholt. So feiern wir also den 70. Geburtstag von Tom Waits: "Es ist ja noch Zeit", meint ein jubilierender Gratulant, Zeit etwa dafür, nach eher ruhigen Jahren noch ein Alterswerk rauszuhauen. Wenn Tom Waits das machen würde, ja dann würde ich mich auch freuen und jubilieren. Derweil ist es immer angesagt, sich eines seiner bisherigen Meisterwerke anzuhören, von den frühen Jahren über Swordfishtrombones und Rain Dogs bis zu den Mule Variations und weiter, nicht nur bis zu Blood Money und Alice. Meine erste Begegnung mit Tom Waits war zwar tatsächlich erst Ende der 80er Jahre, als mich im Kino eine der besten Eingangssequenzen eines Films aus den Sesseln riss: "Jockey Full of Bourbon" zum Einstieg in "Down by Law" aber war nur der Einstieg in ein musikalisches Werk, das Horizonte öffnet. Und so dann doch das Grauen verhindern hilft.

Was wird.

Bevor es weihnachtlich wird und die Jahresrückblicke über das denkwürdige oder denkfaule Jahr 2019 aus den Bäumen geschüttelt werden, richtet sich der Blick in die Zukunft von Deutschland. Da gibt es viele altbekannte Fragen. Kann dieses Land eigentlich seine digitale Souveränität erreichen? Das wird im Bundestag diskutiert, soll aber auch als Stream verfügbar sein.

Bundeskanzlerin Merkel hat ja schon das Internet als Neuland für alle ausgerufen, insofern ist es nur folgerichtig, wenn zum Hashtag #neuland eine Ausstellung im Museum startet, die sich den ganz großen Fragen widmet. Es ist immerhin ein Riesenland. "Ein Land, das uns in Teilen schon vertraut ist – in dem es aber auch noch unendlich viel zu entdecken gibt! Wie also wollen wir miteinander kommunizieren? Wer sind die Menschen hinter den Profilen, die mir in sozialen Netzwerken begegnen? Was ist ein optimales Leben? Wo finden wir neue Wissens- und Informationsquellen? Wie beeinflusst die Digitalisierung unsere Beziehungen und Freundschaften?" Große Fragen, viele Fragen. Man könnte sie noch durch aktuelle Fragen ergänzen: Wie zum Teufel soll die im Medienstaatsvertrag geforderte "Kennzeichnungspflicht für Social Bots" funktionieren? Wer stellt blos solche Forderungen auf? Wie wäre es mit einer Kennzeichnungspflicht für Einbrecher?

Zu den guten Nachrichten für eine spannende Zukunft gehört die Ankündigung, dass das Bundesverfassungsgericht am 14. und 15. Januar über das BND-Gesetz verhandelt. Das ist schon mal ein Erfolg, wenn die Befugnisse oder auch die Grenzen eines Geheimdienstes klar werden, der da meint, schrankenlos Telefongespräche abhören zu können.

Und ganz nebenbei einen seltsamen Hang hat, die Welt der Bedrohungen spiegelverkehrt zu inszenieren. Was die Telefonüberwachung anbelangt, könnte der BND noch für andere Weihnachts-Überraschungen gut sein.

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Was war. Was wird. Done and Gone.
« Antwort #803 am: 15 Dezember, 2019, 10:57 »
Wenn die Philosophie ihr Grau in Grau malt... dann ist noch nicht aller Tage Abend, kalauert Hal Faber angesichts - ach, all das gar nicht philosophische Elend!

Wie immer möchte die Wochenschau von Hal Faber den Blick für die Details schärfen: Die sonntägliche Wochenschau ist Kommentar, Ausblick und Analyse. Sie ist Rück- wie Vorschau zugleich.

Was war.

*** Done, done, gone: Mit der Wahl in Großbritannien ist die Zeit gekommen, den Brexit umzusetzen. Am Ende wird es ein Kleinbritannien geben, denn Schotten, Waliser und Nordiren werden sich eher früher als später verabschieden, um dann wieder in die EU einzutreten. Zumindest die Schotten wollen schnellstmöglich anfangen in einem Europa der Regionen zu leben. Die viel gerühmte "Entscheidung des Volkes" ist da und nun wird der "Volkswille" umgesetzt. Der "schlanke Staat", der seit der Wahl von Margaret Thatcher 1979 im Vereinigten Königreich propagiert wird, wird noch ein Stückchen schlanker werden.

Der neue Slogan vom "peoples government" verdeckt, wie weitere Infrastrukturen und Aufgaben verscherbelt werden, vor allem den National Health Service und die Bildung, möglicherweise auch den Polizeiapparat und die Zoll-Aufsicht an den neuen Außengrenzen. Die Kommunikation unter den einzelnen Behörden ist ja schon privatisiert und gehört Motorola Solutions. Boris Johnson ist auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn angekommen und kann sich freuen, dass die rote Mauer zusammengekracht ist. Sein "One Nation"-Konservativismus im Stil einer englischen CSU wird zumindest England umbauen. Johnsons Erfolg hat auch damit zu tun, dass der Labour-Kandidat Jeremy Corbyn unfähig war, echte Allianzen mit anderen Parteien einzugehen und der einst internationalistisch gesinnten Sozialdemokratie ein klares Bekenntnis für Europa vorzuleben.

*** Wenn selbst die EU den Wahlausgang begrüßt, weil jetzt "Klarheit" herrscht, wie der Franzose Macron kommentierte, hat das zeitgenössische Neusprech einen neuen Höhepunkt erreicht. Nichts ist klar und die Aussage der neuen EU-Kommissionspräsidenten Ursula von der Leyen von den einfachen klaren Zielen "keine Zölle, keine Quoten und kein Dumping" ist eine grobe Vereinfachung. Da ist Bundeskanzlerin Angela Merkel realistischer, wenn sie davon spricht, dass die Verhandlungen "noch kompliziert genug" werden. Dazu titelt das Blatt mit den großen Buchstaben: "Boris Johnson hat all das, was Merkel fehlt!" Er lügt, er trickst und täuscht. Kann das wirklich empfehlenswert sein? Im eingangs verlinkten Telepolis-Kommentar zur Wahl in Großbritannien werden die Tugenden von Johnson anders dargestellt: "Boris Johnson, ein politischer Hasardeur und Angehöriger der heruntergekommensten Kreise einer dekadenten britischen Oberklasse, die in den vergangenen 150 Jahren ein ganzes Empire verspielt hat, und der sich in der Rolle des destruktiven Charakters eines wiedergeborenen Nero gefällt, der sich im Feuerschein des untergehenden Großbritannien sonnt."

*** Die letzte Wochenschau beschäftigte sich anlässlich des Besuches der Bundeskanzlerin mit unserem Auschwitz. Ausdrücklich war nicht von der völlig missglückten Aktion des Zentrums für politische Schönheit ((ZPS) die Rede, das in Berlin ein Auschwitz-Mahnmal installierte. Im Zentrum des Mahnmals war ein Bohrkern installiert, der angeblich aus dem Boden eines Vernichtungslagers stammte. Gegen diese Störung der Totenruhe gab es heftigen Protest, gefolgt von einer halbherzigen Entschuldigung des Künstlerkollektivs. Doch die Aktion sucht nach uns war damit nicht zu Ende. Der Grabstein Franz von Papens wurde entwendet und verschleppt, was neue Diskussionen über die Totenruhe auslöste und Vergleiche mit den Antisemiten mit sich brachte, die jüdische Friedhöfe verwüsten. Eine Reaktion sind die "Regeln für eine Kunstaktion im deutschen Gedächtnistheater", die hinter der Paywall der Frankfurter Zeitung für kluge Köpfe stehen. Darum seien zumindest die letzten drei Regeln für alle Leser zitiert:
"Pass auf, dass deine Aktion einhält, was sie verspricht. Willst du beispielsweise darauf aufmerksam machen, dass die Ermordeten vergessen wurden, verliere auf keinen Fall ihre Knochen. Lerne Zuhören. Reden kannst du ja schon. Nur, weil manche Menschen keine Accounts haben, bedeutet es nicht, dass sie nichts zu sagen haben. Du wirst kein Nachkomme von Shoa-Opfern, weil du das Gedenken kritisiert. Du bist kein Jude, du arbeitest nicht im Betonkommando von Monowitz, also behaupte das nicht."
Die Regeln wurden von Max Czollek und Stella Hindemith aufgestellt. Czollek hat das Buch Desintegriert euch! verfasst, Hindemith ist die Enkelin von Stephan Hermlin, dessen Gedicht Die Asche von Birkenau das ZPS ohne Erlaubnis bei der Aktion verwendete.

*** Unter Polizeibeamten gibt es die Regel, einander in öffentlichen Untersuchungen nicht zu widersprechen. Diese wurde unter der Woche im Amri-Untersuchungsausschuss des Bundestages gebrochen, als über den Fall der Quelle mit dem Decknamen Murat gestritten wurde. Nach "Hase, du bleibst hier", dürfte "Philipp, das stimmt nicht" zu den Sätzen für die Chronik des Jahres 2019 gehören. Interessant ist auch die Erkenntnis, dass das Bundeskriminalamt Anweisungen geben kann, Ermittlungsquellen in der salafistischen Szene "kaputt" zu schreiben, wenn ein solcher V-Mann nicht für eine glaubwürdige Quelle gehalten wird. Nun steht Aussage gegen Aussage, verbunden mit der Erkenntnis, dass Kriminalbeamte sehr emotional reagieren können, wenn sie ihre V-Männer beschützen oder anderen Überwachern abwerben wollen. Das Geraune von einer Anweisung, die "von ganz oben" käme, macht die Sache auch nicht besser und ist in Teilen geeignet, die Bevölkerung zu verunsichern. Das Weihnachtsfest der Verschwörungstheoretiker kann beginnen. Was hatte das BKA gegen die Quelle, die Amri beschattete?

*** Sicher kennen die Leser dieser Wochenschau einfache, offene Sammeladressen wie unsere newstipps@heise.de abseits des abgesicherten Heise-Tippgebers. Journalisten ebenso wie Behörden arbeiten mit vielen solcher Adressen, sei es nun presse@bka.de oder presse@ccc.de. Anfragen an solche Adressen können von allen Personen gelesen werden, die das passende Passwort haben. -- (Sollte der verfassungswidrige Quatsch kommen, über den man im Bundesjustizministerium nachdenkt, können auch alle Ermittler mitlesen.) -- In jedem Fall ist eine Sammeladresse keine private E-Mail-Adresse und das Suchen in solchen Mails ist keine Schnüffelaktion. Was sich die Berichterstattung zum "Fall" der SPD-Mitvorsitzenden Saskia Esken mit den E-Mails leistete, die an die Sammeladresse des Landeselternrates von Baden-Württemberg geschickt wurden, kann nicht mit technischer Inkompetenz oder dem berühmten "Neuland" abgetan werden. Hier geht es einzig und alleine darum, eine frisch gewählte Politikerin abzuschießen, die unbequem werden könnte. Die Vergangenheit ist schon da, sie ist nur, wie üblich, ungleich verteilt.

Was wird.

Hat man den Jubel vom Rande der norddeutschen Tiefebene gehört? Das schöne Hannover hat es zusammen mit Chemnitz, Hildesheim, Magdeburg und Nürnberg auf die Shortlist zur Kulturhauptstadt Europas 2025 geschafft. Ausgeschieden sind Dresden, Gera und Zittau. Bis zum Sommer 2020 ist nun Zeit, den Kulturentwicklungsplan mit Leben zu füllen, den die UNESCO City of Music in einem Wirbel-Wind of Change umsetzen kann. Besonders gespannt bin ich natürlich auf das "Kompetenzzentrum kulturelle Teilhabe" und den Aufbau einer interaktiven digitalen Plattform. Man liest ja so viel über diese Plattformökonomie, die alles zickzack disruptiviert.

Musike gefällig? Wo die Scorpions so süß pfeifen, sollte man von tatta-ta-taaa Beethoven nicht schweigen. Denn es geht los, der große Beethoven-Rummel zum 250. Geburtstag im Jahr 2020. Und los geht es natürlich am Dienstag in Bonn mit Welt.Bürger.Musik, wobei die Verpunktierung des Wiener Weltbürgers Beethoven mindestens ebenso pittoresk wie der offizielle Hashtag #BTHVN2020 ist. Freude.Schöner.Götter.Funken, es geht ja weiter, wozu gibt es schließlich diese künstliche Intelligenz: Am 28. April soll in Bonn die von einem KI-Programm fertig zu einem feurigen Ende hin komponierte 10. Sinfonie uraufgeführt werden. Nach dem Versuch, mit Huawei-Handys Schuberts Unvollendete zu vollenden, ist Beethovens KI-Vollendung der nächste Streich. Was es mit Cyber-Cyber zu tun hat, weiß ich nicht, aber dieser kuriose Satz aus einer Tickermeldung verdient es, zitiert zu werden: "Wenn jemand aus der Symphonie einen Rap machen sollte, wird die Welt es wohl überleben. Bei Cyberangriffen ist das nicht so klar." Alles klar?

Bei so viel Geschwurbel um Beethoven graut einem schon bei der Vorstellung, was abseits der philosophischen Blase so an Geraune und Gegrunze zu Hegels 250. Geburtstag (der ebenfalls 2020 gefeiert wird) abgelassen wird. Die Eule der Minerva beginnt so manches Mal nicht einmal in der Dämmerung ihren Flug. "Vom herrlichen Sonnenaufgang der Freiheit" zu künden, das eint Hegel sehr wohl mit Beethoven, und letztlich auch mit seinem frühen Freund und Kollegen Hölderlin. Womit das 250-jährige Dreigestirn des Jahres 2020 vollständig wäre. Anlass genug, endlich mal ein paar Leute zu feiern, die so gar nicht weder für betuliche Deutsch- oder Österreichtümelei noch für aggressiven Nationalismus eignen

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Hände weg! Aber nicht von der Pfeife ... Es gibt immer wieder seltsame Entwicklungen, die einem die Enkel nicht glauben werden, wundert sich Hal Faber.

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Was war.

*** Nachdem die Vereinigten Staaten von Amerika am Erscheinungstag von Edward Snowdens Buch Permanent Record vor einem US-Gericht eine Klage einreichten, war absehbar, dass das Gericht dieser Klage stattgeben wird und die Verkaufserlöse an den Staat fallen. Snowden selbst erzählt in seiner Autobiografie, dass er mehrere Vertraulichkeitserklärungen der CIA und der NSA unterschreiben musste und schreibt dazu, dass von ihm im Buch viele Details weggelassen wurden, um die Arbeit der Dienste nicht zu gefährden. Dann heißt es im Auftakt des Bildungsromans etwas verschwurbelt: "Die Verstöße, deren Zeuge ich wurde, erforderten mein Handeln. Aber es ist nicht nötig, seine Memoiren zu schreiben, weil man den drängenden Ruf seines Gewissens nicht länger ignorieren kann. Darum habe ich sämtliche Familienangehörige, Freunde und Kollegen, die auf den folgenden Seiten namentlich genannt werden oder anderweitig zu identifizieren sind, vorab um ihre Zustimmung gebeten." Nur CIA und NSA wurden ausgelassen, die sich postwendend mit der Klage bedankten. Es lohnt sich das Urteil zu lesen, denn ein paar Sätze weiter schreibt der Whistleblower Edward Snowden: "Tatsächlich habe ich kein einziges Dokument direkt der Öffentlichkeit demonstriert."

*** Genau diese Zeile ist ihm im Fall der Buchveröffentlichung zum Verhängnis geworden, denn das Gericht wertete offenbar das Video von Snowdens Auftritt auf der Nürnberger it-sa 2015 aus, mit der Darstellung einer PRISM-Folie um Minute 6:45 herum. Das wurde laut Urteilsbegründung als verbotenes Präsentieren vertraulicher Dokumente gewertet. Die Tatsache, dass der Spiegel, der Guardian und auch der Heiseticker diese Folie oder Screenshot zeigten und damit eigentlich Beweismittel dafür sind, dass Snowden nur "zitierte", wurde vom Richter vom Tisch gewischt. Das sollte eine Lehre sein und eine dringliche Warnung für viele (hoffentlich) nachfolgende Generationen von Whistleblowern, auch für die von unserem Tippgeber. Hände weg nach der Weitergabe der Informationen an die Presse, keine öffentliche Präsentationen, das ist der wichtigste weihnachtliche Wichteltipp! Nicht immer geht es so glimpflich aus wie im Fall von Reality Winner, die Opfer der Inkompetenz von Intercept wurde, aber 2020 entlassen wird. Was Edward Snowden anbelangt, ist nicht bekannt, ob er sich auf dem bald anstehenden 36. Kongress des Chaos Computer Clubs zu dieser Sache äußern wird. Es ehrt ihn aber, dass er sich nach den Informationen im Fahrplan in Leipzig für die Menschen einsetzen will, die ihn in Hongkong beherbergten und beschützten.

*** Zum Fall von Snowden gibt es einen Untersuchungsbericht, der den Mitgliedern des Ausschusses für Geheimdienstangelegenheiten im Repräsentantenhaus zugestellt und von der FAS im Namen der Informationsfreiheit freigeklagt wurde. Er ist die Vorlage, die von Snowdens Kritikern genutzt wird, um das Buch kritisch zu "prüfen". Das ist natürlich problematisch, denn weite Teile des Buches sind als typische Coming-of-Age-Erzählung angelegt, oder, wie man in den USA sagt, als Bildungsroman. Umgekehrt gibt es Passagen im Untersuchungsbericht, die geschwärzt sind. Eine kritische Auseinandersetzung ist problematisch, aber man kann es ja versuchen, wie dieser Dreiteiler zeigt, von dem erst zwei Teile erschienen sind. At the CIA behandelt das Erwachsenwerden und die ersten Tätigkeiten für die CIA|_blank)$, At the NSA behandelt seine Zeit bei der NSA. Der dritte Teil dürfte sich mit den Ereignissen in Hongkong befassen, aber auch mit Snowdens Verteidigung seiner Vorgehensweise. So steht seine Angabe in einem schriftlichen Statement für die EU-Parlamentarier, dass er sich an mehr als zehn Verantwortliche gewandt habe, um über Missstände zu berichten, im direkten Widerspruch zum aktuellen Urteil. Dort heißt es, dass Snowden von keiner der offiziellen Möglichkeiten Gebrauch gemacht habe, auf Missstände hinzuweisen. In einem Interview formuliert er es so: "The NSA at this point not only knows I raised complaints, but that there is evidence that I made my concerns known to the NSA’s lawyers, because I did some of it through e-mail. I directly challenge the NSA to deny that I contacted NSA oversight and compliance bodies directly via e-mail and that I specifically expressed concerns about their suspect interpretation of the law, and I welcome members of Congress to request a written answer to this question [from the NSA].

*** Kurz vor dem Weihnachtsfest passieren komische Dinge. Ein Rentierschlitten rast mit Geschenken rund um die Erde. Die interne Uhr eines Raumschiffs wird auf eine andere Zeitzone als die der Bodenstation eingestellt, damit der Starliner nicht mit dem Schlitten von Santa Claus kollidiert. Auch auf Erden spukt es. Daten werden auf einem Handy "sicherheitsgelöscht", das die ehemalige Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen im Amt benutzte. Das ist ein Vorgang, den man harmlos als Verstoß gegen das vom Verteidigungsministerium beschlossene Aktenmoratorium werten kann, schärfer auch als Vernichtung von Beweismitteln klassifizieren könnte, was dann eine Strafanzeige möglich macht. Eine weihnachtliche Steigerung der ganz besonderen Art leistete sich das Verkehrsministerium mit der Verschlusssachen-Einstufung von Akten, die der Untersuchungsausschuss über die Pkw-Maut benötigt. Sie wurden von "Nur für den Dienstgebrauch" (NfD) auf "Vertraulich" hochgestuft. Damit dürfen nur noch Abgeordnete und sicherheitsüberprüfte Mitarbeiter die Akten studieren. Zur Erinnerung: Die Akten wurden vom Verkehrsminister Andreas Scheuer höchst persönlich auf einem Wägelchen vor die Fotografen gerollt, alles im Namen der "Transparenz". Nun, wo es um mindestens 650 Millionen Euro Schadensersatz geht, sind Tricks statt Transparenz gefragt. Ganz nebenbei sind 551 zusätzliche Millionen für den Straßenbau, die Scheuer aus nicht abgerufenen Mitteln für die Verkehrsforschung und den Radwegebau seinem geliebten Bayernland zubutterte, auch kein Pappenstiel.

*** Glückliches, reiches, strahlendes Bayernland, Franken inklusive. Du bekommst 100 neue KI-Professuren, um auf diese Weise die internationale Strahlkraft Bayerns im KI-Bereich zu "entfachen". Ein Feuer wie die Waberlohe sollte brennen, heller als tausend Sonnen strahlen und ein Batzn gibt's noch obendrauf, ein "Bavarian Center for Blockchain [bc]²" für die Echtheitsprüfung von Zeugnissen. Vielleicht von denen, die die 100 KI-Professoren vorlegen müssen für den Nachweis, in welcher KI-Ecke sie gründeln. Denn Schlamm und Morast gibt es da genug, wie ein Aufsatz über die ethische KI (allerdings in den USA) zeigt. Doch halt, wir haben ja bald Weihnachten, das "Fest der Liebe". Ist es nicht himmlisch-bezaubernd, wenn wir von einer repräsentativen Umfrage der Gesellschaft für Informatik erfahren können, dass ein Drittel der unter 30-Jährigen an Liebe zwischen Mensch und KI glaubt. Stellen wir uns die kleinen Racker vor, die einer Miss Boo treu in die Augen sehen oder das Mädchen, dass sich vor einer Webcam für ihren Roboter auszieht, denn: "Am häufigsten können sich junge Menschen echte Romantik zwischen intelligenten Robotern und Menschen vorstellen." Von dieser Umfrage zum "Fest der Liebe" führt irgendwie der Weg zum Projekt #KI50, das die deutsche KI-Geschichte der letzten 50 Jahre kritisch reflektieren soll. Ich habe ihn nur noch nicht gefunden, also sucht ihn doch selbst.

Was wird.

Dunkel, höhlig und natürlich schwer hacker-romantisch geht es jedenfalls in den umgestalteten Hallen der Leipziger Messe zu, wenn der Chaos Computer Club seinen 36. Congress zwischen den Jahren feiert. Die Assemblies und Aufbauengel legen sich schon jetzt ins Zeug, damit es gemütlich wird, diese Liebe zwischen Mensch und Rechner. Wie erwähnt, hat Edward Snowden seinen zugeschalteten Auftritt, auch sein Anwalt Tibbo ist wie die letzten drei Jahre mit dabei. Da lässt sich auch der kleine Verlag am Rande der norddeutschen Tiefebene nicht lumpen: Am Samstag gibt es den c't-Uplink live vom Congress, am Sonntag ist die #heiseshow live dabei, die heißen Eisen anzupacken. Wie heißt es so schön optimistisch bei der Erklärung des Congress-Mottos "Resource Exhaustion": "Wer die eigenen Ressourcen kennt, setzt Grenzen, die deren Erschöpfung verhindern." Im dicken offiziellen IBM-"Wörterbuch der Fachausdrücke der Informationsverarbeitung" finde ich den Begriff nicht, wohl aber "resources, human". Sie werden so übersetzt: "menschliche Elemente. Das Mitglied des Anwendungsplanungs- und Programmierstabes, des Führungsstabes und des Systemprogrammierungsstabes an einer Datenverarbeitungsinstallation." Der Mensch ist des Menschen Stab.

Und wo bleibt die Musik? Ach, verweisen wir dieses Mal auf einen recht unterhaltsamen und wissenden Kollegen: Andrian Kreye hat die zehn besten Alben des Jahres zusammengestellt. Alle natürlich aus dem Genre, was manche Menschen als Jazz bezeichnen. Alles hörenswert. Sehr hörenswert.

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4W: Von Engeln und himmlischen oder nicht so himmlischen Chören
« Antwort #805 am: 29 Dezember, 2019, 09:51 »
Vom Himmel hoch, ach nee, da kommt nix, "uns aus dem Elend zu erlösen, können wir nur selber tun", zitiert Hal Faber mal ausnahmsweise. Musik darf auch sein.

Wie immer möchte die Wochenschau von Hal Faber den Blick für die Details schärfen: Die sonntägliche Wochenschau ist Kommentar, Ausblick und Analyse. Sie ist Rück- wie Vorschau zugleich.

Was war.

*** Das Jahr 2019 müht sich dem Ende entgegen, das Weihnachtsfest ist vorbei und die süßen Glocken schweigen. Nur in Leipzig mühen sich jede Menge Engel ab, den Menschen Freude zu bringen und die Menschenmassen sicher zu geleiten, wenn sie einen Saal wie Ada, Borg oder Clarke verlassen. Ob nun 15.000 oder 17.000 auf dem Congress sind, ob 2.000 oder 3.000 von ihnen ehrenamtlich engeln, sind Fragen, die die Statistikerïnnen unter den Nerds beschäftigen. Gleiches gilt für die angesammelten Arbeitszeiten dieser Engel, denn sie sind freiwillig in den Himmel gegangen, um auf dem Congress zu helfen. Das ist in der freien Wirtschaft etwas anders, da wird jede Stunde gezählt und bezahlt. Unter der Arbeitsministerin Andrea Nahles wurde bekanntlich der Mindestlohn eingeführt, den die SPD jetzt liebend gerne erhöhen möchte. Zum Mindestlohn schenkte das Arbeitsministerium den Arbeitenden die Arbeitszeiterfassung-App "einfach erfasst" als digitale Variante der Stechuhr.

Die Software, die auf der Webseite des Ministeriums angeboten und beworben wurde, wurde zum Schluss von 21.780 Arbeitnehmern genutzt. Zum Schluss? Im September verfügte Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) die Einstellung der Software. Das Geld soll "aufgebraucht" sein. Die Hilfestellung für Arbeitnehmer und kleinere Betriebe soll den Kostenrahmen gesprengt haben. Zum Jahresende wurde nicht nur die Zahl der Nutzer bekannt, sondern auch die Kosten. Zur Programmierung der ersten Version gab man 47.000 Euro aus, zwischenzeitliche Updates kosteten 27.000 Euro. "Weitere Ausgaben konnten nicht mehr getätigt werden", so das Ministerium, das über einen Etat von 150 Milliarden verfügt. Hier mag man einwenden, dass es mindestens sieben weitere Apps zur Zeiterfassung gibt, doch das verkennt die symbolische Maßnahmen, mit dem Mindestlohn auch eine App zur Verfügung zu stellen. Mindestens ebenso symbolisch dürfte die Einstellung der App durch einen sozialdemokratischen Minister sein.

*** Dafür hat die deutsche Sozialdemokratie einen neuen Kampfauftrag gefunden. Es geht um das Tempolimit von 130 km/h, das für neuen Zoff in der großen Koalition sorgt. Mit ein paar hübschen Aktionen hat dabei Verkehrsminister Andreas Scheuer seine herunterragende Jahresbilanz noch einmal gesteigert. Seine Argumentation mit "unwesentlich besseren Werten" beruhte auf einer Untersuchung des Umweltbundesamtes von 1996, als man sich unter dem Motto "Freie Fahrt für freie Bürger" zoffte. Und seine Twitter-Crew nutzte für ihre Ablehnung des Vorschlages das Bild einer Schweizer Autobahn. Dort liegt das Tempolimit bei 120 km/h und wer mit 130 erwischt wird, muss 110 Franken zahlen. Mit über 1000 Beiträgen der geschätzten Foristïnnen in der kommentarschwachen Zeit zwischen den Jahren zeigt sich, dass in diesem Thema noch jede Mange Zoffstoff steckt. Ob damit die deutsche Sozialdemokratie wieder zur Sonne, zur Freiheit ziehen kann, ist eine andere Frage.

*** Andere ziehen in der Drecksbelastungsdebatte erst mal gegen eine Satire zu Felde, bei der die Oma eine Umweltsau genannt wird. Darf Satire das? Ja, ist Teil der oft geforderten und selten verstandenen Meinungsfreiheit. Dürfen Kinder so ein Lied singen und dabei sichtlich Spaß haben? Auch eindeutig ja. Das Argument der "Instrumentalisierung" könnte genauso für Kinderchöre gelten, die Kirchenlieder singen oder Arbeiterlieder zu Besten geben, um vom völkischen Liedgut mal zu schweigen. Ach ja: Meine Oma hat in den wilden Zwanzigern ihren Motorrad-Führerschein gemacht und knatterte in Schlesien durchs Riesengebirge. Von ihr lernte ich das hübsche Kinderlied.

*** Das Thema beschäftigt auch den Chaos Computer Congress in Leipzig, der noch bis morgen über "Resource Exhaustion" debattiert. Neben der Ressourcenverschwendung durch aufgeblähte Software werden Vorschläge diskutiert, die Hackerethik um zwei Punkte zu erweitern: "We will not use fossil powered infrastructure for new services or projects. We won't accept work on projects to help extract more fossil fuels." Die Schadstoffbelastung kann durch Digitalisierung reduziert oder gesteigert werden, das ist alles eine Frage der Einstellung. Ein Fortschritt ist jedenfalls, dass wieder einmal über die Ergänzung der Ethik nachgedacht wird, wie es nach dem KGB-Hack geschah. Ob die Ethik dann das Zeug hat, zu einer Richtlinie beim Handeln und Programmieren zu werden, ist eine andere Frage.

*** Das neue Jahr steht vor der Tür und will hineingelassen werden. Allüberall sprießen Artikel, Essays und Kommentare oder eben auch Podcasts wie die Heise-Show über 2020 auf dem Feld der Meinungen und Glaskugeln. Ein großes Geraune über das Hoffen und Bangen ist es und alle fragen sich, was diese Zukunft für uns bereit hält. Von einem "Gefühl diffuser Unsicherheit" ist dann gerne die Rede, als ob es ein Gefühl konkreter Sicherheit geben könnte. Und nach dem Ende aller Utopien erscheint die Welt grau in grau. "Und weil es noch keine neuen großen Ideen, weil es keine großen Ideale gibt, suchen die Menschen im Abfall der Geschichte nach den alten. Das ist der Grund für die Wiederkehr des Nationalismus, das ist der Grund für die neuen politischen Schwarzmarktfantasien. Was hilft dagegen? Es hilft das Denken; Denken ist wichtiger als Twittern."

Denken ist wichtiger als Twittern? Der amtierende US-Präsident und Windmühlen-Experte Donald Trump sieht das anders, wie sein weihnachtliches Twitter-Gewitter zeigt. Im Zuge dieser Aktion, beim Lamentieren über die "Hexenjagd" des Impeachments, twitterte Trump kurz vor Mitternacht am Freitag den Namen des mutmaßlichen Whistleblowers in einem Retweet zu seinen 68 Millionen Followern. Später wurde der Tweet gelöscht. Ob das "unverantwortliche Verhalten" ein Nachspiel haben wird, ist nicht klar, doch die Hexenjagd ist damit eröffnet. In den USA leben Whistleblower gefährlich.

Was wird.

Wenn der letzte Böller geknallt und der Feinstaub leise auf den Boden genieselt ist, erhebt sich das graue Gespenst der Bonpflicht zu einem ersten Rundflug. Diese unter Finanzminister Wolfgang Schäuble beschlossene Einführung hat ja zu komischen Bildern von einem bürokratischen Monster geführt, das den armen Bäckermeister bedroht. Besonders putzig natürlich die Handelskette Rewe, deren selbstständige Markt-Betreiber keine GoBD-konformen einsetzen und die in einer Pressemeldung von 140.000 Kilometern Kassenbons schwadronierte, nur um auch noch dem letzten Kunden die Payback-Wanze aufdrücken zu können. Zwar geht es einfacher mit der Lidl-App und ihrer Kassenbon-Sammelfunktion, doch hat ein Datenschützer ein Auge auf die App geworfen und wollte die Datenschutzbestimmungen prüfen. Bislang scheint das Auge noch nicht wiedergefunden zu sein, doch der Trend ist klar: Bei all dem Jammern um die Bonpflicht wird eine neue Gelegenheit zum Datensammeln ausgebaut, künftig zusätzlich mit personalisierter Werbung auf den Kassenzetteln.

Und dann ist da noch die Musik. Wer Musik liebt, liebt Beethoven, heiß es letztens in einer Beethoven-Sendung um DLF zur Vorbereitung auf 2020. Hm, nun ja, ich bestreite ja nicht, auch manches Mal zu apodiktischen Urteilen zu neigen, aber das geht mir nun doch zu weit. 1,9 Millionen Hörer mag zwar eine beeindruckende Zahl, und Beethoven selbst einem gewissen inhaltlichen Absolutismus nicht abgeneigt gewesen sein. Man muss ja nicht gleich so ein fanatischer Fan Beethovens sein wie Alex, dem nicht nur seine Beethoven-Liebe recht gründlich ausgetrieben wird

Als Anhänger der französischen Revolution dürfte Beethoven aber letztlich doch eine gewisse Freiheit der Meinungen bevorzugt haben, auch musikalisch. So bleibt die Ode an die Freude die angemessene Europahymne, auch 2020, wenn Beethovens 250. Geburtstag gefeiert wird. Warum aber nur Beethoven feiern, den eben doch nicht jeder liebt, der Musik liebt. Was ist mit Rio Reiser, der seinen 70. Geburtstag feiern könnte, so er denn noch lebte? Was mit Peter Gabriel und Bobby McFerrin, die glücklicherweise noch leben, aber ebenfalls 70 werden? Dave Brubeck würde im kommenden Jahr gar 100, ebenso wie Ravi Shankar, Kurt Weill könnte seinen 120. Geburtstag feiern (und wir gedenken seines 70. Todestags). Darf es noch etwas älter sein? Frederic Chopin hätte 210. Geburtstag. Weitere Todestage gibt es auch: Max Bruch ist vor 100 Jahren gestorben, Jimi Hendrix vor 50 Jahren. Ach ja, es gibt einiges an musikalischem Gedenken, dass wir 2020 genießen können (und auch manches, was eher Erschröckliches wach ruft).

Also dann doch lieber "An die Freude"? Nun, warum nicht, es ist kein schlechter, eher tröstender Ausklang für 2019 und ein hoffnungsvoller Anfang für 2020. Möglicherweise ist aber Weills Seeräuber-Jenny der passende Song zum Jahr, mehr noch als der Aufruf zur Selbsthilfe.

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4W: Von wilden Zwanzigern und anderen Kalamitäten.
« Antwort #806 am: 05 Januar, 2020, 09:36 »
Die 20er Jahre beginnen mit einem Krieg. Und der demonstriert die unerträgliche Leichtigkeit des Tötens. Technik könnte sinnvolleres leisten, findet Hal Faber.

Wie immer möchte die Wochenschau von Hal Faber den Blick für die Details schärfen: Die sonntägliche Wochenschau ist Kommentar, Ausblick und Analyse. Sie ist Rück- wie Vorschau zugleich.

Was war.

*** Willkommen im neuen Jahrzehnt. Mögen es die wilden 20er werden. Ehe jetzt wilde Diskussionen darüber anfangen, dass dieses Jahrzehnt erst in einem Jahr beginnt, verweise ich auf die ISO 8601 Abschnitt 4.11, in der eine Dekade definiert wird. "A string consisting of three digits, for example 'the 1960s'. It is the ten-year time interval of those years where the three specified digits are the first three digits of the year." Willkommen also in den wilden 202ern. Akzeptiert? Freuen wir uns also auf die wilden 20er, die die wilden 20er anno 1920 in den Schatten stellen werden. Dafür gibt es bereits gute Hinweise. Man denke nur an das Fleisch von Beyond Meat und warte freudig gespannt auf das Jahr 2022, wenn Soylent Green auf den Markt kommt. Auf weitere Wildereien komme ich noch zu sprechen.

*** Bekanntlich endeten die 2010er mit dem Jahr 2019 in Frieden, Eintracht und einer großen Knallerei. Von einer nicht-Notoperation und einem abgefackelten Affenhaus einmal abgesehen. Wer braucht schon Fake News und die AfD, wenn die Polizei und diese C-Parteien sofort den größten Unsinn in die Welt setzen und sofort irgendetwas Schärferes fordern – nur nicht für die eigene Klientel? Manchmal braucht es gar keinen christlichen Beistand, wie es das Beispiel des grünen Hamburger Justizsenators Till Steffen zeigt, unter dem eine neue Runde von G20-Prozessen beginnt, diesmal gegen sogenannte Mitläufer, die selbst nicht gewalttätig waren. Hier sehen wir bereits, was die wilden 20er bringen werden, wenn das Wohnortprinzip für heranwachsende Beschuldigte vom Staat aufgegeben und die Ausbildung oder Schulbildung junger Menschen bewusst geschädigt wird. Mitgegangen, mitgehangen ist das Motto der neuen Zeit: Auch die, die eine unfriedliche Demonstration längst verlassen haben, können wegen der späteren Taten anderer zur Rechenschaft gezogen werden.

*** Zu den umstürzenden Ereignissen beim Übergang ins neue Jahrzehnt gehört ein Papst, dessen limbisches System einen Klaps austeilte, womit er prompt mit prügelnden Rockstars verglichen wurde. Braucht man solch einen Vertreter höherer Wesen auf Erden? Immerhin einer von denen, die eine kaputte Welt geißeln, in der Wüsten und Meere zu Friedhöfen werden. Sinnigerweise brauchen gerade Hacker solche Leitfiguren, wie es die feierliche Ansprache von Edward Snowden auf dem Chaos Computer Congress zeigte. Sein Auftritt wirkte wie eine Predigt (ab der 35. Minute). Erst las er aus einem weisen Buch vor, seiner Autobiographie "Permanent Record", dann gab es den Segen. "Es werden die Hacker sein, die diese zerbrochene Welt zu einem besseren Platz machen werden". Für diese schlichte Aussage gab es auf dem Chaos Computer Congress minutenlangen Beifall wie sonst nur bei der Datenanalyse von Bahnfahrten. Die Erkenntnis, dass die Deutsche Bahn komplett ausgefallene Züge nicht in die Berechnung ihrer Pünktlichkeitsquote einbezieht und ab einer Verspätung von mehr als 40 Minuten ihre Züge "aufgibt", war überaus erheiternd. So konnten nicht nur Bahnreisende einen Blick hinter die Kulissen der Macht des Schicksals werfen, die beim "Träweling wis Deutsche Bahn" erduldet werden muss.

*** Von einer hoch fliegenden Drohne aus haben die USA drei Raketen auf einen Autokonvoi am Flughafen in Bagdad geschossen, den iranischen General Quasim Solemani und den Milizenführer Abu Mahdi al-Muhandis getötet. Der Iran wird sicher zurückschlagen, wenn die dreitägige Staatstrauer beendet ist. Die wilden 20er beginnen mit einem wilden Krieg, obwohl man mit Fug und Recht behaupten kann, dass der Drohnenschlag eine zwanzigjährige Vorgeschichte hat, die mit der Operation Desert Fox begann. Damals wollte ein gewisser Bill Clinton von seinem Impeachment-Verfahren ablenken. Militärisch erinnert der Drohnenschlag jedoch an ein ganz anderes Ereignis, die Operation Vengeance von 1943. Damals wurde der sehr populäre japanische Admiral Yamamoto Isoroku getötet, der eine ähnliche Rolle wie Quasim Solemani spielte. Auch damals ging die Rechnung nicht auf, denn Yamamoto wurde nach einem großen Staatsbegräbnis im Yasukuni-Schrein aufgenommen und verehrt. Als er noch lebte, wurde Solemani zum Märtyrer erklärt, mit seinem Tod ist nun die Rache fällig. Der Iran hat viele Eskalationsmöglichkeiten, angefangen bei Ölanlagen und Öltankern, bis hin zu Selbstmordattentaten im Geist der Shia.

*** Im Vergleich zur Aktion im Jahre 1943 mit mehreren Jagdstaffeln und umgebauten Flugzeugen zeigt sich der ganze Fortschritt in der unerträglichen Leichtigkeit des Tötens – und wie sehr Technik politisch ist. Technik könnte sinnvolleres leisten. Und Techniker sich ihrer politischen Rolle bewusst werden. Wie auch immer: Angeblich haben die Eskimos 100 Worte für Schnee. In den gesammelten Beschreibungen der US-amerikanischen Aktion zeigt sich, dass wir 100 Worte für einen Mord haben. Es fängt bei gezielter Tötung an, geht über die "Entfernung vom Schlachtfeld" und endet noch lange nicht bei der Beschreibung eines "gefährlichen Eskalationspunktes", der ausgeschaltet werden musste. Wie war das noch Anfang Dezember da in diesem letzten Jahrzehnt, als die deutsche Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer bewaffnete Drohnen zum Schutz der Soldaten in Afghanistan forderte? Auch dieser Schutz ist, wenn er eingesetzt wird, eine gezielte Tötung aus 12.000 Metern Höhe. Die stockende Debatte wird in den nächsten Tagen sicher besonders wild geführt werden. Derweil ist in den USA eine Debatte im Entstehen, ob die Clique von Trump-Anschleimern in Mar-al-Lago mehr über die Aktion wusste als die Mitglieder des Kongresses. Auf das Impeachment folgt das Inteachment.

Was wird.

Man soll das Jahr nicht mit Programmen beladen wie ein krankes Pferd. Wenn man es allzu sehr beschwert, bricht es zu guter Letzt zusammen. Je üppiger die Pläne blühen, umso verzwickter wird die Tat. Man nimmt sich vor, sich zu bemühen, und schließlich hat man den Salat! Es nützt nicht viel, sich rot zu schämen. Es nützt nichts, und es schadet bloß, sich tausend Dinge vorzunehmen. Lasst das Programm! Und bessert euch drauflos!

Erich Kästner hat eigentlich alles zu diesen "guten Vorsätzen" gesagt, die aufgestellt und dann gebrochen werden wie eine Salzstange. Es ist fast so wie mit den Erkenntnissen, die man in einem Jahrzehnt sammeln kann und dann zum Schluss kommt, dass Computer Teil der menschlichen Geschichte im Anthropozän sind, genau wie Musik, Bücher und das gute Thermopapier der Kassenbons. Die beste Erkenntnis ist dann der beste Anfang für das neue, wilde Zeitalter: "Die Menschen in der Regierung sind genauso inkompetent und ratlos wie alle anderen auch. Was sie wirklich gefährlich macht ist, wie oft sie das nicht wissen. Und es gibt niemanden, der es ihnen erzählt."

Doch zurück zu den Vorsätzen. Die Agenturen melden dazu, dass der Sänger Sasha 2020 ein guter Vater sein und ein Model namens Toni Garrn griechisch lernen will. Diese Liste lässt sich hervorragend mit Ivanka Trump fortsetzen, die als Keynote-Sprecherin der bald startenden CES in Las Vegas angekündigt ist. Sie soll dort als Expertin für die Rolle der Frau in der Technologie auftreten und sich generell über die Zukunft der Arbeit auslassen. Die Presse muss sich gesondert dafür registrieren und die aus dem Ausland braucht ein gültiges Presse-Visum. Die prüde Messe, die im frisch vergangenen Jahrzehnt Vibratoren verboten, VR-Pornos aber erlaubt hatte, leistet sich eine Sprecherin, deren technische Kenntnisse sehr begrenzt sind. Man darf auf ihre Rede und ihre Tweets gespannt sein. Vor dem Drohnenanschlag twitterte sie über die Heroen in der Bagdader Botschaft der USA, mit kleinem Schreibfehler. Immerhin ist mit Mandy Moore als eine der bekanntesten Trump-Kritikerinnen so etwas wie ein Ausgleich erfolgt. Danach geht es – für Ivanka – nach Davos zum Weltwirtschaftsform, wo sie über Geschlechtergleichheit referieren soll, wenn Donald Trump wieder einmal den Trip absagen muss, weil ihm der Iran zwickt.

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Was war. Was wird. Vom Fluch, in interessanten Zeiten zu leben.
« Antwort #807 am: 12 Januar, 2020, 10:48 »
Das Jahr hat erst begonnen, da wird mit der Abrissbirne auf den Weltfrieden und mit autonomen Waffen auf Passagierflugzeuge losgegangen. Hal Faber denkt an HAL.

Wie immer möchte die Wochenschau von Hal Faber den Blick für die Details schärfen: Die sonntägliche Wochenschau ist Kommentar, Ausblick und Analyse. Sie ist Rück- wie Vorschau zugleich.

Was war.

*** Letztes Jahr, damals in 2019, lang ist's her, hatte die Biennale in Venedig ein komisches Motto. Die Leistungsschau moderner Kunst startete mit dem chinesischen Fluch "Mögest du in interessanten Zeiten leben". Nun schreiben wir 2020 und leben in diesen verflucht interessanten Zeiten, nachdem die USA auf
Befehl von US-Präsident Donald Trump mit einem Mord an einem Iraner den brüchigen Weltfrieden mit der Abrissbirne bearbeiteten. Dann aber hagelte es ein paar Raketen. Scheinbar waren die Tage der Wut vorbei, doch dann kam die Nachricht, dass eine Rakete wenige Sekunden brauchte, um den Flug PS 752 gewaltsam zu beenden. Nun bedauert der Iran den "unabsichtlichen" Abschuss, der zum Tod von 176 Menschen führte. Es gibt unterschiedliche Zahlen über die Nationalitäten der Toten, doch muss man darauf hinweisen, dass aus der Sicht der Islamischen Republik Iran die Mehrheit der Toten Iraner waren, weil ein Iraner seine Staatsbürgerschaft niemals verlieren kann. Auch deshalb musste Staatspräsident Hassan Rohani von einem "schrecklichen Fehler" sprechen, dem Iraner zum Opfer fielen.

*** Immerhin dürften die weiteren Untersuchungen des Unglücks nicht länger behindert werden, ganz anders als beim Abschuss von Flug IR 655 durch die USA im Jahre 1988 (PDF-Datei). Da dauerte es acht Jahre, bis unter Präsident Clinton eine Entschuldigung aus den USA zu hören war und den Angehörigen Schmerzensgeld gezahlt wurde. Was zum Erscheinen dieser kleinen Wochenschau noch ungeklärt ist, ist der "schreckliche Fehler": Wenn die Vermutung stimmt und eine SA-15 Gauntlet eingesetzt wurde, dann haben wir es mit dem Fall eines autonomen Waffensystems zu tun, das seine Entscheidung im Sekundenbereich selbst getroffen hat. Wie heißt es in der Wikipedia: "Anfliegende Ziele können automatisch nach Gefährdungspotential klassifiziert und ohne Eingriff eines Bedieners bekämpft werden." Irgendein stationiertes SA-15-System muss dann den Abflug als Anflug gewertet haben. Die offizielle Erklärung von einem "Defekt im Kommunikationssystem" klingt nicht besonders beruhigend. SA-15-Systeme werden auch in Europa eingesetzt, in Griechenland und der Türkei.

*** Damit sind wir bei der Frage, wie autonom Computer töten können dürfen und wie solche Computer wiederum abgeschaltet werden können. Passend zu dieser Frage ist ein 25 Jahre alter Aufsatz wieder veröffentlicht worden, in dem sich der Philosoph Daniel Dennett mit der Frage beschäftigte, ob HAL 9000 tötete. 25 Jahre später fragt David Stork als Herausgeber des damaligen Buches über die rechnerischen Leistungen von HAL: "Wird es ethisch vertretbar sein, einen Konversations-Computer abzuschalten, der am Bett eines einsamen alten Menschen sitzt?" Eine Frage, die sich mit dem Home Care Robot von Medisana stellt, der gemeinsam mit dem Menschen durch die Wohnung rollt und für Unterhaltung sorgt. Vielleicht hilft da Dennett, denn diese Defintion von Bewusstsein hat was: "Der bewusste menschliche Geist ist so etwas wie eine sequentielle virtuelle Maschine, die – ineffizient – auf der parallelen Hardware implementiert ist, die uns die Evolution beschert hat."

*** Mit einem außerordentlich eleganten Webauftritt haben sich die Herzogin und der Herzog von Sussex vom britischen Publikum verabschiedet, das sich von seiner intoleranten, bornierten Seite gezeigt hat. Gefeiert wurde nur kurz, nun ist es Zeit, die Insel zu verlassen, um eine lebenswerte, auch "geographische Balance" in deutlicher Entfernung zu dieser Bitterkeit zu leben. Mit Popo, dem Todesclown startete dieser Tage eine bemerkenswerte Kolumne der Autorin A.I. Kennedy zum Leben im Brexit, in der sie beschreibt, was es bedeutet, in einer Fadheit zu leben, in der #RuinedChristmas der wichtigste Hashtag des Landes war. "Werden wir in Lichtgeschwindigkeit draufgehen oder nur in Schallgeschwindigkeit? Oder mit der Geschwindigkeit verdünnter Soße? Wir wissen es nicht. Und während die meisten darauf warten, dass die zahlreichen Desaster zueinanderfinden, warten die anderen darauf, dass sie verschwinden: Schwarze, Muslime, EU-Bürger, Juden, Behinderte, Linke, Homosexuelle, Jugendliche, Leser, Comedians, Anwälte, Vegetarier, Autoren. Die übliche Liste."

*** Wo bleibt das Positive? Es kommt, wie so häufig, aus den Archiven vor Vorvorgestern. Diesmal kommt es von Albert Camus, von dem ein paar nachgelassene Papiere im Archiv des Generals de Gaulle gefunden wurden. Camus schreibt zu einer Zeit, in der er gegen die Kollaboration mit den deutschen Besatzern kämpfte, über die Eliten: "Die Eliten unseres Landes haben das begriffen und haben den Befreiungskrieg aufgenommen, um weiterhin sprechen zu können. Doch um sprechen zu können, muss man mit der Möglichkeit des eigenen Verschwindens rechnen. Aus diesem Verschwinden kann sich ergeben, wie 1919, wie vielleicht morgen wieder, dass die Elite die Sprache verliert. Wie 1919, wie morgen vielleicht, werden dann die Anderen das Sprechen übernehmen, jene, die sich im kritischen Moment als Zeugen ausgaben und im Grunde nur zur Schar der Vorsichtigen gehörten." Auch wir brauchen die, die sich nicht in der Schar der Vorsichtigen verstecken und zu sprechen wagen. Dazu gehört es, sich gegen die biometrische Gesichtserkennung auszusprechen und auch, das übergriffige BND-Gesetz zu erhandeln, gegen die Häme der BND-Zuträger, die von Prozesshanseln schwafeln und sich ihre dicken Bäuche halten.

Was wird.

Langeweile, obwohl die Zeiten doch so interessant sind? Ich möchte da ein kleines Spielchen vorschlagen, mit dem man sich wunderbar die Zeit bis zum nächsten Anschlag vertreiben kann. Als aufmerksamer, mündiger und surfender Bürger landet man häufig auf Informations- oder Werbeseiten unserer Bundesregierung. Schließlich ist da diese Digitalisierung, der sich alle stellen müssen. Auch wenn die neue Arbeiterpartei FDP/ML meint, dass dieser unserer Regierung Wille und Kraft für ein Digitalministerium fehlen, so gibt es doch viele, viele Ministerien und noch viel mehr Projekte, die allesamt kompetent am digitalen Rad drehen. Das Spielchen geht so: Wenn man sich auf einer Seite der Bundesregierung, der Ministerien oder der Projekte befindet, nehme man den Domain-Namen und ersetze ihn mit einer .org-Adresse, so wie in wikileaks.org oder wikipedia.org.

Ein Beispiel: Angenommen, man möchte weg aus diesen interessanten Zeiten, am besten gleich ins nächste Jahr, wenn bei LÜKEX 21 ein groß angelegter Cyberangriff auf die Bundesregierung bravourös abgewehrt wird. Unter luekex.de gelangt man hier zu den öffentlichen Informationen über das Planspiel, unter luekex.org aber auch. Die Vermutung liegt nahe, dass es so viele weitere org-Adressen gibt, dass man sogar ein Trinkspiel daraus machen könnte. Mit Überraschungen natürlich. Man nehme wirksamregieren.org und landet bei der Bundesregierung, man nehme Bundesregierung.org und landet bei F00.net im Nirwana.

Die Erklärung kommt mit der Meldung, dass wir unter Geiern leben, seitdem bekannt wurde, dass eine Investmentfirma sich in die Verwaltung von .org einkaufen möchte. So kreisen die Geier über dem Internet und wir mit ihnen. Deutschland besitzt als Verschlüsselungsstandort Nr.1 auch die Domain krypto-charta.org und offenbar jede Menge weitere .org-Domains, aber Genaueres weiß man nicht, das würde ja den Cyberangreifern, den Cybergeiern nützen, wie es in der Antwort der Bundesregierung (PDF-Datei) auf eine schriftliche Anfrage der Abgeordneten Anke Domscheit-Berg zu den .org-Verhältnissen heißt:

"Die Bundesregierung beobachtet das laufende Verkaufsvorhaben der Top Level Domain „.org“ durch die Internet Society (ISOC) an die US-Investmentgesellschaft Ethos Capital und wird die weiteren Entwicklungen – auch in Bezug auf die durch die Bundesregierung genutzten .org-Domains – genau prüfen. Als Anlage beigefügt ist eine Aufstellung der durch die Bundesregierung einschließlich der Geschäftsbereichsbehörden genutzten .org-Domains. Dieses Dokument wurde als VS – NUR FÜR DEN DIENST-GEBRAUCH (VS-NfD)eingestuft. Begründung: Bei der gefragten Auflistung von .org-Domains handelt es sich um eine bislang öffentlich nicht verfügbare Information. Nach Einschätzung der Bundesregierung bestehen bezüglich einer öffentlichen Herausgabe nicht unerhebliche Sicherheitsbedenken, da nachteilige Auswirkungen auf Belange der Sicherheit der Informationstechnik der Bundesverwaltung zu erwarten sind. Insbesondere könnten aggregierte Informationen über von der Bundesregierung genutzte Domains geeignet sein, um einen erfolgreichen Angriff auf die Informationstechnik des Bundes – beispielsweise „DNS-Hi-jacking“ und „DDoS“-Angriffe – zu ermöglichen oder zumindest entscheidend zu erleichtern."

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Was war. Was wird. Von Babelfischen, Bayern und Briten
« Antwort #808 am: 19 Januar, 2020, 08:06 »
Zum Verbot der Gesichtserkennung schweigt der Modelleisenbahner wie die Glocken ohne Klöppel vom Big Ben zum Brexit. Herrlich, freut sich Hal Faber, diese Ruhe.

Wie immer möchte die Wochenschau von Hal Faber den Blick für die Details schärfen: Die sonntägliche Wochenschau ist Kommentar, Ausblick und Analyse. Sie ist Rück- wie Vorschau zugleich.

Was war.

*** Als Chronist des technischen Fortschrittes hat man es manchmal nicht leicht. Wir befinden uns im Jahr 2020, in dem wegen dieses Neulands über das "Recht auf Vergessen" philosophiert wird oder der Schwachsinn von der Klarnamenspflicht eine Neuauflage erfährt. Es erinnert an die 80er-Jahre des letzten Jahrhunderts, als Juristen gegen eine Compuserve-Adresse wie 7707,333 klagten, weil sie darin eine arglistige Namenstäuschung sahen und nicht das Mailsystem der PDP-10-Architektur kannten, mit dem Compuserve groß wurde. Nun fordert ein Artikel in der Zeitschrift für kluge Köpfe unter dem Mantel der Netzkultur und des Netzwerkdurchsetzungsgesetzes eine gesetzlich geregelte Kultur der Pseudonymität als Haftbarkeit, die dem Netz noch fehlen würde: "Sie bedeutet, dass jemand für andere Nutzer nicht erkennbar an entscheidender Stelle mit seinem Klarnamen auftritt. Bei der Plattform oder bei einer neutralen, dritten Stelle muss er unter diesem registriert sein. So ließen sich Rechtsbrecher im Netz leichter haftbar machen. Verzichten Plattformen auf den Mechanismus, treten sie selbst in Haftung." Am besten wäre dieser Namendienst auf Vorrat bei der Bundesnetzagentur angesiedelt, womöglich noch mit dem biometrisch geprüften Bild, das jetzt doch wieder von Fotografen geknippst werden soll, die es halt auf sicheren Wegen in die Meldebehörden transportieren müssen, damit die bösen Morpher keine Chance haben. Die totgeglaubte De-Mail zuckt.

*** Manchmal ist die Begleitung des technischen Fortschritts eine schöne Sache. Ich erinnere mich jedenfalls gerne an die wunderbare Poesie dieses Satzes: "Im Verlauf des Flirtings mit ihm, hob sie ihre Jacke in der Rückseite an und zeigte ihm die Brücken ihrer Zapfenunterwäsche, die über ihr Hosen ausdehnten." Ja, das ist die entscheidende Stelle aus dem einstmals vom Internet sehnlichst erwarteten Lewinsky-Report des US-amerikanischen Chefanklägers Kenneth Starr aus dem Jahre 1998, wie sie vom legendären Babel Fish übersetzt wurde. Mit dieser Qualitäts-Übersetzung des Geschehens im Weißen Haus erwies sich Babel Fish als ein würdiges Programm, an den großartigen Douglas Adams zu erinnern. Nun hat die einstmals flirtende Praktikantin Monika Lewinsky einen Kommentar getwittert, weil besagter Kenneth Starr nun zum Anwaltsteam von Donald Trump gehört. Was das heutige Babel-Fischchen ganz nüchtern übersetzt: 'Das ist definitiv ein "Willst du mich veräppeln?' - Tag". Ja, solche Tage gibt es, zumal mit Alan Dershowitz auch der Verteidiger von Jeffrey Epstein ins Team geholt wurde. Es gibt sie also definitiv, diese Veräppel-Tage.

*** Ob es einen Gott gibt, der Trump hasst, weiß ich nicht. Ich komme gut ohne die Verehrung höherer Wesen aus und kann mir vorstellen, dass es Menschen gibt, die Trump hassen. Mit solchen Plakaten sind kurz nach der Wahl Frauen demonstrieren gegangen. Dabei wurden sie fotografiert. Ausgerechnet für eine Ausstellung über das Frauenwahlrecht und die Frauenbewegung in den USA hat das Nationalarchiv der USA die Fotos retuschiert und den Namen von Trump unkenntlich gemacht. Auch wurden potenziell anstößige Begriffe wie Vagina auf den Plakaten übermauselt. Mindestens ein Hinweis auf die Bearbeitungen hätte man anbringen können, aber das hätte angeblich der guten Sache, eben der Geschichte der Frauenbewegung geschadet. Das böse Wort Zensur wird bestritten. Man solle bitte von politischer Neutralität sprechen.

*** Ich habe in dieser Woche ein neues Wort kennengelernt. Aitschnik ist russisch und bezeichnet Systemadministratoren, ITler und ganz allgemein die Menschen, die sich von der IT und dem eGovernment große Verbesserungen versprechen. Der neue russische Premierminister Michail Mischustin ist solch ein Aitschnik. Er ist der Erfinder der INN, der einheitlichen, lebenslangen Steueridentifikationsnummer. Er ist der Mann hinter der App, mit der in Russland die Steuererklärung von Selbstständigen mit wenigen Klicks abgewickelt werden kann, was dazu führte, dass sich die Steuereinnahmen auf rund 300 Milliarden für 2019 verdoppelten. Dieser Zuwachs wurde geschafft, obwohl die Zahl der problematischen Steuerprüfungen deutlich zurückgingen. "Wir als Beamten müssen unsichtbar werden, das war immer mein Ziel", soll er als frischgebackener Premierminister gesagt haben. Der Aitschnik als unsichtbarer Technokrat, der Sysadmin als neue Klasse Russlands, das alles muss natürlich mit der Absicht von Wladimir Putin zusammen gedacht werden, eine neue russische Verfassung zu installieren. Darüber ist an anderer Stelle geschrieben worden. Jetzt fehlt nur noch der Hinweis auf die Versuche Putins, Polen die Mitschuld am Ausbruch des Zweiten Weltkrieg in die Schuhe zu schieben und den Hitler-Stalin-Pakt vergessen zu machen. Das Ganze natürlich vor Beginn der Feierlichkeiten zur Befreiung von Auschwitz am 27. Januar.

*** Ach, Europa, du hast nicht nur Polen, sondern auch eine EU-Kommission, die sich mit AI befasst, mit den Problemen der künstlichen Intelligenz. Während sich in Deutschland der unvermeidliche TÜV um die Sicherheit von KI-Anwendungen kümmern soll, denkt man auf europäischer Ebene etwas weiter und überlegt, ob ein zeitlich limitiertes Verbot der KI-Anwendung "Gesichtserkennung" helfen kann, jedenfalls bis Klarheit vorliegt, ob diese Technik nicht schädlich für eine Gesellschaft ist. Das ist natürlich nichts für einen Innenminister, der zur Krönung seines Überwachungs-Gesamtkunstwerkes die Gesichteserkennung auf 135 Bahnhöfen und 14 Flughäfen einsetzen will, ehe er als nicht mehr so junger und frischer Politiker vorzeitig aufs Altenteil geht, hartnäckig dazu so lange von Journalisten befragt, bis dem Modelleisenbahner der Modelleisenbahnerkragen platzt: "Das war jetzt der letzte Versuch, nun schweige ich."

*** Das mit dem "jung und frisch" stammt übrigens vom bayerischen Ministerpräsidenten Söder, der zur Burda-Konferenz Digital Life Design 2020 mit dieser Aussage startet: "Ich bin der festen Überzeugung, dass die Künstliche Intelligenz wie jeder technische Fortschritt in der Geschichte am Ende das Leben besser, sicherer und interessanter machen wird. Die KI wird im Rückblick vergleichbar sein mit der Erfindung der Dampfmaschine, sie wird eine Tür aufstoßen zu völlig neuen Dimensionen von Wissen und erleichtertem Leben." Besser, sicherer und interessanter, in dieser Reihenfolge. Ja, wir leben in interessanten Zeiten, in denen für die KI Leuchttürme gebaut werden, in denen massenhaft Professoren sitzen und forschen. Bayern wird nach den Vorstellungen von Söder übrigens zum "führenden" KI-Distrikt Deutschlands, einfach deswegen, weil Bayern und Kalifornien vergleichbar sind, wegen dieser Work-Life-Balance, wissens.

Was wird.

Wie die Bayern so sind auch die Briten ein ganz eigener Menschenschlag. Vor allem haben sie klare Vorstellungen, was british ist, von den Lippen über den Tee bis zu Big Ben. Zum anstehenden Austritt aus der EU, formerly known as Brexit, sollten eigentlich um Mitternacht die Glocken von Big Ben läuten. Wenigstens das ist gewiss, dass sie nicht läuten werden (können), weil die Klöppel gerade restauriert werden. Dies mal abgesehen von der Frage, wann sie zum Läuten ansetzen: Wenn es in Brüssel Mitternacht ist, sitzt der Brite noch in seinem Pub und überlegt, wieviele Pints zum Last Order gehören. Die Szene, die sich dann abspielen wird, hat Fintan O'Toole so beschrieben: "Thus the great moment of departure on 31 January will be like the last lines in Samuel Beckett’s Waiting for Godot, in which Vladimir asks: “Well, shall we go?” and Estragon answers: “Yes, let’s go.” The stage direction is: “They do not move.” Nothing will really move. The entry into a period of transition of unknown duration and the beginning of trade talks likely to be marked by tedium, indecision and a slow climbdown from grandiose promises really doesn’t ring any bells."

Immerhin kann man dazu singen, wie es die englischen Fußballfans vormachen. Weil gut Ding ohne KI seine Weile haben will, bleibt uns noch ein bisschen Zeit, die Strophen zu lernen, die zur Last Night of the EU-Comms gehören. Sie sind auf Deutsch laut Wikipedia ganz schön rummsig und splatterig.

Noch majestätischer sollst du aufsteigen, noch schrecklicher durch jeden fremden Schlag; weil das laute Krachen, das die Himmel zerreißt, nur dazu führt, deine eingeborene Eiche zu verwurzeln.

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4W: Von Souvenir-Sabotagen und anderen Katastrophen.
« Antwort #809 am: Heute um 09:23 »
Nicht nur beim unbegrenzten Rasen zeigt sich anscheinend der deutsche Übermensch, den der Irrtum des besseren Lebens sehr ärgern würde, stichelt Hal Faber.

Wie immer möchte die Wochenschau von Hal Faber den Blick für die Details schärfen: Die sonntägliche Wochenschau ist Kommentar, Ausblick und Analyse. Sie ist Rück- wie Vorschau zugleich.

Was war.

*** Das mit dem Recht auf Vergessen ist kompliziert. Kaum habe ich über den außerordenlich eleganten Webauftritt von Harry und Meghan geschrieben, da ist er schon vorbei. Zwar gibt es noch die schönen Sätze, wie beide abseits vom königlichen Hof der Monarchie dienen und das Commonwealth stärken wollen, doch weist ein wichtiges Update auf die Instagram-Erklärung der Königin hin, die derlei Arbeit für die Monarchie nicht in ihrer Familie duldet. Deswegen dürfte sussexroyal.com bald vom Netz genommen werden und der nagenden Kritik der Mäuse anheimfallen.

Geht nicht bei digitalen Inhalten? Dabei ist die hübsche Formulierung, mit der Karl Marx später die deutsche Ideologie bedachte, ganz aufschlussreich. Denn niemand anderes als der erzkapitalistische Economist hat sich daran gemacht, die Rolle von Prinz Harry und Meghan Markle mit dem Instrumentarium von Karl Marx zu erklären. "Das Bedürfnis nach einem stets ausgedehnteren Absatz für ihre Produkte jagt die Bourgeoisie über die ganze Erdkugel", verwandele das königliche Paar in eine kapitalistische Warenform und Weltmarke, kehre so den Feudalismus in sein Gegenteil um, den Kapitalismus, "global statt national, virtuell statt konkret, getrieben, in seiner unausweichlichen Logik, ständig neue Trends und Moden zu erzeugen". Das alles in dieser Form aus dem Economist abgeschrieben findet sich im Kulturteil der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Zwei Seiten weiter dann die bewegende Klage über die geplante Urheberrechtsreform mit einem Leistungsschutzrecht, das die Verleger an den Bettelstab bringen wird, weil Google sich klaglos an den Texten bedienen kann.

*** Während rund um die Erdkugel auf königlichen Befehl hin die Bourgeoisie "Souvenir-Sabotage" betreibt und das offizielle Hochzeits-Porzellan von Harry und Meghan aus den Shops räumt, gibt es auch positive Nachrichten für die Briten: 36 Jahre, nachdem über 250 Erinnerungsstücke an Alan Turing in einem britischen Museum verschwanden, wurden sie von amerikanischen Polizeibeamten in Colorado wiedergefunden. Das Ganze passierte bereits 2018, wurde aber erst dieser Tage nach der Veröffentlichung von Gerichtsdokumenten bekannt. Besonders bizarr dabei, dass sich eine US-Amerikanerin vor den Behörden als offizielle Tochter des homosexuellen Alan Mathison Turing ausgeben konnte. Als angebliche Forscherin, die an einer Biographie von Turing arbeitete, hatte sie in Großbritannien Zugang zu einem Turing-Archiv erhalten und entwendete Unterlagen aus der Schulzeit und den königlichen Orden, der Turing für seine Arbeit als Codeknacker in Bletchley Park verliehen wurde. Um ein Haar wären die Materialien vergessen worden.

*** Nun kommt das große Erinnern doch nicht: Beim anstehenden Umbau des Bundespolizeigesetzes gab Bundesinnenminister Horst Seehofer in Zagreb bei der Konferenz der EU-Innenminister bekannt, dass die umstrittene Gesichtserkennung nicht in das Gesetz gepackt wird, an dem das Ministerium seit drei Jahren arbeitet. Er habe da noch Fragebedarf, schließlich sei automatische Gesichtserkennung "keine ganz nebensächliche Angelegenheit", wird Seehofer zitiert. Vielleicht gehört zu den Fragen die bisher nicht geklärte Frage, wie gut die drei Gesichtserkennungssysteme beim Test am Bahnhof Südkreuz eigentlich abgeschnitten haben. Bekannt ist nur die Trefferrate eines "logischen Gesamtsystems", obwohl drei verschiedene Software-Systeme zum Einsatz kamen. Weder Elbex noch Herta oder Idemia rühmen sich, beim Mitte 2018 abgeschlossenen Test so etwas wie Testsieger zu sein oder die Software für die Bahnhöfe und Flughäfen zu liefern.

*** Damit geht der Blick wieder ab auf die Insel, denn Londons Metropolitan Police will die Gesichtserkennung, geliefert von NEC Global, einführen. Auch hier sind die Zahlen kurios: Während NEC Global von einer Trefferrate um 70 Prozent ausgeht, sollen Tests der Londoner Polizei eine Fehlerkennungsrate von 98 Prozent festgestellt haben. Dennoch ist von einem fantastischen Werkzeug die Rede. Anders als am Bahnhof Südkreuz sollen Kameras, Computer und Software in Lieferwagen eingebaut werden, damit mobile Suchtrupps auf Verbrecherjagd gehen können. Der Testlauf der Metropolitan Police im Jahre 2018 wurde übrigens von Wissenschaftlern der Universität Essex begleitet und evaluiert, die schwere Bedenken äußerten, ob die Gesichtserkennung grundrechtskonform eingesetzt werden kann. GRundrEchtsKonfOrm?

*** Nach SARS im Jahre 2002 und MERS im Jahre 2012 ist ein neuer Virus aus der Familie der Coronaviren aufgetaucht. In China wurden darum ganze Städte unter Quarantäne gestellt und die Reisewelle zum dortigen Neujahrsfest ausgebremst. Das Gemisch aus drastischen Maßnahmen und unzureichenden Informationen durch die chinesischen Behörden wird kritisiert, deswegen sei daran erinnert, dass durchaus ähnliche Denkweisen auch in Europa anzutreffen waren: Mit der Entdeckung von Aids wollte man 1987 in Bayern als Teil des europäischen Hygienekreises die Kranken in "speziellen Heimen" konzentrieren. Die Panik erreichte auch die Gefängnisse, in denen Zwangstests durchgeführt werden sollten. Wer sich weigerte, sollte in Einzelhaft. Mit dem Vorschlag, die "Entartung" Homosexualität zu bekämpfen, gab es noch eins obendrauf.

*** Huch, da sind wieder einmal die Diskussionen der Foristen losgegangen, bei der Meldung, dass selbst der ADAC nicht grundsätzlich gegen ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen ist. Die beste Reaktion muss aber noch nachgetragen werden: Hier ist hinter der Paywall vom Verrat des ADAC die Rede. Hier finden wir eine bezaubernde Aussicht: "Das Tempolimit wird kommen, so wie eine grüne Regierungsbeteiligung. Beides wird das Land nicht sicherer oder gar schöner machen, sondern öder und gleicher." Wie geistig verödet muss man sein, um das schreiben zu können? Verwirklicht sich im Rasen auf der linken Spur die Überlegenheit eines Menschen über einen anderen, während eine Geschwindigkeitsbegrenzung für alle als Gleichmacherei empfunden wird? Ganz abgesehen von dem üblichen haltlosen Gezeter über die grünen Teufel. Wie war das noch in den Känguru-Chroniken? "Ja, wir könnten jetzt was gegen den Klimawandel tun, aber wenn wir dann in 50 Jahren feststellen würden, dass sich alle Wissenschaftler doch vertan haben und es gar keine Klimaerwärmung gibt, dann hätten wir völlig ohne Grund dafür gesorgt, dass man selbst in den Städten die Luft wieder atmen kann, dass die Flüsse nicht mehr giftig sind, dass Autos weder Krach machen noch stinken und dass wir nicht mehr abhängig sind von Diktatoren und deren Ölvorkommen. Da würden wir uns schön ärgern."

Was wird.

Der Sozialdemokrat Sigmar Gabriel hielt im Jahre 2009 bei seinem Aufstieg zum Parteichef eine Rede, in der er die Delegierten dazu aufrief, dorthin zu gehen, "wo es brodelt; da, wo es manchmal riecht, gelegentlich auch stinkt". 2020 ist es soweit und Gabriel wird Aufsichtsrat der Deutschen Bank, auf Wunsch des Emirates Katar. Er ist da angekommen, wo es richtig stinkt, bei der Hausbank von Donald Trump. Er soll "als Transatlantiker" die Bank in Fragen deutsch-amerikanischer Beziehung beraten. Für den driftenden Gabriel ist es prompt eine große Ehre, die neue "nun klare Strategie" der Bank zu beraten. Vergessen seine Tiraden über die hohen Bonuszahlungen der Investmentbanker dieser Bank oder die Forderung nach Zerschlagung, "weil sie sich im Investmentbanking verzockt hat". Das waren Sätze, die zur Sozialdemokratie passten, das ist jetzt perdu, jetzt wird genossen. Vergessen die schönen Vorhaben, eine weitere Frau oder wenigstens einen Informatiker in den Aufsichtsrat zu holen, der in Sachen neue Geschäftsmodelle und der damit zusammenhängenden Digitalisierungsstrategie Durchblick hat.

Es muss das eine seltsame Weltkarte sein, auf der man Bangladesh und die Ukraine verwechseln kann, wie es US-Außenminister Mike Pompeo behauptet. Am Montag wird er bei den Feierlichkeiten zum 75. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz erwartet, danach geht es weiter in die Ukraine. Ein Interview mit Fragen zur Ukraine hat er bereits hinter sich. Es lief nicht besonders gut. Vielleicht sollte Pompeo zur Beruhigung mal Auschwitz oder Treblinka auf der Karte suchen, es wäre eine gute Vorbereitung auf das, was ihn erwartet.

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