HbbTV hat sich mittlerweile als paneuropäische Initiative und als derzeit einziger offener Standard für digitale Zusatzdienste am TV etabliert.Der HbbTV-Standard wurde vom
Institut für Rundfunktechnik (IRT) entwickelt. Er ermöglicht es, Daten sowohl über das Internet als auch über das DVB-Signal an ein TV-Empfangsgerät zu schicken.
Mittels des "Red Button" auf der Fernbedienung lassen sich HTML-Seiten direkt auf dem Fernsehschirm öffnen. Basierend auf CE-HTML (Hypertext Markup Language für Benutzerschnittstellen in der Unterhaltungselektronik) können außer dem linearen Empfang von Fernsehprogrammen programmbegleitende und programmunabhängige Zusatzdienste wie Video-on-Demand, Spiele, Votings, Videotext, EPGs etc. angeboten
werden.
CE-HTML ist eine adaptierte Version der HTML-Sprache für Multimedia-Geräte und Handys. Eine Integration von normalen Webseiten in HbbTV ist bei Vorliegen einer entsprechenden Design-Vorlage damit also einfach möglich.
Im Unterschied zu HbbTV-Angeboten in Deutschland, die sich im Wesentlichen auf die Übertragung von Teletext und Mediathek via HbbTV beschränken, setzt der ORF auf die Integration "möglichst vieler attraktiver und technologisch unterschiedlicher Datenquellen"
Über ein Content-Aggregationstool (Octopus, siehe unten) werden Daten wie Wetterbilder, sport.ORF.at, Ö3-Verkehrsdaten, Inhalte der gesamten ORF TVthek und Daten aus dem EPG und Teletext zu einem Multichannel-Portal für eine bequeme Nutzung via TV-Gerät zusammengeführt.
Also im Unterschied zu Deutschland wird in Österreich mehr Information über den Vorwärtskanal via DVB-T bereitgestellt. Beim Aufruf der TvThek Application braucht es dann einen Internetanschluss (Rückkanal).
Vorwärtskanal:Geplant ist,dass ein Teil der hbbtv Applikation über den Vorwärtskanal übertragen wird. Das Einstiegsportal und das Ö3-Verkehrsservice können dadurch auch ohne Internetverbindung genutzt werden. Die gemessene Bitrate von 300kBit/s (das ist in etwa die Bitrate die auch ein alter Teletext benötigt) reicht aus, weil bei der Übertragung gewisse Daten priorisiert werden – z.B. könnte das Einstiegsportal öfter in einem Zyklus übertragen werden.
Zu berücksichtigen ist, dass die zu übertragenden Dateien in Modulen, deren Größe auf 64kBit beschränkt ist, übertragen werden. Ist eine
Datei, z.B. ein Bild, größer als 64kBit, dann muss es in einem eigenen Modul übermittelt werden. Prinzipiell gilt: je mehr Module, desto länger die Ladezeit.
Einige Zentrale Unterschiede zu den HBBTV Apps der Deutschen Sender:
Octopus:Das System zur Aggregation und Aufbereitung der Daten (im Format JSON) wurde mit individuellen Importfiltern umgesetzt. Dieses Konzept würde auch bei einer Erweiterung auf weitere Quelldaten verfolgt.
Zugriffbeschränkung:Der ORF überträgt seine TV-Programme via Satellit in verschlüsselter Form auf Grund lizenzrechtlicher Gegebenheiten. Es wurde
für den Testbetrieb versucht die Signalisierungstabelle AIT (Application Information Table) mit Irdeto zu verschlüsseln, damit die Applikation nur für bereits bestehende ORF-Kunden zur Verfügung steht. Leider ist in den derzeitigen Middleware-Implementierungen der Endgeräte dieses Feature nicht vorgesehen, wodurch eine Durchführung des Testbetriebes mit verschlüsselter AIT gänzlich unmöglich gewesen ist.
Eine erforderliche Zugriffsbeschränkung auf die Applikationen und auf Streaminginhalte
kann somit ausschließlich auf dem IP-Weg realisiert werden (Geoprotection).
Einbindung Drittapplikationen: Ebenso soll die ORF hhbtv App offen für (zahlungskräftige?) Dritt Anbieter sein. Wahrschenlich erhofft sich der ORF auf diesen Weg ein klein wenig "Körberlgeld" lukrieren zu können.
Playlisten (Feature in ORF-TVthek):
Unterbrechungsfreie Playlisten sind nur sehr schwer umzusetzen, da die Player der diversen Browser zumeist kein Prebuffering unterstützen. Besser: Ganze Sendungen (z.B. Bundesland heute) sollten somit auch als Komplettstream für HbbTV angeboten werden.
Eingeschränkte Eventinformationen: Die derzeitige Version des
HbbTV Standards (1.1.1) unterstützt nur eine rudimentäre Auswertung von Programminformationsdaten (EIT). Nur present/following Informationen des aktuellen Kanals stehen der Applikation zur Verfügung. Für die Entwicklung eines elektronischen Programmführers auf HbbTV-Basis eignet sich dies somit nicht – die Programmdaten müssten auf einem anderen Weg (IP)
übermittelt werden.
Loadbalancing Streamingserver: Im Testbetrieb wurde die bestehende Streaming-Infrastruktur der ORF-TVthek verwendet. Das Loadbalancing erfolgt derzeit softwarebasierend, was von den HbbTV-Endgeräten nicht unterstützt wird. Somit musste die Videobereitstellung von einem einzigen fix zugeordneten Streamingserver (fixe IP-Adresse) erfolgen. Für den Echtbetrieb muss die Infrastruktur entsprechend angepasst werden
Quelle: Diese teilweise vom Original gekürzten Informationen stammen aus einer Studie der Österreichischen Rundfunk Regulierungsbehörde RTR [
pdf] über die bevorstehende HbbTV Einführung in Österreich.