Autor Thema: MP3- GEJAMMER : Die unerträgliche Leichtigkeit der Files  (Gelesen 2915 mal)

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Offline SiLæncer

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Von diesem Schlag wird sich die MP3-Kultur nicht so schnell erholen. Wissenschaftler und Superstars der siebziger Jahre sind sich einig: Songs in Fileform sind Teufelszeug, MP3-Player musikalische Liebestöter und Ohrenschinder. Sogar Studien gibt es schon.

Früher war alles besser. Kulturell zum Beispiel: Es gab keine fernsehfabrizierten "Superstars", keine verdorbenen Kindergartenclowns die als "Comedians" firmierten, keine kostenpflichtigen Rülpsgeräusche für Handys. Früher, meinen zumindest ein paar britische Forscher, wurde Kultur noch mit Liebe gemacht und auch mit Liebe konsumiert. Musik zum Beispiel.

"Im 19. Jahrhundert wurde Musik als wertvoller Schatz mit grundlegenden und fast mystischen Kräften zur menschlichen Kommunikation betrachtet: Sie wurde in klar definierten Kontexten erlebt, und ihr Wert stand in unmittelbarem Bezug zu diesen Kontexten", sagt der Musikpsychologe Adrian North von der University of Leicester. Heute, sagt North, ist es damit vorbei. Schuld daran sei Steve Jobs.

Nicht Steve Jobs direkt und allein. Aber all die großen und kleinen Steve Jobs dieser Welt, die unbedingt Musik über das Internet verkaufen und in winzige Plastikquader hineinstopfen und von da aus direkt in die bemitleidenswerten Gehörgänge der Jugend von heute schleusen wollen. Die MP3-Player-Mafia gewissermaßen. Die Musikdigitalisierer. Die Saugdienstleister. "LEISER!", schreit übrigens auch The-Who-Gitarrist Pete Townshend - aber davon später.

Nochmal North: "Weil Musik unterschiedlichster Arten und Genres jetzt so weithin verfügbar ist, über tragbare MP3-Player und das Internet, lässt sich argumentieren, dass die Menschen Musik jetzt viel stärker aktiv in alltäglichen Hör-Kontexten nutzen als je zuvor." Schlimmer noch, "die Hörkontexte entscheiden am Ende über den Wert, den die musikalische Erfahrung für den jeweiligen Zuhörer hat."

Da hat er recht!

Teufel noch mal, Mr. North, das stimmt. Das Eurodisco-Gefiepe, dass ich in irgendwelchen Schuhgeschäften über mich ergehen lassen muss, nervt mich manchmal auch ziemlich. Gut, wenn man dann einen MP3-Player dabeihat, der einem ein bisschen alternativen musikalischen Erfahrungswert zur Verfügung stellt. Oder habe ich das falsch verstanden? "Der Grad der Verfügbarkeit und Auswahlmöglichkeiten hat jedoch zu einer eher passiven Einstellung zu Musik geführt, die man im Alltag hört", sagt North. Um das mal zu übersetzten: Die Wissenschaftler finden, wir lieben Musik einfach nicht mehr genug. So unerträglich leicht verfügbar darf Sound nicht sein.

North und sein schlagkräftiges Forscherteam haben 346 Menschen zwei Wochen lang jeden Tag eine SMS geschickt. Die Telefonbesitzer mussten dann jedes Mal einen Fragebogen ausfüllen, in dem sie unter anderem angaben, was für Musik sie gerade hörten, und welche sie seit der letzten Forscher-SMS gehört hatten. Die verblüffenden Resultate: Die Leute hörten ziemlich viel Musik, oft auch allein, und meistens war es "Pop" - was immer North und seine Leute darunter verstehen. Die Musik gefiel ihnen unterschiedlich gut, je nachdem, wo sie sie hörten, und ob sie sich ihren Soundtrack selbst ausgesucht hatten. So weit, so sensationell.

Manche hören Musik beim Bügeln. Skandal!

Jetzt aber kommt die Crux: Viele Leute machten noch irgendetwas anderes, während sie Musik hörten. Zum Beispiel: Bügeln, abspülen, Briefmarken in Alben kleben, Häkeln, Zwiebeln schneiden. Meistens hörten die Leute nämlich zu Hause und abends Musik. Nur "eine geringe Anzahl der Fälle" trug sich in der Öffentlichkeit zu.

Trotz alledem leiten North und seine Musikologen aus ihren Resultaten die Behauptung ab, dass unser Musikkonsum heutzutage "nicht mehr notwendigerweise durch eine tiefe emotionale Investition gekennzeichnet ist."

Ganz abgesehen davon, dass auch ein, sagen wir mal, angeheiterter Minenarbeiter im Sheffield des 19. Jahrhunderts dem Fiedelspieler in seinem Pub nicht notwendigerweise mit tiefer emotionaler Hingabe gelauscht hat - was, bitteschön, hat das alles mit MP3-Playern und Musikdownloads zu tun? Radios haben die Leute seit den zwanziger Jahren zu Hause stehen, Plattenspieler noch länger.

Und da kommt The Who ins Spiel

In diesem Jahr starb übrigens auch Keith Moon, der legendäre Schlagzeuger von The Who, an einer Überdosis Pillen - für viele Fans das endgültige Ende der Band. Frontmann Pete Townshend hörte zu diesem Zeitpunkt vermutlich schon ziemlich schlecht, weil er bereits viele Jahre lang neben vorsätzlich bis zum Anschlag ausgereizten Lautsprechertürmen Gitarren zertrümmert hatte.

Inzwischen aber hat der Rock-Gott andere Sorgen. "Wenn Sie einen iPod oder so etwas benutzen, oder ihr Kind, KÖNNTEN sie Glück haben ... Aber meine Intuition sagt mir, dass entsetzliche Probleme auf Sie zukommen.", schrieb Townshend auf seiner Webseite. Er sorgt sich, kein Witz, ums Gehör der Jugend.

Eine verblüffende Warnung aus der Feder eines Mannes, der selbst fast taub ist, dessen Band in den Siebzigern jahrelang als lauteste Band der Welt im Guinness-Buch stand, (und deren Musik übrigens dennoch von Vielen als "wertvoller Schatz mit grundlegenden und fast mystischen Kräften" betrachtet wurde - und das im 20. Jahrhundert!). Zur Erinnerung: Der erste Walkman kam ... aber das hatten wir schon.

Was uns diese Meldungen jedenfalls sagen: Es geht wieder los. Die Rocker von damals, die Musik-Besserwisser und "Meine Bands sind cooler als deine Bands"-Menschen aus den Siebzigern sind alt genug, um Studien zu organisieren oder Blogeinträge zu schreiben, die der Welt verdeutlichen sollen, dass früher alles besser war. Dass MP3s keine richtige Musik mehr sind. Dass sie die Ohren kaputtmachen und der Musik die Seele rauben.

Die Linie der Pop-Bewahrer verläuft jetzt von den "Gitarren-und-echter-Schweiß"-Verfechtern über die Vinylfetischisten bis hin zu den CD-Käufern, die jetzt - endlich! - wenigstens auf die MP3-Sauger herabblicken dürfen. Weil denen ja nun wirklich ganz offensichtlich wirklich die Leidenschaft fehlt. Wissenschaftlich erwiesen. Fragen sie Mr. North.

Quelle : www.spiegel.de
« Letzte Änderung: 01 Juli, 2009, 11:13 von SiLæncer »

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Offline Warpi

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Re:MP3- GEJAMMER : Die unerträgliche Leichtigkeit der Files
« Antwort #1 am: 12 Januar, 2006, 12:02 »
Zappa würde sich freuen :)
Alle meine heissgliebten Zappa Cds und so weiter auf einer Dual - Dvd.
Übrigens einer der ersten Musiker die auf Digitaltechnik umschwenkten.
Mit dem damals sündhaft teuen Synclavier und div. digitalen Mastermaschinen.
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Asus Eee PC 1005P Netbook (Intel Atom N450 1.6GHz, 1GB RAM, 160GB HDD) Win 7 Starter, WarpIX Netbookremix + Ext. 500 GB 2.5 " HD

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Die größte Fehlerquelle des PCS sitzt meist 30cm vor dem Bildschirm.

Offline SiLæncer

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Der Walkman hat Geburtstag - Eine Legende wird 30
« Antwort #2 am: 01 Juli, 2009, 11:13 »
Der Walkman von Sony feiert heute seinen 30. Geburtstag. Am 1. Juli 1979 wurde das erste portable Wiedergabegerät für Audio-Kassetten auf den Markt gebracht und revolutionierte die Art Musik zu hören.

Von Anfang an, war das Gerät ein Erfolg. 30.000 Stück setzte Sony in den ersten zwei Monaten ab - sehr viel, für damalige Verhältnisse. 50 Millionen Geräte wurden binnen der ersten zehn Jahre weltweit verkauft, obwohl der Handel zuerst skeptisch reagierte.

Sony Walkman TPS-L - Das Original

Man glaubte nicht daran, dass ein Kassetten-Player ohne Aufnahmefunktion den Zuspruch der Kunden finden könnte. Das Killer-Feature war aber die Mobilität. Inzwischen haben Flash-basierte MP3-Player das Kassetten-Modell abgelöst. Diese inklusive verkaufte Sony insgesamt 385 Millionen Geräte unter der Marke, die in ihrer Popularität allerdings längst von Apples iPod überholt wurde.

Die Idee zur Entwicklung des Walkman kam Sony-Mitbegründer Masaru Ibuka während einer Reise. Auf dieser nutzte er einen normalen Kassetten-Rekorder mit Batterien, um Musik zu hören. Dieser war seiner Ansicht nach allerdings viel zu schwer, um ihn ständig unterwegs dabei zu haben.

Auf die Namensgebung hatten zwei Faktoren Einfluss: Einmal die damalige Popularität der Comic-Serie Superman, andererseits hieß Sonys Kassetten-Rekorder-Serie bereits Pressman. Ursprünglich wollte der Hersteller die Geräte in den USA unter dem Namen Soundabout und in Europa als Stowaway auf den Markt bringen. Davon sah man jedoch ab, da Marktforschungen ergaben, dass die Kinder sich von ihren Eltern längst einen Walkman wünschten.

Quelle : http://winfuture.de

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Offline SiLæncer

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Aus für Sonys Kassetten-Walkman
« Antwort #3 am: 24 Oktober, 2010, 16:50 »

Sonys erster Kassetten-Walkman TPS-L2
kam am 1. Juli 1979 auf den Markt.
Es ist das Ende einer Ära: Nach mehr als 30 Jahren stellt Sony die Produktion seines Kassetten-Walkmans in Japan ein. Die letzten Geräte seien bereits im April an die Händler gegangen, es sollen definitiv keine weiteren produziert werden, teilte der Konzern laut japanischen Medienberichten vom Wochenende mit. Sony hatte mit dem Walkman seinerzeit den Musik-Konsum revolutioniert. Erstmals konnte man seine Lieblingsmusik wirklich überall hören. Insgesamt wurden dem Konzern zufolge gut 200 Millionen Kassetten-Walkmans verkauft.

Sony hatte es nicht geschafft, vom legendären Ruf des Walkman auch in der Ära digitaler Musik zu profitieren. Apple gelang es hingegen, seine iPod-Player sozusagen zum Walkman unserer Zeit zu machen. Sony nutzt den Markennamen zwar weiterhin für seine tragbaren CD- und MP3-Abspielgeräte, hat aber nur geringe Marktanteile. Nun gaben die Japaner das Aus für den Kassetten-Walkman ausgerechnet zum neunten Geburtstag des iPod bekannt.

Quelle : www.heise.de

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