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Info Corner / Internet-via-Sat, Datendienste / IPTV / Videoportale / Internet TV & Radio => # News & Infos zu div. Events => Thema gestartet von: SiLæncer am 12 April, 2007, 10:28

Titel: re:publica ...
Beitrag von: SiLæncer am 12 April, 2007, 10:28
Ein Ehren- und Verhaltenskodex speziell für Blogger als Pendant zu den publizistischen Grundsätzen des Deutschen Presseratss wird von vielen Bloggern und Forschern hierzulande skeptisch gesehen. "Blogs sind groß geworden, weil es keine Regelungen gab", betonte der Journalschreiber Don Dahlmann auf der Konferenz re:publica in Berlin. Wenn in den meist von subjektiven Meinungsäußerungen gekennzeichneten Weblogs nicht bewusst die Prinzipien der klassischen Berichterstattung gebrochen worden wären, hätten diese keinen kreativen Mehrwert entfaltet. Auch für den Konstanzer Informationswissenschaftler Rainer Kuhlen bietet das Netz die Chance, dass sich etwa im Bereich der öffentlichen Begleitung aktueller Ereignisse neue Gepflogenheiten und Normen entwickeln. Es wäre daher kontraproduktiv, Weblogs mit traditionellen Sanktionen überziehen zu wollen.

Seit Tagen kocht in der Blogosphäre der Streit über eine Art Blogiquette hoch, eine Selbstverpflichtung der freien Web-Kommentatoren über die allgemeine Netiquette hinaus. Angestoßen hat die Debatte der kalifornische Verleger Tim O'Reilly, der als Erfinder des Begriffs Web 2.0 und Verfechter der demokratischen Möglichkeiten des Internet gilt. Sein Vorschlag für einen Verhaltenskodex zur Selbstregulierung der Szene mitsamt einem Logo-Programm zur Durchsetzung grundlegender Höflichkeitsregeln stößt auf ein geteiltes Echo.

Gemäß dem Entwurf sollen "inakzeptable" Inhalte und Kommentare, die etwa Persönlichkeits- oder Urheberrechte verletzen, gelöscht werden. Eine Kommentierung von Blogeinträgen will O'Reilly nur noch zulassen, wenn der interessierte Meinungsvertreter zuvor eine gültige E-Mail-Adresse hinterlegt hat. Anonyme Kommentare sollen der Vergangenheit angehören, Blogger die "Verantwortung" für die Eingaben ihrer Leser übernehmen. Weiter schlägt der Verleger eine persönliche Kontaktaufnahme vor dem öffentlichen Austragen von Streitigkeiten vor und das Ignorieren von Trollen. Er plädiert auch für ein aktives Einmischen in Auseinandersetzungen und mehr Zivilcourage von Bloggern. Auslöser für den Vorstoß waren Morddrohungen gegen die US-Programmiererin Kathy Sierra.

Auf dem Podium bei re:publica waren sich alle einig, dass eine solche spezielle Blogger-Ethik in weiten Teilen nach hinten losgehen würde. "Ich bin gerne höflich, aber lass mir das nicht von jemand vorschreiben", hielt es BILDblogger Stefan Niggemeier mit dem US-amerikanischen Medienbeobachter Jeff Jarvis. Um Morddrohungen zu verhindern, brauche es kein Blogger-Korsett. Da würden auch die bestehenden Gesetze greifen. "Wenn jemand dir in deine Kommentare reinscheißen will, wird er immer einen Weg finden", ergänzte Don Dahlmann in der freizügigen Redeart mancher selbsternannter Web-Kommentatoren. "Gatekeeping" sei im Netz nicht gewollt und eine derartige "Form von Zensur" funktioniere dort auch nicht mehr so wie in den alten Medien.

Kuhlen rief die versammelte Blogger-Gemeinde dazu auf, insbesondere beim Urheberrecht bestehende Vorgaben zu brechen und dabei notfalls Abmahnungen in Kauf zu nehmen. Ansagen in der Form, etwa kein geschütztes Bild gleichsam als Zitat in ein eigenes Weblog aufzunehmen, seien obsolet und würden allein noch von Juristen fortgeschrieben, forderte der Betreiber des Portals Nethics zum zivilen Ungehorsam auf. Gleichzeitig räumte er aber ein, dass Mut dazu gehöre, um die für elektronischen Räume angemessenen neuen Urheberrechtsbestimmungen zu entwickeln.

Auch für Don Dahlmann gehört eine gehörige Portion Provokation dazu, um in der Blogosphäre und darüber hinaus Aufmerksamkeit zu erregen und etwas zu bewegen. Zugleich bedauerte er aber, dass "für viele die gute Erziehung mit dem Einstieg ins Internet aufhört". Da brauche man schon ein "dickes Fell", um mit so manchen Kommentaren fertig zu werden, weiß er aus den eigenen Erfahrungen mit einem umstrittenen Experiment eines mehrwöchigen Opel-Tests und dem gesponserten Bloggen darüber.

Zur re:publica 07 siehe auch:

    * Kampf dem Blogger-Mythos -> http://www.heise.de/newsticker/meldung/88110

Quelle : www.heise.de
Titel: re:publica: "Print ist tot"
Beitrag von: SiLæncer am 13 April, 2007, 17:54
Wo knapp 700 Blogger und Journalisten aufeinander treffen, ist der Konflikt zwischen alten und neuen Medien fast greifbar. Auf der Konferenz re:publica in der Berliner Kalkscheune versuchen Vertreter von klassischen Print-Medien und Onliner einen Blick in die Zukunft zu werfen. Konferenz-Mitorganisator Johnny Häusler schickte sein Fazit vorweg: Er verteilte eine experimentelle Print-Ausgabe seines Blogs Spreeblick. Die Titelschlagzeile "Print ist tot". Das Heft hatte er innerhalb weniger Stunden mit Texten der Berlin versammelten Blogger gefüllt und 1000 Exemplare drucken lassen.

Dieser Einschätzung des Online-Verlegers Häusler wollten sich auch die angereisten Vertreter der klassischen Medienhäuser nicht verschließen. "Wir würden uns wünschen, dass es immer Zeitungen geben wird. Aber derzeit steht das gar nicht fest", erklärte Handelsblatt-Redakteur und Blogger Thomas Knüwer. Für ihn mangelt es an einer klaren Vorstellung für die Zukunft. "Man hat die künftige Rolle der Zeitung nicht gefunden. Dort bekomme ich heute Nachrichten, die mindestens 12 Stunden oder 24 Stunden alt sind." Statt dem schnellen Informationsmedium Internet mehr Hintergrundberichte und Reportagen gegenüberzustellen, konzentrierten sich die Zeitungen lieber darauf, das gesamte Tagesgeschehen in Meldungsspalten abzuwickeln. Auch im Layout werde das deutlich: "Die alten Medien glauben, sie müssen jetzt aussehen wie das Internet." Ein Fehler, findet Knüwer.

Mercedes Bunz, Chefin der Online-Redaktion des Berliner Tagesspiegels, sieht keinen direkten Gegensatz zwischen dem Publizieren auf Papier und im Netz: "Das Gegeneinander von Internet und Print wird nur an zwei Stellen gepflegt: in den Verlagshäusern und der Blogger-Szene." Den Lesern seien die Grundsatzdebatten egal, sie entschieden sich für das Medium, das ihre Bedürfnisse aktuell besser bediene. Die Arbeit für Online- und Offline-Medien sei aber nicht gleichzusetzen: Für Online-Journalisten gäbe es keine starren Abgabetermine, Print-Medien hingegen bereiteten die Inhalte für den Leser oft ansprechender auf. Bei deutschen Tageszeitungen habe jetzt durchweg eine Experimentierphase mit Online-Inhalten begonnen.

Der Chefredakteur von Focus Online, Jochen Wegner, verwies auf das Miteinander von Print- und Online-Journalisten. So würden viele Focus-Redakteure auch der Online-Redaktion Inhalte anbieten. Wenn der Druckschluss der Print-Ausgabe näher rücke, nehme die Bereitschaft der Print-Journalisten jedoch ab, auch für den Online-Auftritt zu schreiben. Die Strategie "Online first", die derzeit einige deutsche Verlage propagierten, sei Unsinn. Würde ein spannendes Interview kurz nach Andruck in der Redaktion eintreffen, würden die Redakteure erst sehen, wann sie es in der Print-Ausgabe unterbringen könnten.

Knüwer sieht zudem einen Generationenkonflikt in den Redaktionen. So zeige sich ein Teil der Redakteure der Entwicklung im Online-Bereich gegenüber sehr aufgeschlossen, andere hingegen sähen den Wandel sehr kritisch. "In den nächsten ein bis zwei Jahren wird in den Redaktionen ein richtiger Kulturkrieg ausbrechen", vermutet der Redakteur.

Bei aller Liebe zu Online erinnerte Blogger Johnny Häusler auch an die Vorteile des Papiers. Gerade durch die Möglichkeit, Hintergrundinformationen einfach zu verlinken, seien viele Blog-Texte für Außenstehenden fast unlesbar. "Für sich alleine funktionieren diese Blog-Artikel nicht. Man muss erst viel zu viel rumklicken". Dazu bekäme der Leser oft den Eindruck, dass Blog-Schreiber und Leser eine geschlossene Gemeinschaft seien. Bei Papier-Artikeln werde der Autor hingegen gezwungen, dem Leser in seinem Text alle wesentlichen Informationen zusammenzufassen.

Doch nicht nur die Medien ändern sich, auch das Verhalten der Leser wandelt sich stark. Die Leser von Focus Online würden mittlerweile auch lange Hintergrund-Texte zu schätzen wüssten, erklärte Wegner. Selbst Texte mit über 10.000 Zeichen würden bis zum Ende gelesen. "Vor Jahren war das eher ungewöhnlich". Doch diese wachsende Vorliebe für Online-Inhalte ist nicht bei jeder Leserschaft festzustellen. So berichtet Knüwer von Leserbeschwerden, wenn einzelne Aktien-Kurse nicht mehr in der Print-Ausgabe des Handelsblatts abgedruckt würden, obwohl die Kurse per Internet schneller und einfacher in Erfahrung zu bringen seien. "Diese Leserbriefe sind dann meist mit Schreibmaschine geschrieben", sagte Knüwer.

Wie Medien in fünf bis zehn Jahren aussehen werden, wollte jedoch kein Panel-Teilnehmer vorhersagen. Auch im Hinblick auf den viel zitierten Bürgerjournalismus herrscht noch große Ungewissheit. So berichtete Katharina Borchert über das Online-Projekt der WAZ Mediengruppe, das redaktionelle Inhalte mit Leserberichten verbinden soll. Wie die Leserschaft auf die Möglichkeiten reagieren werde, sei aber noch unklar: "Die Weisheit haben wir nicht mit Löffeln gefressen. Wir haben uns auf viel Scheitern eingerichtet", resümierte Borchert.

Quelle : www.heise.de
Titel: re:publica: Im Netz leben -- unfair und unsicher?
Beitrag von: SiLæncer am 14 April, 2007, 12:49
Mit den Schattenseiten der Produktion von Notebooks, zentrales Werkzeug vieler Blogger, beschäftigte sich ein Workshop auf der Konferenz re:publica, die gestern abend zu Ende ging. Andreas Manhart vom Freiburger Öko-Institut referierte zunächst die Inhalte einer Studie (PDF-Datei), die sein Institut im letzten Jahr veröffentlicht hatte. Negativ formuliert unterstütze ausnahmslos jeder, der sich ein Notebook kauft, die widrigen Arbeitsbedingungen, unter denen Fertiger wie Quanta Computer in China produzieren lassen. Positiv stimme angesichts des weiter wachsenden Notebook-Marktes (100 Millionen Einheiten pro Jahr) die Tatsache, dass auf die Industrie Druck gemacht werden könne, faire Notebooks zu produzieren. Der EU-Abgeordnete Fritjof Schmidt betonte die Rolle von Produktionsstandards beim Umwelt- und Arbeitnehmerschutz. Schmidt zufolge müsste die gesamte Industrie zur Einhaltung solcher Standards ähnlich verpflichtet werden, wie bei der RoHS-Richtlinie. Als EU-Berichterstatter für den fairen Handel mit Waren aus Entwicklungsländern entkräftete Schmidt vorsorglich den möglichen Vorwurf des Protektionismus einer EU, die mit teuren Notebooks den Markt abschotte. Anders als im politisch beliebten Serverbau werde kein einziges Notebook mehr in der EU gefertigt. Allerdings seien Notebooks von der Produktion bis zur Entsorgung in chinesischen "Garbage Cities" komplexe Systeme im Vergleich zu landwirtschaftlichen Produkten. Bei diesen sei das Fair-Trade-Konzept relativ weit gediehen und akzeptiert. Sowohl der Wissenschaftler wie der Politiker hatten indes keine Empfehlungen zum Kauf eines Notebooks parat, "an dem kein Blut klebt", wie dies ein Teilnehmer des Workshops formulierte.

Einen mindestens ebenso interessanten "Blick von unten" auf das Phänomen des Bloggens und des Lebens im Web 2.0 präsentierte Andreas Gehret im API-Workshop der re:publica. Gehret, beim Kontaktnetzwerk Xing für die Software-Entwicklung zuständig, berichtete von den Schwierigkeiten, ein API für die Ansprüche des Web 2.0 zu entwickeln, ohne dass der Datenschutz auf der Strecke bleibt. Im Zuge des allgemeinen Trends zum Mashup berge jedes API für den Zugriff auf bestimmte Xing-Daten die Gefahr, die Privatsphäre der Xing-Teilnehmer zu verletzen, wenn es schlecht programmiert sei. Gehret berichtete von der Veröffentlichung eines APIs, mit dem Xing-Teilnehmer auf Angeboten wie Google Maps lokalisiert werden können. Zwei Stunden nach Veröffentlichung des API-Angebotes trudelte die erste Klage eines Teilnehmers ein, der zwar gegen die Verwendung seiner Daten optiert hatte, sich aber dennoch auf einer Karte sehen konnte. Die scheinbar unverdächtige Möglichkeit, die Postleitzahlen der Teilnehmer auszuwerten, führten zur "Enttarnung", weil es Firmen und Institutionen mit eigenen Postleitzahlen gibt. Nun programmiere man bei Xing unter dauernder Beratung durch Juristen, so Gehret, weil man nicht auf APIs verzichten könne. Sie seien nicht nur für die Software-Modularisierung wichtig: "Soziale Netze können nur dann überleben, wenn sie sich öffnen". Inzwischen habe Xing nicht nur das API neu programmiert und sich durch die Anpassung der Allgemeinen Geschäftsbedingungen juristisch abgesichert. Doch ob die Zustimmung oder Ablehnung bestimmter Punkte reicht, sei ungewiss. "Auch die Juristen können uns nicht sagen, welche Verantwortung Xing hat, die Nutzer darüber aufzuklären, was mit ihren Daten möglich ist. Im Augenblick sind wir ein bisschen ratlos." Als größte Gefahr nannte Gehret die Möglichkeit, dass jemand mittels einer API eine "Hammer-Applikation" schreibt, die im Netz zum Hype wird und massiven Druck auf die Server und Datenbestände ausübt. Mit dieser Gefahr müssten alle Anbieter von Social Software leben – oder von der Bildfläche verschwinden.

Quelle : www.heise.de
Titel: re:publica: Globale Regeln fürs Netz umstritten
Beitrag von: SiLæncer am 14 April, 2010, 16:06
Angesichts immer wiederkehrender Forderungen nach einer "Internet-Charta" und globalen Regeln fürs Netz diskutierte die auf der Konferenz re:publica  versammelte Gemeinde von Bloggern, Twitterern und anderen Netizens am heutigen Mittwoch in Berlin über die Macht von Staaten und Konzernen in der digitalen Welt. Eine dabei behandelte Frage war, wie man US-amerikanischen Datensammler die Einhaltung europäischer Vorstellungen zur Sicherung der Privatsphäre schmackhafter machen könnte. Prinzipiell müssten Datenschutzbeauftragte des alten Kontinents längst Sperren fordern für Facebook, Google und Co., erklärte Ralf Bendrath, Datenschutzforscher bei den Grünen im EU-Parlament, in diesem Zusammenhang. Deren Seiten hielten sich nicht an europäische Datenschutzbestimmungen und "müssten daher eigentlich blockiert werden". Gleich löschen könne man sie schließlich kaum.

Bisher traue sich niemand, vergleichbare Vorhaben ins Gespräch zu bringen, verdeutlichte Bendrath seine Haltung. Auch er selbst wolle nur auf ein prinzipielles Dilemma der Rechtsdurchsetzung im globalen Internet hinweisen. Dieses gelte für deutsche Datenschützer genauso wie etwa für chinesische Zensoren. Ein echter Lösungsansatz dafür zeichne sich nicht ab, da das Netz "nicht zerstückelt" werden sollte. Staaten und Konzerne lieferten sich derzeit aber eine Schlacht um die Herrschaft im Cyberspace.

Allseits versuchen, erklärte Bendrath, zum einen Regierungen, ihre Territorialansprüche im Netz geltend zu machen und dabei etwa auf die nationalen Niederlassungen großer Internetfirmen oder auf Zugangsanbieter in ihrem Land zurückzugreifen. Die "große Firewall" Chinas sei dafür das beste Beispiel, dem die EU-Kommission jetzt mit ihrer Initiative für einen  " Schengen-Raum im Internet " unter dem Aufhänger der Bekämpfung von Kinderpornographie nacheifere. Parallel gehe es Brüssel und Washington darum, Informationen in den Händen privater Akteure für die Strafverfolgung anzuzapfen und etwa über das Stockholm-Programm zur inneren Sicherheit eine "Vorratsdatenspeicherung für alles" einzuführen. Internetkonzerne drängten zum anderen auf den "freien Informationsfluss", in den sie personenbezogene und schützenswerte Daten gleich mit einbezögen.

Für Andreas Schmidt, Forscher im Bereich Internetsicherheitspolitik an der TU Delft, lautet die Herausforderung angesichts dieser Zwickmühle, "Mechanismen zu finden, die die Gefahr der Kooperation zwischen Staaten und Providern zulasten der Bürger abfedern können". Frei nach dem Philosophen Karl Popper setzte er sich dafür ein, "technische Infrastrukturen so aufzubauen, dass unfähige und unredliche Machthaber damit keinen Schaden anrichten können".

Globale Regulierungsmaßstäbe fürs Internet zu finden, bleibt auch nach Ansicht der E-Government-Expertin der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, Annette Mühlberger, eine schwierige Angelegenheit. Dies habe man bei der Domainverwaltung ICANN bezogen auf einen speziellen Sektor versucht, sei damit aber nur mäßig erfolgreich gewesen. Es sei am besten, sich unterhalb dem Aufbau von Regelwerken im rechtlichen Sinne auf flexible Standards zu verständigen. Zudem müssten zunächst bestehende allgemeine rechtliche Normenwerke wie internationale Menschenrechtsdeklarationen konsequent auf die Informationsgesellschaft angewendet werden. Vor allem Unternehmen würden diese derzeit teils völlig ignorieren. Einrichtungen wie das Internet Governance Forum (IGF) seien ferner hilfreich, um einen möglichen globalen Regelungsbedarf abzustecken. Nicht zuletzt müssten Alternativen für virtuelle Gemeinschaften und Netzwerke entwickelt werden, bei denen die Daten wirklich den Nutzern gehörten.

Quelle : www.heise.de
Titel: re:publica: Nur nicht pessimistisch werden, Netizen!
Beitrag von: SiLæncer am 14 April, 2010, 17:00
Rund 2500 Besucher tummeln sich auf der vierten Re:publica, die Mehrzahl von ihnen Blogger und Internet-Aktivisten. Was als kleine Konferenz in der Kalkscheune  begann, die Chancen engagierter Netzpolitik auszuloten, ist mittlerweile eine große Veranstaltung mit einer Stimmung wie auf einem Klassentreffen geworden. Man sieht und beäugt IRL die Menschen, die als Blogger, Kommentargäste, als Follower oder Tweeter digitale Nachbarn sind. Im Vergleich zu den Anfängen im Jahre 2007 ist der Optimismus der Teilnehmer wie der Referenten verhalten. Passend zur Konferenz veröffentlichte die Frankfurter Allgemeine Zeitung ein multimediales, kritisches Portrait der deutschen Blogger-Szene, die selbstreferenziell geworden sei und kaum noch jüngere Menschen anziehe. Die tummelten sich lieber in sozialen Netzwerken wie Facebook und hätten wenig für Netzpolitik übrig.

Den Anfang im Vortragsreigen machte der Schriftsteller Peter Glaser mit einem sehr unaufgeregten Vortrag über die digitale Faszination, die das Leben auf dem achten Kontinent (Digitalien) mit sich bringt. Er versuchte, mit historischen Beispielen den Fortschritt zu illustrieren, den das Netz und seine Bewohner in die moderne Gesellschaft gebracht haben. In einem Land wie den USA, in dem sich Millionen bis heute keine Krankheitsvorsorge leisten können, zeigte eine akute Notsituation den Google-Gründern die Bedeutung ihres Vorhabens. Ein Leben konnte gerettet werden, weil via Google das richtige Verhalten im Notfall gefunden werden konnte. Glaser wies darauf hin, dass erst 19 Prozent der Menschheit vernetzt ist. Es müsse darum gehen, die restlichen 81 Prozent zu erreichen und zu ermutigen, ihre "Stimme" zu erheben. "Journalismus ist die zivilisierteste Form von Widerstand. Jeder kann neue Worte formulieren, die Sprache gehört allen und kostet nichts", übte sich Glaser in Optimismus.

Die kalte Dusche zum warmherzigen Auftakt lieferte der Politikwissenschaftler Evgeny Morozov. Morozov, der den Verfall der sowjetischen Hegemonie in Weißrussland als Aktivist miterlebt hat, beschäftigt sich intensiv mit der Frage, wie Diktaturen das Netz nutzen können, indem sie aus dem Internet ein Spinternet machen, dass die offiziellen Verdrehungen (Spin) propagiert. Er wies auf die Tatsache hin, dass gerade moderne autoritäre Regierungen wie Singapur relativ unabhängige Medien erlauben, so lange diese nicht direkte Kritik am Regime üben. In diesen Ländern sei ein regierungsamtlich gesteuerter digitaler Aktivismus denkbar, den Morozov als "Crowdsourcing, Dictator's Cut" brandmarkte. Harsche Kritik übte der Wissenschaftler an Theorien, die von der Digitalisierung selbst schon Demokratisierung erwarten: "Das Verändern der Verhältnisse, die Durchführung einer Revolution ist NICHT mit dem Verbessern eines Eintrags auf Wikipedia vergleichbar. Wer von den kostengünstigen Informationsmitteln schwärmt, muss bedenken dass sie auch für Gegenrevolutionären kostengünstig sind." Für die meisten autoritären Staaten der Welt sei die Vernetzung und Digitalisierung eine Chance. Die Herrscherkasten können so simulieren, dass sie auf das Volk hören, während sie via Facebook das Volk belauschen.

Auf den nachdenklichen Vortrag folgte eine ur-amerikanische, sehr optimistische, aber auch sehr oberflächliche Datenschutz-Präsentation des bekannten Bloggers und Buchautors Jeff Jarvis. Dieser hatte anlässlich der Digital Life Design des Burda-Verlages in München erstmals eine gemischte Sauna betreten und diesen Kulturschock in einem Blogbeitrag verarbeitet, der ebenso ungeniert seinen Prostata-Krebs erwähnt. Aus diesem Erlebnis heraus entwickelte Jarvis einen Vortrag über das "Deutsche Paradoxon", Privatsphäre zu fordern, aber gleichzeitig eine öffentlich Debatte darüber zu führen wie lang Schwänze sein dürfen. Jarvis plädierte dafür, die vollkommene Datentransparenz als gesellschaftliche Norm zu definieren. So sei gewährleistet, dass kein Staat oder Geheimdienst Kontrolle über die Daten bekomme. Zum Abschluss seines Vortrages präsentierte Jarvis die erste deutsche Übersetzung seiner Bill of Rights in Cyberspace: "Alle Bits sind gleich geschaffen" – das brachte ihm donnernden Applaus ein. In der anschließenden Diskussion warnte Jarvis vor der typischen deutschen Miesmacherei und ermutigte die Anwesenden, mehr Optimismus zu wagen.

Quelle : www.heise.de
Titel: re:publica: Pirate-Bay-Gründer will Künstler und Netzaktive entlohnen
Beitrag von: SiLæncer am 14 April, 2010, 20:13
Peter Sunde, einer der Gründer der mittlerweile verlassenen Pirate Bay, hat den Micropayment-Dienst "Flattr" am Mittwoch auf der Internetkonferenz re:publica in Berlin vorgestellt. Nutzer sollen ab Juni eine Monatspauschale festlegen und diese an die Erzeuger von Online-Inhalten ihrer Wahl ausschütten können. Bisher gebe es keine gute Möglichkeit zu zeigen, dass man ein Musikstück, ein Video oder einen Text möge und dafür eine finanzielle Unterstützung zu zahlen bereit sei, erklärte der Schwede. Mit Flattr könne man etwa in einem Blog oder auf einer anderen Webseite einfach auf einen zugehörigen Button klicken. Am Ende des Monats werde dann das voreingestellte Budget an die entsprechend markierten Anbieter verteilt.

Der Name der Plattform setzt sich aus "Flatrate" und "to flatter" (schmeicheln) zusammen. Selbst wenn der individuelle Anteil klein ausfalle, könnten angesichts der erhofften großen Zahl an Nutzern des Diensts respektable Finanzströme herauskommen, meinte Sunde. Damit erübrige es sich letztlich, ein Preisschild an digitale Güter anzuheften, da die Gesamtheit der Nutzer über eine Entlohnung entscheide. Man müsse auch kein Betreiber etwa eines Blogs oder ein Künstler sein, um über den Dienst Geld zu machen. Vielmehr sei es etwa auch denkbar, einen für wichtig empfunden Kommentar in einem Forum zu "flattern".

Ein offener Betatest der Applikation soll Sunde zufolge in rund einem Monat starten, in zwei Monaten sei eine Öffnung für alle Interessierten geplant. Der frühere Pirate-Bay-Sprecher räumte ein, dass das System derzeit zentral aufgebaut sei und wie eine Bank funktioniere. Die Betreiber würden zur Finanzierung der Plattform auch eine kleine Gebühr erheben, die derzeit zehn Prozent der Monatspauschale betrage. Der minimale Einsatz liege bei zwei Euro. Mittelfristig wolle man aber einen dezentralen Ansatz und einen offenen Standard für den Bezahlservice unterstützen. Auch der Quellcode werde letztendlich vermutlich veröffentlicht, wenn das System erst einmal stehe. Man sei auch sehr um den Datenschutz besorgt, versicherte Sunde. Es würden klare Regeln aufgestellt, dass personenbezogene Nutzerdaten schnellstmöglich zu löschen seien. Man könne Geld etwa auch über ein PayPal-Konto einzahlen, um die Abgabe persönlicher Informationen gering zu halten.

Einen Widerspruch zwischen seinem einstigen Engagement bei der Filesharing-Plattform und dem neuen Entlohnsystem sieht Sunde nicht. Die Pirate Bay sei nicht gegen Kreative gerichtet gewesen. Er habe kein Problem damit, dass Künstler Geld verdienten. Nur das Einstreichen großer Gewinne durch die Labels sehe er kritisch. Insofern gehe es weiter um das Prinzip, Mittelmänner über das Internet auszuschalten und nun eben Geld mehr oder weniger direkt zwischen zwei Personen auszutauschen. Dass es bereits andere Startups gibt, die ähnliche Systeme auf die Beine gestellt haben, sei "gut für den Wettbewerb". Die Idee, deren Grundzüge sich bereits im wenig erfolgreichen "Street Performer Protocol" aus den Neunzigern wiederfinden, sei aber nicht geklaut. Flattr sei bereits sei drei Jahren in der Entwicklung.

Quelle : www.heise.de
Titel: re:publica: Mehr Datenschutz bei Green IT gefordert
Beitrag von: SiLæncer am 15 April, 2010, 10:22
Frank Rieger vom Chaos Computer Club (CCC) hat dafür plädiert, Datenschutzdebakel bei "grünen" IT-Systemen von vornherein im technischen Design zu verhindern. Intelligente Stromzähler etwa seien eine sinnvolle Sache, da sie Spitzenzeiten beim Energieverbrauch durch eine flexible Preisgestaltung abfedern könnten, befand der Hacker am gestrigen Mittwoch auf der Internetkonferenz re:publica in Berlin. Diese könnten derzeit aber auch in fortgeschritteneren Varianten die Nutzung jedes einzelnen Haushaltsgeräts aufzeichnen. Das sogenannte Smart Grid erkenne so, wann und wie oft jemand dusche, den Kühlschrank aufmache oder koche. Es sei aber fraglich, ob das Netzwerk all dies wissen müsse. Es reiche aus, wenn der Zähler selbst die sensiblen Nutzungsinformationen erhalte und einzelne Geräte steuere.

Für Rieger ist es so unerlässlich, dass die Verbraucher im Smart Grid selbst die Hoheit über die Daten erhalten und diese nicht an die Energiekonzerne wandern. Deren Pläne, große Händler mit personenbezogenen Informationen zu werden, müssten gestoppt werden. Es sei ein Mythos, wandte sich der Hacker gegen einen seiner Vorredner, den Medienexperten Jeff Jarvis, dass die Herausgabe persönlicher Daten nur Vorteile für die Konsumenten habe. Der einzige derzeit feststellbare Mehrwert eines solchen Verhaltens liege auf der Seite der Unternehmen, die Geschäfte mit den Informationen ihrer Kunden verstärken könnten. Die Ziele von Green IT könnten dagegen auch mit anonymisierten Daten erreicht werden, dafür müsse kein Personenbezug hergestellt werden.

Dies gilt laut Rieger auch für Pkw-Mautsysteme mit GPS-Aufzeichnungen aller Bewegungen eines Fahrzeugs, wie sie in den Niederlanden im Kampf gegen in Stoßzeiten nicht mehr passierbare Straßen installiert werden sollen. Auch hier müsse der Betreiber für die Abrechnung nicht wissen, wann jemand zum Supermarkt oder gar in ein Bordell fahre. Vielmehr reichten aggregierte Daten aus. Generell steigen die Erwartungen an den Datenschutz, je stärker der physikalische Raum und das Alltagsleben darin berührt wird, meint der CCC-Vertreter. Nutzer sozialer Netzwerke hätten kaum Hemmnisse, intimste Daten über sich preiszugeben, während auf Bewegungsdaten basierende Dienste für Mobiltelefone  dagegen oft Akzeptanzprobleme hätten. Wer in diesem Bereich trotzdem Informationen über sich abgeben wolle, sollte darauf achten, dass diese nur auf bestimmte Zwecke zugeschnitten und die Einwilligung widerrufbar ist.

Quelle : www.heise.de
Titel: re:publica: Regulierer und Politik sollen Netzneutralität stärken
Beitrag von: SiLæncer am 15 April, 2010, 15:47
Verbraucherschützer und Hacker haben die Politik und die Bundesnetzagentur aufgefordert, mehr für die Einhaltung des offenen Prinzips des Internet zu tun und ein "Zwei-Klassen-Netz" zu verhindern. Der Markt werde es nicht richten, wandte sich Constanze Kurz vom Chaos Computer Club (CCC) am heutigen Donnerstag auf der Konferenz re:publica  in Berlin gegen die Koalitionslinie. Vor allem auf dem Land sei der Wettbewerb gar nicht vorhanden, aber auch in den Städten könnten die Nutzer "nicht alle zwei Monate den Anbieter wechseln".

Auch Falk Lüke vom Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) sprach sich für klarere Regulierungsvorgaben aus. Überlasse man die Definition des Begriffs Internet dem Markt, erhalte der Kunde künftig womöglich nur noch einen IPTV-Zugang mit eingeschränkten Surfmöglichkeiten oder einen abgeschlossenen Dienst wie Compuserve in den Anfangszeiten des Netzes. Es reiche nicht aus, eine Mindestqualität für einen Internetanschluss festzulegen. Derzeit gingen viele Provider dazu über, Verfahren zum Netzwerkmanagement wie das sogenannte Traffic Shaping einzusetzen. Von einer eigentlich dreispurigen Datenautobahn blieben dann nur noch zwei Spuren übrig. Es sei für den Verbraucher nicht immer nachvollziehbar, wenn ein Anbieter spezielle Ports etwa zum Filesharing drossele.

"Der Kunde kriegt, was von der Shaperei übrig bleibt", monierte auch Kurz. Netzwerkmanagement sei schließlich "schlicht profitabel". Sie könne sich selbst auch entsprechende "sexy" Geschäftsmodelle aus Sicht der Anbieter ausdenken. Für die Kunden entstehe damit aber die Gefahr, dass die Verbindung beispielsweise beim Abruf der BBC-Seite "quälend langsam" werde, weil der Provider mit dem Medienunternehmen keinen Vertrag abgeschlossen habe. Mit der Netzneutralität seien so auch die Informations- und Meinungsfreiheit sowie andere demokratische Grundwerte eng verknüpft.

Cara Schwarz-Schilling von der Bundesnetzagentur hielt dagegen, dass der Rechtsrahmen "ganz gut funktioniert". Marktbeherrschenden Telekommunikationsfirmen könnten bereits umfangreiche Auflagen gemacht werden. Auch im Mobilfunk, wo der Wettbewerb groß sei, habe der Regulierer eine Blockade des VoIP-Anbieters Skype größtenteils aufheben können. Ein Problem mit der Netzneutralität entstehe eigentlich nur, "wenn Nutzer keine Auswahl haben". Breitbandanschlüsse und Glasfaser müssten allerdings erst zum Kunden gebracht werden, was "sehr viel Geld" koste. Hier müsse es Anreize für die Betreiber geben.

Große Erwartungen knüpft Schwarz-Schilling auch an die neuen Auflagen aus dem neuen EU-Regulierungsrahmen für den Telecom-Markt, den Deutschland im Bereich Netzneutralität wohl nahezu Eins zu Eins umsetzen werde. Provider müssten dann das "Kleingedruckte" aus den Verträgen künftig groß darstellen. Zudem könnten die Regulierer Vorschläge für die Ansetzung einer Mindestqualität von Breitbandnetzen machen. Künftig werde auf EU-Ebene wohl auch eine Debatte über die Ausweitung des von Anbietern zu gewährleistenden Universaldienstes vom reinen Telefonanschluss auf das Breitbandnetz geführt.

Die für die "digitale Agenda" zuständige EU-Kommissarin, Neelie Kroess, hatte Anfang der Woche angekündigt, wohl noch vor dem Sommer eine Konsultation zum Bereich Netzneutralität durchführen zu wollen. Generell sei das Internet nicht naturgemäß eine "neutrale Plattform". Es müssten daher angesichts der Forderungen zur Beteiligung von großen Inhalteanbietern wie YouTube an den Leitungskosten neue Entscheidungen getroffen werden, ob Provider zwischen einzelnen Inhalten unterscheiden und sie mit verschiedenen Maßgaben an den Endkunden bringen dürften.

Quelle : www.heise.de
Titel: re:publica: Fallstricke bei der Durchleuchtung des Netzverkehrs
Beitrag von: SiLæncer am 15 April, 2010, 19:47
Wissenschaftler und Sicherheitsexperten haben auf der Internetkonferenz re:publica in Berlin auf Gefahren des Einsatzes von Verfahren zur Überwachung des Netzverkehrs wie "Deep Packet Inspection" (DPI) hingewiesen. Es handle sich dabei um eine "Kontrolltechnologie", erklärte Ralf Bendrath, Datenschutzforscher bei den Grünen im EU-Parlament. Andreas Bogk vom Chaos Computer Club (CCC) führte aus, dass die umstrittene Technik an sich neutral sei und für verschiedene Zweck genutzt werden könne.

Mit DPI könnten Provider den gesamten Netzverkehr durchleuchten, einzelne Inhalte ausfiltern oder Anwendungen blockieren. Bogk erklärte, DPI sei aus Algorithmen von Viren-Scannern entwickelt worden. Erst nach und nach hätten Zugangsanbieter herausgefunden, dass man das Verfahren zum Betrachten des Servicetyps, des Zielports oder der eigentlichen Inhalte von Datenpaketen auch fürs Netzwerkmanagement und die Differenzierung einzelner Datenströme verwenden könne. Heute laufe die Technik in Zusatzgeräten für Router von Cisco, Netzwerkkarten oder spezieller Hardware etwa von Sandvine, mit der große Datenmengen in Echtzeit analysiert und unterschiedlich durch die Netze weitergeleitet werden könnten.

Für Bogk ist DPI nicht an sich "schlecht". Damit ergebe sich oft die einzige Chance, etwa bei einem Denial-of-Service-Angriff schädliche Datenpakete auszufiltern und das Netzwerk am Laufen zu halten. Nur auf diesem Weg könne ein Provider auch Dienste wie VoIP im Netz bevorzugt behandeln und für sie einen gewissen Qualitätsstandard aufrecht erhalten. Auch Bendrath sieht sinnvolle Anwendungen von DPI. Zugleich werde aber die Frage aufgeworfen, ob damit nicht gegen das Telekommunikationsgeheimnis verstoßen werde. Dies sei gerichtlich noch nicht geklärt. Nach Ansicht von Datenschutzbeauftragten könne eine Echtzeitanalyse des Netzverkehrs aber rechtmäßig sein, solange keine Erkenntnisse daraus gespeichert würden.

Ein weiteres Problem ergebe sich für Provider, die DPI verwenden, da sie theoretisch Kenntnis über die transportierten Inhalte erlangten. Damit könnten ihre bestehenden Haftungsprivilegien für die reine Durchleitung von Paketen erlöschen. So müssten sie etwa einschreiten, wenn sie Kinderpornographie oder andere illegale Inhalte entdeckten. Sollte die Technik zudem standardmäßig eingesetzt werden, könne sie leicht für Zensur missbraucht werden, fürchtet der Forscher. Insgesamt ergäben sich verschiedene Nutzungsszenarien, auf denen die Politik, Regulierer und Verbraucher auch unterschiedlich reagieren müssten. Grenzen für DPI ergäben sich einerseits aus Auflagen zum Datenschutz, andererseits aus Prinzipien zur Einhaltung der Netzneutralität.

Quelle : www.heise.de
Titel: re:publica: Netzneutralität als Schutzwall gegen Zensur
Beitrag von: SiLæncer am 15 April, 2010, 20:19
Der US-Rechtsprofessor Tim Wu hat das Prinzip des offenen Internet als fundamental für den Erhalt demokratischer Grundwerte in der Informationsgesellschaft bezeichnet. "Die Netzneutralität ist so wichtig für die Meinungsfreiheit wie der erste Verfassungszusatz der US-Verfassung", sagte der Jurist am heutigen Donnerstag auf der Konferenz re:publica in Berlin. Das Prinzip des offenen Netzes sei verknüpft mit fundamentalen Fragen wie der Selbstverwirklichung von Individuen. Erstmals könne der Nutzer auf dieser Basis selbst entscheiden, welchen Informationen er sich aussetzen wolle. Das Internet sei zusammen mit dem Computer und dem Mobiltelefon eines der entscheidenden Werkzeuge, "die uns zu dem machen, was wir sind".

Die Netzneutralität basiert laut Wu auf der "alten Idee, nicht zwischen Inhalten zu unterscheiden". Diese finde sich etwa auch im übertragenen Sinne im Verkehrswesen, wo es in vielen Ländern allgemeine Transportverpflichtungen gebe. So dürften Taxi-Unternehmen etwa keine Kunden aufgrund ihrer Rasse oder Herkunft abweisen. Auch die allgemeinen Teile des Rechts- oder Wirtschaftssystems müssten für alle in gleichem Maße funktionieren. Entsprechende Regeln seien enorm wichtig, da sonst die Versuchung zur Zensur durch Private oder den Staat "sehr groß wird". Ganz in diesem Sinne werde in den kommenden Jahren der Druck anwachsen, das Internet zu filtern und zu kontrollieren.

Zur Untermauerung seiner These verwies der Rechtsexperte auf die Geschichte. Diese zeige, dass es nach der Entwicklung neuer Medien immer eine kurze Periode des Idealismus und der uneingeschränkten Kreativität gegeben habe. So sei es etwa mit dem Radio am Anfang des vergangenen Jahrhunderts oder beim Kino in den 1920ern und 1930ern der Fall gewesen. Die "freiwillige" Filmzensur etwa sei mit einem Handbuch des katholischen US-Priesters Daniel Lord entstanden, das dieser 1929 erarbeitet habe. Darin habe Lord festgeschrieben, dass über die Lichtbilder moralische Standards nicht abgesenkt und keine Verbrechen oder Sünden gezeigt werden dürften. Auch das Schlafen von Liebhabern in getrennten Betten habe der Code empfohlen. Da es damals in Hollywood nur fünf mehr oder weniger miteinander vernetzte große Filmstudios gegeben habe, sei es einfach gewesen, diese Regeln über eine Aufsichtsinstitution durchzusetzen. Bis heute würden die damals aufgestellten Werte und Erwartungen etwa an ein Happy End teils offen, teils subtil von Hollywood fortgeführt.

Bezogen auf die Debatte über die Netzneutralität meinte Wu, dass Regeln und Gesetze zwar eine gewisse Bedeutung hätten, die darunterliegenden gesellschaftlichen Werte aber viel wichtiger seien. Die Provider würden vor allem auf öffentlichen Druck reagieren, wollten im Prinzip vor allem Geld verdienen. Wichtiger sei es daher, große Lobby-Organisationen und Werte setzende Vereinigungen wie Kirchen oder Denkfabriken im Blick zu halten. Konkret stellte der Jurist, der die Diskussion über die Netzneutralität 2002 mit gestartet hat, drei Regeln zur Bewahrung des offenen Internets auf. Diese decken sich weitgehend mit den Netzneutralitätsprinzipien der US-Regulierungsbehörde Federal Communications Commission (FCC). So dürften Zugangsanbieter Inhalte nicht blockieren und Datenpakete nicht "unfair" diskriminieren. Nutzer müssten zudem die Werkzeuge ihrer Wahl einsetzen dürfen.

Quelle : www.heise.de
Titel: re:publica: Politik erwärmt sich nur zögerlich für Open Government
Beitrag von: SiLæncer am 16 April, 2010, 18:32
Vertreter des Open Data Network haben Druck auf die öffentliche Verwaltung hierzulande ausgeübt, ihre nicht geheimhaltungsbedürftigen Daten verstärkt in maschinenlesbarer Form zur Verfügung zu stellen. "Es hat noch nicht Klick gemacht" in deutschen Amtsstuben und bei der politischen Führung, beklagte Lorenz Matzat von der Lobby-Vereinigung auf der Konferenz re:publica in Berlin am heutigen Freitag. Dort sei noch nicht ausreichend erkannt worden, dass Open Government "eine neue Stufe der Demokratie bedeuten würde". Es gehe dabei um die Erhöhung der Transparenz staatlichen Handelns sowie um bessere Möglichkeiten der Bürger zur Partizipation und Kollaboration.

Die Veröffentlichung von Informationen der Verwaltung gemäß dem "Open Data"-Prinzip erlaube eine einfache Verknüpfung mit anderen Daten über "Mashups", auf denen spezielle Anwendungen etwa im "semantischen Web" basieren könnten. Als bereits existierende Beispiele nannte Matzat den Bundestagger als Service zum Auslesen von Plenarprotokollen des Bundestags und zum Anfügen von Anmerkungen oder Initiativen zur automatischen Erstellung einer Übersicht von Nebeneinkünften von Abgeordneten. Derzeit liege auf dem Portal des Bundestags aber nicht einmal eine Liste aller Abgeordneten in einem Tabellenformat vor.

Politik und Verwaltung seien eigentlich Dienstleister, sähen den Bürger hierzulande aber weiterhin noch eher als Untertan, ärgerte sich der Open-Government-Verfechter weiter. In den USA etwa sei die Regierung selbst mit einer entsprechenden Initiative nach vorne geprescht. In Deutschland müsse man die Verwaltung dagegen mit Aktionen wie den fürs Wochenende geplanten "Hacks4Democracy" zu mehr Offenheit inspirieren, obwohl etwa "XML-Schnittstellen" nicht viel kosteten. Prinzipiell erwarte er, dass im Bundestag Leute sitzen, die vom Internet und E-Demokratie Ahnung hätten und dafür nicht erst eine entsprechende Enquete-Kommission gründen müssten.

"Die Verwaltungen müssen erst einen Sinn dafür bekommen, dass der öffentliche Raum im Netz zu erobern ist", ging Annette Mühlberg, E-Government-Expertin bei der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, mit Matzat konform. Es hapere an allen Ecken und Enden an Interoperabilität, es fehlten "offene Formate, offene Standards und offene Schnittstellen". Wenn die öffentliche Hand Software einkaufe, müsse sie auch übertragbar für andere und "natürlich Open Source" sein. Mühlberg vermisst auch ein Gesetz, "wonach Gemeinschaftsgüter unter offene Nutzungslizenzen zu stellen sind". Open Data könne helfen, auf solche Missstände hinzuweisen. Es gelte aber zu verhindern, damit die "Privatisierung der öffentlichen Hand" voranzutreiben. So dürfe im Backoffice nicht "alles outgesourced" werden an Konzerne wie Arvato oder IBM. Vielmehr brauche es dafür "junge, fitte Software-Freaks" in der Verwaltung selbst. Nötig sei auch ein Zugang zu Verträgen von Public Private Partnerships.

Uta Dauke aus der im Bundesinnenministerium angesiedelten Abteilung für Verwaltungsorganisation räumte ein, dass die Bundesregierung bei Open-Government "noch lange nicht soweit" sei, wie sie sein könnte: "Wir haben erkannt, dass wir transparenter werden müssen." Mit dem Informationsfreiheitsgesetz sei zwar bereits ein Umdenkprozess in Gang gekommen. Es gäbe aber noch "eine Reihe rechtlicher Restriktionen" beim Aktenzugang wie etwa den Daten- und Urheberschutz sowie das Wettbewerbsrecht, die andere Staaten nicht in dieser Form hätten. Ein "Kulturwandel" sei im Gange, aber die Verwaltung könne ihre Datenbestände "nicht von Montag auf Dienstag öffnen". Angesichts knapper Haushaltsressourcen müsse man sich auch immer fragen, "welche Veröffentlichungen Sinn machen".

Zur Neuausrichtung kündigte Dauke ein Regierungsprogramm zur "vernetzten und transparenten Verwaltung" an, das "hoffentlich" noch vor der Sommerpause vom Kabinett beschlossen werde. Mit dieser "Entscheidung von oben" könne dann genauer analysiert werden, "wo wir stehen und wo wir hin wollen". Die einschlägigen Initiativen aus den USA oder Großbritannien könne man wohl nicht Eins zu Eins übernehmen. Konkret sprach sich die Verwaltungsexpertin für die Schaffung einer zentralen Internet-Einstiegsseite für bestimmte Sachverhalte im Sinne eines "One-Stop-Government" aus, von der aus auch auf einschlägige Angebote der Länder und Kommunen verlinkt werden solle. Maika Jachmann aus der Bundestagsverwaltung versprach, zumindest Protokolle künftig auch wieder als Textdatei zur Verfügung zu stellen. Man wolle nichts geheim halten, aber man müsse bei allen Angeboten nach dem "Mehrwert" für die breite Masse fragen.

Quelle : www.heise.de
Titel: re:publica: Geplantes Leistungsschutzrecht macht Blogger ratlos
Beitrag von: SiLæncer am 16 April, 2010, 19:20
Auch nach Monaten der Fachdebatte  über ein neues Leistungsschutzrecht  tappt die Bloggerszene und Internetgemeinde bei dem im schwarz-gelben Koalitionsvertrag umrissenen Vorhaben im Dunkeln. Was bisher zu den Vorstellungen von Zeitungs- und Zeitschriftenverlegern nach einer Ausweitung des Schutzes von Presseerzeugnissen im Internet nach außen gedrungen sei, führe allein "zu wilden Spekulationen und unergiebigen Debatten", sagte Matthias Spielkamp vom Urheberrechtsportal iRights.info  am Freitag auf der Konferenz re:publica in Berlin. Befürchtungen von Bloggern, dass das Zitatrecht ausgehebelt und auch sie zur Kasse gebeten werden könnten, seien derzeit genauso wenig auszuräumen wie Gedankenspiele über eine neue PC-Pauschalabgabe  für die "kommerzielle Nutzung" digitaler Verlagsinhalte.

Ursache für das Stochern im Nebel ist laut Spielkamp, dass die Verleger derzeit selbst nicht sagen könnten, wie "ihr" Leistungsschutzrecht aussehen solle. Man höre dazu nur immer wieder von den Befürwortern der Initiative, deren Notwendigkeit bislang nicht ausreichend diskutiert worden sei, dass noch kein Gesetzesentwurf vorliege. Das Perfide an diesem Hinweis, ergänzte Kai Schächtele vom Verband Freischreiber, sei, dass die Verlage selbst aufgefordert worden seien, einen konkreten Gesetzestext zu formulieren. Ihm fehle zudem der Glaube daran, dass Einnahmen über das Leistungsschutzrecht "tatsächlich bei den Journalisten ankämen". Die Vereinigung freier Autoren hatte jüngst kritisiert, dass sich die Verlage gern als Hüter des Qualitätsjournalismus' aufspielten, aber nicht bereit seien, dies im Umgang mit den Freien umzusetzen und diese angemessen zu bezahlen.

Für die Hamburger Kulturwissenschaftlerin und Journalistin Meike Richter ist das Kernproblem, dass mit Journalismus zwar noch "viel Geld verdient" werde, dieses aber nicht immer bei den Verlagen oder den Autoren lande. Viel bleibe bei Suchfiltern und Nachrichten-Aggregatoren wie Google News hängen. Ihre Forderung nach einer Zwangsabgabe für den Suchmaschinenriesen wollte Richter aber nicht mehr aufrechterhalten. Wichtig sei ein "Maßnahmen-Mix", der auch die freiwillige Unterstützung journalistischer Projekte oder "Stipendien für Blogger" von Firmen einschließen könne.

Den eigentlichen Hintergrund der Verlegerforderungen sieht Robin Meyer-Lucht vom Weblog-Kollektiv Carta nach wie vor im Streit um die sogenannten "Snippets", Zusammenfassungen von Texten bei Links in Suchmaschinen und Aggregatoren. Möglichkeiten zur Verlinkung und zur fairen Nutzung kurzer Ausschnitte seien aber "fundamental wichtig für das Internet". Es sollte daher kein "branchenweiter Snippet-Tarif" eingeführt werden. Tatsache sei aber auch, dass für die Produktion von Inhalten im Netz deutlich weniger Geld aufgrund niedrigerer Werbeeinnahmen zur Verfügung stehe als in den klassischen Medien. Auswege aus diesem Dilemma könnten eine günstigere Produktionsweise oder der Versuch sein, Leser direkt zur Inhaltefinanzierung etwa über Micropayment-Systeme wie Flattr zu bewegen.

Quelle : www.heise.de
Titel: re:publica: Maschinenlesbarkeit statt Handarbeit
Beitrag von: ritschibie am 17 April, 2010, 10:38
Öffentliche Daten sind durchaus zugänglich - aber oft in einer Form, die eine weitere Auswertung kaum möglich macht. Die Open-Data-Bewegung will das ändern: Sie will erreichen, dass möglichst viele Daten in computerlesbaren Standardformaten zur Verfügung zu stehen.

(http://www.tagesschau.de/multimedia/bilder/opendata104_v-mittel16x9.jpg)
Ron McKinnon hat Daten der neuseeländischen
Regierung für jedermann aufgearbeitet.


An wen gehen eigentlich die vielen Milliarden Euro, die die EU jährlich an Landwirtschaftssubventionen verteilt? Auf der Website farmsubsidy.org kann es jeder nachschauen. Ob Staatsausgaben, Umweltmessungen oder Daten zum Gesundheitswesen, Parlamentsprotokolle und Terminkalender, die festhalten, wann welche Interessengruppen in Parlamentsausschüssen vorgesprochen haben: "Bei Open Data geht es darum, nicht-personenbezogene öffentliche Daten zugänglich zu machen" erklärt Rob McKinnon seinen Zuhörern auf der Web-Konferenz "re:publica" in Berlin. Weil ihm die Informationen auf der Website des neuseeländischen Parlaments für Nutzer zu schwer zugänglich schienen, startete er 2006 eine eigenen Website, die das besser machen sollte - gespeist aus den offiziellen Parlamentsdaten.

Angelsächsische Administrationen gehen voran


Während Open Data in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckt, sind die angelsächsischen Länder weit voraus. "Regierungsdaten sollten eine öffentliche Ressource sein", forderte so der Brite Tim Berners-Lee, Erfinder des World Wide Web. In den USA hat der internetaffine Präsident Barack Obama einen offeneren Umgang mit Behördendaten und mehr Transparenz versprochen. Gleich zu Beginn seiner Amtszeit ließ er zahlreiche Regierungsdaten auf einer eigenen Website namens data.gov zur Verfügung stellen. Die britische Regierung folgte dem US-Vorbild 2010 mit der Website data.gov.uk.

Standards sollen Auswertung erleichtern

Für die Anhänger des Open-Data-Prinzips heißt das: Behörden sollen ihre Daten nicht nur auf ihrer eigenen Homepage anbieten, wie es viele Institutionen mit einzelnen Daten bereits tun, sondern möglichst viele Daten in computerlesbaren Standardformaten zur Verfügung zu stellen. Das soll es nicht nur jedem Bürger ermöglichen, die Daten nach eigenen Kriterien auszuwerten - Programmierer sollen die Daten auch gleich beliebig miteinander verknüpfen und weiterverwerten können.

"Vielleicht suchen Sie eine Wohnung in Berlin. Sie wollen mit dem Nahverkehr zur Arbeit fahren, aber höchstens eine halbe Stunde, und ihr Kind hat eine Nickel-Allergie", beschreibt Stefan Gehrke vom Verein Open Data Network einen fiktiven Anwendungsfall. "Die Daten zu den Fahrplänen und zum Nickel-Gehalt im Trinkwasser sind alle vorhanden. Man muss sie nur auf einer Karte im Internet zusammenfließen lassen und schon können Sie sehen, in welcher Gegend Sie nach einer Wohnung gucken sollten."

Noch ist Handarbeit angesagt

Wenn die Daten nicht maschinenlesbar sind, wird es mühsam: So bietet das ZDF online eine preisgekrönte Anwendung an, die die Abstimmungsergebnisse bei Bundestagsentscheidungen visualisiert. Die Nutzer können nicht nur nachschauen, wie sich ihre Heimatabgeordneten bei namentlichen Abstimmungen entschieden haben, sondern auch einzelne Parameter abfragen: Wie haben Parlamentarier mit Kindern abgestimmt, wie die Volksvertreter aus einzelnen Bundesländern? Die nötigen Daten muss die ZDF-Redaktion allerdings nach jeder Abstimmung einzeln von Hand eingeben.

Deutschland hinkt hinterher

"In Deutschland gibt es leider noch keine Open-Data-Vorzeigeprojekte der Behörden", sagt Stefan Gehrke. Sein Verein hofft, dass das künftig anders wird. Im Anschluss an die "re:publica" hat das Open Data Network für dieses Wochenende in Berlin einen zweitägigen "Hack-Day" ausgerufen - eine Einladung an Programmierer, wie man gemeinsam neue Datenquellen erschließen und kreativ nutzen kann. "Wir wollen verborgene Schätze heben", sagt Gehrke und hofft, dass am Sonntag etwas Präsentables dabei herausgekommen ist.

Nur für Freaks...

Dass sich auch Vertreter der Bundestagsverwaltung, eines Brandenburger Ministeriums und der Münchener IT-Beauftragte angemeldet hätten, zeigte die Bereitschaft der Behörden, sich mit dem Thema Open Data auseinanderzusetzen.

(http://www.tagesschau.de/multimedia/bilder/opendata102_v-gross16x9.jpg)
Open-Data-Aktivist Stefan Gehrke und Bundestags-Onlinerin Maika
Jachmann sehen den Nutzwert von Rohdaten unterschiedlich.


Auf der "re:publica" äußerte sich Maika Jachmann, die den Onlineauftritt des Bundestags verantwortet, zwar grundsätzlich offen gegenüber dem Wunsch der Open-Data-Anhänger, möglichst viele Behörden-Informationen als Rohdateien zur Weiterverwendung bereit zu stellen. Allerdings blieb sie skeptisch, wie viel Aufwand die Bundestagsverwaltung dafür investieren solle: "Die Mehrzahl der Bürger hat mehr davon, wenn wir ein Protokoll in einer für Menschen lesbar gestalteten PDF-Datei anbieten, als wenn wir Rohdaten bereitstellen, die dann vielleicht eine 200 Seiten lange Textwüste sind."

... oder echter Nutzwert für alle?

Die Open-Data-Verfechter halten dagegen: Von der Bereitstellung von Rohdaten profitieren viele - nicht zuletzt die Behörden, weil sie dadurch auch einfacher Informationen untereinander austauschen können. Der Open-Data-Vorreiter McKinnon ist überzeugt, dass auch ein "Hack-Day" skeptische Amtsvertreter überzeugen kann: "Da können Sie sehen, dass man mit ein paar Programmieren auch einem Wochenende einen Prototyp erstellen kann und kein millionenschweres IT-Projekte mit monatelanger Vorbereitung braucht."

Quelle: www.tagesschau.de
Titel: re:publica: Die Karawane lacht, die Hunde bellen weiter
Beitrag von: SiLæncer am 19 April, 2010, 14:38
Mit einem Massen-Karaoke der Bohemian Rhapsody endete die re:publica 2010 Ende vergangener Woche etwas außerplanmäßig. Die bunte Karawane der Internet-Aktivisten zieht aufgemuntert weiter, auf zum Radiocamp, zum Bibcamp, :Gendercamp, zur Deep Search, SigINT  und vielen anderen speziellen Treffen.  Der verdienstvolle und offenbar profitable Versuch der Organisatoren, all diese verschiedenen Lager zusammenzuführen, dürfte 2011 eine Fortsetzung finden.

Bohemian Rhapsody also. Der Opernsong der Pop-Geschichte vom "easy come, easy go", vom "nothing really matters" musste herhalten, eine Konferenz im "Nowhere" zu beenden. Ein geplantes Skype-Interview mit Twitter-Gründer Biz Stone fiel aus, weil dieser genug mit seinem Chirpcamp zu tun hatte. Das kann man durchaus symbolisch sehen: Die Subkonferenzen der Business Partner wie IBM/Lotus hatten einen schweren Stand, weil die Crowd wegschwappte. Die typischen Vorträge mit Dollarzeichen auf den Pupillen gehören eher zu einer Konferenz wie der next 10, die von Hamburg ins szenetypischere Berlin wechselt.

Summa summarum war die vierte re:publica jedoch ein Erfolg. Rund 2500 Teilnehmer kamen rund um den Friedrichstadtpalast zusammen. Zeitweilig waren mehr als 5000 Notebooks und Mobiltelefon im drahtlosen Netzwerk angemeldet, das entsprechend lahmte. Das hemmungslose Multitasking ging glimpflich aus, verletzt wurde niemand. Nach Angaben der Süddeutschen Zeitung soll sich die re:publica auch ökonomisch gerechnet haben, was die Veranstalter selbst allerdings noch nicht bestätigen können. Inhaltlich wie politisch hat die re:publica als größte deutsche Konferenz der Blogger und Mikro-Blogger (Twitterer) ein Zeichen mit dem Schwerpunktthema der Netzneutralität gesetzt: Wer in Zukunft das Internet regulieren darf oder ob alle Bits im Netz gleich sind, ist eine brandaktuelle Frage, bei der ein "unpolitischer" Verweis auf den freien Markt die falsche Antwort ist.

Erstmals beschäftigte sich die re:publica mit dem Nachwuchs. re:learn nannte sich die Vortrags-Schiene mit Themen wie Bloggen im Unterricht und den Lehr-Erfahrungen mit einer Laptop- oder iPhone-Klasse. Wie wichtig das Thema ist, zeigen Untersuchungen zur "Net-Generation" (PDF-Datei), die das deutsche Jugendinstitut und der Pädagogik-Professor Rolf Schulmeister 2004 und 2008 durchgeführt haben. Sie belegen, dass Deutschland den Anschluss an internationale Unterrichtsstandards verpasst hat, die den Anforderungen des Computerzeitalters gerecht werden. Bei der kritischen Bestandsaufnahme entpuppte sich das Gerede von den "digital Natives" als Märchen, als kommerzielle Zwecklüge von Anbietern, die möglichst früh unkritische Datenjunkies auf ihren Webportalen einfangen wollen.

Den Gedanken, dass für die "digital Natives" ein anderer Unterricht notwendig ist, formulierte Mark Prensky (PDF-Datei), der Theoretiker des "digital Game Based Learning" im Jahre 2001. Das Gegenstück zu den Eingeborenen nannte er "digital Immigrants". Diesen Gegensatz nahm der Unternehmensberater und Organisationspsychologe Peter Kruse auf, der in seinem Vortrag auf der re:publica 2010 von "digital Residents" und "digital Visitors" sprach. Er schilderte den Dauerkonflikt zwischen Bewohnern, die überall im Netz leben und Besuchern, die das Netz nur als Werkzeug sehen. Für viele Besucher der Konferenz war dieser hastig abgelieferte Vortrag der Höhepunkt, ein "intellektueller Kick", der ihr Leben auf dem achten Kontinent namens Digitalien in das richtige Licht setzte.

Wie der Kontinent Digitalien jedoch vom Aufeinanderprallen zweier nahezu ungebremst aufeinanderstoßender Kohorten erschüttert wird, zeigten deutlich die Vorträge um Datenschutz und Post-Privacy. So löste vor allem der Szene-Star Jeff Jarvis mit seinem mittlerweile wie ein Mantra vorgebetetem angeblichen deutschen Paradoxon Sauna vs. Privatsphäre und der Forderung nach einem Recht auf Öffentlichkeit Begeisterung und Kopfschütteln aus. Begeisterung bei den Verfechtern der Post-Privacy, die Datenschutz als Ideologie kritisieren. Kopfschütteln bei den Protagonisten eines Datenschutzes, die Erosion des Privaten im sozialen Echtzeit-Internet nicht allein als Chance begreifen. Der von Jarvis aufgebaute Widerspruch zwischen Privatsphäre und Öffentlichkeit wird in dieser Auseinandersetzung zu einem ideologischen Popanz, auf den sich beide Fraktionen schützend oder attackierend werfen.

Aber nicht nur die etwa von Christian Stöcker diagnostizierte "Zersplitterung" in Digitalien, die man wohl eher als Fraktionierung entlang ideologischer Bruchstellen einer Szene bezeichnen muss, die zur Selbstreferentialiät neigt und doch die Deutungshoheit über die Netzpolitik für sich beansprucht, machten der Veranstaltung zu schaffen.. Wie viele andere Veranstaltungen wurde auch de re:publica von dem über Europa verhängten Flugverbot getroffen. Darunter litt besonders der journalistische Teil. So musste das Referat von Journalisten des Guardian ausfallen, der zusammen mit seinen Lesern ein bislang einzigartiges Experiment im Corwdsourcing von Daten gemacht hatte, um Durchblick in die finanziellen Transaktionen der britischen Parlamentarier zu bekommen.  So blieb der Vortrag von Wikileaks über Wikileaks, der "standing ovations" erhielt, gewissermaßen ohne sein empirisches Gegenstück. Die Plattform der Whistleblower konnte sich ganz im Lichte der aufsehenerregenden Veröffentlichung eines Hubschrauber-Videos aus dem Irakkrieg präsentieren.

Mit der nunmehr erreichten Größe der netzpolitischen Konferenz muss die nächste re:publica vor allem organisatorische Konsequenzen ziehen. Manche Vorträge, vor allem die zu Themen in der "Dritten Welt", ließen den riesigen Friedrichstadtpalast gähnend leer erscheinen, andere waren in den kleinen Räumen der benachbarten Kalkscheune hoffnungslos überlaufen. Eine Art Crowdrooming, ein flexibles Wahlverfahren mit all den aktivierten Smartphones muss her, damit die Veranstalter auf diese Art des Ganzkörper-DoS reagieren können.

Quelle : www.heise.de
Titel: re:publica - Die Digitale Gesellschaft kommt
Beitrag von: SiLæncer am 10 April, 2011, 15:17
Zum fünften Mal treffen sich am kommenden Mittwoch die Fleischavatare der Bewohner digitaler Welten in Berlin zur re:publica. Was als Blogger-Konferenz begann, ist mittlerweile ein Diskussionsforum für eine Vielzahl netzpolitischer Themen, die im Unterschied zu den gängigen Klagemauereien eher optimistisch ausgerichtet ist. Entsprechend wird beim kleinen Jubiläum zum Auftakt der Re:Publica die Digitale Gesellschaft gestartet, eine Kampagnenplattform zur Verteidigung digitaler Bürgerrechte.

Die Digitale Gesellschaft ist die Antwort der Netizen auf Organisationen wie den IT-Verband Bitkom oder den Eco als Verband der Internetwirtschaft Deutschlands. Ähnlich wie diese Lobbyorganisationen der Industrie soll der Verein "Digitale Gesellschaft" verschiedene Kampagnen unterstützen, die sich mit Themen wie Netzneutralität, Urheberrecht und Vorratsdatenspeicherung befassen und in die Politik hineinwirken.

Wie die aktuelle Debatte um die Wirksamkeit der Vorratsdatenspeicherung zeigt, besteht gerade in der Politik ein erheblicher Aufklärungsbedarf. Da Themen wie die Einrichtung von geheimen Filtersystemen ("Netzsperren") immer auch eine europäische oder internationel Dimension haben, ist eine Zusammenarbeit mit Organisationen wie Bits of Freedom, La Quadrature du Net oder der Electronic Frontier Foundation (EFF) angedacht.

Die über 20 Jahre alte EFF gilt als Vorbild der "Digitalen Gesellschaft". In den USA ist die EFF eine wichtige Stimme im Wahsingtoner Konzert der Lobbyorganisationen geworden, während ihr 2007 eröffnetes Büro in Brüssel ein Schattendasein führt. Damit der "Digitalen Gesellschaft" ein ähnliches Schicksal erspart bleibt, will der Verein eine kleine, aber schlagkräftige Kerntruppe bilden, die netzpolitische Themen auf vielfältige Weise unterstützt. In dieser Hinsicht ist der Verein die logische Fortsetzung des Blogs Netzpolitik, das zusammen mit Spreeblick die re:publica veranstaltet.

Quelle : www.heise.de
Titel: re:publica: Aktivisten fordern radikalen Netzumbau
Beitrag von: SiLæncer am 14 April, 2011, 09:28
Jürgen Neumann, Mitgründer der Vereinigung freifunk.net zum Aufbau selbstverwalteter Funknetze, hat auf der mit rund 3000 Besuchern gut gefüllten Bloggerkonferenz re:publica für eine umfassende Neuausrichtung der Netzarchitektur plädiert. Jeder interessierte Nutzer sollte selbst Teil der Internetinfrastruktur werden können, befand der IT-Berater. Die Grenze in Form von Gateways der klassischen Zugangsanbieter und Netzbebreiter, "die uns aus dem Internet ausgesperrt hat, muss stürzen", erklärte Neumann. Seine Vision ist es, dass sich jeder mit seinen Endgeräten nicht nur ans Netz anschließen, sondern mit eigener IP-Adresse Teil davon werden kann. Dafür sei es nötig, die klassische Client-Server-Struktur in eine symmetrische Architektur umzuwandeln.

So wie sich heute Surfer bereits einfach in herkömmliche WLAN einloggen können und sich Funknetze dank Mesh-Technik direkt miteinander verweben lassen, sollen sich die Nutzer Neumann zufolge etwa in einem Raum über ihre Rechner und Smartphones vernetzen und "gegenseitig Bandbreite freimachen". Die beim Zusammenschluss von Hotspots zum Tragen kommende Technik lässt sich seiner Ansicht nach "aufs Internet als Ganzes übertragen". Über der technischen Netzarchitektur liege schließlich eine ideologische, die man verändern könne. Es sei legitim, die Frage aufzuwerfen, "wie das Internet eigentlich sein könnte". Für den Netzaktivisten gehört die Zukunft jedenfalls einer Struktur, in der jeder Content- und Infrastrukturanbieter zugleich sei.

"Wir sind das Netz", gab auch Sebastian Sooth von der Vereinigung atoms&bits als Parole aus. Gebraucht werde eine Diskussion, wer die Internetinfrastruktur tatsächlich in Besitz halte. Für Sooth ist die Antwort bereits klar: "Das Netz gehört uns, es ist von unseren Geldern ausgebaut worden." Es sei ein politischer Fehler gewesen, den Betreibern überhaupt ein Eigentum an den Basisarchitekturen der digitalen Gesellschaft zuzugestehen. Gleichzeitig bemängelte Sooth das Niveau, mit dem hierzulande über den Breitbandausbau gestritten werde. Die Bundesregierung hechele noch ihrem Ziel hinterher, allen Haushalten einen Zugang mit 1 Mbit/s zu verschaffen; eine Partei wolle 2 Mbit/s, die nächste 16 Mbit/s als Grundausrüstung. In anderen Ländern gehe es derweil längst um 100 Mbit/s.

Stephan Crummenauer, Geschäftsführer der Schwäbisch Gmünder Stadtwerketochter GmündCOM, träufelte Wasser in den Wein der Netzaktivisten. Viele Nutzer erwarten sich von einem Internetanschluss seiner Erfahrung nach auch eine gewisse Qualität, gab das Gründungsmitglied der Breitbandinitiative Baden-Württemberg zu bedenken. Um TV- oder Videoabruf-Dienste zu ermöglichen, bedürfe es eines gemanagten, organisierten Netzes. Die Dienstequalität müsse stimmen, erläuterte Crummenauer. Zudem sei Geld für die Finanzierung des Breitbandausbaus nötig, das irgendwo herkommen müsse. So würden für die gesamte Umrüstung auf Glasfaser hierzulande 48 Milliarden Euro, allein für Baden-Württemberg fünf Milliarden veranschlagt. Es gebe zwar Geld aus Infrastrukturprogrammen und geförderte Kredite, da der Ausbau Teil der Grundversorgung sei. Nicht alle erforderlichen Mittel kämen aber vom Staat.

Quelle : www.heise.de
Titel: re:publica: Freiheit für öffentliche Daten nur auf Raten
Beitrag von: SiLæncer am 14 April, 2011, 11:05
Agrarsubventionen und Feinstaubwerte, Listen mit Ekelrestaurants oder öffentliche Bauaufträge: Diese Informationen können helfen, der Politik auf die Finger zu schauen, oder Entscheidungen beeinflussen, wo man lieber nicht isst oder hinzieht. Doch Behörden und Ministerien wollen ihr Wissen über diese Fakten oft nicht teilen. Eine Bewegung hat sich zum Ziel gesetzt, die Daten aus der staatlichen Dunkelkammer zu befreien. Auf der Konferenz re:publica in Berlin diskutierten Befürworter des Open-Data-Prinzips und Behördenvertreter, welche Hürden es gibt.

In der Theorie spricht viel für die Datenoffenheit. Die Bürger dürfen auf mehr Transparenz und weniger Kungelei in der Politik hoffen, Unternehmen können neue Geschäftsmodelle entwickeln. Auch die Verwaltung profitiert von gut aufbereiten und öffentlich zugänglichen Daten. Bezahlt sind sie ja ohnehin schon – aus den Steuern.

In Deutschland soll das Informationsfreiheitsgesetz (IFG), das Anfang 2006 in Kraft trat, den Bürgern den Zugang zu den amtlichen Informationen ermöglichen. Aber dennoch hat die Datenoffenheit bislang keinen hohen Stellenwert in Behörden und Ministerien. Das fängt schon beim Geld an. "Der große Anspruch, vor dem wir stehen: Es darf nichts kosten", sagte Uta Dauke, die als Referatsleiterin im Bundesinnenministerium (BMI) die Verwaltungsmodernisierung überwacht. Die Kosten müssten größtenteils aus dem laufenden Etat bestritten werden. Zudem wüssten viele Mitarbeiter gar nicht, was sich hinter dem Schlagwort verberge. Open Data ist bislang ein Projekt weniger Begeisterter.

Dennoch verweist Dauke auf einige Anfangserfolge: So hat die Bundesregierung beschlossen, bis 2013 eine Online-Plattform an den Start zu bringen, die auf Open-Data-Angebote in Bund, Ländern und Gemeinden verlinkt. Längst nicht alle Behörden sind dabei – aber ein Anfang ist gemacht. Vorbild sind die USA und Großbritannien: Beide Länder haben Online-Plattformen für öffentliche Daten. Die US-Site data.gov könnte allerdings bald dem Rotstift zum Opfer fallen. Die Obama-Regierung muss massiv sparen.

Angesichts der schleppenden Umsetzung des Open-Data-Gedankens rufen Aktivisten nach verbindlichen Regelungen. Ein "Recht auf maschinenlesbare Daten" müsse in das IFG aufgenommen werden, sagte Daniel Dietrich, der das Open Data Network mitgegründet hat. "Die Umsetzung von Open Data darf nicht nur eine Sache der Verwaltung sein", forderte er.

Selbst wenn die grundsätzliche Bereitschaft besteht, Daten herauszugeben, bleiben oft einige Fragen offen – etwa welches Format die Dateien haben sollen. Heide Vathauer, bei der Stadt Bremen für Informationsmanagement und -prozesse zuständig, forderte technische und organisatorische Standards – hier könne der Bund Ländern wie dem kleinen Bremen helfen. Die Open-Data-Bewegung setzt auf maschinenlesbare Formate, die eine systematische Auswertung großer Informationsmengen erlauben. Ein Beispiel, wie es nicht sein sollte, liefert der Bundestag: Er veröffentlicht die Drucksachen zu Parteispenden als PDF-Datei und nicht in einem strukturierten Format.

Quelle : www.heise.de
Titel: re:publica: Openleaks als digitale Babyklappe
Beitrag von: SiLæncer am 14 April, 2011, 16:24
Vor einem Jahr stellte er noch als "Daniel Schmidt" die Vorzüge von Wikileaks auf der Bloggerkonferenz re:publica vor. Nun trat Daniel Domscheit-Berg an, sein nächstes Projekt Openleaks vorzustellen. Als digitale Dropbox oder digitale Babyklappe soll Openleaks mit 6 Partnern noch in diesem Jahr in einer Alpha-Phase starten.

Domscheit-Berg nutzte seinen Kurzauftrritt dafür, Openleaks von Wikileaks abzusetzen, ohne Julian Assange und seine Parteigänger zu erwähnen. Aber seine Ausführungen über Ruhm und Hype von anderen Projekten waren deutlich genug. Openleaks, das soll vor allem eine robuste Toolbox zum sicheren Abwerfen von Dokumenten und eine lebendige Community sein, die Wissen teilt und die Arbeit mit den Openleaks-Partnern zusammen erledigt: "Leaks müssen in einen Kontext gestellt werden, der produziert werden muss." Nach Möglichkeit soll Openleaks bis zu 100 Partner haben, wobei Medien und Nichtregierungsorganisationen (NGO) je zur Hälfte vertreten sein sollen. Domscheit-Berg betonte die Rolle einer guten Organisation des Projekts und die Notwendigkeit einer soliden Finanzierung. Zum Start der Alpha-Phase hat Openleaks nach seinen Angaben 600 Euro via Flattr sammeln können.

In der von Jakob Augstein moderierten Diskussion über Whistleblowing und Journalismus hatte das Whistleblowing einen schweren Stand. Horst Pöttker, Journalismus-Professor an der Universität Dortmund, betonte mehrfach, dass der Journalismus Ausgang wie Ende aller echten Recherche sei. Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar zeigte sich besorgt darüber, dass Leaks-Plattformen dazu benutzt werden könnten, manipulierte Informationen in die Welt zu setzen. Die Frage des fehlenden Informantenschutzes in Deutschland wurde zum Schluss nur kurz angerissen.

Quelle : www.heise.de
Titel: re:publica: Braucht die digitale Gesellschaft die "Digitale Gesellschaft"?
Beitrag von: SiLæncer am 15 April, 2011, 08:52
Wie berichtet ist mit dem Start der Bloggerkonferenz re:publica der Verein "Digitale Gesellschaft" an die Öffentlichkeit getreten. In einem überfüllten Raum erläuterte Markus Beckedahl, Mitveranstalter der re:publica und Mitgründer des Vereins, die Motive zur Einrichtung dieser Lobby- und Kampagnenplattform. Die Kritik an seinen Plänen war sehr zurückhaltend. Bemängelt wurde vor allem das intransparente Vorgehen ohne vorherige Diskussion im Kommunikationsnetz der digitalen Gesellschaft.

Das Wordle mit der Twitter-Auswertung, das eine PR-Agentur an jedem Tag der re:publica in die Redaktionen der Republik schickt, ist eindeutig: re:publica ist nach Berlin das größte Wort, gefolgt von Internet-Gesellschaft, Friedrichstadtpalast und Spaß. Als Name sticht Beckedahl hervor, das bekannteste Gesicht der deutschen Netzpolitik. Markus Beckedahl hat mit 20 Berliner Mitstreitern den Verein "Digitale Gesellschaft" gegründet und für heise online die Gründe aufgefächert, warum ein solcher Verein gebraucht wird. In einem kurzen halbstündigen Vortrag erläuterte Beckedahl die Hintergründe und Motive, die zur Gründung des bald als gemeinützig anerkannten Vereins "Digitale Gesellschaft" führten. So erfuhren die Zuhörer erstaunt, dass zu den Berliner Gründungsmitgliedern auch Akademiker gehören, die indes nicht öffentlich zum Verein stehen können, weil sie Repressalien befürchten. Die meistgehörten Worte waren "effektiv" und "effizient".

Die "Digitale Gesellschaft" will eine Kampagnenplattform sein, die Adhoc-Kampagnen umsetzen kann, die nicht nur für Nerds gedacht sind. "Wir wollen eine andere Herangehensweise, auch so, dass wir unsere Eltern erreichen können. Jeder ist heute von der Netzpolitik betroffen, auch die, die noch nicht im Internet sind", erklärte Beckedahl. Es komme vor allem darauf an, effektiver zu werden und Aktionen nicht dem Zufall zu überlassen, wenn ein Nerd eine Website bastele, ein anderer eine Mailingliste aufsetze und beide zusammen ohnehin in einem Coder-Projekt verschwinden. "Wir brauchen keine großen Strukturdebatten zu führen, wir wollen erst einmal eine Grundstruktur haben. In 10 Jahren kann es zu spät sein", erklärte Beckedahl weiter. "Wenn man keine Basisstruktur hat, dann hat man ein heilloses Chaos."

Was die "Digitale Gesellschaft" leisten könnte, versuchte Beckedahl anhand der ersten Kampagne des jungen Vereins zu zeigen. #Warum? fordert dazu auf, einfache Fragen zu stellen, hinter denen komplexe netzpolitische Probleme stehen. Ausgerechnet Beckedahl selbst tritt bei dieser Fragerunde mit einer denkbar problematischen Frage an: "Warum gibt es nicht 1% der Rundfunkgebühren fürs Netz?" Hier wird die historisch obsolete GEZ, von der sich die Politik mit pauschalen "Haushaltsabgaben" verabschiedet, für ein Kommunikationsnetz in Anspruch genommen, das sich nach der Kommerzialisierung eines vormals geschützten Wissenschaftsbetriebes von kostspieligen Zugangsregelungen bis zur Flatrate entwickelte. Ob die "Haushaltsabgabe" nicht selbt problematisch ist angesichts der privatwirtschaftlichen Preisfindung der Internet-Anbieter, wird ausgespart.

Bislang bekannt gewordene Kritik an der "Digitalen Gesellschaft" bezieht sich darauf, dass der Zusammenschluss mit anderen Initiativen nicht gesucht wurde. Die bislang schönste Bestätigung des Ansatzes lieferte die re:publica selbst. Beim Vortrag "Wake the Blog" über möglicherweise diffamierende Begriffe wie Datenkrake, dem Demo-Maskottchen des FoeBuD, fragten sich die Referentinnen Sanja Stankovic und Carolin Neumann, welcher Zusammenschluss gegen derartig missliebige Formulierungen vorgehen könnte. Sie kamen zum Schluss, dass die "Digitale Gesellschaft" als Verband erfolgsversprechend sein könne, wenn es in Zukunft darum gehen werde, neue Begriffe zu setzen. "Warum wird diskriminierend vom 'Internet-Aktivisten' geredet, wenn es nur um Menschen geht, die im Netz leben?" könnte die entsprechende Frage bei #Warum? lauten.

Quelle : www.heise.de
Titel: re:publica: Dezentralisierung vs. Zentralisierung im Internet
Beitrag von: SiLæncer am 15 April, 2011, 10:09
Am zweiten Tag der Bloggerkonferenz re:publica widmeten sich gleich mehrere Experten der Frage, ob zentrale Infrastrukturen ein wünschenswerter Zustand sind. Der irisch-isländische Aktivist Smari McCarthy, der einen Vortrag über die "Industrialisierung des Internets" hielt, zeichnete Vergleichslinien des Industrialisierungsprozesses zu den Entwicklungen im Internet. So wie die Industrialisierung durch Effizienzsteigerungen zu einer Zentralisierung und Verstädterung geführt habe, so seien ähnliche Zentralisierungseffekte im Netz zu beobachten.

Inzwischen seien unsere Aktivitäten jedoch globalisiert, "jedermann zielt auf jeden ab", so wie zum Beispiel Unternehmen. Die Umwälzungen der Digitalisierung seien mit denen der Industrialisierung vergleichbar. Und eine besondere Gefahr sei die für den Einzelnen nicht kontrollierbare Zentralisierung: "Cloud Computing ist nicht zwangsläufig böse, aber wie wird es genutzt und wer übt dort Kontrolle aus?" Wer zum Beispiel Facebook kontrolliere, habe die Kontrolle über Teile des realen Lebens von sieben Prozent der Weltbevölkerung. McCarthy stellte fest, dass die Zentralisierungstendenzen potenziell bedrohlich sind – zum Beispiel müssten Regime nur noch einen einzelnen Punkt angreifen. Insgesamt sei fraglich, ob man mit den heutigen Nationalstaaten überhaupt ein freies und offenes Internet möglich sei. "Auch mit der Industrialisierung sind neue Regierungsformen entstanden", betonte McCarthy.

Sehr viel weniger politisch als pragmatisch widmete sich Maxwell Salzberg von Diaspora dem Thema. Das dezentral organisierte soziale Netzwerk, das mit einiger Spannung im vergangenen Jahr startete, werde in den nächsten Monaten große Schritte nach vorn machen, kündigte er an. Besucher seines Vortrages äußerte sich nach dem Vortrag skeptisch: Diaspora komme einfach nicht voran. Diaspora war ursprünglich mit viel Spannung erwartet worden. Doch Maxwell Salzberg und seine Kollegen konnten bis heute keine mit weitergehenden Funktionen ausgestattete Version fertigstellen. Auf die Frage, wie Diaspora denn überhaupt noch erfolgreich werden könne, antwortete Salzberg, dass man versuchen werde, vor allem für kleinere Communities die technische Basis von Diaspora interessant zu machen.

Quelle : www.heise.de
Titel: Erster Entwurf der re:publica 2012 steht
Beitrag von: SiLæncer am 22 März, 2012, 16:31
Die Konferenz re:publica soll in ihrem sechsten Jahr noch größer und vielseitiger werden. Der erste Entwurf für das Programm 2012 verspricht Einblicke etwa in die "Amerikanisierung" der Szene, den "digitalen Dorfplatz" oder das "Urheberrecht 2037". Mit Vorträgen zur Zukunft der Genetik, zu Foodblogs, Open Learning, Innovation und Design, 3D-Drucken, offenen Daten oder die mobile Vernetzung sollen die Kulturen des Internets und der digitalen Welt beleuchtet werden. "Vor allem wollen wir uns Gedanken über unsere Zukunft machen und setzen uns mit Visionen für eine bessere Welt im digitalen Zeitalter auseinander", heißt es in der Ankündigung der Konferenz.

Neben der Frage, ob Facebook und Twitter "arm, aber gesund" machen, werden auch wieder ernstere Themen wie Überwachung, Datenschutz, Netzneutralität sowie Infrastruktur und Kontrolle aufgegriffen. In der Schiene "re:volt" etwa geht es um eine kritische Nachbearbeitung der Rolle sozialer Netzwerke im Arabischen Frühling, die Occupy-Bewegung, die "dunkle Seite" von Online-Aktivismus und Bedrohungen für die Meinungsfreiheit. Rick Falkvinge, einer der Gründer der ersten Piratenpartei in Schweden, steht zudem mit dem Verweis auf die Ankündigung eines "Activizr" im Programm dieser Sparte.

Die Macher selbst in Form der neu gegründeten "re:publica GmbH" versprechen, dass auch in diesem Jahr wieder deutsche und internationale Experten die ganze Vielfalt der weltweiten Blogosphäre – von China über Russland bis nach Kenia – beleuchten sollen. Diskutiert werde über die Möglichkeiten politischer Kommunikation im Netz und Veränderungen der Medienlandschaften. Erstmals würden neben bekannten Aktivisten auch Chefs deutscher Medienkonzerne auf den Podien stehen. Der Heise Zeitschriften Verlag schickt seinen Justiziar Jörg Heidrich ins Rennen, der unter dem Titel "Mit Marken gegen Meinungen" über Versuche von Unternehmen sprechen wird, unliebsame Berichterstattung im Netz zu unterbinden.

Über die Bühne gehen wird die Tagung vom 2. bis zum 4. Mai an einem neuen Ort, dem Eventzentrum "Station-Berlin" am Kreuzberger Gleisdreieck. Die Organisatoren rechnen mit rund 4000 Teilnehmern, sodass ihnen der bisherige Veranstaltungsort rund um die Kalkscheune in Mitte zu klein wurde. 2011 war dort mit rund 3000 Besuchern tatsächlich bereits vielfach die Kapazitätsgrenze überschritten worden. Trotz des Umzugs wollen die Veranstalter sich bemühen, "eine offene und familiäre Atmosphäre zu bewahren". Es gibt noch Eintrittskarten für 130 Euro sowie VIP-Geschäftskunden-Tickets für 500 Euro.

Quelle : www.heise.de
Titel: re:publica: Buchautoren ohne Verlage?
Beitrag von: SiLæncer am 02 Mai, 2012, 22:00
Brauchen Buchautoren noch einen Verlag? Spätestens seit dem Millionen-Erfolg von Fantasy-Autorin Amanda Hocking ist "Self Publishing" in aller Munde. Doch obwohl es technisch so einfach ist wie noch nie, Bücher zu veröffentlichen, zogen Autoren auf der Konferenz re:publica in Berlin eine sehr gemischte Bilanz.

Das Buch ist zwar noch nicht tot, aber der finanzielle Anreiz für Buchautoren ist eher gering. "Die Bäume wachsen nicht in den Himmel", schildert Verlagsberater Leander Wattig die Situation in der Branche. Selbst bekannte Autoren könnten oft nur 20.000 bis 25.000 Euro verdienen. Die Verteilung sei zudem sehr ungleich: "Die zehn Topverdiener in Deutschland bekommen 41 Prozent der Gesamteinnahmen", sagt Wattig.

Wer nicht auf Top-Einnahmen spekuliere, könne sich mit einer relativ überschaubaren Nische seinen Lebensunterhalt verdienen: "Man kann über die Runden kommen, wenn man tausend echte Fans hat", erklärt Wattig. Dass es in dieser Situation naheliegt, Mittelsmänner auszuschließen und Bücher auf Plattformen wie Amazons Kindle Store selbst zu vermarkten, liegt nahe.

Doch der Weg dahin ist nicht einfach, wie Wolfgang Tischer, Gründer der Autorenplattform literaturcafe.de erklärte: "Wenn man plötzlich seine eigenen Bücher verkauft, fangen die Fragen an, die man mit seinem Steuerberater besprechen sollte." Zudem müssen die Selbstverleger viele Regularien einhalten. Due Buchpreisbindung hindert sie zum Beispiel daran, einen Titel auf verschiedenen Plattformen auch zu unterschiedlichen Preisen anzubieten.

Bei Amazon bleiben dem Autor 70 Prozent des Verkaufspreises. Dafür übernimmt die Plattform viele sonst von klassischen Verlagen erledigte Aufgaben nicht. So müssen die Autoren ihr Werk selbst mit einer Amazon-Software erstellen und selbst für ein Lektorat sorgen. Doch dieser Weg ist nicht für jeden geeignet: "Viele gehen da auch ziemlich naiv heran", betonte Tischler.

Verleger Sebastian Posth dämpfte die Erwartungen an den E-Book-Markt: "Ein Autor, der 2500 Exemplare über Apple und Amazon verkauft, würde sehr viel mehr Exemplare absetzen, wenn er auch gedruckte Bücher vertreibt." Da diese im Handel meist mehr als 10 Euro kosteten, sei der Verdienst trotz geringer Provisionen von 10 bis 15 Prozent immer noch vergleichsweise hoch. Selbst Autoren, die im Selbstverlag große Erfolge erzielt hätten, würden sich anschließend an klasssiche Verlage wenden, um ihren Erfolg auszubauen.

"Verlage zahlen Vorschüsse, sie kümmern sich über Lizenzen, Übersetzungen und das Marketing", betonte Posth. Doch auch mit Verlagen im Rücken können die Autoren sich nicht nur auf das Schreiben beschränken. Gerade von noch nicht erfolgreichen Autoren erwarten Verlage,starken Einsatz zur Vermarktung des Buches – sei es über Lesungen, Messeauftritte oder die Pflege der eigenen Homepage.

Was das Leben für Neuautoren ohne Verlag aussieht, demonstrierte Nicole Sowade – sie trat auf der Bühne im Kostüm der Hauptfigur ihres Erstlingsromans "Miss Januar" auf – samt Schärpe und Krone. Hatten zunächst die klassischen Verlage ihr Werk abgelehnt, stieß sie auch bei der Vermarktung ihres Buchs auf ähnliche Ablehnung. "Die klassischen PR-Prozesse klappen bei E-Books noch nicht", sagte Sowade. So lehnten Literaturmagazine Besprechungen des Romans ab, der nicht auf Papier erschienen ist.

Eine andere Erfahrung hat Johnny Haeusler gemacht, der die re:publica mit ins Leben gerufen hat und im vergangenen Jahr ein Buch mit Geschichten aus seinem Blog Spreeblick veröffentlicht hatte. Der medienerfahrene Unternehmer, Autor und Musiker konnte sich nicht über mangelndes Interesse beklagen – viele Medien berichteten über sein erstes Experiment im Selbstverlag. "Aber die Inhalte des Buchs kamen in keinem Interview zur Sprache", sagte Haeusler. Trotz der insgesamt guten Erfahrungen will er sein nächstes Buch nun in einem klassischen verlag veröffentlichen.

Quelle : www.heise.de
Titel: re:publica: Beifall für Anonymous
Beitrag von: SiLæncer am 03 Mai, 2012, 12:43
Als Großauftritt der Netizen dieser Republik erübrigte es sich für die re:publica, die Funktionsweise von Anonymous im Detail zu erklären. Moderator Ole Reißmann verwies auf sein Buch, Carolin Wiedemann auf ihren Artikel. Als Verteidiger oder Vertreter von Anonymous trat Jacob Appelbaum auf. Er gab – als Programmierer kryptografischer Systeme – unumwunden zu, dass die DDoS-Angriffe von Anonymous nicht zu den Superleistungen von Hackern gehörten, verteidigte sie aber, da immerhin die richtigen Firmen unter ihnen litten.

Als sanfter Kritiker wies Frank Rieger vom Chaos Computer Club darauf hin, dass Anonymous nach außen hin nicht so stark sei, wie selbst dargestellt. Der größte Reiz der "Gruppe" läge im schnellen Mitmachangebot, der größte Fehler sei die Unterwanderung durch das US-amerikanische FBI gewesen. Damit bezog sich Rieger auf den Fall der Lulzsec-Gruppe, deren Kopf "Sabu" Mitte 2011 begonnen hatte, mit dem FBI zusammenzuarbeiten.

Die Journalistin Carolin Wiedemann ordnete Anonymous und die Occupy-Bewegung einer gemeinschaftlichen Ausdrucksform des gesellschaftlichen Protestes zu, während Jacob Appelbaum erklärte, dass Anonymous eine Gruppe sei, die keine Mitglieder habe. Diskutiert wurde schließlich noch die Rolle der Medien, die Anonymous nach der Operation Payback erst gelobt, mit den ersten Verhaftungen der Beteiligten aber auch kriminalisiert hätten.

Quelle : www.heise.de
Titel: re:publica: Creative Commons mit Nebenwirkungen
Beitrag von: SiLæncer am 03 Mai, 2012, 19:40
Die Wikimedia Foundation hat zusammen mit dem Fachportal irights.info und Creative Commons Deutschland eine Broschüre herausgegeben, die über "Folgen, Risiken und Nebenwirkungen" der beliebten Creative-Commons-Klausel "NC" aufklären soll. Die meisten Nutzer versehen ihre Creative-Commons-Lizenz (CC) mit der Bedingung "Non Commercial" und verbieten damit eine kommerzielle Nutzung des Werks. Dabei kann das eventuell unerwünschte Nebenwirkungen haben.

"Die Creative-Commons-Lizenzen sind dazu gedacht, das was im Internet technisch möglich ist, auch rechtlich machbar zu machen", erklärte Jan Engelmann von Wikimedia Deutschland auf der re:publica in Berlin. So sollen durch die standardisierten "Jedermann-Lizenzen" unnötige Unklarheiten und Nachfragen beim Weiterverarbeiten kreativer Werke vermieden werden. Doch mit der NC-Klausel würden Urheber die Verbreitung ihrer Werke unnötig erschweren. So dürfen zum Beispiel nur Werke in die Wikipedia hochgeladen werden, wenn der kommerzielle Gebrauch ausdrücklich erlaubt ist.

Dabei ist die Motivation der Nutzer einfach nachvollziehbar: "Man will sich nicht gemein machen mit bestimmten Geschäftspraktiken", erläutert Paul Kimpel von irights.info, der die Broschüre verfasst hat. "Das ist eine intuitive Wahl, bei der die Nutzer oft die Folgen nicht berücksichtigten." Die Wahl der Lizenz verhindere vermeintlichen Missbrauch kaum: "Wenn man nicht bereit ist, gegen nicht lizenzkonforme Nutzung der Werke vorzugehen, schreckt die NC-Klausel lediglich die rechtstreuen Nutzer ab." Auch sei vielen Nutzern nicht klar, dass zum Beispiel das Abdrucken von Fotos in Zeitungen durch die Lizenz verwehrt wird. Auch die Arbeit im Bildungsbereich erfolge oft im kommerziellen Rahmen.

"Der Gebrauch der NC-Klausel ist sehr beliebt, aber gleichzeitig auch sehr einschränkend", sagt John Weitzmann von Creative Commons Deutschland. Zwar gebe es weniger Graubereiche als vielfach vermutet – so sei ein privates Weblog auf einer kommerziellen Plattform, die sich durch Werbeeinblendungen finanziert, noch nicht als kommerziell anzusehen. Doch bringe die Einschränkung Kollateralschäden mit sich. So zeigten sich Nachnutzer häufig als übervorsichtig und verzichteten auf den Gebrauch von nicht-kommerziell lizenzierter Werke ganz, um etwaige Rechtverletzungen zu vermeiden. Auch innerhalb der Creative-Commons-Community, die gerade an einer Neufassung der Lizenz arbeitet, ist die NC-Klausel unbeliebt.

Viel wirkungsvoller sei der Gebrauch der "Sharealike"-Klausel, die Nachnutzer verpflichtet, ihre Überarbeitungen wieder unter einer freien Lizenz zu veröffentlichen. Firmen wie Werbeagenturen scheuten häufig diesen Schritt und würden lieber den Urheber bezahlen, um separate Nutzungsrechte an dem Werk zu erwerben. Die Freigabe für den kommerziellen Gebrauch könne sogar einträglich sein, betonte Engelmann. So konnte das Bundesarchiv in Koblenz nach der Freigabe von 89000 Bildern für die Wikipedia sogar einen starken Anstieg beim Verkauf hochauflösender Abzüge verzeichnen.

Quelle : www.heise.de
Titel: re:publica: Occupy unter der Forscher-Lupe
Beitrag von: SiLæncer am 04 Mai, 2012, 13:13
US-Wissenschaftler haben Occupy als transmediales Forschungsprojekt entdeckt. Seit Herbst seien 13 Millionen Tweets und die Berichte traditioneller Medien rund um die Protestbewegung durchforstet worden, erklärte Sasha Costanza-Chock vom Center for Civic Media am Massachusetts Institute of Technology (MIT) auf der re:publica in Berlin. Darüber hinaus sei eine Online-Umfrage unter mittlerweile über 5000 mit den Vorgängen verbundenen Nutzern durchgeführt worden, um etwa Genaueres über die Beweggründe für die Teilnahme an Aktionen herauszufinden. Die Forschung werde unter dem Dach der offenen Plattform "Occupy Research" koordiniert.

Die Absprachen über das Analysewerkzeug sei sinnvoll, führte Costanza-Chock aus, da anfangs jeder interessierte Forscher etwa Twitter-Meldungen mit Hashtags für Occupy hastig gespeichert habe. Nun seien gemeinsame Datensets vorhanden, auf die frei zugegriffen werden könne. Zudem seien im Rahmen mehrerer Programmierwettbewerbe nützliche Werkzeuge etwa zum automatischen Zählen von Auftritten einzelner Occupy-Sprecher im Rundfunk entstanden. Gearbeitet werde noch an einer Plattform zur gemeinschaftlichen Inhaltsanalyse einschlägiger Beiträge in den Massenmedien per Crowdsourcing, um u. a. mögliche Voreingenommenheiten der Journalisten auszumachen.

Einblicke in Ergebnisse der statistischen Online-Umfrage vermittelte Christine Schweidler vom Forschungsinstitut DataCenter. Die Soziologin schickte vorweg, dass eigentlich auch direkte Befragungen Beteiligter vor Ort geplant gewesen seien. Die Polizei sei den Analysten hier aber durch die rasche Räumung der Occupy-Camps in mehreren US-Großstädten im Spätherbst vergangenen Jahres zuvorgekommen. Die über eine spezielle Webseite einsehbaren, verdichteten Daten seien zudem zunächst anonymisiert worden, um nicht Geheimdiensten zuzuarbeiten.

Schweidler zufolge handelt es sich bei Occupy laut der nicht-repräsentativen Web-Umfrage, für die man hauptsächlich auf einschlägigen Facebook-Seiten, auf Twitter und in persönlichen E-Mails hingewiesen habe, größtenteils um eine Bewegung unter Weißen. Überrascht habe die Forscher, dass sich 15 Prozent der Befragten als homosexuell oder queer bezeichnet hätten. Der Großteil der Teilnehmer aus dem Occupy-Umfeld sei – entgegen manchen Klischees – einer Vollzeitbeschäftigung nachgegangen und in der Mittelklasse angesiedelt. Viele Studenten und gut Gebildete seien darunter, das Haushaltseinkommen eher niedrig. Als Motive für den Anschluss an das Aktivistennetzwerk seien vor allem "ökonomische Ungleichheit", "soziale Ungerechtigkeit" und Unzufriedenheit mit dem wirtschaftlichen System genannt worden.

Dass sich ein Großteil des Widerstands im Klicken auf Buttons im Web oder auf Online-Diskussionen erschöpft habe, ließ sich laut Schweidler nicht bestätigen. So hätten zwar 75 Prozent der Befragten angegeben, einschlägige Postings auf Facebook, Twitter oder in anderen sozialen Netzwerken verfasst zu haben. 73 Prozent hätten aber erklärt, an Debatten auch in der Kohlenstoffwelt teilgenommen zu haben. 69 Prozent seien auf Demonstrationen oder vergleichbare Versammlungen gegangen, 63 Prozent hätten sich direkt an einem Camp beteiligt. Eigene Protestaktionen organisierten 19 Prozent. 95 Prozent seien bereits zuvor in anderen sozialen Bewegungen aktiv gewesen, sodass nicht von einer mangelnden Anbindung an die Zivilgesellschaft ausgegangen werden könne.

Die Widerspiegelung der Revolte in der komplexer werdenden Medienlandschaft beleuchtete Costanza-Chock. Steigende Aufkommen an Tweets und vereinzelte anfängliche Medienberichte habe zunächst der Aufruf der Adbusters Media Foundation ausgelöst, in der Nachfolge der Besetzung des Tahrir-Platzes in Kairo vergleichbare Aktionen in westlichen Großstädten durchzuführen. Der erste große Höhepunkt mit hunderttausenden Twitter-Botschaften sei mit der Festnahme von 700 Demonstranten auf der Brooklyn Bridge in New York am 1. Oktober 2011 verknüpft, die Klimax mit der Räumung der Camps Portland, Oakland und Manhattan am 15. November erreicht gewesen. Bei beiden Vorgängen habe Occupy auch die Titelseiten von US-Tageszeitungen erobern können.

Insgesamt seien die Verbindungen zwischen traditionellen Medien und "Bürgerjournalisten" in sozialen Netzwerken und Blogs enger geworden. Größere Presseverlage etwa stellten mittlerweile mehrere Mitarbeiter ab, die den Nachrichtenstrom über Twitter oder Facebook verfolgten, gezielt Meldungen aufgriffen und diese einem größeren Publikum zugänglich machten. Die entsprechenden Berichte würden wiederum in sozialen Medien verlinkt. Dies habe man im Fall Occupy an einer Untersuchung der geteilten Verweise feststellen können.

Quelle : www.heise.de
Titel: re:publica: eHealth: Dr. McCoy verzweifelt
Beitrag von: SiLæncer am 05 Mai, 2012, 16:53
Ein eigener eHealth-Track beleuchtete auf der re:publica 2012 die Frage, was der mündige Bürger abseits der Fitness-Apps im Internet erwarten kann. Zum Auftakt der kleinen Subkonferenz gab Frank Antwerpes von DocCheck aus der Sicht von Startrek-Doc McCoy einen Überblick der Medizin-Angebote im Internet, beginnend mit Rating-Portalen, die Ärzte bewerten, über Communities, in denen sich Menschen zusammenfinden, um über "ihre" Krankheiten zu diskutieren. Das Crowdfunding von Kliniken, aber auch von Personen und "Doctorpreneurs" zur Finanzierung von Operationen oder zur Realisierung des Kinderwunsches sind laut Antwerpes in den USA stark im Kommen. Crowd Insurances könnten herkömmliche Versicherungen ablösen, Crowd Publishing könnte die enormen Kosten medizinischer Fachliteratur mit Liquid Books und ähnlichen Ansätzen senken. Der mündige Bürger wird in Zukunft verstärkt Selbstdiagnosen einsetzen, seinen Körper mit Hilfe von Smartphone-Apps kontrollieren und sich auch für seine DNA-Analyse interessieren, wie sie von 23andme angeboten wird, oder die künftig selbst mit Systemen wie MinION ausgelesen werden kann. Die Zukunft mündigen Bürgerverhaltens liegt nach Antwerpes im DNA Sharing bei der Auswahl der richtigen Lebenspartner, denn Liebe ist kein Zufall, sondern ein korrekt geführter Datenabgleich.

Einen kleinen Kontrapunkt zu dieser optimistischen Einführung setzten Fabian Zimmer und Bastian Greshake von OpenSNP mit einem Blick auf die Auswirkungen, die DNA-Daten im Alltag abseits der individualisierten Medikamente haben können. Was ist, wenn DNA-Tests bei Arbeitgebern und Versicherungsgesellschaften obligatorisch werden und DNA-basierte Werbung kommt? Nachgerade pessimistisch fiel der Bericht von Kai Sostmann aus, der sich als Kinderarzt an der Berliner Charité mit der Frage beschäftigt, ob Kinder aus verarmten Familien durch Social Media aus dem Teufelskreis von schlechter Ernährung und mangelnder Gesundheitskompetenz ausbrechen können, Sein Fazit: derzeit nicht, ein "digital eHealth Divide" durchziehe die Gesellschaft, in der sich nur die gesünderen und Besserverdienenden um Informationen kümmerten. Einen positiven Akzent setzte Ansgar Jonietz vom preisgekrönten Medizinstudenten-Startup Was hab ich, das ärztliche Befunde in verständliches Deutsch übersetzt. Mittlerweile sind Jonietz zufolge 484 Studenten und 110 Fachärzte am Projekt beteiligt und haben 6419 Befunde eingedeutscht. Neben den Anfragenden profitieren auch die Studenten vom Service: sie lernen frühzeitig die richtige Kommunikation mit den Patienten und verbessern entscheidend die Therapietreue der Anfragenden.

Überlaufen wurde die eHealth-Subkonferenz, als das Thema "Social Müdia" von der Techniker Krankenkasse in Zusammenarbeit mit Google präsentiert wurde. Zunehmend schwer falle es Digital Natives, ihre ganzen Gerätschaften abzuschalten und vor allem abgeschaltet zu lassen. Sie hätten sich ein gestörtes Nutzungsverhalten antrainiert, das zu Ess- und Schlafstörungen samt ständiger Müdigkeit führen könne. Diesem Raubbau am eigenen Körper 1.0 soll eine Broschüre namens Burnout-Coach begegnen, wie der TK-Referent Bruno Kollhorst ankündigte. Dies schien die Anwesenden ungemein zu beruhigen, denn die anschließende Diskussionsrunde war mäßig besucht. Deutschland stehe endlos lange in Startlöchern und bringe beim Thema eHealth nichts zustande, wurde unisono von den Referenten beklagt. Kurz wurden die Patientenakten angeschnitten, allerdings ohne Bezug auf die desolaten Ergebnisse der Begleitforschung, die zeigen, dass der mündige Bürger als Herr seiner Daten noch eine Fiktion ist.

Was kommen wird, zeigten die anschließenden Überlegungen zum "Quantified Self". Menschen, die unablässig alle verfügbaren Vitaldaten ihres Körpers speichern, erzeugen einen Datenteppich, der sie gesünder durchs Leben tragen soll. Ähnlich wie die vollkommene Überwachung die Gesellschaft die Unsicherheit vor Terrorsanschlägen aufheben soll, soll der vollüberwachte Körper schon bei der kleinsten, nicht fühlbaren Anomalie durch das Frühwarnsystem der Smartphone-Apps abgesichert werden. In spätestens zwei Generationen werden sich Menschen an diesen Datenkörper gewöhnt haben, lautete der Tenor. Daran gewöhnt, ebenso wie an den Überachungsstaat?

Quelle : www.heise.de
Titel: re:publica: Res gestae stationae
Beitrag von: SiLæncer am 05 Mai, 2012, 19:30
Dort, wo einstmals ankommende wie ausgehende Pakete sortiert und verladen wurden, sortierte sich die re:publica neu. Aus dem kleinen Bloggertreffen von 2007 ist eine veritable Konferenz über Netzfragen geworden, die dennoch den Bloggern Raum genug für ihre Begrüßungsrituale lässt. Beste Aussichten dafür, das nach dem gelungenen Umzug stellenweise arg ausgefranste Programm in seiner Qualität zu überprüfen.

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Was im Jahre 2007 in der Kalkscheune als Insidertreffen begann, bei dem sich Blogger über eine eigene Blogger-Ethik verständigen wollten und nach Möglichkeiten suchten, wie das Bloggen monetarisiert werden kann, ist eine kommerziell erfolgreiche Konferenz geworden. Besorgte Fragen wie 2008, ob man denn die kritische Masse erreicht habe, werden längst nicht mehr gestellt. Eher gilt die Sorge den Ausgeschlossenen, den Verlierern im Modernisierungwettbewerb, wenn Sascha Lobo in seinem Vortrag halb ironisch einen Weg forderte, wie man dauerhaft mit 30 Millionen Internet-Nichtnutzern umzugehen habe. Hier traf sich der Rotschopf mit der EU-Kommissarin Neelie Kroes, die aus Italien anreiste und berichtete, dass 41 Prozent der Italiener noch ohne Interneterfahrung sind.

Bei allem Neubeginn als Großveranstaltung in der sehr geräumigen Station Berlin pflegte die re:publica ihre Kontinuitäten wie die Lobo-Show, die Darstellung der Rechtslage durch den bloggenden Anwalt Udo Vetter oder den Standardkommentaren von Kathrin Passig. Auch die Journalisten als immer sehr beliebter Gegenflausch der Blogger kamen nicht zu kurz. Vom Medienrecht durch Heise-Justiziar Jörg Heidrich bis zur Medienethik durch den US-Juristen Eben Moglen gab es denkenswerte Einwürfe und Warnungen, auch wenn Moglens "Do not harm" als erstes Gesetz der Media Robotics zum Widerspruch reizte.

(http://www.heise.de/imgs/18/8/3/6/0/0/3/7cfc68c441d559e3.jpeg)
Moglen, der zuletzt in Berlin im Jahre 2004 auf der Wizards of Oz auftrat, freute sich über die groß gewordene Konferenz, die er zunächst mit der 2006 eingegangenen Show des freien Wissens verwechselte. Mit 8 Vortragsplätzen, bespielt von 270 Rednern ließ die re:publica dennoch den allseits vernetzten Teilnehmern genug Raum, etwa auf netten Affenfelsen, wo das betrieben werden konnte, was auf anderen Konferenzen Networking genannt wird. Mit ihrer Art, die Station Berlin zu bespielen, dürfte der Kontrast (und die Konkurrenz) dann sichtbar werden, wenn in der nächsten Woche die Next 2012 an gleicher Stelle all die Startup-Stars und Investoren-Schleckermäuler versammelt.

Auch die re:publica hatte Startups zu bieten. Bemerkenswert die Geschichte von Torial, einem neuen Angebot für freie Journalisten: Hier war es ein Investor mit einer Idee, der ein zu ihr passendes Startup-Team suchte. Aus den Millionen, die der Verkauf der Süddeutschen Zeitung brachte, finanziert Konrad Schwingenstein den Versuch, eine Biosphäre für Journalisten anzubieten, die sich thematisch vernetzen können. Dazu passend stellte die Heinrich-Böll-Stiftung auf der re:publica ihre neueste, frei als PDF-verfügbare Schrift über Öffentlichkeit im Wandel vor. Der klassische Journalismus mag aussterben, doch das Gerede über seinen Tod ist nach wie vor ein einträchtiges Geschäft.

(http://www.heise.de/imgs/18/8/3/6/0/0/3/38c1f6e68437e2b9.jpeg)
Der künftigen re:publica ist sicher ein besseres WLAN zu wünschen, obwohl die Klagen über den temporären Ausfall des Netzes eine rührende anachronistische Hilflosigkeit der "Digital Natives" offenbarten. Wer so mit dem Internet verbandelt ist, muss eigentlich über Fallback-Kanäle verfügen. Noch dringender ist aber die Arbeit an der Qualität des Vortragsprogrammes, wenn die Konferenz mehr als ein großes Klassentreffen sein soll, zu dem man abzulesende Seminararbeiten über Urszenen und Ragefaces mitbringt. Auch der Versuch, ein ganzes Vorlesungs-Semester über Datenschutz und Privatsphäre in einem Vortrag unterzubringen, scheiterte. Womöglich müssen doch wieder die Blogger mit ihren Lesungen ran – sofern sie sich wieder auf das Bloggen besinnen, wie von Sascha Lobo betont: "Nur ein Blog gehört wirklich dir. Alles andere ist nur geborgt."

Quelle : www.heise.de
Titel: re:publica 2013: Datenzweifel, Porno und der Minirock des Internets
Beitrag von: SiLæncer am 16 März, 2013, 09:47
Die re:publica 13, die in diesem Jahr vom 6. bis 8. Mai in der Station in Berlin-Kreuzberg stattfindet, wirft ihre Schatten voraus. Die Macher der IKonferenz haben das Beta-Programm veröffentlicht, wonach die Besucher wieder ein weites Themenfeld zwischen Datenschutz und Informationsfreiheit, öffentlich-rechtlicher Grundversorgung sowie Roboter- und Trollforschung erwartet. Im Blog der Veranstaltung wird als Vortragende etwa die MIT-Forscherin Kate Darling angekündigt, die dem digitalen Strukturwandel und eventuellen Bedrohungen der Unterhaltungsindustrie durch Filesharing und nutzergenerierte Inhalte anhand der früh im Netz aktiven Pornobranche nachzugehen verspricht.

Der ganze Artikel (http://www.heise.de/newsticker/meldung/re-publica-2013-Datenzweifel-Porno-und-der-Minirock-des-Internets-1824037.html)

Quelle : www.heise.de
Titel: re:publica 2013: Drei Tage Netzpolitik und Netzkultur in Berlin
Beitrag von: SiLæncer am 05 Mai, 2013, 13:46
Am Montag beginnt in Berlin die diesjährige, insgesamt siebte Ausgabe der Netz-Konferenz re:publica. Die re:publica 2013 wird unter dem Motto IN/SIDE/OUT an drei Tagen rund 450 Sprecherinnen und Sprecher und 263 Vorträge, Diskussionen und Workshops auf 11 Bühnen bieten.

Die re:publica, die in der STATION-Berlin stattfindet, ist nach Aussage der Veranstalter "die größte Konferenz in Deutschland über Weblogs, soziale Medien und die digitale Gesellschaft". Insbesondere politische und kulturelle Themen im Internet- und Social-Media-Umfeld sollen hier Beachtung finden. So stehen in diesem Jahr unter anderem brisante Themen wie Drohnen, der "Cyberkrieg", Überwachung und Netzneutralität auf dem Programm. Aber auch über digitale Medien, die Nutzung des Internets für die Wissenschaft, das Urheberrecht oder Organisationsformen digitalen Aktivismus soll gesprochen und diskutiert werden. Daneben gibt es auch Vorträge, die eher unter Kultur und Unterhaltung fallen, etwa über Internet-Memes, die Auswirkungen des Internets auf das kreative Schreiben oder sogar über die Kunst des Trollens, präsentiert in der Form "empirischer Trollforschung".

In diesem Jahr soll die re:publica größer werden als je zuvor. Die Veranstalter rechnen mit rund 5000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Diese erwartet ein volles Programm: 450 Sprecherinnen und Sprecher und 263 Vorträge, Diskussionen und Workshops, die parallel auf 11 Bühnen stattfinden. Die Veranstaltungen sollen die Themen Business & Innovation, Science & Technology, Politics & Society, Research & Education sowie Culture & Media abdecken. Der Zeitplan http://re-publica.de/session-schedule der geplanten Veranstaltungen gibt einen Überblick über die Vielfalt der geplanten Themen und Speaker.

Auch gulli:News wird auf der re:publica 2013 vertreten sein und an allen drei Tagen von ausgewählten Vorträgen sowie von anderen interessanten Ereignissen im Umfeld der Veranstaltung berichten.

Quelle : www.gulli.com
Titel: re:publica: "Wir müssen den Kampf um die Netzneutralität führen"
Beitrag von: SiLæncer am 06 Mai, 2013, 14:07
Das WLAN ist bereit, der Live-Stream läuft und die erste kamerabewaffnete Drohne schwebt über dem Gelände: Während vor dem früheren Dresdner Packbahnhof die Schlangen der Besucherwilligen noch rund 100 Meter bis auf die Straße reichen, hat unter Sphärenmusik mit etwas Verspätung offiziell die re:publica 13 im großen Saal in der "Station-Berlin" begonnen. Netzpolitik-Blogger Markus Beckedahl vom Organisationsteam eröffnete die Internetkonferenz mit einem dringenden Appell an die Bundesregierung und die EU-Kommission, endlich das Prinzip des offenen Netzes gesetzlich festzuschreiben: Die Politik müsse ihre Versprechen wahrmachen und "verhindern, dass ein Internet zweiter Klasse eingeführt wird".

Der ganze Artikel (http://www.heise.de/newsticker/meldung/re-publica-Wir-muessen-den-Kampf-um-die-Netzneutralitaet-fuehren-1857182.html)

Quelle : www.heise.de
Titel: re:publica: Internet-Ziegel für Afrika
Beitrag von: SiLæncer am 06 Mai, 2013, 17:45
Während in Deutschland über Netzneutralität diskutiert wird, stehen Aktivisten und Unternehmer in Entwicklungsländern vor dem Problem, überhaupt ins Internet zu kommen. Auf der Berliner Konferenz re:publica 13 stellte der Unternehmer Erik Hersman ein neues Projekt vor: BRCK soll Aktivisten und Unternehmern gerade in Afrika und Asien eine zuverlässige Internetanbindung garantieren – selbst wenn Strom- und Festnetz-Verbindung versagen.

(http://www.heise.de/imgs/18/1/0/1/9/6/3/6/nt-brck-871fcac153a7c96b.jpeg)
"Afrika leidet nicht darunter, dass es dort zu wenig Landwirtschaft gibt", erklärte der in Kenia lebende Blogger in seiner Keynote "Im Gegenteil: Afrika ist arm, weil es dort zu wenig Industrie gibt". Deshalb kümmern sich Hersman und seine Mitstreiter darum, die Basis für eine neue Industrien zu schaffen. Dazu gehört zum Beispiel der Inkubator iHub, der jungen Unternehmern die Möglichkeit geben soll, ihre Ideen zu verwirklichen. Neben der Finanzierung der Projekte gehört dazu auch eine verlässliche Infrastruktur.

Der ganze Artikel (http://www.heise.de/newsticker/meldung/re-publica-Internet-Ziegel-fuer-Afrika-1857430.html)

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Titel: re:publica: Wahrheitsfindung im Wahlkampf mit @ZDFcheck
Beitrag von: SiLæncer am 06 Mai, 2013, 19:15
Fakten, Fakten, Fakten – und bloß keine Falschaussage: Auf der Konferenz re:publica in Berlin haben ZDF-Redakteure für den aufkommenden Wahlkampf den ZDFcheck vorgestellt, der demnächst im Internet (www.zdfcheck.de, @zdfcheck) im Sinne des Crowdsourcing prüfen soll, ob Politiker lügen, nur die halbe Wahrheit sagen oder eine ehrliche Haut sind. Mit dabei: Wikimedia Deutschland als Organsiation, die die unter Creative Commons veröffentlichten, verifizierten Fakten und Infografiken verwenden will.

Wie ZDF-Redakteurin Sonja Schünemann vorführte, soll der für den Wahlkampf geplante ZDFcheck mehr sein als die Einbeziehung des "Second Screen" in das Fernsehen. Detailliert soll geprüft werden, was welcher Politiker wo in welchem Zusammenhang gesagt hat. Ein rotgrünes Barometer zeigt schließlich das Gesamtergebnis an zwischen rot (stimmt nicht) oder grün (stimmt).

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Titel: re:publica: Online-Kampagne fordert "Recht auf Remix"
Beitrag von: SiLæncer am 07 Mai, 2013, 13:12
Die Digitale Gesellschaft hat im Umfeld der re:publica in Berlin für einen "Neustart der Urheberrechtsdebatte" plädiert. Der Lobby-Verein fordert vor allem ein Recht auf Remix und hat eine Kampagnen-Webseite freigeschaltet. Neben Informationen über die gewünschten Reformen findet sich dort eine Online-Petition, der Unterzeichner einen Link "zu ihrem ganz persönlichen Lieblings-Remix" anfügen sollen. Mit der virtuellen Sammlung wollen die Kampagnenmacher einen Beweis dafür liefern, "wie lebendig und wertvoll Remixkultur bereits heute ist".

Im Internet seien "kreative Kopien" längst Teil des kommunikativen Alltags breiter Bevölkerungsschichten geworden, ist sich die Digitale Gesellschaft bereits sicher. Das aktuelle Urheberrecht spiegele diese Realität aber nicht wider, was die "Kunst- und Meinungsfreiheit" im Netz deutlich einschränke. Es sei daher nötig, Werke verändern und das Ergebnis öffentlich zugänglich machen zu dürfen. Dies beziehe sich beispielsweise darauf, ein eigenes Handy-Video mit einer Hintergrundmusik legal anreichern zu können.

Auch soll es erlaubt sein, einen Filmtrailer oder ähnliche geschützte Werke zu verändern und das neue Werk online zu präsentieren. Wenn es Remix zum Beispiel kommerziell verwertet werde, zum Beispiel wenn es als "Musik-Mashup" über eine Online-Plattform verkauft wird, solle "angemessene Vergütung" an die Schöpfer des ursprünglichen Werks gezahlt werden.

Der Kopf hinter der Kampagne, Leonhard Dobusch, kündigte für den Herbst auch die Eröffnung eines "digitalen Remix-Museums" an. Als Kuratoren konnten laut dem Juniorprofessor an der FU Berlin unter anderem Dirk von Gehlen, Autor des Buchs "Mashup – Lob der Kopie", und die Siegener Medienhistorikerin Susanne Regener gewonnen werden. Im Bundestag hatte sich zuvor die Fraktion der Grünen mittelfristig für ein "Recht auf Remix" und eine Reform der Nutzerrechte in der EU-Urheberrechtsrichtlinie ausgesprochen.

Der Blogger Sascha Lobo hat die bisherigen Bemühungen der Netzgemeinde, politisch aktiv zu werden, derweil auf der re:publica als "Hobby-Lobbyismus" abgetan. "Ich glaube, wir haben einfach verkannt, dass Netzpolitik zu aller-allererst Politik ist und nur ein ganz klein bisschen Netz", konstatierte der Autor. Die Community verweigere sich bislang der politischen Notwendigkeit, von Fall zu Fall unterschiedliche Allianzen schmieden und gemeinsam für Themen streiten zu müssen. Nur so seien die eigenen Positionen durchzubringen.

Als unzureichend bezeichnete es Lobo, über soziale Netzwerke nur die eigene digitale Wut auszutauschen. Vielmehr sei es nötig, mit Pathos Politik zu machen und dies mit entsprechenden Aktionen den Volksvertretern vor Augen zu stellen. Auch die Netzlobby müsse sich genau überlegen, was etwa Bundeskanzlerin Angela Merkel konkret überzeugen könnte. Zum Auftakt der Konferenz hatte Co-Organisator Markus Beckedahl an die CDU-Politikerin appelliert, ein Internet zweiter Klasse zu verhindern und die Netzneutralität gesetzlich zu verankern.

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Titel: re:publica sucht Ausweg aus der Endlosdebatte um die Netzneutralität
Beitrag von: SiLæncer am 07 Mai, 2013, 17:29
Ben Scott vom Open Technology Institute der New America Foundation in Washington hat auf der re:publica dafür plädiert, das Internet stärker als öffentliches Gut zu verstehen und so dessen Offenheit endgültig als damit verknüpftes Grundprinzip zu verankern. "Das Netz ist die Infrastruktur der Informationsgesellschaft", erklärte der frühere Berater des US-Außenministeriums am Dienstag auf der Internetkonferenz in Berlin. Einzelne Betreiber dürften daher nicht darüber in Eigenregie entscheiden, welche Datenpakete mit welcher Geschwindigkeit an welchen Nutzer kämen. Denn was kurzfristig gut für die Zugangsanbieter sei, könne mittelfristig nicht der Allgemeinheit dienen.

Die Debatte um die Netzneutralität drehe sich seit rund einem Jahrzehnt im Kreis, monierte Scott. Seit das Konzept des offenen Internets unter diesem Begriff 2002 eingeführt worden sei, hätten sich auch die Netzaktivisten zu sehr in technischen Details verstrickt und den Wald vor lauter Bäumen oft selbst nicht mehr gesehen. In den USA habe etwa die Kampagne "Save the Internet" gegen ein Gesetz gekämpft, das die Netzneutralität ausgehebelt hätte. 2010 habe die Federal Communications Commission (FCC) schließlich unter Führung der Demokraten Leitlinien fürs offene Netz etabliert, die aber das mobile Internet außen vor ließen. Zudem sei zu befürchten, dass die Bestimmungen gerichtlich bald gekippt würden, da die Kompetenzen der Regulierungsbehörde streng genommen auf das Telefonnetz beschränkt seien.

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Titel: re:publica: Google Cars ist wie Mondlandung
Beitrag von: SiLæncer am 07 Mai, 2013, 19:30
Als einer der Hauptsponsoren der diesjährigen re:publica bekam Daimler am Dienstag eine Stunde Redezeit, um in der Carsharing-Stadt Berlin ordentlich Werbung für Car2Go zu machen. Daimler biete das Carsharing-System derzeit in 19 Städten weltweit an, erklärte CEO Dieter Zetsche. In vier Städten – darunter Berlin – arbeite Car2Go profitabel, insgesamt seien 20 Millionen Kunden registriert. Bis 2020 soll es Car2Go in 50 Städten geben. Derzeit werde das System in China getestet.

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Titel: re:publica: Bobs für Online-Aktivisten
Beitrag von: SiLæncer am 07 Mai, 2013, 20:45
Blogs mögen in Deutschland so an den Rand gedrängt sein, dass Sascha Lobo als Leithammel der Szene die Parole Zurück zum Blog ausgeben muss, doch international spielen sie nach wie vor eine eminent wichtige Rolle. Hier sind Blogger die unerschütterlichen Optimisten, die den Kampf gegen die Zensur aufgenommen haben und fortführen. Wie in den vergangenen Jahren wurden im Rahmen der re:publica internationale Aktivisten mit der Verleihung der von der Deutschen Welle initiierten "Bobs" Best of Online Activism 2013 geehrt. Eine internationale Jury und Internetnutzer hatten über die Preisvergabe in 17 Kategorien abgestimmt.

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Titel: Re:publica: Zukunft der Arbeit braucht neue Vernetzung
Beitrag von: SiLæncer am 08 Mai, 2013, 13:48
Während die einen über Familientauglichkeit und dem Arbeitgeber als Fürsorger für das Privatleben ihrer Mitarbeiter nachdenken, entwickelt sich die Arbeitswelt auch dank des technischen Fortschritts in die gegenteilige Richtung: Isolierte Arbeiter ohne Rechte werden mit Mindestlöhnen abgespeist. Auf der Berliner Konferenz re:publica wurden die Probleme des neuen Arbeitens angerissen.

"Wir sehen heute mehr Thatcherismus als noch in den 80er Jahren", sagte Joel Dullroy, Mitgründer des Verbandes der Gründer und Selbständigen (VGSD) in Berlin. Statt die Bevölkerung als Ganzes zu betrachten habe die neoliberale Ideologie immer mehr auf die Vereinzelung des Menschen gesetzt. Folge sei ein immer höherer Anteil der Beschäftigten, die nicht in gesetzlich geschützten Angestelltenverhältnissen arbeiteten, sondern freiberuflich ihre Arbeitskraft anbieten müssen. Folge: Arbeitgeber versuchen die Arbeitskräfte gegeneinander auszuspielen, die im Konkurrenzwettbewerb jeder gegen jeden unzumutbare Arbeitsbedingungen wie unbezahlte Praktika mitmachen.

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Titel: re:publica: 3D-Drucker als Sinnbild einer neuen industriellen Revolution
Beitrag von: SiLæncer am 08 Mai, 2013, 14:17
Experten waren sich auf der re:publica einig, dass es sich bei derzeit für den Heimbereich erschwinglichen 3D-Druckern wie Geräten von MakerBot, Fabbster oder Ultimaker um "Spielzeuge für den Eigengebrauch" handele. Sie lieferten nicht die Qualität, "die man von gekauften Waren gewohnt ist", erklärte Marlene Vogel, Mitgründerin des Startups Trinckle, am Mittwoch in Berlin. Noch bestehe eine große qualitative und preisliche Kluft zwischen derlei Apparaten und professionellen Maschinen fürs Rapid Manufacturing. Beide Seiten bewegten sich aber aufeinander zu: Die Heimdrucker würden besser, die Profi-Geräte günstiger.

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Titel: re:publica: Der Datenschutz und die "schizophrenen Konsumenten"
Beitrag von: SiLæncer am 09 Mai, 2013, 11:40
Das Hüten der Privatsphäre der Nutzer zahlt sich für Unternehmen bislang nach Auffassung der Industrie nicht aus. Guter Datenschutz sei kein Wettbewerbsvorteil für Firmen, erklärte Susanne Dehmel vom Hightech-Verband Bitkom am Mittwoch auf der re:publica in Berlin. Dies liege daran, dass die Konsumenten sich "schizophren" verhielten. Allgemein werde der Datenschutz zwar gern eingefordert. Andererseits sei nicht zu erkennen, dass Dienste, die laxer mit personenbezogenen Informationen umgehen, weniger genutzt würden.

Firmen seien darauf angewiesen, das der Bürger ein gewisses Vertrauen in die Verarbeitung der eigenen Daten habe, räumte Dehmel auf der Netzkonferenz ein. Die Politik dürfe das Rad mit Auflagen aber nicht überdrehen. Insgesamt sei die derzeit vom EU-Parlament beratene Datenschutzreform zu begrüßen, da sie eine einheitliche Rechtsgrundlage für alle Mitgliedsländer und den europäischen Markt anvisierende Unternehmen aus Drittstaaten schaffe. Die "ein oder andere bürokratische Maßnahme" sei aber noch auszusieben. So könne man etwa durch technische Maßnahmen wie Pseudonymisierung oft mehr erreichen als durch gesetzliche Vorgaben.

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Titel: re:publica: Das Internet als Nervensystem des 21. Jahrhunderts pflegen
Beitrag von: SiLæncer am 09 Mai, 2013, 13:50
Der Aktivist Cory Doctorow hat am Abschlusstag der re:publica ein flammendes Plädoyer für ein offenes Internet sowie freie Hard- und Software gehalten. "In alle unsere vernetzten Geräte muss eine Freiheitsschicht eingebaut werden", betonte der Boing-Boing-Blogger am Mittwoch auf der Netzkonferenz in Berlin. Es sei entscheidend, dass IT-Systeme interoperabel seien und man sie verändern könne. Andernfalls werde die Innovation enorm eingeschränkt und die Technik entfalte ihr Unterdrückungs-, statt ihr Befreiungspotenzial.

Ein großer Dorn im Auge sind dem Science-Fiction-Autor daher nach wie vor Systeme zum digitalen Rechtemanagement (DRM). Mit diesen Verfahren, die eine zentrale Überwachungseinheit auf einem Rechner installieren und den Nutzer über den tatsächlichen Ablauf von Prozessen belügen müssten, gehe nicht nur die Transparenz flöten. Vielmehr entwickelten die damit verseuchten Geräte die Möglichkeit, "uns zu versklaven". Besonders gefährlich sei in diesem Zusammenhang die Nonchalance vieler Hacker, die meinten, dass sie DRM in ihren eigenen Systemen mit einem Debugger mit einem Handstreich beseitigen könnten. Diese Einstellung helfe wenig in einer Welt voller Tablets, digitaler Implantate und integrierter Systeme, die nicht mehr frei manipulierbar seien.

Der ganze Artikel (http://www.heise.de/newsticker/meldung/re-publica-Das-Internet-als-Nervensystem-des-21-Jahrhunderts-pflegen-1859791.html)

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Titel: re:publica: Die digitale Agenda und der Kampf um die Datenhoheit
Beitrag von: SiLæncer am 06 Mai, 2014, 21:06
Für viele Bürger sei es am wichtigsten, überhaupt einen Internetanschluss zu bekommen, meint Staatssekretärin Dorothee Bär (CSU). Datenschutz und Überwachung seien dagegen "Feinschmeckerthemen".

Vor der Sommerpause will das Bundeskabinett einen Beschluss zur geplanten digitalen Agenda für Deutschland fassen und damit seinen netzpolitischen Kurs abstecken. Über den Stand der Vorarbeiten und anvisierte Schwerpunkte berichteten Regierungsvertreter am Dienstag auf der Media Convention am Rande der re:publica in Berlin. Als "Top-Thema" für viele Wähler bezeichnete Dorothee Bär, parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, deren Wunsch, "überhaupt einen Zugang zum Internet zu haben". Die auf der Internetkonferenz im Mittelpunkt stehenden Punkte der Online-Spionage durch Geheimdienste seien im Vergleich dazu etwas für "Feinschmecker".

Das Vorhaben der großen Koalition, hierzulande bis 2018 eine flächendeckende Breitbandversorgung mit mindestens 50 MBit/s zu erreichen, titulierte die CSU-Politikerin als "süß" im Sinne von zu wenig ambitioniert. Beide Zahlen seien zustande gekommen, "da wir etwas in den Vertrag reinschreiben mussten". Es handle sich um eine "Mindestanforderung", die mit der vor Kurzem gestarteten"Netzallianz" umgesetzt werden solle. Am schwersten werde es dabei, die letzten fünf Prozent der Haushalte einschließlich von Halligen und Almhütten anzuschließen, da diese "auf ein Drittel der Fläche" der Republik ausgebreitet seien.

Kein Blatt Papier zwischen den Koalitionären

Dass drei Ressorts die Federführung bei der digitalen Agenda haben, sieht Bär nicht als Problem: "Streitigkeiten gibt es natürlich keine, da passt kein Blatt Papier dazwischen in der großen Koalition." Es werde derzeit geklärt, wo die unterschiedlichen Zuständigkeiten liegen sollen "und was wir gemeinsam übergreifend machen wollen", ergänzte Bärs Kollegin im Wirtschaftsministerium, Brigitte Zypries. Auch sie erklärte, dass die NSA-Affäre und der damit einhergegangene Vertrauensverlust "in meinem Wahlkreis kein Thema" seien. In der Industrie und in der Wirtschaft gebe es dagegen die ganz klare Ansage: "Wir überarbeiten unsere Informationstechnik."

Der Bereich Datensicherheit werde vermutlich zu den übergreifenden Gebieten der digitalen Agenda gehören, führte die Sozialdemokratin aus. Hier müsse die Politik "aufklären und handeln". Welcher deutscher Nutzer sei schon bereit, wenigstens De-Mail anzuwenden, fragte Zypries. Der Dienst sei trotz Vorbehalten zumindest "sicherer als nichts". Sonst dürfe der Staat den Bürger bei der informationellen Selbstbestimmung nicht zu sehr bevormunden. So mache es etwa wenig Sinn, etwa "Fitness-Armbänder" und die damit erfolgende Aufzeichnung von Nutzerverhalten zu verbieten.

"Klare Fahne" für Netzneutralität

Bei Breitbandausbau kündigte die Staatssekretärin an, "mit dem Verkehrsminister gegen den Finanzminister" auch für den Einsatz staatlicher Mittel zu streiten. Die Netzneutralität müsse per Gesetz garantiert werden, das EU-Parlament habe hier schon "klare Fahne" gezeigt und "Spezialdienste" deutlich eingegrenzt. Das Internet müsse weiter "ein Raum der Gleichheit" sein und dürfe nicht zur "Zwei-Klassen-Gesellschaft" verkommen, unterstrich auch der Chef der Berliner Senatskanzlei, Björn Böhning (SPD). Ein Blick über den Atlantik verdeutliche, wie dünn das Eis bei der Netzneutralität sei. Experten der Bundesländer seien sich dagegen einig, dass ein gleicher Datenverkehr als Grundpfeiler eines offenen Internets zu sichern sei.

"Wir brauchen die Netzneutralität zum Durchsetzen der Meinungsfreiheit", ging Annette Mühlberg, Leiterin des Referats E-Government bei ver.di, mit ihren Podiumskollegen teils konform. Insgesamt müsse die Politik aber deutlich mehr tun, "um die Datenhoheit der Nutzer zu garantieren". Der Vertrauensverlust durch die Geheimdienstaktivitäten sei "massiv auf verschiedenen Ebenen". Die Kluft zwischen Grundrechten wie dem auf Integrität und Vertraulichkeit von IT-Systemen und Geschäftsmodellen von Internetgiganten sowie der staatlichen Überwachungspraxis werde immer größer.

Mühlberg appellierte an die Regierungsvertreter, über geeignete Initiativen Verschlüsselungs- und Anonymisierungstechniken zum Standard zu machen. Dabei seien Ende-zu-Ende-Lösungen zu fördern, nicht eine teure De-Mail mit eingebauten Sicherheitslücken auf den Servern der Betreiber.

Quelle : www.heise.de
Titel: Re:publica vor dem Start: Zwischen Idealismus und Big Business
Beitrag von: SiLæncer am 03 Mai, 2015, 11:14
Kommende Woche ist es wieder soweit: Die Netzkonferenz Re:publica versammelt all jene Menschen in Berlin, die sich im Internet zu Hause fühlen. Sie berichten von Koch-Blogs und politischen Aktionen auf Youtube, diskutieren über Technik, Kultur und Politik und palavern beim Limotrinken auf dem Hof des Veranstaltungsgeländes. Dort wird es dieses Jahr voraussichtlich voll werden.

Mehr als 6.000 Teilnehmer zur Re:publica erwartet

Was 2007 als Klassentreffen von Bloggern begann, gleicht inzwischen einem Kirchentag: Quirlig, ein bisschen rebellisch und ziemlich unübersichtlich. Mehr als 6.000 Teilnehmer werden in Berlin erwartet. Hunderte Veranstaltungen drängen sich in drei Tagen Programm. Und mit 600 Sprecherinnen und Sprechern gibt es einen neuen Rekord.

Die Konferenz wird vom Big Business finanziert, zu den Sponsoren gehören Branchenriesen wie Microsoft und IBM. Die dürfen im Gegenzug für ihre Angebote werben. So präsentiert der Darmstädter IBM-Blogger Stefan Pfeiffer ein neues Programm für E-Mail und Messaging namens IBM Verse.

Aber "das System ist kaputt", postuliert Ethan Zuckerman vom Media Lab des Massachusetts Institute of Technology (MIT). "Und das ist die gute Nachricht." Zuckermann zeigt mit dem Blogger-Netzwerk globalvoices.org einen möglichen Weg in neue Medienwelten auf. Neue Geschäftsmodelle verfolgen auch Reed Hastings mit der Video-Plattform Netflix und der Amsterdamer Wissenschaftler Balázs Bodó mit dem Projekt einer "Kultur-Flatrate" zur Finanzierung von Medien im Netz. Sie werden ebenfalls auf der Re:publica erwartet.

Suche nach der Haltung Europas gegen die globale Überwachung

Das Motto der Konferenz lautet diesmal "Finding Europe". Gemeint ist auch die Suche nach einer eigenständigen Haltung Europas gegen die globale Überwachung. Beckedahl kritisiert, dass die Enthüllungen von Edward Snowden in der Bundesregierung nicht als Warnungen verstanden worden seien, sondern als Beschreibung der Möglichkeiten. "Was sind die Reformen seit Snowden?" fragt er. Er habe habe nichts bemerkt außer mehr Personal und Kompetenzen für die deutschen Geheimdienste Verfassungsschutz und BND. "Man hätte den Einstieg in den Ausstieg aus der Massenüberwachung einleiten können", sagt der Netzaktivist und nennt dabei den Verzicht auf die geplante Einführung der Vorratsdatenspeicherung.

Die Re:publica sei "einfach ganz wesentlich, um die kleine, aber lebendige Gemeinschaft von Akteuren der Zivilgesellschaft zu erhalten, die sich im Kampf gegen staatliche Überwachung engagieren", sagt Gabrielle Coleman. Die in Montreal lehrende Expertin für die Hacker-Bewegung Anonymous sieht in der Begegnung im realen Raum eine Kraftquelle für "die Überzeugung, dass es sich lohnt, diesen Kampf weiterzuführen".

Lobo, Oettinger und Gauck kommen nicht zur Re:publica

So interessant sich die Liste der Redner auf der Re:publica lesen mag - ebenso aussagekräftig sind diejenigen, die fehlen. Das ist allen voran Sascha Lobo, der sich in den vergangenen Jahren stets mit viel beachteten Appellen an die "sogenannte Netzgemeinde" wandte. "Ich hatte das Gefühl, es könnte sinnvoll sein, mal eine Pause zu machen", sagte Lobo in einem Gespräch mit dem Magazin "Wired". Der Unternehmer kritisiert seit langem, dass die Szene ihre Überzeugungen nicht in politischen Einfluss umzusetzen vermag.

Auch der EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft will nicht auf der Re:publica sprechen. "Wir hätten mit Günther Oettinger gern über europäische Netzpolitik diskutiert", sagt Beckedahl. "Wir sind enttäuscht, dass zu unserer Einladung noch nicht einmal eine Absage gekommen ist. Er ist Kommissar für digitale Wirtschaft und Gesellschaft, aber er spricht die ganze Zeit nur auf Industrieveranstaltungen und mit Lobbyisten." Auch Bundespräsident Joachim Gauck folgt der Einladung nicht, hat aber artig absagen lassen.

In den alten Bahnhofshallen der Berliner Station trifft sich die Netzszene nicht nur zur Nabelschau und zu kollektivem Mate-Trinken. Sie ist auch "der große Seismograph der Netzszene und kritischen digitalen Avantgarde", wie es der Siegener Medienwissenschaftler Sebastian Gießmann formuliert. Auf die Frage nach der Veränderungskraft der Re:publica antwortet er: "Sie ist nicht der Ort für unmittelbare politische Veränderungen, sondern eher Frühwarnsystem und Ideenmaschine."

Quelle : www.onlinekosten.de
Titel: re:publica 2015: "Wir brauchen einen Ausstieg aus der Total-Überwachung"
Beitrag von: SiLæncer am 05 Mai, 2015, 13:19
"Und täglich grüßt das Murmeltier": Die Macher der re:publica beklagten bei der Eröffnung der Netzkonferenz, dass netzpolitische "Zombies" wie Vorratsdatenspeicherung und die Drosselkom-Debatte nicht totzukriegen seien.

Markus Beckedahl, netzpolitik.org-Blogger und Mitbegründer der re:publica 15, erlebte zum Auftakt der Internetkonferenz auf der großen Bühne der "Station-Berlin" am Dienstag ein Déjà-vu: Erst im vergangenen Jahr habe die Enthüllung des "größten Überwachungsskandals" durch den NSA-Whistleblower Edward Snowden eine große Rolle gespielt, diesmal sorge ein ausgeweiteter BND-NSA-Skandal für Schlagzeilen. "Und täglich grüßt das Murmeltier", zitierte er einen populären Filmtitel.

Für Beckedahl ist klar: "Wir brauchen einen Ausstieg aus dem System der Total-Überwachung." Es sei nicht damit getan, einzelne Köpfe beim Bundesnachrichtendienst oder im Kanzleramt auszutauschen.

Untote Vorratsdatenspeicherung

Wie die geheimdienstliche Netzspionage komme auch der "Zombie" Vorratsdatenspeicherung immer wieder zurück, ärgerte sich Beckedahl weiter. Schon zur ersten re:publica 2007 sei sie thematisiert worden. Dabei gebe es nach wie vor keine Belege, wofür sie zu gebrauchen sei. Das Instrument "gehört weg, sowohl in Deutschland, als auch in der EU und global".

Die "Drosselkom-Debatte" bezeichnete Beckedahl als dritten Dauerbrenner auf der Versammlung der digitalen Republik. Seit Jahren werde der Kampf für die Netzneutralität geführt. Nun habe das EU-Parlament hier 2015 endlich "für klare, strenge Regeln gestimmt". Doch die Bundesregierung wolle das Gegenteil und habe sich über den EU-Rat für ein Zwei-Klassen-Netz eingesetzt. Zudem sei in der EU-Kommission jetzt mit Günther Oettinger (CDU) ein Politiker hier mit zuständig, "der uns Taliban nennt, wenn wir für ein freies Netz und Meinungsvielfalt eintreten, und uns in eine Ecke mit Terroristen gestellt hat". Es sei vollkommen absurd, "dass wir solche Politiker über unser Online-Leben bestimmen lassen".

Datenreisende ohne Problembewusstsein

Die re:publica soll sich dieses Jahr auf die Suche nach Europa und damit einer der Utopien machen, die schon etwas älter ist als die der Netzgemeinschaft. "Wir müssen über die Rahmenbedingungen reden, die vor allem in Brüssel und Straßburg gemacht werden", erläuterte Beckedahl die Mottowahl. Die vor Ort Versammelten müssten mitgestalten, wie das Europa der Zukunft und "unsere digitale Gesellschaft in der EU" aussieht. "Wir müssen teilhaben an der Demokratie".

Vorab hatte Beckedahl eingeräumt, dass vielen Datenreisenden "noch das Problembewusstsein" fehle. Es drohe eine digitale Welt, in der "Unternehmen die Infrastrukturen kontrollieren". Es sei daher wichtig, Entscheidungen zu beleuchten und zu beeinflussen, die auf EU-Ebene gerade zu netzpolitischen Kernthemen auch wie Datenschutz oder Urheberrecht gefällt würden.

re:publica auch eine "Business-Konferenz"

Johnny und Tanja Haeusler vom Spreeblick-Verlag, die den Kongress gemeinsam mit der Agentur newthinking communications veranstalten, erinnerten daran, dass es 28 Jahre gedauert habe, bis die Mauer in Deutschland gefallen sei. Heute fordere noch nicht einmal jemand, dass die um Europa gezogene Festung niedergerissen werde. Sie hießen vor allen diejenigen willkommen, die vor Krieg fliehen müssten ein friedlicheres Leben in Europa suchten.

Dass es sich bei der Großveranstaltung auch um eine "Business-Konferenz" handeln solle, unterstrich Andreas Gebhard von newthinking. Jeder einzelne Blogger, Techniker oder Journalist sei schließlich "mit einem Beschäftigungshintergrund" hier. "Nicht nur wir haben mit Folgen der digitalen Revolution zu tun, sondern auch die am Fließband bei Amazon" oder die Paketzusteller, führte der Unternehmer aus. Europäische digitale wirtschaftliche Aktivitäten müssten aber offene und freie Infrastrukturen bieten. Eine besondere Rolle der digitalen europäischen Wirtschaft sei zwar nicht leicht zu umreißen, wenn "die Hardware aus Asien und die Software aus den USA" stamme. Datenschutz – einmal implementiert – könne aber ein "erfolgreiches Geschäftsmodell" in Europa sein.

Firmengründer mahnte Gebhard, sich nicht einfach vom gerade in Berlin grassierenden "Startup-Hype" mitreißen zu lassen. Es müsse nicht immer ein externer Investor sein, der ein junges Unternehmen finanziere und den Gründern damit ihre Ideen wegnehme. Auch Crowdfunding etwa könne funktonieren oder "organisches Wachstum".

Gefangen in alter Verwertungskette

Elmar Giglinger vom Medienboard Berlin-Brandenburg, das die "Media Convention" mit einbringt, machte eine wachsende Kluft zwischen jüngeren und älteren Mediennutzern aus, die zu Spannungen führe. Die "horizontale Serie" sei der neue Film, der aber "noch gefangen ist in Verwertungskette aus der Mitte des vergangenen Jahrhunderts" und "legal wochen- und monatelang nur im Kino zu sehen" sei. Zugleich bedauerte er, dass die entscheidenden Akteure im Internet- und Medienbetrieb "nach wie vor nicht in Europa sitzen".

Nachdem die offizielle Begrüßung mit einer guten halben Stunde Verspätung begann, fragten sich besorgte Teilnehmer bereits, ob die Veranstaltung genauso bestreikt werde wie die Bahn. Insgesamt hat sich das Szene-Event vom familiären "Blogger-Stelldichein", das vor neun Jahren mit rund 700 Besuchern in der Kalkscheune startete, zur riesigen Mainstream-Konferenz mit der rund zehnfachen Teilnehmerzahl gemausert. Insgesamt erwarten die Besucherscharen rund 450 Stunden buntes Programm unter anderem mit Netflix-Gründer Reed Hastings und der russischen Punkband Pussy Riot. Es gibt Unterkonferenzen zu Fashiontech und Smart Cities.

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Titel: re:publica: Facebooks Algorithmen führen in feudale Überwachungswelt
Beitrag von: SiLæncer am 08 Mai, 2017, 20:21
Forscher vom Share Lab haben rund 7000 Verhaltensmuster rund um Likes und Kommentare ausgemacht, mit denen Facebooks Algorithmus angefüttert werde. Sie sprechen sich dafür aus, die Schnittstellen für alle zu öffnen.

Vladan Joler und sein Team vom Share Lab haben rund anderthalb Jahre lang beobachtet, wie Facebook Daten sammelt. Dabei hätten sie gut 7000 Verhaltensmuster ausgemacht, mit denen der Betreiber des sozialen Netzwerks die Nutzer verfolge, erklärte der Professor für Neue Medien an der Universität Novi Sad am Montag auf der re:publica in Berlin. Diese Puzzleteile bildeten die Kernbausteine für das geheime "algorithmische Imperium" Facebooks. Die Wissenschaftler seien dabei wie moderne Kartografen vorgegangen und hätten versucht, die wichtigsten Bestandteile zusammenzusetzen und in Übersichten zu visualisieren.

Die Muster sollen Joler zufolge letztlich schier alle Aktionen umfassen, die Nutzer in dem sozialen Netzwerk ausführen. Am bekanntesten und häufigsten verwendet seien die Buttons zum Liken und Teilen von Inhalten sowie die Kommentarfunktion. Herausgearbeitet würden parallel möglichst die gesamten täglichen Routinen von Mitgliedern. Facebook verfolge etwa, wann jemand aufstehe und sich einlogge, wann die Mittagspause erfolge oder die Kinder von der Schule abgeholt würden bis hin zu Freizeitaktivitäten oder Schlafpausen.

Die Nutzer füttern die Maschine

Die Maschine werde so ständig von den Nutzern selbst gefüttert, der Algorithmus könne deswegen ständig verfeinert werden, führte Joler aus. Mit jeder Sekunde, in der sich jemand auf Facebook betätige, arbeite er für das Unternehmen und reichere dessen Datenschatz an. 20 Minuten pro Tag seien genug, um eine neue "feudale Beziehung" zwischen dem Netzwerk und seinen Nutzern am Leben zu erhalten, ergänzte Share-Lab-Mitglied Julia Powles, die derzeit an der Universität Cornell Tech in den USA forscht. Das große Problem dabei sei, dass "wir mit unseren Freunden auf einer Plattform des massiven Überwachungskapitalismus kommunizieren" und die vorgegebenen Regeln akzeptierten.

"Wir geben unsere öffentliche Sphäre einer privaten Partei", gab Powles im Anschluss an den Vortrag gegenüber heise online zu bedenken. "Wir sollten uns von der Vorstellung verabschieden, dass Facebook ein neutraler Vermittler ist." Es handle sich vielmehr um einen klassischen "Medienakteur", der sich auf allen Seiten öffnen müsse. Die Wissenschaftler plädierte dafür, dass Nutzer und andere Medienbetriebe etwa ihre eigenen Algorithmen auf der Plattform einsetzen können sollten und die Programmierschnittstellen (APIs) etwa für eigene News Feeds geöffnet werden sollten. Schon zuvor hatte es Stimmen gegeben, die Facebook aufforderten, die eigenen Mauern einzureißen. Sonst müssten die Wettbewerbshüter auf den Plan treten.

"Größte Marketingagentur weltweit"

In seiner jetzigen Struktur sei Facebook "eine gigantische Shopping Mall" und die "größte Marketingagentur weltweit", konstatierte Joler. Die Kalifornier kontrollierten den Markt und definierten die Regeln, da sie die größte Menge an Verhaltensdaten hätten. Viele entscheidende Dinge spielten sich dabei hinter den sichtbaren Aktionen auf dem Bildschirm ab. So könnten über den Algorithmus etwa Leute diskriminiert werden, es drohten Menschenrechtsverletzungen und neue Ausbeutungsformen durch den Missbrauch der angehäuften Messwerte und der daraus zu ziehenden Erkenntnisse. "Völlig verrückt" sei es daher, Facebook zu einer Art Richter über Falschnachrichten ("Fake News") machen zu wollen. Dies gebe den Kaliforniern noch die Chance darüber zu entscheiden, "was wahr und falsch ist".

"Es geht um Macht", ergänzte Ben Wagner von der Stiftung Wissenschaft und Politik. "Wir können nicht sagen: die werden das nie machen." Dies sei eine große Herausforderung für Medienfreiheit. Powles kritisierte in diesem Zusammenhang, dass neben den Daten freizügig liefernden Nutzern auch viele klassische Medienhäuser Teil des Problems seien. So ließen sie sich etwa mit dem Programm "Instant Articles" die "volle Kontrolle" über ihre journalistischen Beiträge nehmen im Gegenzug dafür, dass diese etwas schneller auf der Plattform geladen und prominenter dargestellt würden. Die New York Times oder der Guardian hätten diese Gefahr erkannt und seien inzwischen ausgestiegen.

Quelle : www.heise.de