HTML soll an aktuelle Bedürfnisse angepasst werden
Das World Wide Web Consortium (W3C) nimmt die Arbeit an der Hypertext Markup Language (HTML) wieder auf. Es gebe bedarf an einem offenen Forum, das sich der Weiterentwicklung von HTML widmet, meint das W3C und lädt Browser-Hersteller, Applikations-Entwickler und Content-Anbieter ein, sich an der Entwicklung der nächsten HTML-Generation zu beteiligen. Nicht nur W3C-Mitglieder sind dabei willkommen.
"HTML begann einfach, mit strukturiertem Markup, ohne Lizenzanforderungen und der Möglichkeit online alles zu verlinken. Mehr als alles andere ist es diese Unkompliziertheit und Offenheit, was zu diesem ungeheuren Erfolg geführt hat", sagte Web-Erfinder und W3C-Direktor Tim Berners-Lee. Es sei nun aber Zeit den Standard zu überarbeiten und an die aktuellen Bedürfnisse anzupassen. Dazu bedürfe es eines Schulterschlusses mit den Browser-Herstellern.
Seit der Veröffentlichung von HTML 4 ist nicht viel passiert, denn das W3C entschied sich, HTML in ein XML-basiertes Format zu überführen. Die erste Version von XHTML wurde Anfang 2000 veröffentlicht, doch die Browser-Hersteller setzten den neuen Standard eher zögerlich in ihren Produkten um und in der Folge waren Inhalte-Anbieter wenig motiviert, XHTML zu nutzen.
Nun gab das W3C dem Druck von Web-Entwicklern nach, die seit langem eine Weiterentwicklung von HTML auf Basis von HTML 4 gefordert hatten. Einige Browser-Hersteller gründeten 2004 z.B. die Arbeitsgruppe "Web Hypertext Applications Technology" (WHAT WG) um neue HTML-basierte Standards für Web-Applikationen zu entwickeln. Ihre Arbeit basiert auf einem Positionspapier, das von Mozilla und Opera im Rahmen eines W3C-Workshops vorgelegt wurde. Im Oktober 2006 kündigte Tim Berners-Lee dann an HTML neu erfinden zu wollen. Der Versuch, die Welt zum Umstieg auf XML zu bewegen, also auf einen Schlag Anführungszeichen um Attributwerte, Schrägstriche in leeren Tags und Namespaces zu nutzen, sei fehlgeschlagen, so der Web-Erfinder. HTML sollte dann doch in kleinen Schritten weiterentwickelt werden, einschließlich HTML-Formularen, obwohl für beide Standards mit xHTML und XForms eigentlich längst Nachfolger bereitstehen.
Mit großer Unterstützung seiner Mitglieder hat das W3C nun offiziell die Arbeit an HTML wieder aufgenommen. Eine Abkehr von XHTML soll dies aber nicht darstellen, der Standard habe sich in anderen Märkten als sinnvoll erwiesen, z.B. für Inhalte auf mobilen Endgeräten, bei Unternehmens- und zuletzt auch Web-Applikationen. Daher will das W3C seine Arbeiten an XHTML 2.0 auch unverändert fortsetzen, da dabei ganz andere Ziele verfolgt würden als bei der Weiterentwicklung von HTML.
Parallel zu diesen Arbeitsgruppen sollen zwei weitere ihre Arbeit aufnehmen, die Hypertext Coordination Group und eine neue Untergruppe der Forms Working Group.
Quelle : www.golem.de
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HTML5 soll 2014 erscheinen, HTML 5.1
soll 2016 folgen. (Bild: W3C)
Das W3C hat einen neuen Zeitplan für die Fertigstellung von HTML5 vorgelegt. Das Ziel: HTML5 soll unbedingt 2014 fertig werden, dafür werden Abstriche in Kauf genommen und einige der Neuerungen gestrichen.
Das W3C hat die HTML Working Group aufgefordert, einen Zeitplan für die Fertigstellung von HTML5 vorzulegen, mit dem HTML5 realistisch bis 2014 fertiggestellt werden kann. Dem kommt die Arbeitsgruppe jetzt nach und stellt einen Plan mit minimalen Risiken zur Diskussion, nach dem HTML5 2014 zur W3C-Recommendation wird. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen aber voraussichtlich einige der geplanten Neuerungen gestrichen werden. Daher sieht der Plan auch direkt HTML5.1 vor, das 2016 erscheinen soll.
Um den Termin 2014 zu halten, will die HTML-Arbeitsgruppe des W3C einige Funktionen aus dem Entwurf für HTML5 herausnehmen und getrennt in Form von Erweiterungen weiterentwickeln. Je nachdem, ob diese rechtzeitig fertig werden, wird dann kurzfristig entschieden, ob die Erweiterungen doch noch in HTML5 aufgenommen werden, erst mit HTML5.1 in den Standard wandern oder eine unabhängige Erweiterung bleiben.
HTML soll modularer werden
Eine stärkere Modularität soll auch helfen, die umfangreiche und komplexe Spezifikation handhabbar zu halten. Dazu bietet HTML5 die Möglichkeit, die Spezifikation mit Erweiterungen zu versehen, die neue Elemente, Attribute und neue Werte für Attribute sowie neue APIs definieren. Themen, die zunächst unabhängig von HTML5 weiterentwickelt werden sollen, sind unter anderem HTML Canvas 2D Context und HTML Microdata. Zudem wurden bereits Techniken wie HTML5 Web Messaging, Web Workers, Web Storage, das Websocket API, das Websocket Protocol, Server-Sent Events, WebRTC und WebVTT in Erweiterungen ausgelagert. Andere, darunter DOM Parsing and Serialization, Shadow DOM, Web Intents, HTML Editing APIs und HTML Media Capture, wurden von Anfang an als Erweiterung für HTML5 entwickelt.
Weniger Tests
Zudem soll der Testaufwand reduziert werden. Man wolle keine Zeit auf Tests für Funktionen verschwenden, die bereits im Web interoperabel eingesetzt werden, heißt es in der Ankündigung. Techniken wie SVG, MathML und WAI-ARIA wurden komplett unabhängig entwickelt, aber mittlerweile als HTML5-Erweiterungen aufgenommen.
Derzeit gibt es 10 ungelöste Probleme (Issues), 300 offene Bugs und 11 formale Einsprüche gegen den aktuellen HTML5-Entwurf.
Der Zeitplan für HTML5 sieht derzeit vor, noch im vierten Quartal eine Candidate Recommendation zu veröffentlichen. Die Arbeiten daran sollen im Oktober 2012 beginnen, wobei noch nicht stabile und kontroverse Funktionen gestrichen werden. Im dritten Quartal 2014 soll dann der Last Call zu Kommentaren erfolgen, im vierten Quartal HTML5 dann zunächst zur Proposed Recommendation und später zur Recommendation werden, womit HTML5 dann als Internet Standard verabschiedet wäre.
Erster Entwurf von HTML5.1 noch 2012
Im vierten Quartal 2012 soll zudem ein First Public Working Draft von HTML5.1 vorgelegt werden, bestehend aus den zu diesem Zeitpunkt stabilen HTML5-Funktionen sowie den als noch instabil deklarierten Teilen von HTML5, die aus der HTML5-Spezifikation herausgenommen werden. Erst im dritten Quartal 2014 soll dieser Arbeitsentwurf den Status Last Call erreichen soll. Für das erste Quartal 2015 ist die Veröffentlichung einer Candidate Recommendation vorgesehen, im vierten Quartal 2016 soll HTML5.1 dann den Status einer Recommendation erreichen. Neue Funktionen sollen ihren Weg in HTML5.1 vor allem über Erweiterungen finden.
Bei der Entwicklung von HTML5.1 soll ähnlich verfahren werden wie jetzt bei der Fertigstellung von HTML5, das heißt, noch nicht stabile Teile werden in einen Entwurf für HTML5.2 ausgelagert. Gleiches gilt für neue Funktionen, die später vorgeschlagen werden. Ein erster Arbeitsentwurf für HTML5.2 soll nach aktuellem Plan Anfang 2015 vorliegen.
Der Plan gilt aber ausdrücklich nur für die Kernspezifikation von HTML5: Einzelne Erweiterungen können auch deutlich früher fertig werden, da sie unabhängig weiterentwickelt werden. Das soll der HTML5-Entwicklung mehr Dynamik verleihen, da neue Funktionen so deutlich früher fertiggestellt werden können.
Quelle: www.golem.de