Autor Thema: Gier ohne Grenzen  (Gelesen 6161 mal)

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Gier ohne Grenzen
« am: 18 August, 2007, 08:40 »
Jeder kannte die Risiken - aber die Renditen waren zu verführerisch. Banken, Fondsmanager und Ratingagenturen haben an dem Geschäft mit windigen Krediten bestens verdient. Kein Wunder, dass niemand aussteigen wollte, auch wenn irgendwann alles zusammenbrechen musste.

Hamburg - Es lief zu gut, um wahr zu sein. Jahrelang. Bis sich in diesen Wochen herausstellte, dass es tatsächlich nicht wahr war. Seit der Hypothekenmarkt in den USA zusammengebrochen ist, spielen weltweit die Börsen verrückt, brechen Fonds zusammen, gehen Banken pleite.

Jüngstes Beispiel ist die größte amerikanische Hypothekenbank Countrywide, die gestern angekündigt hatte, auf mehr als elf Milliarden Dollar Kredit angewiesen zu sein. Damit steht sie kurz vor der Insolvenz. Als "American Dream Builder" war die Bank bejubelt worden - und drückt damit ungewollt aus, welche Ursachen zu einer der größten Krisen an den Finanzmärkten in den letzten Jahren geführt haben. Der Traum vom eigenen Haus, vom steigenden Wert, von hohen Renditen - der Traum, trotz eines enormen Risikos Glück zu haben.

"Alle hatten ein Interesse daran, den Immobilienmarkt mit seinen günstigen Krediten am Laufen zu halten", sagt Dorothea Schäfer vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). "Die Kleinverdiener haben auf den Boom am Häusermarkt gehofft. Die Hypthekenbanken wollten ein Geschäft machen, indem sie möglichst viele Kredite vergaben, sich der mittel- bis längerfristigen Risiken aber durch Weiterverkauf schnell entledigten. Und die Fonds spekulierten auf hohe Gewinne, indem sie die Kredite möglichst billig kauften und dann die Rückzahlungen einzustreichen hofften."

Es hat funktioniert - weil das eigene Haus in den USA viel selbstverständlicher zum Leben gehört als etwa in Deutschland. "Die Amerikaner sind verrückt nach Häusern, sie haben eine hohe Einwanderungsquote und sind ein geburtenstarkes Land", sagt Schäfer. Alles Faktoren, die dazu beigetragen haben, dass der Häusermarkt über Jahre expandierte und selbst hochverschuldete Kleinstverdiener darauf hofften, ihr eigenes Haus zur Not mit Gewinn wieder verkaufen zu können.

"Dazu kommt, dass die Bereitschaft der Amerikaner, Risiken zu übernehmen, viel höher ist als bei uns", sagt Manfred Jäger vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. "Viele Hausbesitzer wussten, das sie Risiken eingehen."

"Jeder hat gehofft, dass es noch mal gut geht"

Dass ein großer Teil dieser Kredite allerdings an Menschen vergeben wurde, die ihre Raten wegen steigender Zinsen nicht mehr zahlen konnten - das wussten viele Banken und Fondsmanager nicht. Oder sie wollten es nicht wissen.

"Viele haben gehofft, dass es sie nicht trifft, dass es immer noch mal gut gehen würde", sagt Jäger. Denn jeder wollte Geld verdienen - und das war in den letzten Jahren schwer. "Es hat sich kaum noch gelohnt, irgendwo am Finanzmarkt zu investieren. Die Zinsen waren niedrig, und selbst die Prämien auf riskante Papiere waren extrem gering", sagt Jäger. "Aber man musste ja irgendwo Geschäfte machen."

Was blieb, waren die Geschäfte mit Kreditpaketen, die zum Teil enorm hohe Risiken, aber eben auch Gewinne boten. "Die Gier und die Erwartung, dass das Geld billig bleibt, hat alle verleitet, immer weiter zu machen", sagt Schäfer vom DIW. Selbst als die Häuserpreise vor eineinhalb Jahren begannen zu stagnieren und sich in den letzen Monaten die Warnsignale häuften, habe man das an den Märkten nur als Atempause oder leichten Rückschlag gewertet. "Das Risiko, vielleicht zu früh aus dem Markt zu gehen und damit zusätzliche Gewinne nicht mitzunehmen, wollte keiner eingehen."

Dazu kommt: Die Beteiligten haben nicht nur an den Krediten, sondern auch an Gebühren, Provisionen und Prämien verdient. "Die Finanzindustrie hat dadurch eine enorme Blüte erfahren, auch Ratingagenturen haben unheimlich viel Geld verdient", sagt Schäfer. "Diejenigen, die ihre Gebühren bereits eingestrichen haben, sind die Gewinner dieser Krise - die Verlierer sind diejenigen Marktteilnehmer, die die Kreditausfälle zu tragen haben und natürlich auch die Kreditnehmer, die ihr ganzes Vermögen dabei verlieren."

Aber es war nicht nur das große Hoffen auf viel Geld, sondern auch handwerkliche Fehler, die von der Hypothekenkrise zum Taumeln der weltweiten Finanzmärkte geführt haben. "Es ist ein relativ neuer Mechanismus, dass Banken ihre Kredite weiterverkaufen", sagt Michael Schröder vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Dessen Handhabung müsse man überhaupt erst mal lernen. Die Banken verteilten das Risiko dadurch zwar auf viele Schultern - es wird ihnen aber egal, an wen sie Geld verleihen. "Sie haben kein Interesse mehr, die Schuldner genau zu überprüfen, da sie das Ausfallrisiko in einem zu geringen Maße tragen", sagt auch Jäger vom IW. "Eigentlich sind die Finanzinnovationen - insbesondere subprime Kredite und Verbriefungen - eine vernünftige Sache", ist Jäger überzeugt. Allerdings wurden zu viele Regeln ignoriert.

Außerdem hat die Krise gezeigt, dass bestimmte, computer-gestützte Verfahren nicht einwandfrei funktionieren. "Diese hochkomplizierten mathematischen Modelle sind für außergewöhnliche Stresssituationen oft ungeeignet. Insbesondere Illiquidität ist für diese Modelle ein Problem", sagt Jäger. Die jüngsten Marktbewegungen sollten nur ein mal in 100.000 Jahren geschehen. "Mathematisch gesehen hat es die Krise also gar nicht gegeben."

Und auch an den Ratingagenturen, die die Kreditwürdigkeit von Fonds und Unternehmen bewerten, übt Jäger Kritik: "Sie haben definitiv zu wenig gewarnt - und systemische Probleme in den vergangenen Jahren nicht erahnt." Das liege unter anderem daran, dass es nur drei große Agenturen gebe - die zu zu ähnlichen Einschätzungen tendieren.

Welches Ausmaß die Hypothekenkrise noch annehmen wird, das wagt keiner der Ökonomen vorauszusagen. "Das hängt alles davon ab, was jetzt noch in den Büchern steht", sagt Schröder vom ZEW. DIW-Expertin Schäfer gibt aber auch zu bedenken, dass die derzeitigen Kurskorrekturen an den Börsen bereinigende Wirkung hätten. "In den vergangenen sechs Jahren hat sich der Dax fast verdreifacht. Solche Renditen gibt es historisch eigentlich nicht."

Quelle : www.spiegel.de

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Offline kater

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Re: Gier ohne Grenzen
« Antwort #1 am: 18 August, 2007, 13:00 »
es gab zu Zeiten der DDR im Osten einen Spruch " wenn Nikita (Chrustschow) pfortzt, scheißt Walter (Ulbricht) in die Hose.
Was ist heute anders. Wenn Onkel Sam 'nen Magenwind hat ..., anders gesagt, als Billy mit der Monika Zigarre geraucht hat krachte es weltweit an den Börsen.
Wieso starrt der Rest der Welt wie das Kaninchen auf die Schlange auf die Amis. Ein bisschen mehr Selbstbewußtsein bitte.
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Offline Chrisse

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Re: Gier ohne Grenzen
« Antwort #2 am: 18 August, 2007, 13:29 »
Da gibt es nur einen Spruch:


Gier frisst Hirn
und wenns schief geht dann, ja dann solls Vater Staat, also wir alle, wieder richten.

Edit Ach ja, falls es beruhigt, (ích hoffe ich trete jetzt niemandem auf die Füße) das verlorene Geld an der Börse ist nicht nicht weg, das hat jetzt nur ein anderer.....Edit
« Letzte Änderung: 18 August, 2007, 14:18 von Chrisse »
Es gibt 2 grundsätzliche Regeln für den ultimativen Erfolg im Leben:

1. Verrate nicht gleich alles was Du weisst.

Offline Jürgen

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Re: Gier ohne Grenzen
« Antwort #3 am: 18 August, 2007, 14:28 »
Sehr wahr, leider...

Und wie sich unermessliche Gier in die Gesichter einfrisst, kann man ohne Schwierigkeiten täglich in den Nachrichten erleben. Ich sage nur 'Topmanager'...

Nun sollte man aber nicht denken, dass das nur die Hausbesitzer betrifft.
Wie wir wissen, wird auch mit vermieteten Immobilien reger spekulativer Handel betrieben, und zwar hierzulande besonders gerne mit Plattenbauten und anderen ehemaligen Sozialwohnungen, nicht nur in Leipzig.
Und letztlich müssen dann die Mieter für die Gewinnerwartungen der Heuschrecken bluten, oder wenn das allein nicht reicht, das Sozialsystem und damit wieder der einzig wirkliche Steuerzahler, der Kleine Mann.

Verwunderlich ist das keinesfalls, denn bereits seit Anfang der Achtziger unter Kohl und seinen Spiessgesellen vom Drei-Punkte-Klüngel wird der Wohnungsmarkt durch die Politik, gezielt und sogar ganz offen, systematisch den 'Kräften des freien Marktes' (= dem Raubtierkapitalismus) ausgesetzt. Und das heisst, dass eine Refinanzierung von Immobilien-Investitionen nicht mehr in bis zu dreissig Jahren erwartet wird, sondern möglichst schon in drei bis fünf.
Jeder kann sich ausrechnen, was das schliesslich für die Mieten bedeutet.
Und für die Mieter, die ja meist deshalb zur Miete wohnen, weil sie sich kein bankfinanziertes Wohneigentum leisten können, für das die Kredite meist in zwischen etwa zehn bis über zwanzig Jahren abzutragen wären.
Oder weil sie zunehmend durch den Arbeitsmarkt zu unvorhersehbaren Umzügen gezwungen werden und dann auf untragbaren Verlusten bei der nicht eingeplanten schnellen Veräusserung sitzen bleiben.
Oder weil sie spätestens nach einem Jahr ohne Arbeit die Finanzierung nicht mehr aufrecht erhalten können und damit vor einer kompletten Katastrophe stehen und um die Früchte ihrer bisherigen Lebensleistung gebracht sind.

Wer aber keine fünf bis zehn Prozent im Jahr abtragen kann, der hat erst recht keine Chance, die Rückfluss-Erwartungen sogenannter Investoren von manchmal über dreissig Prozent p.a. zu erfüllen.
Und dann bleibt dem nur die Alternative, alle irgendwie verfügbare Kohle in völlig überteuerte ärmliche Löcher zur Miete zu stecken, und sich deren schnellem Verfall auszusetzen.
Selbst die elementarsten Erhaltungsmassnahmen kann sich ja die 'arme' Verwaltungsfirma auch garnicht leisten, weil die Eigentümer jeden Cent abziehen...

Man vergleiche bitte, in welchem Umfang den Besitzenden masslose Profit-Erwartungen zugestanden werden, während der abhängig Beschäftigte / Besitzlose / Arbeitslose immer weiter unter massiven Druck gesetzt und letztlich ausgequetscht wird wie eine Zitrone.


Auch die Aufgabe der Währungs-Hoheit durch den Euro und die damit verbundene Entmachtung der Bundesbank, und die wahnhafte Privatisierung aller erdenklichen vorherigen staatlichen Einnahmequellen wirkt in dieselbe Richtung, und die Beschneidung der Sozialsysteme ist eine unvermeidbare Folge genau dieser Politik, die vom grössten Teil des Parteien-Spektrums von der CSU bis zu den Grünen eifrig betrieben wird.

Wer eine sozialere Gesellschaft wünscht, als die Abart, die die Gierigen hier installieren, muss wohl dringendst selbst aktiv werden und deutlich anders wählen und / oder auswandern. Andere Mittel zur Gegenwehr hat der Kleine Mann offensichtlich nicht.

Die Sozialverpflichtung des Eigentums, das Sozialstaatsprinzip, der besondere Schutz von Ehe und Familie, der Schutz des Wohnraums, Menschenrechte und -würde, alles nichts mehr wert, im Lande des Heuschrecken-Kahlfrasses...

Das Perverseste ist, dass in den USA die Bevölkerung immer noch einen gewissen rudimentären Schutz ihrer lebenswichtigen Interessen geniesst, gegen die Welten-Plünderer, weil die Mächtigen noch Angst vor der nächsten Wahl haben, und vor Volksaufständen und sogar Gerichtsentscheidungen oder Konzern-Zerschlagungen.
Aber ausserhalb von God's Own Country gibt's derlei Hemmungen für die kriminelle Vereinigung aus Abzockern, Lobbyisten und korrupter Politik garnicht, da wird eher bombardiert als irgendwelche Rücksicht genommen...

Wen wundert's da noch, dass kaum Gegenwehr von der EU kommt, zumal deren wichtigste Gremien nicht einmal demokratisch legitimiert oder wenigstens kontrolliert sind.
Wie gesagt, die meisten eigenen wirtschaftlichen Machtmittel hat unser Land ja bereits eifrig aufgegeben  >:(
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Offline Chrisse

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Re: Gier ohne Grenzen
« Antwort #4 am: 18 August, 2007, 14:53 »
@ Jürgen (und alle die es interessiert)

ich habe in einem Wirtschaftsforum einen kleinen Text über diverse Hintergünde gefunden den wollte ich hier nicht vorenthalten:


1
Reminiszenz: Lewis (Lou) Ranieri & die Folgen
(August 2007)
1968 nahm ein junger 21-jähriger New Yorker Student (mit dem Hauptfach
Englisch) einen Ferienjob in der Poststelle, der nun - über diverse Umwege - in
Citigroup aufgegangenen Investmentbank Salomon Brothers Inc. (Nick Name
„Solly“). 1987 verließ dieser abgebrochene Student Salomon Brothers als Vice
Chairman und als vermögender Mann. (Tatsächlich wurde er von dem
damaligen Solly-CEO John Gutfreund gefeuert.) Der damals 40-Jährige war im
Lauf seiner Kariere bei Solly die Speerspitze einer nachhaltigen Veränderung
des US Kreditmarktes – jedenfalls soweit es das Spielfeld der privaten Baken
betrifft. Sein Name: Lewis Ranieri (Photo:
[http://ca.com/media/apr26_announce/images/lewis_lg.jpg]); er verhalf Salomon
Brothers in der Mitte der Achtziger zu einer einzigartigen Markstellung in den
US-Bond-Märkten. Ein PR-Bonmot von Salomon Brother aus dieser Zeit lautete
„ Eine liquide Anleihe ist jede Anleihe, die von Salomon Brothers gehandelt
wird.“

Ranieris Kariere war mit seinem Rausschmiss nicht zu Ende. Von 1988 bis zum
Jahr 2000 bauten Ranieri und sein Bruder zusammen mit einer Investoren-
Gruppe (Hyperion Partners) die United Bank Corp. (ehemals - United Savings
Association of Texas) zu einer stattlichen und profitablen mittelgroßen
Hypotheken-Bank aus, deren Marktwert zum Zeitpunkt der Fusion mit der
Washington Mutual (Seattle) immerhin bei knapp USD 1,5 Mrd. lag. Der
seinerzeitige Kaufpreis der United Saving betrug USD 90 Mio.
Nein, Ranieri hat ABS (Asset Backed Securities) nicht erfunden. Das war der
zweifelhafte Verdienst der 1968 vom US-Department of Housing and
Urban Development gegründeten Government National Mortgage
Association (GNMA oder Ginnie Mae), die den Auftrag hatte einen
Sekundärmarkt für solche Hypotheken zu schaffen, die von der US-Regierung
versichert waren (z. B. die von der The Federal National Mortgage Association
FNMA oder Fannie Mae, die – 1938 gegründet – die Hypotheken der
Kriegsveteranen versicherte). Weil der Finanzmarkt der USA bis in die weit in
die Achtziger und Neuziger durch Gesetze und Einzelvorschriften der
Bundesstaaten sehr fragmentiert war, gründete man schließlich 1970 eine dritte
Government Agency – die Federal Home Loan Mortgage Corporation (FHLMC
oder Freddie Mac). Freddie Mac hatte die gleiche prinzipielle Aufgabe wie
Ginnie Mae – allerdings für nicht von der US-Regierung versicherte
Hypotheken. Dies hielt man für notwendig, weil das Sparvolumen der einzelnen
Bundstaaten sehr unterschiedlich war und zu spürbaren Engpässen und hohen
Hypothekenzinsen in diversen Regionen geführt hatte. Schließlich erhoffte man
sich von Freddie Mac, dass die Sparkassen durch diesen Sekundärmarkt das
Portfoliorisiko Ihrer Hypotheken geographisch besser diversifizieren konnten.

2

(Aber der Feind der US-Savings & Loan Industrie stand später in einer ganz
anderen Ecke!)
Jedenfalls wurde von Ginnie Mae im Februar 1970 die erste Mortgage Backed
Security (MBS) - mit nämlichen mit von der US-Regierung versicherten
Hypotheken – platziert. Ein Jahr später kamen die ersten MBSs von Freddie
Mac auf den Markt. Beide Anleihen waren simple „pass-through“ Produkte, die
den Cash-Flow aus den gebündelten Hypotheken an die Käufer der Anleihen
weiterleiteten – nicht zu vergleichen mit den extrem komplexen Produkten, die
heute von den Investmentbanken „gestrickt“ werden.
Die großen Money-Center-Banks und Investmenthäuser in NYC erkannten sehr
bald, dass mit der Bündelung und Marktplazierung durch Ginnie Mae und
Freddie Mac eine Geschäftsidee geboren war, die hohes laufendes
Gebühreneinkommen versprach (immer noch das Lieblingseinkommen der
Banken). Aber, der sog. Interstate-Banking Markt war versperrt für private
Banken und solche Produkte. Die Vorschriften erlaubten es einfach nicht. [Der
sog. McFadden Act von 1927 und der Banking Act of 1933 [aka Glass-Steagall
Act] in Verbindung mit dem Bank Holding Company Act of 1956 erlaubten es
seinerzeit jedem Staat den Zugang Bundestaatsfremder Banken innerhalb seines
Hoheitsgebietes zu untersagen. Der McFadden Act wurde erst 1994, der Glass-
Steagall Act 1999 und der Bank Holding Company Act 1994 aufgehoben.]
Es ist der unbestreitbare „Verdienst“ von Ranieri – mittlerweile bei Salomon
zum Head of Mortgage Department avanciert – diesen Markt für das private
Bankgewerbe in den USA gegen alle legalistischen Widerstände aufgebrochen
zu haben. 1977 konnte Ranieri einen Deal mit der Bank of America machen, der
den Markt mit der ersten MBS einer privaten Bank in den USA beglückte.
„Sekuritisation“ als Produkt und Gebührenbringer im privaten Bankgeschäft war
geboren.

Zunächst war die Entwicklung moderat, aber dann kam Ranieri und dem ABSMarkt
die sog. „Savings & Loan Crisis“ in den USA zu Hilfe. Von 1976 an
stiegen die Zinsen bis Ende 1980 auf Schwindelerregende Höhen von über 20
Prozent (Prime Rate). Von den S&L Banken (Sparkassen) wanderten die
Einlagen an die Geldmarktfonds und langfristige Hypotheken wurden von den
Sparkassen mit kurzfristigen Einlagen finanziert – ein Spiel mit vorhersehbarem
Ausgang. Nun konnten sich die Money-Center-Banks und andere Initiatoren als
Retter der Sparkassen positionieren: „Bringt uns Eure Hypotheken – wir
platzieren diese Hypotheken im Markt (als MBS) und geben Euch Cash.“
Wenige Jahre später schon dehnte man das Konzept der „Sekuritisation“ auf
andere Verbraucher-Kredite aus. Pkw-Kredite und daraus resultierende ABS
waren ein willkommenes Mittel die Aktivseite der Bilanzen gerade der großen

3

Automobil-Hersteller (bzw. ihrer Finanztöchter) zu verflüssigen. Kreditkarten-
Forderungen folgten schnell. Heute lässt sich jeder Vertrag „sekuritisieren“ aus
dem man einen annähernd sicheren und regelmäßigen Cash-Flow quetschen
kann. „Intellectual Property“ also Patente und Ähnliches sind das neueste
Versuchsfeld.

Nun sind diese neuen Produkte nicht mehr mit den einfachen „pass-through“
Konstruktionen der Anfangsjahre vergleichbar. „Structural Enhancements“ (die
Spielwiese auf der sich die „Structured Debt-Abteilungen“ der Banken u. a.
tummeln) kreieren heute Produkte, die mit dem ursprünglichen Kreditpool keine
Ähnlichkeit mehr haben.

Dabei ist das Prinzip immer das gleiche: Ein Pool gleichartiger Kredite mit
vertraglich fixierten Zahlungsströmen und Sicherheiten wird (mittels rechtlicher
Konstruktionen) so in Scheiben aufgeteilt, dass sich verschiedene Risikoklassen
innerhalb des ursprünglichen Kreditpools bilden lassen. Jede einzelne dieser
unterschiedlichen Risikoklassen wird dann separat als „Security“ verpackt und
trägt neben dem zugeordneten wirtschaftlichen Risiko auch einen spezifischen
(risikoadäquaten?) Zinssatz. Auf diese Weise lassen sich dann aus einem
einzigen ursprünglichen Kreditpool verschiedene Klassen von Wertpapieren
bilden deren Rating von AAA bis NR (Not Rated) reicht. Deshalb ist
„subprime“ nicht gleich „subprime“ selbst wenn der ursprüngliche Kreditpool
nur aus „subprime“ Hypotheken bestand.

20 Jahre nachdem John Gutfreund Lewis Ranieri an die Luft gesetzt hatte – am
14. März 2007 veröffentlichte die Washington Post ein redaktionelles pro forma
Quiz mit etwa folgenden eher rhetorischen Fragen –
Welches der nachstehenden Produkte macht ihrer Ansicht nach Sinn?
- Eine „Balloon Mortgage“ bei der der Kreditnehmer 10 Jahre lang nur
Zinsen und abschließend eine einzige Rückzahlung macht?
-
- Eine „Liar Loan“ bei der Angaben des Kreditnehmers über Einkommen
und Sicherheiten nicht überprüft wird?
-
- Eine „Option ARM“ (ARM = Adjustable Rate Mortgage), die dem
Kreditnehmer erlaubt weniger als vereinbart zu zahlen wobei der fehlende
Teil der Zahlung dem Kreditbetrag hinzugerechnet wird?
-
- Eine „Piggyback Loan”, die es dem Kreditnehmer erlaubt de facto auch
seinen Eigenkapitaleinsatz beim Kauf eines Hauses fremd zu finanzieren?
-
- Eine „Teaser Loan“ bei der die anfänglichen Zinsen sehr niedrig sind
obwohl klar ist, dass der Kreditnehmer eine in zwei Jahren vereinbarte
Zinserhöhung („reset“) aus seinem laufenden Einkommen nicht mehr
bezahlen kann?
-
- Eine „Stretch Loan“, die dem Kreditnehmer mehr als 50 Prozent seines
verfügbaren Einkommens abverlangt?
-
- Eine „Ninja Loan“ (meine absoluter Liebling) – bei der weder laufendes
Einkommen, ein Job oder sonstiges Vermögen gefragt ist (No Income, No
Job, No Assets)

Wie konnte es so weit kommen? Gier der Banken? Versagen der Rating-
Agenturen? Zu lange zu billiges Geld?

Man wird viele Schuldige finden, wenn sich der Staub gelegt hat. Ich möchte
abschließend nur auf einen prinzipiellen „Konstruktionsfehler“ sekuritisierter
Produkte hinweisen, den niemand vergessen sollte, der sich in diesem
Produktumfeld engagiert:

Bei einem klassischen Kredit, den eine Bank bis zur Fälligkeit hält, ist die
Interessenlage des Kreditgebers transparent. Die Bank wird die überlassenen
Sicherheiten des Kreditnehmers und sein Einkommen und seine sonstigen
Zahlungsverpflichtungen sorgfältig prüfen und die damit verbundenen Risiken
abwägen, denn ihr Überleben ist lange – bei einer Hypothek vielleicht
Jahrzehnte – von der Zahlungsfähigkeit dieses Kreditnehmers abhängig.
Weiß die Bank hingegen a priori, dass die Hypothek, die sie heute vergibt,
bereits morgen verkauft wird und in einem Kreditpool mit diversen
Risikokategorien verschwindet, ändert sich ihr Risikoverhalten gegenüber dem
Kreditnehmer. Nun ist die Bank vorrangig nicht mehr daran interessiert, ob die
Sicherheiten oder ob sein Leumund und seine Einkommensverhältnisse die
Rückzahlung des Kredites wahrscheinlich erscheinen lassen. Das Interesse der
Bank konzentriert sich vielmehr ausschließlich auf die Frage – können wir diese
Hypothek verkaufen?

Auch die darüber liegende Ebene, die Ebene der „Originator“, die den
Hypotheken-Pool strukturiert und marktfähig verpackt, ist an dem jedem Kredit
inhärenten Risiko gar nicht interessiert. Die „Originators“ leben nicht von
Zinsen und Tilgungen sondern von Gebühren! Denn schließlich werden auch sie
die schön verpackten Hypotheken wieder an „den Markt“ verkaufen, der dann
das wirkliche Kreditrisiko tragen muss.
5
Mit anderen Worten - weder die Kreditgebende Bank noch die „Verpacker“ und
Vermarkter der Kredite sind so an dem inhärenten Kreditrisiko interessiert wie
eine Bank in dem traditionellen Kreditmodell.

Deshalb - caveat emptor - Securitization is defined as the legal manifestation of
the greater fool theory!
Danke für’s Lesen!
@Brennus
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Offline Jürgen

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Re: Gier ohne Grenzen
« Antwort #5 am: 18 August, 2007, 15:20 »
Dem lässt sich noch hinzufügen, dass solche Luftblasen nicht nur im Immobilien- oder 'Klein'kredit-Bereich mit schöner Regelmässigkeit zum Platzen neigen, sondern ebenso in allen jeweils 'Neuen' Märkten, wie z.B. bei'm legendären DotCom-Missgeschick...

Nun ist ja allgemein bekannt, dass das Altersversicherungs-System der USA weitgehend auf Fond-Vermögen beruht, welche sich aufgrund dieser Strukturen hin und wieder scheinbar in Luft aufzulösen pflegt, tatsächlich aber meist unkontrolliert in andere Kanäle der Heuschrecken abfliesst.
Jedes andere Land der Welt wäre dann vom Zusammenbruch und Staatsbankrott bedroht, aber die USA finden bislang immer wieder Auswege, indem sie die gigantischen Schäden dem Ausland bzw. der Weltwirtschaft aufzubürden verstehen.


Und somit zahlen wir (und noch viel mehr die Dritte Welt) immer wieder für die wirtschaftliche Unvernunft der Gierigen.
Ohne eigenen Einfluss wenigstens auf Geldmenge und Wechselkurse ist auch dafür gesorgt, dass das  so bleibt.
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Re: Gier ohne Grenzen
« Antwort #6 am: 18 August, 2007, 15:57 »
Sehr wahr, leider...
...Ich sage nur 'Topmanager'...

Bitte nicht immer nur die, Ackermann und Konsorten will ich nun wirklich nicht verteidigen, aber Ackermanns 12 Mio im Jahr als die Spitze der Topmanager was ist das gegen 25 Mio Transfer für einen Fußballprofi, oder 50 Mio einen Formel 1 Piloten. Da würden auch genug Idioten einsteigen DEUTLICH weniger, um dann nur im Kreis zu fahren, überholt wird an der Box. Liese sich fortsetzen bei Golf- und Tennisprofis...
Da gibt es wenigstens auch 'Topmanager', die Verantwortung für mehrere Hunderttausend Mitarbeiter tragen und ihren Job gut machen. Und wenn man denen DEUTLICH weniger geben will, OK - das juckt die nicht, denn für die gibt es einen weltweiten Markt und dort können sie teilweise mehr verdienen als in deutschen Konzernen!

...vermieteten Immobilien reger spekulativer Handel betrieben...
... (= dem Raubtierkapitalismus) ausgesetzt. Und das heisst, dass eine Refinanzierung von Immobilien-Investitionen nicht mehr in bis zu dreissig Jahren erwartet wird, sondern möglichst schon in drei bis fünf.

Welcher private Investor würde sein Geld investieren bei Amortisation in 30 Jahren? Denkt mal wie ihr entscheiden würdet, wenn ihr über große Investitionen (am besten mit eigenem Geld) entscheiden müsstet/dürftet. Würdet ihr das in den sozialen Wohnungsbau stecken, um den Hartz IV`rern was Gutes zu tun?

...durch den Arbeitsmarkt zu unvorhersehbaren Umzügen gezwungen...
Oder weil sie spätestens nach einem Jahr ohne Arbeit die Finanzierung nicht mehr aufrecht erhalten können und damit vor einer kompletten Katastrophe stehen und um die Früchte ihrer bisherigen Lebensleistung gebracht sind.

Wohl wahr, ein Zusatz:
Oder zu dumm waren sich das vorher richtig auszurechnen und besser gleich in Hartz IV gegangen wären, als zum arbeiten noch Geld mitzubringen? Kenne einige, denen es an Rechenkünsten fehlen muss, sonst würden sie nicht um die 3 - 4 € pro Stunde arbeiten gehen.

... in welchem Umfang den Besitzenden masslose Profit-Erwartungen zugestanden werden...

...maßlos ist auch in diesem Zusammenhang wie so vieles immer relativ. Firmen/Anleger/Investoren, die eine Rendite Erwartung von unter 5 v.H. ansetzen, sollten doch gleich ihr Geld auf der Sparkasse lassen. Sonst kauft man sich Arbeit, das fällt mir besseres ein!

Auch die Aufgabe der Währungs-Hoheit durch den Euro und die damit verbundene Entmachtung der Bundesbank...

Tja, hier liegt natürlich eine große Ursache der Misere. Als größter Nettozahler in der EU müssen die Deutschen gerade stehen. Die deutsche Einheit musste da nochmal erkauft werden. Na, wer glaubt denn bitte, dass die Italiener, Franzosen oder Briten in ihrem Nationalbewusstsein so viel für Europa tun würden wie die Deutschen. Und die Deutschen beschweren sich noch nicht mal, sind ja auch nach dem Krieg gut erzogen wurden!
[/quote]

...muss wohl dringendst selbst aktiv werden und deutlich anders wählen und / oder auswandern. Andere Mittel zur Gegenwehr hat der Kleine Mann offensichtlich nicht.

Wählen und zwar richtig (wieder relativ) = sehr gut. Auswandern, das machen ja schon viele, immer mehr Leute verlassen Deutschland, nur das sind nicht die Hartz IV Leute, nicht die Problemfälle, die Alten, die schlecht Ausgebildeten. Das sind die Jungen, Mutigen, die sich was zu trauen, die woanders mehr Geld verdienen können und weniger Steuern für das Sozialsystem in Deutschland (Staatsquote um die 50 v.H.) zahlen müssen. Und die gehen vielfach auch in die Selbständigkeit im Ausland, versichern sich privat, sind bereit Risiken einzugehen und verdienen dafür auch eine höherer Rendite, wie ich finde. Denn das geht auch oft schief und die haben dann meist ein Vielfaches verloren, als so ein Daheimgebliebener.

Sozialsysteme im Ausland, bitte? Wie, Wo, Was? Und Zuwanderung in solche? Da würde die Meckerei über Hartz IV mit bezahlter Wohnung schnell aufhören. Und Menschenwürde wird in anderen Teilen dieser Welt ganz anders definiert. So etwa, hab ich noch nie von gehört...

Wie gesagt, die meisten eigenen wirtschaftlichen Machtmittel hat unser Land ja bereits eifrig aufgegeben  >:(

Ja, und das wird dann immer mit Erhalt von Arbeitsplätzen in D begründet, als ob die uns Produkte abkaufen würden, weil sie aus D sind und wir in der EU sind.
Ich denke eher, weil sie qualitativ besser und im Preis-Leistungsverhältnis im Weltmarkt konkurrenzfähig sind!

Schönes WE
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Offline Jürgen

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Re: Gier ohne Grenzen
« Antwort #7 am: 18 August, 2007, 19:53 »
Die Kernfrage aller globalisierungsbedingter Probleme, auf die Du hier in meinen Augen durchaus anspielst, ist, ob man sich als Volk und Staat diesen ungeschützt ausliefern und damit
- widerstandslos der Gier der Heuschrecken und ihrer Kapital- / Finanzmacht ergeben
- den menschenverachtenden Lebens- und Arbeitsbedingungen der dritten Welt anpassen
und zudem
- den gesamten Planeten und all' seine Ressourcen der Plünderung und Zerstörung aussetzen
muss.

Wie ich schon öfters erwähnt habe, müssen wir hier winters heizen, um nicht zu erfrieren.
Und von uns werden hohe Abgaben verlangt, extreme Produktivität, Qualifikation und ständige Lernbereitschaft, Kreativität, Flexibilität und Mobilität.
All dies ist nicht leistbar, wenn man in Laubhütten lebt und sich von Kräutern oder Abfall ernährt.

Insofern ist schon der Gedanke irrsinnig, sich mit Biafra, Vietnam, oder welchem anderen Elendsgebiet auch immer, in Wettbewerb um die billigsten Arbeitskräfte zu begeben.

Ich wüsste von keinem anderen Land auf der Welt, wo ein gesunder Protektionismus als Schimpfwort angesehen wird, oder das sich selbst aller zur Gegenwehr geeigneter Mittel beraubt.

Es ist 'was faul im Staate D...
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Re: Gier ohne Grenzen
« Antwort #8 am: 18 August, 2007, 20:00 »
sehr gut jürgen, kann ich nur zustimmen !

Offline lucky

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Re: Gier ohne Grenzen
« Antwort #9 am: 18 August, 2007, 21:12 »
Die Kernfrage aller globalisierungsbedingter Probleme, auf die Du hier in meinen Augen durchaus anspielst, ist, ob man sich als Volk und Staat diesen ungeschützt ausliefern ...

Das ist wohl wahr, nur sind die Möglichkeiten doch sehr begrenzt oder?
Eine Währung wie die Ostmark, nichts wert und ne Mauer rund um Deutschland, dann wären wir vor dieser Konkurrenz der Welt geschützt. Das will doch ernsthaft niemand nochmals machen.

- den menschenverachtenden Lebens- und Arbeitsbedingungen der dritten Welt anpassen
und zudem
- den gesamten Planeten und all' seine Ressourcen der Plünderung und Zerstörung aussetzen
muss.

Nein, die sollten unsere Sozialstandards einführen und lernen mit Menschenwürde umzugehen, wenigsten erst mal Mindeststandards, wie Krankenversicherungen einführen.
Aber das machen sie nicht, leider -

... winters heizen, um nicht zu erfrieren.
Und von uns werden hohe Abgaben verlangt, extreme Produktivität, Qualifikation und ständige Lernbereitschaft, Kreativität, Flexibilität und Mobilität.
All dies ist nicht leistbar, wenn man in Laubhütten lebt und sich von Kräutern oder Abfall ernährt.

Nehmen wir mal das Heizen, oder gleich die Energiekosten mit Benzin und Strom, die uns aufgebürdet werden. Mittlerweile sind allein beim Benzinpreis 83 v.H. Steuern. Rasen für die Rente usw... Bei Gas, Strom, Heizöl ist das ähnlich, wir werden abgezockt und wofür braucht dieser Staat so viel Geld?

Wir zahlen alle viel zu viel Steuern, Abgaben ect.
Früher musste der Bauer seinem Herren den Zehnten abliefern und heute arbeiten wir bis in den Juli hinein für das Gemeinwesen.
Nur wenn ich das alles beklage, ich tue das, dann werde ich nicht nach noch mehr Staat rufen, der so viel wie möglich regeln soll und nach Möglichkeit so viel wie möglich Risiken des Lebens absichern soll. Wovon denn bitte, von denen die sich anstrengen, was erreichen, denen man was wegnehmen kann?
Die hauen heute schon ab, es gehen nicht die Sozialhilfeempfänger.

Ich wüsste von keinem anderen Land auf der Welt, wo ein gesunder Protektionismus als Schimpfwort angesehen wird, oder das sich selbst aller zur Gegenwehr geeigneter Mittel beraubt.
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Nicht nur im Resümee stimmen wir überein Jürgen. Wenn man mal längere Zeit im Ausland gelebt hat, die Sichtweise  dort aufnimmt und von draußen auf Deutschland geschaut hat, wird das alles viel differenzierter. Einfache Antworten auf die Probleme gibt es nicht mehr.

lucky

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Re: Gier ohne Grenzen
« Antwort #10 am: 18 August, 2007, 22:58 »
Zitat
Einfache Antworten auf die Probleme gibt es nicht mehr.

Man macht uns weis, die Welt wäre heute so kompliziert, dass sie nicht mehr zu erklären sei.
Aber: 99% aller Antworten heisst "GELD". Hat man das einmal richtig begriffen, ist es sehr wohl einfacher, die Dinge zu durchschauen. Letztlich geht es um die Verteilung des (von der gesamten Gesellschaft von früher bis heute) erarbeiteten Reichtums. Und da eignet sich eben eine kleine Oberschicht ihren Reichtum auf Kosten der grossen Mehrheit an, und die Politik sorgt dafür das es auch so bleibt auch durch Kriege. 
Und weil viele auf dieser (Verteilungs-)Pyramide nach oben wollen, machen sie mit beim Tanz ums goldene Kalb. Das grosse Kapital ist aber nicht gewillt, zu teilen, sodass die Masse z.B. der kleinen Aktienanleger auf die Fresse fällt. Konnte man z.B.bei der T-Aktie besichtigen.

Strompreise steigen? Tja, da haben sich eben die paar Stromanbieter auf der Strombörse abgesprochen .

Preise steigen? für Milchprodukte? beim Kaiser hiess das: Kanonen statt Butter.

Dein Chef verlangt (unbezahlte) Mehrarbeit oder Lohnverzicht weil es ja um "unser" Unternehmen geht? Der kommt abends vor Lachen nicht in den Schlaf!

Der grossen(dummen?) Mehrheit -egal ob mit oder ohne Arbeitsstelle,ob faul oder fleissig egal- wird erzählt es ist kein Geld mehr da für mehr Lohn oder ein anständiges Grundeinkommen oder Rente oder ein ordentlicher Lebensstandard oder allgemein für die Absicherung grundlegender Lebensbedürfnisse. Nur ist es nicht verblüffend als die EZB vorige Woche mal eben 210 Milliarden Euro "in den Geldkreislauf" gespritzt hat( geworfen?zum Fenster raus?).
Wie sind die aus dem Kapitalismus resultierenden Probleme zu lösen? Frau A.M. und Frau M.T. sagen TINA (there is no alternative) zu ihrer Politik. Aber A.M. ist promovierte Physikerin. Sie müsste mindesten dazu sagen: "innerhalb dieses Systems".
So, ich hör jetzt auf, für die älteren Ossis muss sich das sonst wie Staatsbürgerkunde anhören.

Offline Jürgen

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Re: Gier ohne Grenzen
« Antwort #11 am: 19 August, 2007, 05:30 »
Zitat
TINA (there is no alternative)
...ist ja die dreisteste aller Lügen.
Solange ein Land die Währungs- und Zoll-Hoheit besitzt und nutzt und auch seine Gesetzgebung keinen undemokratischen externen Gremien á la EU-Kommission oder WTO unterwirft, kann es eigene Regeln aufstellen und zumindest teilweise auch durchsetzen.
Auch eine Zusammenarbeit mit Staaten gleichen Interesses ist dafür ohne Probleme möglich, wenn wirklich gewollt.

Aber fragen wir uns doch einmal, wer in den beiden erwähnten Gremien heute tatsächlich das Sagen hat...
Und welche Grossmacht sich am wenigsten um internationales Recht, Verträge usw. schert, wenn eigene Interessen berührt werden...
Letztlich wirtschaftet genau die am unvernünftigsten, hat sich aber hintenherum überall soviel Macht gesichert, dass der gesamte Rest der Welt dafür geradestehen muss. Neokolonialismus nennt man das wohl, und der betrifft zunehmend auch uns.
 
Und für das planvolle und geradezu hörige Verhalten deutscher Politik in dieser Hinsicht kenne ich eigentlich nur noch einen Begriff: Hochverrat.
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Re: Gier ohne Grenzen
« Antwort #12 am: 19 August, 2007, 10:29 »
die Menschen wehren sich doch schon massiv. Was denkt ihr worauf die geringe Geburtenquote zurückzuführen ist. Ich bin vor ca 2 Jahren Opa geworden, da hab ich mal live die Probleme junger Eltern miterlebt. Da ist die Reaktion, nicht noch ein Kind, nachvollziehbar. Und das sind nur die unmittelbaren Erfahrungen. Die diffusen, in der Ferne liegenden Unsicherheiten sind da noch gar nicht berücksichtigt.
Was uns heute geboten wird hat mit Marktwirtschaft überhaupt nichts mehr zu tun. Denn Markt bedeutet, einfach gesagt, reagieren auf die unmittelbaren Bedürfnisse der Menschen. Was heute läuft ist ein künstliches erzeugen von Bedürfnissen, das einreden von der Notwendigkeit bestimmter Dinge. Dabei wird bis zum Betrug gegangen. Wenn das ein Einzelner tut ist es kriminell, tuts ein Konzern ist es "Marktwirtschaft".
Auch wenn es sich nach Staatsbürgerkunde anhört, die Erkenntnisse von Marx und Engels wurden an Westunis nicht umsonst gelehrt, denn sie sind im Kern richtig.
Und nun möchte ich keinen Bezug auf die DDR hören, das ist ne gaaaanz andere Geschichte.
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Re: Gier ohne Grenzen
« Antwort #13 am: 19 August, 2007, 13:30 »
...
Und nun möchte ich keinen Bezug auf die DDR hören...
Wieso eigentlich nicht?

Erstens leben zahlreiche Bürger zunehmend unter Restriktionen, die wirtschaftlich kaum anders bezeichnet werden können, als mit 'Planwirtschaft', die Wohn- und Lebensverhälnisse des sogenannten Präkariats ähneln denen des DDR-Proletariats immer mehr.

Selbst von einer Reisefreiheit kann nicht mehr wirklich die Rede sein, sobald Hartz IV im Spiel ist.
Arbeits-Zwang gibt's hier jetzt auch, wenngleich immer noch kein Recht auf Arbeit.

Zwar gibt' keine Mangelwirtschaft, aber in der Praxis macht es für Arme keinen Unterschied, ob das Angebot fehlt, oder schlicht die passende Kohle.
Für ersteres gab's ja 'drüben' Intershops, für den anderen Aspekt sind's eben Aldi, Suppenküche, Möbellager...

Der Überwachungsstaat á la Stasi ist überholt, das kann man hier längst besser...

Und eine Art Schiessbefehl gibt's nicht nur an Kasernenmauern, Schäuble hat ja neulich von einem flächendeckenden fabuliert...
Toten macht's keinen Unterschied, ob der Verdacht auf Grenzverletzung oder Terror-Aktivitäten lautet.

Zum Schluss möchte ich noch daran erinnern, dass eine ganz erhebliche Anzahl an Blockflöten inzwischen gesamtdeutsch mitregiert.
Dass diese kaum als geläutert anzusehen sind, erschliesst sich aus der gegenwärtigen Politik.

Jürgen
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Re: Gier ohne Grenzen
« Antwort #14 am: 19 August, 2007, 15:08 »
Danke Jürgen, könnte ich nicht besser formulieren, auch wenn -
Auah, Auah, das so manchem Alt"DDR"-ler weh tut. Dieses System wird heutzutage sehr verklärt dargestellt, nur vergessen diejenigen, dass öffentliche Kritik damals nach Bautzen geführt hätte. Hier gäbe es noch vieles aufzuzählen, was niemand zurück haben will... Leider wird das oft im Blick zurück ausgeblendet. Ich hab schließlich auch lange Zeit meines Lebens in diesem Willkürregime leben müssen.

Man kann keine Diktatur mit einer Demokratie gleichsetzen. Aber Vergleiche sind schon zugelassen...

Doch zurück zum heutigen Deutschland. Die Einschränkungen von Bürgerrechten, wirtschaftliche Entmachtung der Mittelschicht, Schaffung eines Präkariats erinnern doch sehr an den Mauerstaat. Immer mehr Unterschicht, denen es allen gleich gut auf niedrigem Niveau geht (oder gleich schlecht), Leistung lohnt nicht mehr und regiert von einer Clique, die immer keine Alternative hat - klar in diesem System.

Warum müssen wir denn in NATO die Freiheit am Hindukusch verteidigen?
Warum müssen wir denn in der EU den Wohlstand in Portugal bis Rumänien mit erarbeiten?

Warum müssen das denn die Schweizer nicht?

Aber der Unterschied zur "DDR" ist halt, wir haben diese uns REGIERENDEN mit diesen Entscheidungen in Mehrheit gewählt, also sind wir wohl selbst schuld.

lucky

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