Der Videotext, der sich trotz des boomenden Internets hoher Popularität erfreut, wird am kommenden Dienstag 30 Jahre alt. Die gegenwärtige Stärke des Videotextes basiere auf seiner "Beschränktheit" auf kurze Informationen und auf seiner "Eindeutigkeit", sagte Frauke Langguth, Leiterin des ARD Textes, am Donnerstag. Damit unterscheide er sich stark vom Internet, das weitaus vielfältiger sei.
Auch neuere Entwicklungen hält Langguth nicht für bedrohlich. "Dass mehr und mehr TV-Geräte demnächst mit Internetzugang ausgestattet sind, ist aus unserer Sicht eine spannende Entwicklung", sagte Langguth der dpa. "Aber das Fernsehen bleibt ein Medium fürs Sofa, nicht für den Schreibtisch. Um sich weiterhin kurz zu informieren, was los ist, bleibt der Videotext ideal."
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Übertragen werden die Daten des Videotextes, der vor allem vom Privat-TV als Teletext bezeichnet wird, in der sogenannten Austastlücke. Das allerdings gilt nur für das analoge Fernsehen. Im digitalen Bereich existiert das Verfahren nicht und muss deshalb simuliert werden. Dafür ist der sogenannte Ancillary Data Space (ANC) vorgesehen.
Der Betrieb wurde von ARD und ZDF gemeinsam am 1. Juni 1980 aufgenommen. Am Jahresende 1980 gab es 70 000 Haushalte in der Bundesrepublik mit teletextfähigen Fernsehgeräten. Bis zum Jahresende 1983 stieg die Zahl auf rund eine halbe Million.
Im DDR-Fernsehen wurde der Videotext erst nach der Wende eingeführt
Im Jahr 2008 waren es 33,49 Millionen, was einem Ausstattungsgrad von 96 Prozent entspricht. Im DDR-Fernsehen wurde der Videotext erst nach der Wende im Mai 1990 eingeführt. Seit dem Jahr 2000 gehen ARD und ZDF eigene Wege - jeder bietet für sich seine Seiten an. Heute nutzen fast 16 Millionen verschiedene Zuschauer in Deutschland täglich den Text. Ihre durchschnittliche Verweildauer beträgt rund fünf Minuten.
Der nach Marktanteilen gemessen erfolgreichste Text wird von der ARD betrieben. Er verbuchte im vergangenen Jahr 15,7 Prozent Marktanteil. Dahinter folgte RTL mit 14,6 Prozent vor dem ZDF mit 12,7 Prozent, Sat.1 mit 10,5 Prozent, n-tv mit 4,8 Prozent, ProSieben mit 3,7 und RTL2 mit 3,2 Prozent. Hoch im Kurs stehen Inhalte wie Börse, Programminformationen und Sport, allen voran am Samstag die Bundesligaseite 251, die bei ARD und ZDF sehr ähnlich ist.
Der Erfolg des Videotextes ist ungebrochen
Der Erfolg des Videotextes ist ungebrochen, obwohl er sich auch optisch und technisch seit 1980 kaum verändert hat. Nach wie vor stehen nur 800 Seiten mit Unterseiten, sechs Farben und 23 Zeilen á 40 Zeichen zur Verfügung. Seit ein paar Jahren kann man den Videotext auch im Internet und auf mobile Endgeräten empfangen. ARD- Programmdirektor Volker Herres bringt es werbend auf den Punkt: "Wenn es keinen Videotext gäbe, müsste man ihn erfinden, denn schneller kann man sich als Fernsehzuschauer kaum über das aktuelle Geschehen informieren."
Mit dem neuen Standard HbbTV (Hybrid Broadcast Broadband TV) soll auch der klassische Videotext überarbeitet werden. Ob das klappt, bleibt abzuwarten. Hybride Fernsehgeräte kombinieren das TV-Signal mit dem Internetübertragungsweg. Dadurch können Grafiken und Schriften optimiert und der Videotext barrierefrei gestaltet werden. Aber auch hier wird es darauf ankommen, wieviele Hersteller entsprechende Tuner in ihre Fernseher verbauen. Bislang widerstand der Videotext noch allen Anfriffen.
Quelle : SAT + KABEL