Kann das gutgehen? "Die Simpsons", Seriendauerbrenner und Ikone der Popkultur, gedehnt auf Kinofilmlänge? Es kann: Mit "Die Simpsons - Der Film" bringt Schöpfer Matt Groening den Aberwitz der Fernsehepisoden auf die große Leinwand. Ein 2D-Fanal gegen alle Shreks und Nemos.
Lisa verliebt sich. Bart geht freiwillig mit Nachbar und Bibel-Streber Ned Flanders angeln. Und Klassenprimus Martin Prince verprügelt im Alleingang drei berüchtigte Schul-Rowdys. Ja, "Die Simpsons - Der Film" hält für Fans einige Überraschungen parat.
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Experimente gibt es jedoch keine. "Simpsons"-Erfinder Matt Groening und sein Team setzen vielmehr auf den bewährten Kosmos der TV-Episoden: Nahezu alle Figuren sind dabei, vom Atomkraft-Mogul Mr. Burns bis zum bestechlichen Bürgermeister Quimby, der allein beim Klacken von Geldkoffer-Verschlüssen einem Pawlowschen Reflex erliegt. Auch die Story wurde in Variationen wieder und wieder durchgespielt: Homer Simpson, der postmoderne Simplicius und Abziehbild des patriotisch-chaotischen Amerikaners, bringt seine Heimatstadt Springfield an den Rand einer Katastrophe. Vertrautes Terrain für die Produzenten und Fans.
Doch schließlich ist der Film selbst Experiment genug: 86 statt 23 Minuten (so lang ist eine durchschnittliche TV-Folge). Kino- statt Fernsehsessel. Leinwand statt TV-Schirm. Und dann der Erfolgsdruck: "Die Simpsons" sind mit über 400 Episoden nicht nur die am längsten laufende Zeichentrickserie im amerikanischen Fernsehen - in 20 Jahren sie sind so etwas wie der gemeinsame Nenner der Popkultur geworden: Fans lieben, Kritiker bejubeln die satirischen Abenteuer der gelben Familie, während Wissenschaftler sich an der Analyse des "Simpsons"-Phänomens abarbeiten und in Fachaufsätzen über dessen kulturphilosophische Bedeutung oder die Dekonstruktion des amerikanischen Traums diskutieren.
Viel Tiefe für eine Trickfilmserie. Doch ein Geheimnis der "Simpsons"-Macher ist, diese Tiefe nie Überhand gewinnen zu lassen. Nur nebenbei entpuppt sich die intellektuell-neurotische Achtjährige Lisa Simpson als Derrida-Fan. Nur nebenbei zitiert Viertklässler Bart in einer Episode den jüdischen Talmud. Nur nebenbei wird Gesellschaftskritik rund um Klimasünder und Blindpatrioten zur Kulisse der "Simpsons"-Figuren, in der sie sich austoben. Diese erzählerische Leichtigkeit, das Spiel mit selbstironischen Stil-Zitaten und die Dichte an irrwitzigen Pointen zeichnen die besten "Simpsons"-Episoden aus: Gag und Anspruch, Anarcho-Komik und Kulturpessimismus - ein Rhythmus, der die "Simpsons" zur Ikone des Trickfilmhumors gemacht hat.
Effekte wie in "Herr der Ringe"
Kein Wunder also, dass Groening und sein Team bei "Die Simpsons - Der Film" auf Nummer sicher gehen wollten: Seit 2003 arbeiteten die Autoren an dem Drehbuch, jeder Gag wurde bei Testvorführungen ausprobiert. "Wir gaben uns besonders mit dem richtigen Timing Mühe und wollten, dass alle Pointen unserer Witze auch saßen", erklärt Co-Produzent James L. Brooks. Über 100 Mal warf das Team die Drehbuch-Fassungen über den Haufen, so dass Regisseur David Silverman am Ende nur noch magere 18 Monate blieben, um die Geschichte umzusetzen. Dabei braucht allein die Produktion einer 23-minütigen "Simpsons"-TV-Episode mehr als ein halbes Jahr.
Doch Silverman ist ein Meisterwerk in gelb gelungen: Die Figuren wirken - trotz der traditionellen flachen 2D-Optik - lebendig und facettenreich und sind ein gelungenes Fanal gegen die Shreks und Nemos dieser Welt. Silverman nutzt das volle Breitbildformat aus und erschafft phantastische Panoramen. Und wenn die Kamera durch den wilden, mit Fackeln und Mistgabeln bewaffneten Mob der Springfielder Bürger fährt, erinnert das gar an die düsteren Kriegsszenen aus der Herr der Ringe"-Trilogie.
Ein gelber Penis - leinwandfüllend
Der Plot vereint dabei eine Reihe klassischer Motive: Die drohende Apokalypse, die Odyssee des Helden, wobei Familienvater Homer es weniger mit einäugigen Riesen, als vielmehr mit seinen eigenen Torheiten aufnehmen muss: In vertraut grotesker Entschlossenheit adoptiert er zu Beginn des Films ein Schwein und sammelt dessen Hinterlassenschaften in einem selbstgebauten Silo im Garten. Ehefrau Marge ist "not amused" und verpflichtet Homer, das Silo zu entsorgen. Der hievt es allerdings prompt in den See von Springfield - und löst damit eine Umweltkatastrophe aus: Plötzlich hüpfen vieläugige, mutierte Eichhörnchen durch die Berglandschaft.
Als die Regierungsbehörde EPA ("Environmental Protection Agency") davon Wind bekommt, stülpt sie eine gewaltige Glasglocke über die Stadt und radiert Springfield offiziell von der Landkarte. Die Bewohner Springfields sind außer sich und jagen Homer und seine Familie, die jedoch aus dem Glasgefängnis entkommen können und sich in die einsame Bergwelt Alaskas absetzen. Schon bald plagt Ehefrau Marge allerdings das schlechte Gewissen: Sie will Springfield vor dem Untergang retten. Und so kommt es schließlich zum spektakulären Showdown in der Stadt.
Das alles bringen Groening und Co. mit dem gewohnten Irrwitz der TV-Serie auf die Leinwand. Wenn ein animierter Arnold Schwarzenegger als US-Präsident sagt: "Ich wurde gewählt, um zu führen, nicht um zu lesen", wenn mitten im Film plötzlich ein überzogenes Werbebanner des "Simpsons"-Haussenders Fox eingeblendet wird und wenn Homer Marge gesteht: "Ich denke nicht nach über die Dinge", spiegelt sich darin das große Humor-Universum der "Simpsons".
So auch in der Szene, die dazu führte, dass der Film in den USA erst für Fans ab 13 Jahren zu sehen sein wird: Bart, der mit Homer im "Das-traust-Du-dich-nie"-Wettbewerb steht, fährt auf dem Skateboard durch Springfield - splitternackt. Kunstvoll wird dabei seine Leibesmitte verhüllt, mal durch die Antenne eines ferngesteuerten Autos, mal durch empörte Passanten. Bis dahin allenfalls ein müdes Filmzitat, bekannt etwa durch Mike Myers "Austin Powers".
Doch dann fährt Bart hinter eine Hecke, die gerade an der wichtigsten Stelle kahlrasiert ist und für sieben Sekunden füllt nichts als Barts gelber Penis die Kinoleinwand. Dieses Spiel mit den Erwartungen der Zuschauer, die Mischung aus Zoten, sublimem Humor und überzeugender Story haben Groening und Co. für die "Simpsons" in XXL perfektioniert - und einen richitigen Kinofilm geschaffen. Gefühlte Länge: 23 Minuten.
Quelle : www.spiegel.de
Die Simpsons sind eine unmögliche Familie: Der faule Vater Homer, der nichts lieber tut als sich vor dem Fernseher volllaufen zu lassen, nutzt die aufopfernde Liebe seiner Frau Marge gnadenlos aus. Sohn Bart (10) ist ein frecher, frühreifer Rotzlöffel, Tochter Lisa ( 8 ) eine Klugscheißerin und die kleine Maggie (1) hat nichts anderes im Kopf als ihren Schnuller.
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Dennoch sind "Die Simpsons" weltweit beliebt wie kaum eine andere Familie. Die nach ihnen benannte amerikanische TV-Comicserie ist mit ihrem hintergründigen Humor und ätzenden Spott die erfolgreichste und am längsten laufende Zeichentrickreihe der Welt. Am Donnerstag (17. Dezember) feiern die Helden aus dem fiktiven Städtchen Springfield 20. Geburtstag - und sind noch so frech, aufmüpfig und anarchisch wie eh und je.
Eigentlich nur ein Pausenfüller
Als der Schöpfer der Simpsons, der arbeitslose Comiczeichner und Gelegenheitschauffeur Matt Groening, Mitte der 80er Jahre den Auftrag für eine Fernseharbeit bekam, sollte er eigentlich nur einen Pausenfüller für eine etablierte TV-Show schaffen. Doch seine gelben Figuren mit den großen Glubsch-Augen, dem ausgeprägten Überbiss und nur vier Fingern an einer Hand waren bald so beliebt, dass der Fernsehsender Fox Network ein eigenes Format daraus machte.
Eine Zeichentrickserie für Erwachsene zur besten Sendezeit - das habe es bis zur Premiere der ersten Folge am 17. Dezember 1989 nicht gegeben, sagt Produzent Al Jean. Seither sind in den USA fast 450 Folgen gelaufen. In Deutschland startete die Reihe 1991 im ZDF, seit 1994 wird sie auf ProSieben ausgestrahlt und ist auch beim Digitalsender Sat.1 Comedy zu sehen.
Fanclubs in aller Welt
Für Millionen Menschen in mehr als 90 Ländern prägt die chaotische TV-Familie das Bild Amerikas. Es gibt unzählige Fanclubs in aller Welt, ein eigenes Wissenslexikon im Internet, das in Anlehnung an Wikipedia "Simpsonspedia" heißt, und eine schier unüberschaubare Flut von Artikeln aus dem Reich der Simpsons - von Comics über Videospiele bis zu T-Shirts, Kaugummis und sogar Nudeln.
Mehr als 2,5 Milliarden US-Dollar soll der Sender Fox inzwischen mit der Anarcho-Familie verdient haben - die 527 Millionen Us-Dollar aus dem gleichnamigen Kinohit von 2007 noch gar nicht mitgerechnet. Wissenschaftler versuchen das Erfolgsgeheimnis der Serie zu ergründen, die auf unterschiedliche Weise Kinder wie Erwachsene anzieht.
"Unterhalten und untergraben, das ist mein Motto", sagt der inzwischen 55-jährige Groening. Nach diesem Grundsatz nehmen die Macher alles aufs Korn, was der US-Mittelstandsgesellschaft lieb und heilig ist: Die Politiker in Homers Reich sind korrupte Gauner, die Lehrer faule Säcke und sein Chef im Atomkraftwerk ein böser Kapitalist. Autoritäten werden in Frage gestellt, doppelbödige Moral entlarvt. "Nehmt nicht mich!", ruft Homer einmal, als Aliens ihn entführen wollen. "Ich habe Frau und Kinder! Nehmt die!"
Preise ohne Ende
Die Serie wurde mit Preisen überschüttet - sie kann allein 26 "Annie Awards" für Animationsfilme und 24 "Emmy"-Fernsehpreise vorweisen. Im Jahr 2000 erhielten die Simpsons einen Stern auf dem Hollywood-"Walk of Fame". Und die Größen der US-Unterhaltungsindustrie stehen Schlange, um in der Kult-Reihe als Comicfigur aufzutreten.
Zu den prominenten Gästen gehören bisher etwa Bono und Mick Jagger, Bill Clinton und Stephen Hawking, Liz Taylor und Meryl Streep. Popstar Michael Jackson schrieb 1990 an Barts Single "Do The Bartman" mit. Und sogar der sonst nie sichtbare US-Autor Thomas Pynchon erklärte sich zu einem animierten Auftritt bereit - er erschien incognito, mit Papiertüte über dem Kopf. In Deutschland leihen Norbert Gastell und Anke Engelke dem ungleichen Ehepaar ihre Stimmen.
Längst ist es nicht mehr nur Matt Groening, sondern ein ganzes Team von Künstlern und Autoren, das die beliebte Mischung aus Klamauk, hanebüchenen Witzen und bitterbösem Humor anrührt. Selbst der eigene Sender bleibt vor Kritik nicht verschont. So nahmen die Macher 2003 die stockkonservative Haltung von Fox auf die Schippe, indem sie bei der Familie Simpson einen Nachrichtenticker laufen ließen mit Meldungen wie: "Studie: 92 Prozent aller Demokraten sind schwul" und "Streitthema: Verursachen Demokraten Krebs?"
Jubiläumsfilm in den USA
In den USA wird der Geburtstag der aufmüpfigen Gelbhäute am 10. Januar mit einer Sondersendung gefeiert, unmittelbar zuvor läuft die 450. Folge als Jubiläumsfilm mit den Stimmen von Anne Hathaway, Eartha Kitt und Jackie Mason. Das amerikanische "Playboy"-Magazin hatte die Serie schon im November gewürdigt, als die sonst so bodenständige Mutter Marge mit ihrer blauen Turmfrisur kess das Cover zierte.
Trotz aller Lobeshymnen zum Geburtstag machen sich die Produzenten jedoch keine Illusionen über die Gründe ihres Erfolgs. "Wir geben uns immer wieder eine Wahnsinnsmühe mit den Dialogen und diesen superfeinen Anspielungen auf Filme und Bücher", sagte Groening einmal. "Aber dann kriegt den größten Lacher Homer, wenn er nach seinem Bierchen rülpst."
Quelle : SAT+KABEL
Passend zum Schreckensfest "Halloween" bescheren die "Simpsons" den ProSieben-Zuschauern an diesem Sonntag (31. Oktober) einen Nachmittag mit fünf Horror-Episoden am Stück.
Ab 16.35 Uhr geht's los. Bereits in der Nacht auf Sonntag zeigt ProSieben den diesjährigen "Scream Award" um 0.05 Uhr, bei denen besondere Leistungen im Horror-, Fantasy- und Science-Fiction-Genre ausgezeichnet werden.
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Am Sonntagabend spukt dann Michael "Bully" Herbig in "Hui Buh, das Schlossgespenst" (20.15 Uhr) durch die Wohnzimmer. Danach verschwindet Lindsay Lohan in der Free-TV-Premiere des Thrillers "Ich weiß, wer mich getötet hat" plötzlich spurlos.
Halloween bei ProSieben:
Samstag, 30.10.2010
20.15 Uhr "Unbreakable - Unzerbrechlich" Thriller, USA , 2000 Darsteller: Bruce Willis, Samuel L. Jackson u.a. Regie: M. Night Shyamalan
22.10 Uhr "The Village - Das Dorf" Mystery-Thriller, USA, 2004 Darsteller: Joaquin Phoenix, Sigourney Weaver, William Hurt Regie: M. Night Shyamalan
Sonntag, 31.10.2010
00.05 Uhr "Scream Award 2010" Die Scream Awards werden seit 2006 für besondere Leistungen im Horror-, Science Fiction- und Fantasygenre vergeben. Show, USA 2010
11.40 Uhr "Halloweentown II" Fantasy, USA, 2001 Darsteller: Kimberly J. Brown, Debbie Reynolds u.a. Regie: Mary Lambert
13.05 Uhr "Halloweentown III: Halloweentown Highschool" Fantasy, USA, 2004 Darsteller: Kimberly J. Brown, Debbie Reynolds u.a. Regie: Mark Dippé
14.30 Uhr "Halloweentown 4 - Das Hexencollege" Fantasy, USA, 2006 Darsteller: Sara Paxton, Judith Hoag u.a. Regie: David S. Jackson
16.10 Uhr "Monsters vs. Aliens - Halloween Special" TV Spezial, Free-TV-Premiere Regie: Peter Ramsey
16.35 Uhr "Der Simpsons-Halloween-Marathon" Fünf Halloween-Folgen sorgen für gelbes Gruseln
- "Vier Enthauptungen und ein Todesfall" (Treehouse of Horror XV)
- "Krieg der Welten" (Treehouse of Horror XVII)
- "Todesgrüße aus Springfield" (Treehouse of Horror XIV)
- "B.I.: Bartificial Intelligence" (Treehouse of HorrorXVI)
- "Nach Hause telefonieren" (Treehouse of Horror XVIII)
19.10 Uhr "Galileo Spezial Mythos Vampire - Von Transsilvanien nach Hollywood" Magazin Moderation: Aiman Abdallah
20.15 Uhr "Hui Buh, das Schlossgespenst" Fantasy-Komödie, Deutschland, 2006 Darsteller: Michael "Bully" Herbig, Christoph Maria Herbst u.a. Regie: Sebastian Niemann
22.15 Uhr "Ich weiß, wer mich getötet hat" Thriller, USA, 2007, Free-TV-Premiere Darsteller: Lindsay Lohan, Julia Ormond u.a. Regie: Chris Sivertson
Quelle : SAT+KABEL