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Info Corner / Internet-via-Sat, Datendienste / IPTV / Videoportale / Internet TV & Radio => # WWW, Telefon, Provider & Co => Thema gestartet von: SiLæncer am 04 September, 2005, 10:02

Titel: David gegen Google:Wenn Wissen Macht ist dann sind die Suchmaschinen Supermächte
Beitrag von: SiLæncer am 04 September, 2005, 10:02
Zu schnell, zu mächtig, zu gierig? Seit dem Börsengang vor einem Jahr hat sich Google zum expansionshungrigen Medien-Kraken gewandelt, der sich von der Außenwelt abschottet. Die einstige Campusfirma hat ein Imageproblem: Sie ist zu erfolgreich geworden.

Wie groß ist das Internet? Diese fast schon philosophische Frage bewegt Wissenschaftler und Computerfans weltweit. Universitäten von Iowa bis Pisa haben sich in das Thema vertieft. Schätzungen schwankten in der Vergangenheit zwischen 200 Millionen und 2,2 Milliarden Seiten. Als sie schließlich bei sagenhaften 550 Milliarden anlangten, ging das Rechnen in Raunen über - von den "unendlichen Weiten" des irdischen Cyberspace.

Seit August gibt es eine neue Zahl, und die sorgt für hässlichen Streit im Silicon Valley: Exakt 19,2 Milliarden Web-Dokumente haben die Experten von Yahoo in ihrem Datenbestand gezählt - eine bislang unerreichte Menge an recherchierbaren Informationen. "Wir sind stolz auf die Leistungen unserer Ingenieure", jubelte Yahoo-Manager Jeff Weiner auf einer Fachkonferenz im kalifornischen Santa Clara, als hätte er gerade das Universum kartografiert.

Der große Konkurrent Google reagierte verschnupft. Wurde die nach eigenem Verständnis größte, erfolgreichste und zudem coolste Internet-Suchmaschine der Welt eiskalt überholt? Larry Page und Sergej Brin, die Firmengründer, ließen Zehntausende Suchanfragen durch die Yahoo-Systeme jagen, dann wiesen sie den Führungsanspruch des Konkurrenten empört als unbewiesen zurück.

Das kleinkarierte Scharmützel ist so absurd, als würden die Elite-Hochschulen Harvard und Yale öffentlich um die Zahl der Bücher in ihren Bibliotheken zanken. Aber es zeigt, womit Google, allen Rekorden zum Trotz, inzwischen zu kämpfen hat: mit aggressiver Konkurrenz im Aufholfieber und mit einer launischen Internet-Gemeinschaft, die ihr Garantieversprechen auf andauernden Google-Enthusiasmus kühl zurückzuziehen scheint.

Datenschützer warnen vor Allmacht und Schnüffelmöglichkeiten der Google-Jungs im eigenen Datenimperium. Medienkonzerne beklagen ihre Gefräßigkeit.

Zwar haben die Überflieger aus dem kalifornischen Mountain View in den vergangenen zwei Wochen immer neue Meilensteine präsentiert: erst eine Firmenübernahme, dann neue Produkte und schließlich eine zweite Aktienemission, die weitere Milliarden erlösen soll. Doch der Funke ist nicht übergesprungen. Statt Jubel und Bewunderung prasseln diesmal Fragen und Kritik auf Google nieder.

"Wird die sieben Jahre alte Firma zu schnell zu groß?", fragt der "Guardian" aus London besorgt. Die "Financial Times Deutschland" beschreibt ihre "gnadenlose Vorherrschaft". Und die "New York Times" gibt sogar Entwarnung für Bill Gates, den jahrzehntelangen Lieblingsfeind der Computerbranche: "Jetzt ist Google als Bösewicht dran."

Nur ein Jahr nach dem Börsengang ist die einst sympathisch-unkonventionelle Firma zum bedrohlich-undurchschaubaren Riesen geworden. Die Gründer schotten sich ab, Journalisten werden auf Abstand gehalten, die eigenen Aktionäre über die Strategie im Unklaren gelassen.

Die einst so schlichte Suchmaschine mit dem eingängigen Firmenzweck, "die Informationen der ganzen Welt zu organisieren und allgemein zugänglich zu machen", hat sich zum expansionshungrigen Konzern gewandelt, der mit gewaltigen Personal- und Geldressourcen neue Märkte erobern will - und dabei das eigene Image vergoogelt.

Brin und Page schlägt deshalb zunehmend eine Mischung aus Misstrauen und Furcht entgegen, dabei wollten sie genau das mit aller Kraft vermeiden. "Sei nicht böse" lautet ihre Unternehmensphilosophie.

"Google ist keine konventionelle Firma, und wir wollen auch keine werden", versprachen sie, bevor sie im August 2004 erstmals Aktien an die Börse brachten. In Stellenanzeigen preisen sie ihr Firmengelände, den Googleplex, als das "revolutionärste Arbeitsumfeld der Welt".

Den zwei Wunderkindern, die sich 1995 auf dem Campus der Stanford Universität kennen lernten, ist bis jetzt alles gelungen. Während die New Economy um sie herum zusammenbrach, bauten sie die größte Suchmaschine des Internet. Als Medienkonzerne Milliarden im Netz versenkten, verdienten sie bereits mit Online-Reklame. Inzwischen sind ihre Werbeeinnahmen sogar größer als die der New York Times Media Group. Die Börse hatte sich kaum vom Ende der Internet-Hysterie erholt, da sammelten die beiden unscheinbaren Programmierer an der Wall Street bereits über eine Milliarde Dollar ein.

Schon lange vorher hatten Kulturwissenschaftler die ganze Welt zur "Google-Gesellschaft" erklärt, ihre Gründer wurden als eine Art Gebrüder Gutenberg des 21. Jahrhunderts gefeiert. Die Duden-Redaktion nahm "googeln" in ihr Wörterbuch auf. Und der Verleger Hubert Burda ("Bunte", "Focus") erklärte Google zum "perfektesten Wissensinstrument, das es gibt".

Über die Hälfte aller Internet-Konsumenten nutzen die derart gefeierte Maschine für ihre Recherchen. Zwei Milliarden Mal pro Monat heißt es bei Google: Such, Maschine! Trefferlisten werden von den Servern in Sekundenbruchteilen ausgespuckt und neben der dazu passenden Werbung platziert, denn damit wird das große Geld verdient. Nur wer nach hartem Alkohol ("vodka") oder Feuerwaffen ("guns") stöbert, bleibt von Reklame verschont: Entsprechende Annoncen würden mit dem Firmengesetz kollidieren, "die Welt zu einem besseren Platz zu machen".

Das Kleinanzeigengeschäft hat sich als überaus profitabel erwiesen, allein im letzten Jahr haben sich die Umsätze verdoppelt (siehe Grafik), und hier liegt das Problem: 99 Prozent aller Konzerneinnahmen stammen aus diesem Bereich. Doch dessen Potential gilt als begrenzt. Spätestens 2007 ist dem US-Marktforschungsinstitut Forrester Research zufolge die Wachstumsgrenze erreicht. Vorstandschef Eric Schmidt, der das Unternehmen zusammen mit den beiden Gründern führt, muss deshalb dringend neue Geldquellen suchen, um das Börsenfieber hochzuhalten.

Damit das zumindest an den Finanzen nicht scheitert, hat das Führungstrio Mitte August einen weiteren Börsengang beschlossen. Vier Milliarden Dollar soll das bringen. Die schon jetzt mit drei Milliarden Dollar gefüllten Kassen sind für Eroberungsfeldzüge also bestens bestückt. Fragt sich nur: Wohin mit dem Geld?

Zwischen Bangalore in Indien und dem Silicon Valley an der US-Westküste gehört dies zu den wahrscheinlich am meisten diskutierten Rätseln. Denn Google selbst schottet sich ab.

Für die Börsenaufsicht und die Öffentlichkeit hält das Unternehmen inzwischen nur noch unverbindliche Statements parat. "Hauptzweck dieses Angebots ist es, zusätzliches Kapital zu gewinnen", heißt es da zum Beispiel lapidar.

Die beiden Superstars der Internet-Ökonomie haben es sogar geschafft, die Transparenzerwartungen der Wall Street zu ignorieren - bislang ungestraft. Die Aufstellung

von Umsatz- und Gewinnprognosen halten die Chefs für Zeitverschwendung. Stattdessen wenden sie sich alle zwölf Monate per Brief an ihre Aktionäre.

Ein Höhepunkt des diesjährigen Schreibens war der neue Vergütungsplan für Angestellte. Nicht einmal Absender Brin fand das "besonders spannend".

Auf einer Analystenkonferenz im vergangenen Februar kam ihr oberster Finanzchef - in anderen Firmen der Star einer solchen Veranstaltung - kaum zu Wort. Auf konkrete Zahlen ging er dabei erst gar nicht ein. Warum auch? Sein Aktienkurs hat sich auch ohne weitere Informationen seit dem Börsengang verdreifacht.

Elinor Mills ist Reporterin bei der amerikanischen Online-Fachredaktion "Cnet". Vor sechs Wochen berichtete sie dort über den verschwiegenen Vorstandschef Schmidt. Was sie herausgefunden hatte, war eigentlich wenig spektakulär: Der Mann wohnt demnach im reichen Atherton, sein Aktienpaket ist etwa 1,5 Milliarden Dollar wert, und im US-Wahlkampf 2000 hat er bei einem Fundraising-Dinner 10.000 Dollar für die Demokraten gespendet - Al Gore und Gattin Tipper tanzten dabei zur Musik von Elton John.

Das alles hatte Mills nach eigenen Angaben nicht durch raffinierte Hintergrund-Recherchen zutage gefördert, sondern schlicht durch 30-minütiges Googeln. Schmidts Kommunikationstruppe war dennoch empört und hat die gesamte Redaktion kurzerhand mit einer einjährigen Nachrichten- und Kontaktsperre bestraft.

Eine drakonische Maßnahme, wenn man bedenkt, dass kaum ein Internet-Unternehmen in so kurzer Zeit so viel Geld mit dem Bereitstellen von Informationen verdient hat. Doch in eigenen Angelegenheiten gibt sich ausgerechnet Google zugeknöpft wie sonst nur Geheimdienste oder Rüstungskonzerne im Kalten Krieg. Anfragen werden von der streng hierarchisch organisierten Pressestelle mitunter erst Wochen später beantwortet.

Dabei gibt es zum Beispiel in Sachen Datenschutz großen Informationsbedarf. Weil Google die Daten und das Surfverhalten der Nutzer über sogenannte Cookies bis zum Jahr 2038 nachvollziehen kann, wurde die Firma in den USA schon für den "Big Brother Award" nominiert - eine Art Strafpreis der amerikanischen Datenschützer. Auch die elektronische Post der Kunden in Googles E-Mail-Programm kann automatisch mitgelesen und auf werberelevante Begriffe durchsucht werden.

Missbrauchsfälle wurden bislang nicht bekannt. Laut Google geht es nur darum, die Nutzer mit maßgeschneiderter Reklame zu versorgen. Organisationen wie "Google Watch" schlagen dennoch Alarm.

Selbst im deutschen Bundestag wurde das Allwissen der neugierigen Suchmaschine schon zum Thema. "Nutzerinnen und Nutzer können sich kaum dagegen wehren", heißt es in einer Studie der Grünen. Insbesondere das E-Mail-Angebot verstoße gegen das deutsche Fernmeldegeheimnis, weil es, so die Grünen, "keinen Unterschied macht, ob eine Maschine oder ein Mensch die Mails mitliest".

Für noch mehr Unruhe sorgen indes die vielfältigen neuen Aktivitäten des Konzerns. Neben Google Mail und Google News, einer vollautomatischen Nachrichtenmaschine, ist vor wenigen Wochen Google Earth auf den Markt gekommen: Das satellitengestützte Programm kann in Sekundenschnelle Luftbilder jedes Erdfleckens auf den Bildschirm zoomen.

Ein neues Instant-Messaging-Programm soll neben unkompliziertem Chatten auch Internet-Telefonie ermöglichen. Das sogenannte Desktop 2 schließlich ermöglicht die sekundenschnelle Datensuche auf der eigenen Festplatte und arbeitet überdies als persönliche Informationszentrale inklusive Wetter-, Börsen- und Fotoservice; ein vergleichbares Microsoft-Produkt steckt noch in der Entwicklung.

Das alles ist elegant entwickelt und umsonst - und es hält die Konkurrenz von AOL bis Yahoo auf Distanz. Folgt als Nächstes der Einstieg ins Handy-Geschäft? Eine Megafusion? Oder wird aus der einst puristischen Suchmaschine ein Telekommunikationskonzern, der - wie derzeit schon im Zentrum von San Francisco begonnen - kabellosen Internet-Zugang offeriert? Und vor allem: Wofür sammeln die Google-Jungs schon wieder Milliarden an der Börse ein?

Zumindest die letzte Frage ist schnell geklärt, wenn man dem "Wall Street Journal" glaubt. Es hält die Aktie schlicht für heillos überbewertet und sieht bei Google deshalb nur ein Motiv: "Noch mehr verkaufen, und zwar schnell. Bevor die Vernunft an den Kapitalmarkt zurückkehrt."

Quelle : www.spiegel.de
Titel: Die Macht der Suchmaschinen - reine Mathematik oder Einflussnahme?
Beitrag von: SiLæncer am 26 Juni, 2006, 12:37
Wie sucht man Informationen im Internet? Acht von zehn Deutschen antworten: Mit Google. So zumindest sagt es der Betreiber. Bestenfalls werden noch die Suchmaschinen von Yahoo oder Microsoft genannt. Zusammen stellen diese drei in Deutschland einen Marktanteil von rund 90 Prozent, sagt der Journalistik-Experte Marcel Machill. Er spricht sogar von einem "weltweiten Monopol". Um über die "Macht der Suchmaschinen" und ihren Einfluss auf die Politik und den Alltag einer Informationsgesellschaft zu diskutieren, kommen an diesem Dienstag in Berlin zahlreiche Fachleute zu einer internationalen Konferenz zusammen.

"Im klassischen Mediensektor ist solch eine Konzentration nicht denkbar", sagt Machill, der an den Universitäten Dortmund und Leipzig Journalistik lehrt. Darüber hinaus hätten Untersuchungen ergeben, dass Nutzer bei Recherchen nur die ersten 20 Treffer beachteten – wenn nicht schon nach einer Hand voll Schluss ist. Problematisch werde das bei politisch umstrittenen Themen oder wenn die ersten Treffer auf verbotene Seiten, etwa solche mit rechtsextremem Gedankengut, verweisen. Machill sieht bei Suchmaschinen-Betreibern daher eine "publizistische Verantwortung". Sollten sie die nicht wahrnehmen, müsse der Gesetzgeber möglicherweise regulierend eingreifen. Google-Sprecher Stefan Keuchel weist dies zurück. Suchmaschinen arbeiteten nach einem rein mathematischen Algorithmus.

Welche Logik hinter Suchmaschinen stecke, sei weitgehend unbekannt, klagt Machill. Google zum Beispiel ordnet nach eigenen Angaben nach 200 Kriterien, die in einem komplexen Algorithmus ausgewertet werden. Vor allem sei wichtig, wie viele andere Seiten auf die eigene verweisen. Kaufen lasse sich die Platzierung nicht, versichert Keuchel. Geld verdiene Google ausschließlich mit Anzeigenspalten, in denen Werbe-Links passend zum eingegebenen Suchbegriff erscheinen. Dennoch lasse sich die Platzierung beeinflussen, sagt Roman Thronicke, Inhaber des Dresdner Internet-Dienstleisters COKUNA- communication. Mittlerweile hat sich um dieses Geschäft eine eigene Branche entwickelt. Für Firmen könne es ein entscheidender Wettbewerbsvorteil sein, unter den ersten Treffern der Suchmaschinen aufzutauchen. Den genauen Mechanismus, wie die Trefferlisten errechnet werden, verrät Google aus aus Angst vor Konkurrenz nicht.

Von publizistischer Verantwortung hält Google wenig. "Wir glauben an Meinungsfreiheit, nicht an Zensur", sagt Keuchel. Gesperrt werden daher nur Seiten, die verboten sind. Orientierung biete eine Liste mit rund 1000 Internetadressen der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien. Auch in China verfahre das Unternehmen so. Dort dürfen keine Treffer zum Massaker auf dem Tiananmenplatz oder zum Einmarsch in Tibet erscheinen. Kritiker sprechen von einem "willfährigem ausblenden regimekritischer Inhalte". Wer sich nicht an die Regeln des jeweiligen Landes halte, könne dort keine Seite betreiben, hält Keuchel dagegen – auch wenn Google Mitbegründer Sergey Brin schon einmal eingeräumt hat, dass der Findgigant mit seinem Auftritt in China Unternehmensprinzipien geopfert habe. In China war die unzensierte Google- Seite im Juni zeitweise blockiert.

Quelle : www.heise.de
Titel: Suchmaschinen: Zwischen Marktmacht und Medienregulierung
Beitrag von: SiLæncer am 27 Juni, 2006, 16:43
Am Arbeitsplatz ebenso wie im Privatleben sind Suchmaschinen eine alltägliche Anlaufsstelle im Internet. Mit dem Ranking der Suchergebnisse lenken sie die Aufmerksamkeit der Nutzer und üben auf diese Weise eine ähnliche Weise Macht aus wie Journalisten in den konventionellen Medien. Wenn in Deutschland inzwischen mehr als 80 Prozent aller Suchanfragen über einen einzigen Anbieter – Google – laufen, ist das bereits eine Machtkonzentration, die ähnlich wie im Rundfunk- und Presserecht der öffentlichen Regulierung bedarf?

"Die Medienregulierung verfolgt das Ziel, einem möglichst vielfältigen Angebot von Medien Platz zu machen", erklärte der Direktor der Landesanstalt für Medien NRW, Norbert Schneider, heute auf der Podiumsdiskussion zum Thema "Die wachsende Macht der Suchmaschinen im Internet" der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin. Dieses Ziel erreiche man "am besten dadurch, daß man Machtballungen verhindert und die Zugänge zu den zentralen Kommunikationsbereichen in der Gesellschaft offenhält". Wie Schneider plädierte auch die Medienexpertin und Bundestagsabgeordnete der Grünen, Grietje Bettin, für eine Vielfalt der Informationsmöglichkeiten, für die sich die Politik verantwortlich fühlen und die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen sicherstellen müsse. "Wir halten die Dominanz einer einzelnen Suchmaschine für kritisch", erklärte sie.

Dagegen bekräftigte Rachel Whetstone, Chefin der Öffentlichkeitsarbeit bei Google Inc. in London, die bekannte Position des Suchmaschinen-Marktführers, dass Google kein Medienunternehmen sei, sondern nur auf Inhalte verweise. "Wir sind weder eine Zeitung noch ein Fernsehsender und beurteilen die Inhalte nicht – wir bringen einen Algorithmus zur Anwendung", erklärte sie. "Wir wollen nicht in die Position kommen zu entscheiden, was die Leute zu sehen oder nicht zu sehen bekommen". Über die Legalität oder Illegalität von Inhalten zu befinden, sei Sache der gewählten Vertreter in den Parlamenten; das jeweils geltende nationale Recht werde selbstverständlich respektiert. Auch die Kritik an der Marktmacht ließ sie nicht gelten. Das Internet hätte doch die Macht der traditionellen Medien gebrochen und zur "Demokratisierung des Zugangs zu Informationen" überhaupt erst beigetragen, dazu gehöre beispielsweise die Befreiung der TV-Zuschauer von der Bevormundung durch Journalisten: "Als aktive Zuschauer können wir nun nach den Nachrichten herausfinden, was diese Nachrichten für uns bedeuten".

"Wir glauben, daß die Macht, wenn man schon von Macht sprechen will, beim User liegt", meinte auch Volker Gläser, Direktor des Geschäftsbereichs Suchmaschinen bei Yahoo Deutschland. Den Vergleich mit journalistischen Funktionen hielt er für abwegig. "Wenn die Technologie Inhalte findet und als relevant bewertet, werden sie angezeigt; wenn ein Inhalt illegal ist, dann fällt er raus", beschrieb er die redaktionelle Eingriffschwelle.

Für Marcel Machill, Inhaber des Lehrstuhls für Journalismus und internationale Mediensysteme an der Universität Leipzig, macht es keinen Sinn, die Konzentration zu bekämpfen. "Die ist ja durch die Nutzer erst hervorgerufen, aber die Förderung von Alternativen kann sinnvoll sein". Solche Überlegungen sehe er "ganz entspannt", erklärte dazu Gläser von Yahoo; "wenn es ein öffentliches Bestreben zu einer öffentlich-rechtlichen Suchmaschine gibt, dann belebt das den Wettbewerb".

Quelle : www.heise.de
Titel: Re: Die Macht der Suchmaschinen - reine Mathematik oder Einflussnahme?
Beitrag von: Dragonix am 27 Juni, 2006, 17:38
was verwendet ihr den für suchmaschienen?
Titel: Google und Co: Experten warnen vor Informationsübermacht
Beitrag von: SiLæncer am 27 Juni, 2006, 18:46
Eigentlich erleichtern Suchmaschinen wie Google den Zugang zu Informationen, aber sie filtern sie eben auch. Die Macht der Datenfinder werde vollkommen unterschätzt, warnen Experten deshalb jetzt - und fordern gesetzliche Regulierung.

Berlin - Man solle die "Macht der Suchmaschinen nicht unbeobachtet lassen", erklärte Marcel Machill von der Universität Leipzig auf der Berliner Konferenz der Friedrich-Ebert-Stiftung. Ein Fazit, zu dem viele Wissenschaftler auf dem Treffen kamen, bei dem es um den wachsenden Einfluss der Internet-Datenseiten ging. Der Einfluss der Online-Suchmaschinen bei der Meinungsbildung wird nach Ansicht der Experten, die sich bei dem Treffen zusammenfanden, bisher völlig unterschätzt.

Obwohl die Anbieter den globalen Zugang zu Netzinhalten erleichterten, hätten sie sich im gesellschaftlichen und medienpolitischen Bereich als "ein Medium mit Informationsmacht" etabliert, erklärte etwa Veranstaltungsleiter Machill. Vor allem die drei großen US-Suchmaschinen Google, Yahoo und MSNsearch, die ein weltweites Oligopol beherrschten, seien bei der Aufbereitung von Inhalten "nur selten transparent". Die drei Anbieter hätten dabei zusammen mehr als 90 Prozent Marktanteil und seien so zum regelrechten Informationsfilter geworden.

Die Suchmaschinen seien von erheblichem öffentlichen Interesse und fielen daher "in den Bereich der Medienpolitik" und unter das Gesetz der Rundfunkfreiheit, betonte Machill. Deshalb seien auch seitens der Politik neue Instrumente zur Selbstregulierung gefordert. Deutsche Medien hätten 2005 einen Verhaltenskodex unterzeichnet, "um die Macht der Suchmaschinen nicht unbeobachtet zu lassen", sagte Machill. Doch insgesamt sei der Suchmaschinensektor für die Medienpolitik in weiten Teilen noch unerschlossenes Gebiet.

Nur 20 Treffer werden angeguckt

Doch nicht nur der Gesetzgeber sei gefragt, hieß es auf der Konferenz. Daneben müssten auch die Anbieter eine "publizistische Verantwortung" wahrnehmen. Doch die großen Suchmaschinen-Betreiber betrachteten sich lediglich als Anbieter einer rein mathematischen Suchtechnologie, sagte Machill.

Eine Selbstzensur über die gesetzlichen Anforderungen hinaus wiesen sie zurück. Dabei lieferten Trefferlisten auch Verknüpfungen zu Seiten mit Inhalt von "erheblichem öffentlichem Interesse". Da Internetnutzer Untersuchungen zufolge höchstens die ersten 20 Treffer benutzten, ergebe sich aus der Reihenfolge, in der die Treffer angezeigt werden, eine entscheidende Vorauswahl.

Als Beispiel nannte Machill die Eingabe des Begriffs NSDAP in Google: Bis vor kurzem sei der Nutzer damit auf eine Seite mit rechtsextremem Inhalt gelangt. "Stellen Sie sich vor, dass Schüler sich im Internet über das Thema informieren wollen", gab der Experte zu bedenken. Die Verknüpfung sei aus rechtlichen Gründen in Deutschland gestrichen worden. Betreiber sollten nach Ansicht Machills aber einen Schritt weitergehen. Sie sollten eine "eigene Verantwortung" entwickeln. Denkbar sei für die Zukunft auch die Entwicklung "vertrauenswürdiger" Suchmaschinen, zum Beispiel von einem öffentlich-rechtlichen Träger, sagte Machill.

Quelle : www.spiegel.de

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@Dragonix : Google - liefert nun mal die besten Ergebnisse....
Titel: Re: Die Macht der Suchmaschinen - reine Mathematik oder Einflussnahme?
Beitrag von: Jürgen am 28 Juni, 2006, 01:26
Altavista ist oft eine geeignete Ergänzung.
Insbesondere scheinen mir die Resultate bei der Suche nach / in PDFs dort besser.
Titel: David gegen Google:Wenn Wissen Macht ist dann sind die Suchmaschinen Supermächte
Beitrag von: mtron am 29 November, 2006, 14:05
David gegen Google

Wie ein Mathematiker aus New Jersey die größte Suchmaschine der Welt übertrumpfen will: Eine Reise ins Reich der Algorithmen Von Heike Faller

Apostolos Gerasoulis ist Mathematiker und eigentlich mit Problemen beschäftigt, auf deren Lösung die Welt noch warten kann. Doch neuerdings befällt ihn manchmal, abends, wenn er mit seiner Frau vor dem Fernseher sitzt, eine kleine Unruhe. Dann entschuldigt er sich für ein paar Minuten. Aber seine Frau weiß, dass es länger dauern wird, wenn er sich so spät in sein Wohnzimmer verzieht, wenn er im Schein seines Dell-Inspiron-Laptops sitzt, weil er dann nachsieht, was der Welt an diesem Tag durch den Kopf gegangen ist.

Apostolos Gerasoulis ist der Gründer der viertgrößten amerikanischen Internet-Suchmaschine Ask Jeeves. Zehn Millionen Suchbegriffe werden jeden Tag dort eingegeben, das sind zehn Millionen Fragen und Wünsche, nach Nachrichten und Produkten, nach Diagnosen und Namen und natürlich nach nackten Frauen und Pornos und Strippern und Orgien und Pam-Anderson-Videos. Und auch nach dem Sinn des Lebens wird gefragt, nach Gott und dem Teufel, die aber beide sehr weit hinter Britney Spears zurückliegen, die sich als einzige Weltberühmtheit seit Jahren ganz oben hält und von deren Namen Apostolos Hunderte Schreibweisen gesehen hat.

In Shorts sitzt er vor seinem Computer. Ein Mann von 54 Jahren, mit einem kleinen Gewichtsproblem und Haarsträhnen, in seinem Wohnzimmer, in einem großen Haus unter alten Eichen, am Ende einer Sackgasse, in einem Vorort von New Jersey. Sein Sohn, er ist neun, fragt manchmal, ob man noch etwas Großes werden könne, wenn man schon als Kind alles hat. Vor zwei Jahren hat Apostolos die zweistöckige Villa mit dem Säulenportal über ein Holzhäuschen aus den dreißiger Jahren setzen lassen. Das Wohnzimmer ist ganz mit Mahagoni vertäfelt. Wenn er hier sitzt, blickt er auf einen alten Golfplatz, der in sanften Wellen an seiner Terrasse anschlägt. Um Mitternacht ist alles still. Er registriert die lautlose Kakophonie von Fragen, welche die Menschen seiner Maschine anvertrauen. Von oben ruft seine Frau, dass sie jetzt schlafen ginge.

Natürlich kann er sich nicht um jeden Einzelnen kümmern. Apostolos Gerasoulis ist Professor für Angewandte Mathematik, er glaubt, dass die Wahrheit in Zahlen liegt. Auf seinem Bildschirm häufen sich die Wörter zu einer Statistik, und die Statistik ergibt eine Geschichte des vergangenen Tages. An diesem Abend im August rangieren wie immer Irak und die USA in den obersten zehn der Länderliste, aber heute haben sich in dem großen Computerchor zwei neue Stimmen herausgebildet; die einen, allem Anschein nach Gegner des Irak-Kriegs, schreiben »Grieving Moms« und »Out of Iraq«, die andere Gruppe, offenkundig Kriegsbefürworter, fragt nach »Iraq despite deaths« und »Northern Offensive«. »Du siehst Trends, die sich vielleicht eines Tages auswirken«, sagt Apostolos. Das passiert häufig: Die späteren Gewinner von Talentshows im Fernsehen kann er oft vor der Entscheidung an der Zahl der Suchanfragen ablesen. Auch nach Kardinal Ratzinger wurde in den Tagen vor der Papstwahl häufiger gefragt als nach seinen Konkurrenten. Manchmal sieht er auch, wie die Aufregung in seine Statistiken schießt, »Tsunami« oder »New Orleans« oder das Mitgefühl, »Red Cross«, das nach dem Hurrikan in den USA viel häufiger erfragt wurde als nach dem Tsunami in Asien. »Gibt es eine Korrelation zwischen Distanz zum Ereignis und der Größe des Mitleids?«, fragt er sich. »Lässt sich aus diesen Zahlen extrapolieren, wie groß der seelische Schock war?«

Die Tage, an denen kein neues Wort auftaucht, sind selten. Dann nimmt der Alltag im Netz seinen Lauf, freitags Filmtipps, samstags Einkaufswünsche, sonntags Hausaufgaben. Truthahnrezepte kündigen die Zeit vor Thanksgiving an, bis das Wort »Turkey« wieder verschwindet und kurz vor Weihnachten noch mal auftaucht. Apostolos nennt es eine saisonabhängige Anfrage, wie auch die »Liebe« eine solche ist, jedes Jahr zum Valentinstag feiert sie ein kurzes Hoch, um danach steil abzustürzen. »Manchmal ist es, als ob ich die Gefühle der Welt spüre. Aber das ist auch ein Druck. Was wäre, wenn wir auf Anfragen wie ›Liebe‹ oder ›Hurrikan‹ einen falschen Rat geben würden?« Apostolos Gerasoulis glaubt, dass es auf alle Fragen richtige Antworten gibt.

Der Börsenwert von Google liegt über dem von DaimlerChrysler

Es geht um einen Hunger, der noch lange nicht gestillt ist. Genau wie Kinder haben die meisten Erwachsenen den Kopf voller Fragen, aber ohne jemanden an der Hand, der mehr weiß als sie, haben sie aufgehört, sie zu stellen, und gelernt, die Fragen zu verschieben. Bis Google kam, also die Möglichkeit, aus dieser riesigen Sammlung menschlichen Wissens eine Antwort zu bekommen, aus dieser Bibliothek von Babel, wie der argentinische Dichter Jorge Luis Borges sie sich erträumt hat, und die alles enthält, alle Buchstaben in jeder Kombination, allen Sinn und allen Unsinn in allen Sprachen. In Borges’ Erzählung werden die Menschen in der Bibliothek alt, ohne eine Antwort gefunden zu haben auf das, was sie umgetrieben hat.

Heute dauert es Sekundenbruchteile, bis eine Suchmaschine Tausende (mehr oder weniger passende) Texte apportiert hat auf die Frage, die Menschen durch den Kopf geschossen ist, und auf die Fragen, die sich daraus ergeben, dieses kindliche Vergnügen, immer weiterzufragen, den Verweisen zu folgen, bis man auf Abwege gerät und irgendwo in Absurdistan endet. Googeln – so sehr ist dieses Verb schon Teil des Alltags geworden, dass es im vorigen Jahr in den Duden aufgenommen wurde. Und als Google im Mai eine Viertelstunde ausfiel, wegen Server-Problemen, berichteten darüber die Nachrichtenagenturen. Die Abhängigkeit von diesem Antwortlieferanten, den vor fünf Jahren kaum einer kannte, ist immens. Wenn Google ausfällt, dann ist es so, als wäre der Welt für eine Viertelstunde das Wasser abgedreht worden.

Welch ein Markt. Auf der einen Seite die menschliche Neugierde. Auf der anderen Seite das Internet. Dazwischen die Suchmaschinen, die immer genauere Antworten liefern wollen. Ask Jeeves ist das kleinste unter den großen Suchprogrammen, mit einem Marktanteil von etwa sechs Prozent in den USA und in Großbritannien. Seine Antworten haben die Treffsicherheit von Google erreicht; es heißt in der Branche, dass Ask Jeeves über die innovativste Technik verfüge. Vor ihm liegen Yahoo und Microsoft. Yahoo ist Anfang 2004 mit einem eigenen Suchprogramm auf den Markt gekommen, dann stieg Microsoft ein, und alle fürchten, dass der Monopolist die Massen über sein Betriebssystem in das eigene Suchprogramm MSN lenken könnte. Über allem schwebt Google, 300 Millionen Nutzer, zwei Milliarden Anfragen im Monat. Weltweit erledigt das Programm etwa die Hälfte aller Suchanfragen, in Deutschland sogar über 80 Prozent. »The big G«, sagt Apostolos. G wie Gott. Oder wie Goliath. Er ist David.

»Die Informationen dieser Welt zu organisieren und sie allgemein verfügbar und zugänglich zu machen«, das ist das Unternehmensziel von Google. Bessere Antworten zu liefern als Google, das ist der Ehrgeiz von Apostolos Gerasoulis. Er glaubt, dass er ihm Marktanteile abnehmen, vielleicht sogar seine Vorherrschaft kippen könnte.

Davon träumen alle. Man müsste nur eine Zauberformel finden, die bessere Antworten liefert. So wie Google eine gefunden hat, die all die anderen Suchprogramme alt aussehen ließ, Alta Vista und Excite und Fireball und wie sie alle heißen. Suchmaschinen, die auf der Strecke geblieben sind und die immer noch im Internet stehen, abseits der Datenströme, ausgeweidet um ihre besten Teile, wie Autowracks an einer Wüstenstraße.

Es könnte ganz schnell gehen, sagt Apostolos. »Alles, was man braucht, sind eine Menge Computer und extrem schnelle Netzverbindungen. Und die Formel. Nach der suchen im Moment ziemlich viele. Microsoft hat in den vergangenen zwei Jahren Hunderte Millionen Dollar ausgegeben, um in das Spiel einzusteigen. Und ich habe täglich eine Mail auf dem Schreibtisch, in der irgendwer behauptet, den besten Suchalgorithmus gefunden zu haben.«

Der amerikanische Branchenexperte Charles Ferguson schätzt, dass in diesem Markt in den nächsten Jahrzehnten insgesamt eine halbe Billion Dollar verdient werden können. Bald wird es nicht mehr nur um Internet-Seiten gehen, sondern um alles: Fernsehsendungen, Buchtexte, Datenbanken, Privates, Mitschnitte von Telefonaten.

Die Gewinne werden natürlich mit der Werbung erzielt. Wer die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf sich zieht, der kann ihr viel verkaufen. Bei den Suchmaschinen geschieht dies mit den so genannten Adwords, gekauften Wörtern, die in der rechten Spalte neben den Ergebnissen auftauchen oder auf den aufgerufenen Seiten erscheinen, passend zur Anfrage. Für die Werbebranche muss es ein Traum sein. Als würden die Leute auf der Straße nur noch Plakate zu dem Thema sehen, an das sie gerade denken. Die Werbeeinnahmen von Google sind bereits höher als die der New York Times. 2005 sind die Werbegelder, die im Internet ausgegeben wurden, um zwanzig Prozent gestiegen. Ask Jeeves hat im vorigen Jahr 261 Millionen Dollar Gewinn gemacht, Google drei Milliarden. Der Börsenwert von Google beträgt im Moment 80 Milliarden Dollar, mehr als der von DaimlerChrysler. Apostolos Gerasoulis sagt, er könnte aufhören zu arbeiten – wenn es ihm nur ums Geld ginge. Aber jetzt geht es um die Welt. Er sei ein glücklicher Mann. Gerade noch haben sich ein paar hundert Leute für seine Algorithmen interessiert. Jetzt beeinflussen sie das Leben von Millionen.

Er war schlecht in der Schule, dann las er Dostojewskij


Ausgerechnet er. Ein Mathematiker. Mit dem Kopf immer woanders. »Abstraktion« ist sein Lieblingswort, das große Thema von Apostolos Gerasoulis. Wie er schon als kleiner Junge abhob in die Welt der Zahlen, weil ihm die echte Welt, ein armes Bergdorf in Griechenland, zu langweilig war. Der Sohn eines Eisenwarenhändlers, zunächst schlecht in der Schule, bis er als Jugendlicher in den Geschichten von Dostojewskij das Prinzip der Abstraktion entdeckte. Bester Matheschüler im Gymnasium, bester Mathestudent an allen Universitäten, erst in Griechenland, später in Amerika. Eigentlich ist er Professor für Angewandte Mathematik an der Rutgers University, der staatlichen Universität von New Jersey, Spezialist für Algorithmen. Algorithmen sind Ablaufpläne, die beschreiben wie man von A nach B kommt, das können Formeln sein oder Rezepte. In seinen Algorithmen ging es um Programme für Supercomputer. Ein paar hundert andere Wissenschaftler haben sie verstanden, und manchmal kam es ihm so vor, als könnten sie der Welt auch egal sein. Bis er im September 1998 seinen Studenten eine Aufgabe stellte: Wie lassen sich die Dokumente des Internet zu einem Thema in eine sinnvolle Reihe bringen?

Aus der Hausaufgabe wurde eine Formel, aus der ein Suchprogramm wurde, das den Gefallen eines Risikokapitalgebers fand. 1999 war das, und so entstand die Suchmaschine Teoma. 2001 wurde die Firma – Apostolos, sein Vizepräsident Tao Yang, acht Mitarbeiter und ihr Suchprogramm – für 4,5 Millionen von Ask Jeeves gekauft, benannt nach dem exzentrischen Butler aus den Geschichten von P. G. Wodehouse. Mittlerweile hat die Firma Büros in Japan, China, Italien, Spanien, England und Irland, zum Jahresende soll es auch eine deutschsprachige Suche geben. In diesem Sommer hat die Internet-Gruppe IAC die Firma Ask Jeeves für 2,3 Milliarden Dollar gekauft. IAC gehört Barry Diller, er gilt als Visionär, früher war er Chef von Paramount, später hat er mit Fox News einen vierten großen Fernsehsender in den USA etabliert. Mit 63 Jahren ist Diller Teil einer Medienrevolution, bei der nicht mehr nur die traditionellen Massenmedien eine Stimme haben, bei der die Grenze zwischen Autoren und Lesern verschwimmt. Im Internet kann jeder veröffentlichen, und jeder kann selbst entscheiden, was er liest. Zwischen Autor und Leser stehen nur die Suchprogramme, die einen entscheidenden Einfluss darauf haben, welchen Botschaften überhaupt Aufmerksamkeit geschenkt wird. »The geeks have taken over«, sagt Apostolos, die Streber beherrschen jetzt die Welt.

Er hat den Gesichtsausdruck eines Kindes, immer ein bisschen erstaunt, manchmal fast glücklich. Im Büro trägt er beigefarbene Hosen und verwaschene T-Shirts, auf denen das Logo seiner ersten Firma, Teoma, zu sehen ist. Wenn mittags ein Kaffeefleck dazukommt, bleibt er für den Rest des Tages zu sehen. Das ist der Dresscode der Geeks. Zuerst haben sie die Produktionsprozesse automatisiert, jetzt automatisieren sie die Verbreitung von Informationen. Früher hieß es: Welche Zeitung liest du? Die Antwort sagte etwas über die Vorlieben, politische Ausrichtung, Bildung des Lesers aus. Demnächst könnte man fragen: Welches Programm holt dir die Informationen aus dem World Wide Web? Journalisten werden vermutlich Lieferanten bleiben, ergänzt und korrigiert von privaten Weblogs, 100000 solcher Internet-Kolumnen gibt es in Deutschland. Aber die Zusammenstellung des täglichen Informationsmenüs erledigen Computer immer besser. Bei Google News bekommt man bereits heute Nachrichten, automatisch zusammengestellt von einem Programm, das 4500 Quellen auswertet.

So machen sich die Algorithmen über Sprache her, die doch eigentlich den Menschen vorbehalten ist und die eben noch wild und unberechenbar erschien. Jetzt kriechen Tag und Nacht Crawler über die Dokumente des Internet, Programme, die jede Seite scannen und sich von dort zur nächsten weiterleiten lassen. Wer eine Homepage hat, kann das auch sehen. Wenn der Google-Suchroboter eine Seite eingelesen hat, hinterlässt er einen Vermerk: »Visit Google Bot«. So wird das Wissen der Welt aufgenommen von Supercomputern, deren Speicherkapazität in Terabyte gemessen wird, Teras heißt auf Griechisch Monster.

In einem bronzeverspiegelten Bürogebäude sitzen sie, eingeschnürt von Highways, in the middle of nowhere, New Jersey. Abgeschnitten von der Welt auf einer Verkehrsinsel, die nur mit dem Auto zu verlassen ist. Im fünften Stock arbeiten etwa fünfzig Programmierer in blauen Arbeitswaben, man läuft vorbei an Schildern mit indisch oder chinesisch klingenden Namen, Migranten im Cyberspace. Steckt man den Kopf in eine Wabe, liegt eine Verlegenheit in ihrem Blick, ein Zögern in ihrem Händeschütteln, eine Unsicherheit im Auftreten, was vielleicht asiatisch ist oder Naturwissenschaftlern eigen oder einfach nur provinziell. Sie kommen aus Dörfern und Kleinstädten, zwei Drittel aus Asien, ein Fünftel aus Europa, nichts hat sie darauf vorbereitet, dass sie einmal den Informationsfluss der Welt umprogrammieren würden, dass ihre Arbeit einmal von öffentlichem Interesse sein würde. Die meisten sind mit Mitte zwanzig nach Amerika gekommen, um ihr Studium hier abzuschließen. Ihr Englisch ist schlecht oder schwer zu verstehen, aber sie schreiben gemeinsam an einem großen Text in C++. Das ist eine der größten Programmiersprachen, die vor allem dann verwendet wird, wenn es um große Datenmengen geht.

Ein gut geschriebenes Programm ist wie ein gutes Buch

C++ wird ständig weiterentwickelt, »die Sprache wird jedes Jahr leistungsfähiger«, sagt Wei Wang, der den Hauptteil des Programms von Ask Jeeves geschrieben hat. Ständig lernt er Vokabeln, die neu entwickelt werden, um den immer schnelleren Rechnern Herr zu werden. Computersprachen sind eine Mischung aus mathematischen Formeln und Englisch, Wörter in eine strikte Logik gebracht. Befehle, die von Menschen formuliert und von Maschinen befolgt werden. Als Laie meint man, Satzfetzen zu verstehen: IF my_document CONTAINS b THEN RETURN 0; IF my_document CONTAINS a THEN results.add(my_document).

Jeder Programmierer hat seinen Stil, es gibt verschiedene Möglichkeiten, zu sagen, was man will. Viele machen sich vorher einen Plan, andere schreiben einfach drauflos, manche schreiben ausufernd, andere knapp. Erfahrene Leute können an einem Programm sehen, welcher Kollege es geschrieben hat. Einer der Mitarbeiter lässt sich sogar zu der Bemerkung hinreißen, ein gut geschriebenes Programm sei wie ein gutes Buch, beeindruckend in seiner Klarsicht und Intelligenz.

Wei Wang gilt als langsamer Schreiber. Seine Programme werden an ihrer Schnörkellosigkeit erkannt, an der Direktheit, mit der er in einem Schritt erreicht, wofür andere mehrere brauchen. Und an der Aufmerksamkeit, die er Fehlerquellen schenkt, bevor sie entstehen können, »brain debugging« nennt er das, alle Eventualitäten vorwegnehmend. Von seiner Frau hört er immer, dass er ähnlich auch an die Urlaubsplanung herangehe.

C++ brachte er sich selber bei, als er noch an der Zhejiang-Universität, südlich von Shanghai, Informatik studierte. Im Sommer 1999 kam er nach New Jersey, ein schmalschultriger Junge Mitte zwanzig. Er belegte das Seminar von Apostolos Gerasoulis. Im ersten Jahr hat er kaum ein Wort gesagt und kein Referat gehalten. Aber in C++, das merkte sein Professor sofort, konnte sich keiner so korrekt ausdrücken.

Information Retrieval, also die Technik, aus einer Masse von Texten einen bestimmten herauszufischen, ist ein altes Gewerbe. Lange war es vor allem für die Arbeit in Bibliotheken von Bedeutung, seit den fünfziger Jahren stagnierte die Disziplin. Dann wuchs das Internet und wucherte immer weiter, diese Parallelwelt, von der niemand weiß, wie groß sie überhaupt ist. Google erfasst seit neuestem 30 Milliarden Dokumente, aber noch immer liegt vermutlich der größte Teil des Netzes unerschlossen, eine Wildnis aus geschlossenen Datenbanken, Firmennetzen, entlegenen Homepages ohne Links zur Außenwelt. Die Frage war deshalb: Wem gelingt es, das alles zu kartografieren?

Am Anfang gab es Listen, die noch von Hand zusammengestellt wurden. Yahoo entstand 1994 als Link-Sammlung zweier Studenten an der kalifornischen Stanford University. Alta Vista war die erste bekannte Suchmaschine. Der Algorithmus basierte darauf, das Suchwort mit dem Dokument abzugleichen:

IF QUERY CONTAINS "Disney" THEN FIND DOCUMENTS CONTAINING "Disney".

Das Komplizierte an einem Suchprogramm ist nicht, Texte im Internet zu finden, die irgendetwas mit der Anfrage zu tun haben. Das Zauberwort heißt Ranking, also die Reihenfolge, in der die Antworten dem Nutzer präsentiert werden. Der Ranking-Algorithmus ist das wichtigste an einem Suchprogramm. Im Durchschnitt klicken Leute nur zwei Dokumente an von den Tausenden, die angeboten werden. Einer Seite, die an der 52. Stelle erscheint, wird etwa die gleiche Aufmerksamkeit geschenkt wie einem Flugblatt, das einem in einer Fußgängerzone entgegengestreckt wird.

Der Ranking-Algorithmus des frühen Alta Vista bewertete die Dokumente vor allem nach der Häufigkeit, mit der das gesuchte Wort im Text auftauchte. Die Leute fingen an, ein bestimmtes Wort x-mal auf ihre Homepage zu schreiben. Manchmal schrieben sie auch Wörter auf eine Seite, die mit dem eigentlichen Inhalt nichts zu tun hatten, um mehr Besucher oder Kunden auf ihre Seite zu locken. Wer Disney wollte, bekam Porno. Wer nach »God« suchte, fand die Homepage eines Hot-Dog-Standes in Chicago, der mit dem Slogan warb: »The god damn best Hotdogs in Chicago«.

Apostolos Gerasoulis interessierte sich damals vor allem deshalb für Suchprogramme, weil sie mit linearen Algorithmen arbeiteten, sein Fachgebiet. Er leitete zu jener Zeit eine Arbeitsgruppe an der Universität von Rutgers. Den Studenten legte er zwei Aufsätze vor, die unter Experten heiß diskutiert wurden. Es ging um die Frage, mit welcher Ranking-Methode sich die Dokumente des Internet am besten ordnen ließen. Eine Arbeit kam aus Stanford und war geschrieben worden von zwei jungen Informatikern, Sergey Brin und Larry Page.

Deren Idee war, dass das Internet selbst eine Aussage darüber macht, wie wichtig ein Dokument ist, durch die Anzahl von Links, die darauf verweisen, deren Gewicht wiederum bestimmt wird von der Anzahl der Links, die auf sie deuten, und so weiter. Auf die Seite einer überregionalen Zeitung zeigen heute etwa 50000 Links, auf die private Homepage eines Bloggers verweisen vielleicht drei seiner Kumpels. Schreibt er aber besonders interessant über das Thema – wie der junge Iraker Salam Pax, der aus Bagdad über den Krieg berichtete und mit seinem Internet-Tagebuch berühmt wurde –, dann kann es sein, dass immer mehr und immer wichtigere Seiten auf ihn verweisen, sodass er zu einem bestimmten Stichwort weiter oben steht als die Profis. Nach diesem Prinzip sollte das Suchprogramm von Brin und Page funktionieren.

Apostolos Gerasoulis fand den Ansatz gut, aber nicht ganz so elegant wie die zweite Idee. Sie stammt von John Kleinberg, einem amerikanischen Mathematiker. Kleinberg ging noch einen Schritt weiter. Er schlug vor, dass nicht alle Links gezählt werden sollten, sondern nur die, die von Seiten kommen, die sich mit dem Thema der Suchanfrage beschäftigen. Problem dabei: der lange Rechenvorgang. Bei dem ersten Ansatz konnte der Grad der Vernetzung, unabhängig von der jeweiligen Suchanfrage, bestimmt werden. Bei der zweiten Idee war die Berechnung abhängig vom Suchwort und musste zu jeder Eingabe neu bestimmt werden. Das dauerte Stunden. Für Apostolos Gerasoulis war es eine mathematische Herausforderung: eine Formel zu finden, mit der man die Berechnungsdauer verkürzen konnte.

Vier Passwörter schützen den Algorithmus der Suchmaschine

1999 war das Jahr, in dem er mit den zehn Studenten seiner Arbeitsgruppe stets bis Mitternacht im fensterlosen Computerraum der Universität saß. Wei schrieb ein Programm, das anderthalb Stunden brauchte, um Ergebnisse zu liefern. Apostolos arbeitete an einer mathematischen Lösung, um die Kleinberg-Idee zu beschleunigen. Und während er noch über seinen schnellen Matrix-Multiplikationen brütete, hatten die beiden Doktoranden aus Stanford ihre Maschine schon ins Netz gestellt. Sie nannten sie Google, ein Spiel mit dem Wort Googol, mit dem die Zahl 10 hoch 100 beschrieben wird.

Im August 1999 hatten sie die Suche auf Sekunden verkürzt. Apostolos Gerasoulis empfahl seinen Studenten, ihre Studien zu unterbrechen, und meldete sein Programm zum Patent an. Für ihn selbst war es, als sei er aus der Sphäre des Abstrakten wieder in der echten Welt gelandet.

Die Formel von Ask Jeeves liegt in einem Datenzentrum in Boston und auf einem Server in den Büros, übersetzt in binären Code, die Ursprache aller Computer. Sie ist geschützt von vier Passwörtern und nicht an externe Datenleitungen angeschlossen. Keiner hat Zugang zu dem gesamten Algorithmus, und es wäre wohl auch unmöglich, ihn ganz zu kennen: Er ist zu lang. Ein Mensch würde Monate brauchen, um alles zu lesen.

Ständig werden einzelne Kapitel umgeschrieben. Ungefähr zweimal im Jahr wird eine neue Idee eingebaut. Die Implementierung neuer Programmteile ist wie eine Operation am offenen Herzen. Die Mitarbeiter von Ask Jeeves operieren in den frühen Morgenstunden, wenn die Zahl der Fragen am niedrigsten ist. Dann versammelt sich das ganze Büro, um zu sehen, wie sich die Antworten der Maschine verändern. An solchen Tagen ist Apostolos nervös, wenn er zur Arbeit kommt: »Der Algorithmus reagiert auf seine eigene Weise.«

Der Algorithmus einer großen Suchmaschine kann vieles. Er muss Spam, ungewollte Werbung, von Information unterscheiden. Er muss Seiten erkennen, die nur so tun, als ob sie besonders gut vernetzt wären, er sollte »Link Farms« enttarnen, Verbindungen, die nur deshalb eingerichtet wurden, um eine Seite möglichst wichtig erscheinen zu lassen. Er muss erkennen, ob eine Seite von einem bestimmten Thema handelt oder ob es in Wirklichkeit darum geht, Viagra zu verkaufen. Er muss Nachrichtenseiten von Tagebüchern unterscheiden, Doubletten aussortieren.

Manche Suchmaschinen kennen auch ihre Benutzer: Wer die Google Toolbar auf seinen Desktop herunterlädt oder auf der Google-Internet-Seite seine Einstellungen erweitert, der stimmt zu, dass seine Anfragen unter der Adresse seines Computers gespeichert und unter bestimmten Bedingungen, zum Beispiel bei Verdacht auf Terrorismus, an die Behörden weitergegeben werden.

Die Gesetze eines Landes sind in ein Programm eingeschrieben. Als 2002 Google China gegründet wurde, beugte sich die Firma den chinesischen Zensurvorschriften und nahm regimekritische Inhalte aus dem Index. Oder in Deutschland: Bestimmte pornografische Seiten werden nicht angezeigt, weil sie auf der schwarzen Liste der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteabieter stehen, deren Mitglied Google ist. Und unter google.de bekommt man für den Suchbegriff »Nazi« an erster Stelle eine Seite des Deutschen Historischen Museums. Auf der amerikanischen Version google.com bekommt man als Nummer eins die Homepage der American Nazi Party. Aber unabhängig von den Gesetzen eines Landes nehmen Suchmaschinen, so sagen ihre Betreiber, nur Seiten aus dem Programm, die ihr Ranking auf unlautere Weise nach oben drücken wollen. Politische oder ethische Gründe spielten keine Rolle. Wirklich nachprüfen kann das niemand. Der Algorithmus und seine Kriterien werden so geheim gehalten wie die Formel von Coca-Cola.

»Wenn Wissen Macht ist, dann sind die Suchmaschinen Supermächte«

Vielen Menschen wird es langsam unheimlich. Vielleicht, weil keiner wissen darf, nach welchen Kriterien die Suchmaschinen ihre Antworten auswählen. Eben noch war Google eine weiße Seite, angenehm werbefrei, mit einem unschuldigen bunten Kinderlogo, gegründet von zwei Studenten, deren Unternehmensphilosophie lautete: »Do no evil«. Man hörte, dass in ihrer Kantine in Kalifornien der ehemalige Chef der Rockgruppe Grateful Dead kochte. Dann gingen sie an die Börse, hatten plötzlich Microsoft zum Konkurrenten, und ihr Unternehmensziel klang mit einem Mal ein wenig bedrohlich: die Informationen der Welt sortieren.

An einem Abend im Mai trafen sich, hoch über Berlin-Mitte, im Dachgeschoss der Heinrich-Böll-Stiftung 200 Leute, um über die Weltmaschine zu diskutieren.

Vorn, auf dem Podium, saß Stefan Keuchel, der junge Sprecher von Google Deutschland. Die Vorwürfe, die an diesem Abend an ihn gerichtet wurden, waren ziemlich ernst. »Sie tun so, als ob es einige Websites nicht gäbe. Die deutsche Google-Version zeigt einige Seiten nicht an«, behauptete Burkhard Schröder, Chefredakteur des kleinen Medienmagazins Berliner Journalisten. »Sie lügen. Sie sagen, dass es Inhalte nicht gäbe, die es aber eigentlich gibt. Es ist eine Haltung, die einer Diktatur würdig ist.«

»Unser Ziel ist es, das Leben für die Nutzer leichter zu machen. Wir halten uns an bestehendes Recht,« erwiderte Google-Sprecher Keuchel. »Wenn etwas verboten ist, dann werden wir diesen Link entfernen. Aber wir sitzen zwischen allen Stühlen. Wenn wir Dinge zulassen, heißt es: Warum zeigt ihr das? Wenn wir sie vom Index nehmen, heißt es: Ihr zensiert.«

Wolfgang Sander-Beuermann, der an der Uni Hannover die größte deutsche Meta-Suchmaschine betreibt, die sich aus den Ergebnissen von dreißig anderen Suchmaschinen speist, saß an diesem Abend ebenfalls auf dem Podium. Er sagte: »Ich will kein Google-Bashing betreiben, aber mein Vertrauen endet, wenn ich das Monopol sehe. 85 Prozent aller deutschen Suchanfragen gehen an Google. Wenn Wissen Macht ist, dann sind Suchmaschinen Supermächte. Wir müssen verhindern, dass Google zur absoluten Supermacht wird.«

»Google hat kein Betriebssystem, das jemanden zwingt, Google zu nutzen«, spielte Keuchel auf Microsoft an. »Wir sehen den Vorwurf des Monopols anders. Unsere Nutzer verwenden Google, weil sie dort die besten Ergebnisse bekommen.«

»Man kann die Leute nicht zwingen, andere Suchmaschinen zu verwenden«, sagte Katja Husen, die medienpolitische Sprecherin im Vorstand der Grünen. Und Sabine Frank von der Freiwilligen Selbstkontrolle meinte: »Mit traditioneller Gesetzgebung kommen wir überhaupt nicht mehr weiter. Wir müssen die Inhalte auch international regeln.«

Die Vertreterin der traditionellen Gesetzgebung wirkte ein bisschen ratlos an diesem Abend. »Es gibt die Vorstellung, man könnte die digitale Welt analog regeln«, sagte die Grünen-Sprecherin, »aber diese Politik wird scheitern.«

Am Ende gab Firmensprecher Keuchel einen Ausblick auf die Zukunft. Er sprach von dem neuen Projekt Google Print, bei dem Teile der Bestände von fünf großen amerikanischen und englischen Bibliotheken eingescannt und im Internet zur Verfügung gestellt werden. Es sollte ein Versprechen sein, aber es klang ein bisschen so, als hätten sie vor, die Welt aufzufressen.

Der Suchmaschinenkrieg tobt. Aus Sorge um die mangelnde Verbreitung europäischer Kultur hat der Präsident der französischen Nationalbibliothek angeregt, europäische Literatur zu digitalisieren und ins Netz einzuspeisen. Jacques Chirac und Gerhard Schröder haben angekündigt, das Projekt mit 150 Millionen Euro zu finanzieren. An der deutschstämmigen Suchmaschine Yacy arbeiten Entwickler nach dem Open-Source-Prinzip, das heißt, jeder kann sie für seine Datensammlung benutzen, jeder kann mitprogrammieren. In Hannover hat Wolfgang Sander-Beuermann den Verein SuMa e.V. initiiert, der glaubt, dass die Zukunft in vielen regional und thematisch spezialisierten Suchmaschinen liegt, deren Betreiber Spam effektiver herausfiltern können und die weißen Flecken auf der Karte des Internet erschließen.

In Berlin läuft der vielleicht interessanteste Versuch, Computern das Lesen beizubringen. Das Gebäude der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften erstreckt sich über die halbe Längsseite des Gendarmenmarkts, ein grauer Steinquader, vier Stockwerke hoch. Die Akademie sammelt seit dreihundert Jahren deutsche Sprache, sortiert, erforscht und konserviert sie. Hier wird an einem Goethe-Wörterbuch gearbeitet, Goethes Vokabular in seinen historischen Bezügen erfasst; es werden die Preußischen Staatsprotokolle aufgearbeitet, eine neue Marx-Engels-Ausgabe kritisch editiert. Das Herzstück, der Klassiker, wie es hier heißt, ist »der Grimm«, das größte Bedeutungswörterbuch der deutschen Sprache, das von den Brüdern Grimm begonnen wurde. Man läuft vorbei an der Pförtnerloge, dahinter beginnt ein Gang mit dunkelgelbem Linoleumboden. Hier werden seit 151 Jahren Beispielsätze für jedes deutsche Wort gesammelt. Der Zweite der beiden Grimms starb, als er den Buchstaben F, wie Fruchtfliege, bearbeitet hatte; seither haben Generationen von Germanisten daran weitergearbeitet.

Ein altmodischer Geruch liegt in der Luft, nach Kohlsuppe vielleicht und nach Papier, schnell geht man weiter, nimmt den Paternoster in den dritten Stock, wo plötzlich alles weiß und frisch gestrichen ist. Hier wird das digitale Wörterbuch der Deutschen Sprache erstellt, bei dem es um die gleiche vertrackte Frage geht wie bei den Grimms, nämlich: Was bedeuten die Wörter des Deutschen?

Vor fünf Jahren haben die Linguisten und Germanisten angefangen, 100 Millionen Wörter aus Romanen, Zeitungen, Fachtexten, Gebrauchsanweisungen und gesprochener Sprache einzuscannen. Dann gingen sie daran, das alles zu sortieren. Mit einem Suchprogramm, das ihnen ein Programmierer aus Moskau geschrieben hat, ein junger Mann, der selbst erst im Laufe seiner Arbeit richtig gut Deutsch lernte. Die Suchmaschine musste vor allem die deutsche Grammatik beherrschen, sie musste zum Beispiel Adjektive von Substantiven unterscheiden oder ein Wort, das konjugiert, dekliniert, halbiert oder neu zusammengesetzt wurde, seiner Stammform zuordnen können.

Bisher hat die Suchmaschine 2,5 Millionen unterschiedliche Wörter gefunden, die meisten von ihnen zusammengesetzte Wortschöpfungen wie der Selbstbausarg, die Apache-Kampfhubschrauberpilotin, Wörter, von denen manches nur ein einziges Mal verwendet wurde. Als Nebenprodukt ist die Suchmaschine des jungen Russen geblieben, die nicht nur nach Schlagwörtern suchen kann, sondern die auch etwas von den Regeln der Sprache weiß. »Das ist die Voraussetzung dafür, dass Computer Texte verstehen können«, sagt Gerald Neumann, Linguist, Informatiker und wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Wörterbuch, »irgendwann einmal, später.« Er will nicht zu viel versprechen. Die Futuristen von der Künstliche-Intelligenz-Forschung behaupten seit vierzig Jahren, dass Computer bald Sprache verstehen werden. »Keine Ahnung, wann. Aber es wird passieren. Denn zum ersten Mal ist extrem viel Geld in der Branche. Im Moment tun die Suchprogramme noch so, als verstünden sie, was in den Texten steht. Aber irgendwann werden sie es verstehen.«

Es ist ein merkwürdiger Zufall, dass an diesem Tag Noam Chomsky zu Besuch ist, der amerikanische Linguist, den viele als politischen Aktivisten kennen. Aber eigentlich ist er berühmt geworden, weil er eine Grundannahme über die Sprache neu formuliert hat. In den fünfziger Jahren hat er mit seiner Transformationsgrammatik die Sprachwissenschaften grundlegend verändert. Er ging davon aus, dass die Fähigkeit zur Sprache nicht von Grund auf erlernt wird, sondern bereits ins menschliche Gehirn eingeschrieben ist – als eine anthropologischeKonstante. Und dass es deshalb unterhalb der Grammatiken der Sprachen gemeinsame Regeln geben müsste, eine Art Gencode, der für alle menschlichen Sprachen gilt.

Ein Investor kaufte Ask Jeeves für 2,3 Milliarden Dollar

In den achtziger Jahren war Noam Chomsky ein wenig aus der Mode gekommen. Es fanden sich einfach zu viele Sonderbarkeiten, für die immer neue Regeln geschaffen werden mussten. Aber seine Vorstellung von der Tiefenstruktur der Sprache hat die Geisteswissenschaften seitdem nicht mehr verlassen. Und jetzt sieht es so aus, als könnten Chomskys Ideen, fünfzig Jahre nach dem Erscheinen von Syntactic Structures, wieder interessant werden – für den Milliardenmarkt der automatisierten Informationsverarbeitung. »Müsste ein Computer nicht auch diese Tiefengrammatik können, um Texte intelligent durchsuchen zu können?«, fragt Linguist Gerald Neumann. »Denn: Langfristig gesehen, hilft gegen die Informationsflut kein noch so gutes Ranking, sondern nur automatisches Sprachverstehen. Und genau daran wird hier gearbeitet.«

Vor einem Jahr ist Apostolos Gerasoulis in Amerika in sein neues Haus eingezogen. Seit sie hier wohnen, haben die Kinder einen Wäschekorb voller Golfbälle gesammelt, er ist das Erste, was Tomasz Imielinski besichtigen muss, als er an einem Tag im August das Haus seines Freundes betritt. Sie sitzen an einer Küchenbar, Apostolos lässt hellbraunen Whiskey über die Eiswürfel rinnen.

»Ich hab die Uni am Ende nicht mehr ertragen«, sagt Tomasz, der sich in Rutgers beurlauben ließ. Bei Ask Jeeves nennt er sich nun »Vice President of Data Solutions«. »Du arbeitest drei Jahre an einem Problem, du trägst die Lösung auf einer Konferenz zehn Leuten vor, danach klopfen dir drei davon auf die Schulter. Dann fährst du nach Hause, und es geht wieder von vorn los.«

»Bis du stirbst«, sagt Apostolus, und um dieser Aussicht zu entgehen, haben sie darauf bestanden, auch Managementpositionen in der Firma zu übernehmen. So wie die beiden Jungs von Google das vorgemacht haben. »Deswegen habe ich großen Respekt für Sergey und Larry«, sagt Apostolos. »Sie haben der Welt gezeigt, dass Naturwissenschaftler ein Unternehmen führen können. Dass nicht länger Wall-Street-Broker und Wirtschaftstypen aus Harvard die Welt regieren.«

An einem Morgen im Juni war Apostolos Gerasoulis sofort hellwach. Es war der Tag, an dem Investor Barry Diller seinen Besuch angekündigt hatte. In Amerika ist Barry Diller eine große Nummer, reich und glamourös, verheiratet mit der Society-Designerin Diane von Furstenberg.

Dennoch sei manchem seiner Programmierer der Name des Gastes kein Begriff gewesen, glaubt Apostolos, die Mitarbeiter mussten ihn noch schnell in die Suchmaschine eingeben. Dort erfährt man, dass Barry Diller 1999 angefangen hat, Internet-Dienstleistungsunternehmen aufzukaufen, und dass seine Firma IAC den Internet-Hype mit Gewinnen überlebt hat. Jetzt wollte Diller eine Suchmaschine. »Normalerweise rede ich viel«, sagt Apostolos, »aber an diesem Tag war ich still. Es war so ein Tag, an dem man über sich selbst nachdenkt, sein Leben an sich vorbeiziehen lässt und sich denkt: Wow, ich hätte nie geglaubt, dass es so kommen würde. Dass ich einmal im selben Raum sein würde wie er.«

Diller ließ sich von ihm die Maschine vorführen. Apostolos zeigte die Zoom-Funktion, die er gerade entwickelt hatte und die Vorschläge zur Eingrenzung oder Erweiterung der Suche macht. Als er den Namen »Diane von« eingab, schlug der Zoom vor, die Suche auf Diane von Furstenberg einzugrenzen. Diller nannte es unglaublich und sagte, dass sie das neue Produkt sofort auf den Markt bringen müssten.

Dann wollte der Gast wissen, was die Zukunft bringen würde. Apostolos prophezeite ihm, dass demnächst alles, was in der Welt ist, eingeschmolzen werden könnte in die Sphäre des Digitalen. Später könnte alles mit Hilfe einer perfekten Suchmaschine gezielt wieder hervorgeholt werden. Die Frage ist nur: Wer wird in dieser universalen Bibliothek die besten Antworten finden? Wird er es sein, er, Apostolos Gerasoulis, Sohn eines griechischen Eisenwarenhändlers?

Mitte Juli war es so weit. Barry Diller hat Ask Jeeves für 2,3 Milliarden Dollar gekauft. Apostolos Gerasoulis lächelt noch etwas glücklicher als sonst, als er erzählt, dass Diller versprochen hat, ihn demnächst in New York City auf eine große Party mitzunehmen.

©  DIE ZEIT 06.10.2005 Nr.41 (http://www.zeit.de/2005/41/Suchmaschinen_2?page=all)
Titel: SUCHMASCHINEN-ALTERNATIVEN - Clever suchen ohne Google
Beitrag von: SiLæncer am 18 Mai, 2009, 20:54
Googlen Sie noch oder stöbern Sie schon? Das Web ist voller hochintelligenter Suchmaschinen, die sich problemlos mit dem Marktführer und seinem neuen Herausforderer Wolfram Alpha messen können. SPIEGEL ONLINE stellt alte und junge, große und kleine Suchdienste vor - und zeigt ihre Stärken.

Wolfram Alpha kann einem ein wenig leid tun: Nach Wochen des herbeigeschriebenen Hypes, der überzogenen Erwartungen an den "Google-Killer", macht sich nun deutlich die Produktenttäuschung breit. Gerade noch raunte und rumorte es in Blätterwald und Blogosphäre, gerade noch ergaben sich die Experten dem Gerüchte-Rausch, nun folgt wie im richtigen Leben der Kater: Wolfram Alpha entpuppt sich als eine Art Gegenteil von Google und Co. Wo Suchmaschinen viel wissen, dafür aber nichts genau, weiß "WA" sehr, sehr wenig - das dafür aber sehr präzise.

Wer also gehofft hat, nun die ultimative Suchmaschine serviert zu bekommen, mag enttäuscht sein. Wir alle werden darauf noch weiter warten müssen. Zum Glück kann man sich die Zeit mit Alternativen vertreiben, die mitunter deutlich bessere Ergebnisse zu bieten haben als Google oder WA.

Denn das Web ist voller Suchdienste - alte und junge, große und kleine, allgemeine und hochspezialisierte. Man hat das nur vergessen: Googles Dominanz, die natürlich auch den Qualitäten der Suchmaschine geschuldet ist, hat aus dem öffentlichen Bewusstsein verdrängt, dass es konkurrierende Techniken gibt.

mehr ... (http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,624900,00.html)

Quelle : http://www.spiegel.de
Titel: Yahoo sagt "zehn blauen Links" den Kampf an
Beitrag von: SiLæncer am 21 Mai, 2009, 17:40
Yahoo hat am Dienstag seine Pläne für die Zukunft der Web-Suche auf einer Veranstaltung in San Francisco vorgestellt. "Es ist Zeit, den zehn blauen Links ein Ende zu bereiten", sagte Prabhakar Raghavan, Leiter Yahoo Labs und Yahoo Search Strategy.

Statt einfach Webseiten per Crawler zu durchforsten, will Yahoo das Internet eher als Web der Objekte mit realweltlicher Entsprechung verstehen und Suchanfragen auch nach ihrem Sinn interpretieren, berichtet das Wall Street Journal. Ziel ist es, je nach Art der Suchanfrage zusätzliche relevante Informationen wie beispielsweise Multimedia-Inhalte oder Kritiken zu liefern. Um die eigene Suchmaschine intelligenter zu machen, setzt Yahoo auch auf die Hilfe von Content-Anbietern. "Das technische Schlachtfeld verschiebt sich von der Frage, wie viele Seiten man indizieren kann, dahin, wie umfassend und zuverlässig das Web der Objekte repräsentiert wird", so Raghavan. Damit sind Inhalte gemeint, denen realweltliche Orte oder Dinge entsprechen. Um auf diesem Gebiet Fortschritte zu machen, fährt Yahoo zweigleisig. Zum einen werden Webseiten per Computer analysiert, zum anderen setzt der Suchanbieter auf SearchMonkey. Dieses Projekt erlaubt es Content-Publishern, zusätzliche Daten bereitzustellen, um Yahoo-Suchergebnisse zu verfeinern. "SearchMonkey wird sehr positiv angenommen. Die Liste an Publishern, die dieses Angebot nutzen, wächst auch hierzulande kontinuierlich und umfasst etwa Qype, Die Welt, Wikipedia oder auch meinestadt.de", sagt Andreas Krawczyk, Chefredakteur Yahoo Deutschland, gegenüber pressetext.

Im Rahmen der Veranstaltung wurden einige Beispiele gezeigt, welche Vorteile das für die Suche bringen soll. Beispielsweise wird daran gearbeitet, bei der Suche nach einem Restaurant den möglichen Besuch des Lokals als Sinn der Anfrage zu interpretieren - und daher als Entscheidungshilfe auch entsprechende Restaurantkritiken möglichst sichtbar zu platzieren. Bei der Bildsuche nach Reisezielen wie Paris wiederum sollen auch Fotos anderer Destinationen angezeigt werden. Andere Ergebnis-Erweiterungen werden zumindest in der US-Version von Yahoo schon unterstützt. Wenn beispielsweise namentlich nach einem Musiker gesucht wird, werden auch Links zu Audiotracks ausgegeben, die direkt aus den Suchergebnissen heraus abgespielt werden können.

Laufende Bemühungen um eine Aufwertung der eigenen Suchergebnisse gibt es freilich nicht nur bei Yahoo. Google hat erst vor rund einer Woche ebenfalls eine bessere Integration beispielsweise von Kritiken in seine Suchergebnisse angekündigt und setzt seit kurzem auch verstärkt auf lokalbezogene Ergebnisse. Dass Yahoo bei seinen Bemühungen einen Fokus auf die USA zu legen scheint, ist nicht verwunderlich. Immerhin bringt die Nummer Zwei auf dem Suchmarkt es in den USA nach aktuellen comScore-Analysedaten auf 20,4 Prozent Marktanteil (April 2009). Global dagegen weisen sowohl Net Applications als auch StatCounter aktuell weniger als zehn Prozent aus. Allerdings sollen die Verbesserungen nicht nur US-Nutzern zugute kommen. "Die langjährige Expertise und die enge internationale Zusammenarbeit der Yahoo-Suche-Teams sind die Grundlage, damit Änderungen und Verbesserungen im Bereich der semantischen Suche weltweit in allen Sprachräumen umgesetzt werden können", betont Krawczyk.

Quelle : www.pcwelt.de
Titel: Google-Konkurrenten wollen mit Innovationen punkten
Beitrag von: SiLæncer am 13 August, 2009, 09:14
Anderthalb Milliarden Dollar sind ein Haufen Geld. Der Netto-Gewinn, den der Suchmaschinen-Betreiber Google trotz anhaltender Wirtschaftsflaute im ersten Quartal dieses Jahres eingestrichen hat, inspiriert die Mitbewerber nun zu neuen Höhenflügen: Erst stellte Software-Guru Stephen Wolfram seine "Wissensmaschine" Wolfram Alpha online, dann schickte Microsoft seinen generalüberholten "Live Search"-Dienst unter dem Namen Bing ins Rennen – ausgestattet mit modernster semantischer Technologie des Unternehmens Powerset, das der Software-Riese im vergangenen Jahr für rund 100 Millionen Dollar geschluckt hatte.

Gleichzeitig entstehen abseits der etablierten Marken eine ganze Reihe von spannenden Suchdiensten, berichtet Technology Review in seiner aktuellen Ausgabe 08/09, die derzeit am Kiosk liegt. Von Aardvark über Hunch bis zu OneRiot und Siri – alle wollen sie durch neue technische Ansätze dem Suchmaschinen-Primus Google Marktanteile abjagen. Die neuen Konkurrenten setzen dabei auf Verbesserungen an drei Fronten: natürliche Spracherkennung, für Mobilgeräte optimierte Benutzerschnittstellen sowie die intelligente Kombination von Suchalgorithmen mit jener "Weisheit der vielen" – von Nutzern gefütterte, Crowdsourcing genannte Empfehlungssysteme.

Mehr dazu in: Jenseits von Google
(http://www.heise.de/tr/artikel/143226)

Quelle : www.heise.de (http://www.heise.de)
Titel: "Eine Woche ohne ...": SuMa-eV ruft auf zur Google-Abstinenz
Beitrag von: SiLæncer am 14 August, 2009, 11:41
Fast wie Don Quijote bei seinem vergeblichen Kampf gegen die Windmühlen wird der gemeinnützige "Verein zur Förderung der Suchmaschinen-Technologie und des freien Wissenszugangs e.V.", kurz SuMa-eV, mit seinem rührigen Vorsitzenden Wolfgang Sander-Beuermann nicht müde, gegen die zunehmende Monopolisierung des Wissenszugangs im Internet anzukämpfen. Hauptfeind von Sander-Beuermann ist Google mit einem Marktanteil von mehr als 90 Prozent in Deutschland.

Jetzt ruft Sander-Beuermann zu einem Experiment auf: Die Surfer sollen ausprobieren, eine Woche ohne Google-Dienste auszukommen. Es gehe ihm dabei nicht um "einen Google-Boykott, sondern um die kritische Auseinandersetzung mit einem Quasi-Monopol im Internet und dessen Bedeutung für die Medien- und Meinungsfreiheit". Um den Teilnehmern zu helfen, listet die eigens eingerichtete Site Alternativen zu Google-Diensten auf. Auf der Site können Teilnehmer auch über ihre Erfahrungen berichten.

Quelle : www.heise.de (http://www.heise.de)
Titel: Wer wo sucht: Microsoft und Yahoo vs. Google
Beitrag von: SiLæncer am 15 August, 2009, 17:56
Betrachtet man die Verteilung der Suchanfragen vom Juni 2009, so liegen Microsoft und Yahoo – selbst nach dem Zusammenschluss – weiterhin deutlich hinter Google: Der Platzhirsch bekam 65 Prozent aller Suchanfragen. Zusammen kommen Microsoft (8,4 Prozent) und Yahoo (19,6 Prozent) gerade einmal auf 28 Prozent. Das belegt eine Studie von ComScore.

Interessantes offenbart jedoch ein Blick auf die Suchenden: So verwenden immerhin 73,3 Prozent der Suchenden (auch) eine Suchmaschine von Yahoo oder Microsoft. Google kommt auf 84 Prozent. Allerdings befragten die Suchenden Google im Schnitt 54,5 mal im Juni, bei den anderen beiden waren es zusammen nur 26,9 Anfragen. ComScore sieht daher Potenzial für die beiden Partner, falls es Ihnen gelingt, die Loyalität der Suchenden zu erhöhen, ihnen bessere Resultate zu liefern und so das Standardverhalten "googeln" zu reduzieren.

Suchmaschinen    Nutzer    Suchanfragen    Anfragen pro Nutzer
Google                    84,0%     65,0%             54,5
Microsoft + Yahoo   73,3%     28,0%             26,9
Yahoo                     56,5%     19,6%             24.5
Microsoft                 41,4%       8,4%            14.3
Gesamt                   70,5

Quelle : www.heise.de
Titel: Microsoft und Yahoo schließen sich Koalition gegen Google Books an
Beitrag von: SiLæncer am 21 August, 2009, 12:06
Die IT-Unternehmen Microsoft und Yahoo wollen einer Allianz beitreten, die sich gegen die von Google mit US-amerikanischen Autoren und Verlegern erzielte Einigung um die Digitalisierung von Büchern wehrt. Die beiden Unternehmen haben ihr Engagement für die provisorisch "Open Book Alliance" genannte Vereinigung laut einem Bericht der New York Times bestätigt. Mit dabei sei auch Amazon, doch das Unternehmen habe einen Kommentar abgelehnt. Allerdings hatte Amazon-Chef Jeff Bezos im Juni angedeutet, in Opposition zu Googles Buchdigitalisierungsprojekt gehen zu wollen. Eine offizielle Mitteilung der Allianz soll laut Wall Street Journal in den kommenden Wochen folgen.

Die Autoren-Organisation The Authors Guild hatte im September 2005 gegen Google eine Sammelklage eingereicht, einen Monat später folgte der Verlegerverband Association of American Publishers. Sie beschwerten sich darüber, dass Google seit 2004 Bücher aus kooperierenden Bibliotheken ohne ihre Einwilligung scannte und online stellte. Im Oktober 2008 einigten sich die Beteiligten über den Online-Zugang zu urheberrechtlich geschützten Büchern und Texten. Google will 125 Millionen US-Dollar zahlen. Diese Einigung muss noch vom zuständigen Richter genehmigt werden.

Die "Open Book Alliance" wird angeführt von dem US-amerikanischen Kartellrechtsexperten Gary L. Reback und dem Internet Archive. Sie will die Bemühungen der einzelnen Mitglieder koordinieren, beim US-Justizministerium und vor Gericht gegen Google zu argumentieren. Das Ministerium hatte Anfang Juli Untersuchungen dazu aufgenommen, nachdem sich unter anderem das Internet Archive darüber beschwert hatte, Google könne ein Monopol zur Verbreitung von so geannnten verwaisten Werken bekommen. Nach Angaben des Wall Street Journal, das sich auf Peter Brantley vom Internet Archive beruft, wollen auch die Special Libraries Association, die New York Library Association und die American Society of Journalists and Authors der Koalition beitreten.

Quelle : www.heise.de
Titel: Grenzenloses Vertrauen in Google & Co
Beitrag von: SiLæncer am 28 Juli, 2010, 18:27
Suchmaschinen scheinen die Glaubwürdigkeit von Websites und Informationen zu garantieren, was nicht ganz oben steht, wird kaum mehr wahrgenommen

Es ist doch schön, dass junge Menschen, zumal auch Studenten, die doch im kritischen Denken und Beurteilen von Informationen ausgebildet sein sollten, ein tiefsitzendes Vertrauen zur Welt, in dem Fall: zu Suchmaschinen haben. Nach einer Studie  von Kommunikationswissenschaftlern der Northwestern University gehen die meisten Studenten schlicht davon aus, dass sie nicht nur eine Suchmaschine, vor allem Google, benutzen, um etwas zu finden, sie vertrauen auch darauf, dass unter den ersten Ergebnissen, die die Suchmaschine auflistet, auch das Relevante dabei ist.

Google und Co. scheinen die Glaubwürdigkeit und Relevanz der Informationen zu garantieren, ein Hinterfragen der Quelle und des Kontextes, geschweige denn der Suchalgorithmen selbst, scheint sich zu erübrigen. Das ist natürlich hoch brisant, zumal wenn Google zum weltweiten Monopol geworden ist, was zur Folge hat, dass das, was Google nicht findet (und unter den ersten Suchergebnissen auflistet), praktisch nichts existiert. Eine Studentin sagte: "I'd go on Google, that's where everyone goes." Ein Student räumte ein: "I basically do everything on Google."

Die Dominanz von Google lässt sich daran erkennen, dass sich für das Suchen im Web der Begriff googeln weltweit durchgesetzt. Den Begriff verwendeten auch viele der Studenten der Studie. Eszter Hargittai, Professor für Kommunikationswissenschaften und Leiter der Studie, meint, die Studenten gingen einfach davon aus, dass dann, wenn Google etwas zuerst auflistet, dann sei es auch glaubwürdig. Das aber sei schon deswegen irreführend, weil Google eine Website nicht nach Glaubwürdigkeit beurteilt. Das Ranking erweist sich also als sehr wichtig für die Glaubwürdigkeit einer Website, wie sie dann gestaltet ist und welche Inhalte man dort findet, wird schon nebensächlich.

Für die Studie, die im International Journal of Communication erschienen ist, befragten die Wissenschaftler 102 Studenten im ersten Semester unterschiedlicher Fachrichtungen der University of Illinois in Chicago und gaben ihnen Aufgaben. Die Wissenschaftler saßen dabei neben den Studenten, beobachteten ihr Verhalten und fragten gelegentlich nach, während die Studenten erzählen sollten, wie sie ihrer Suche nachgehen. Dass die Studenten in aller Regel Suchmaschinen nutzten, um eine gestellte Aufgabe anzugehen, verwundert nicht, schließlich sind Suchmaschinen die Tore zum Web. Dass aber ein Viertel der Studenten die erste Website anklickte, die von Google aufgelistet wurde, ist schon erstaunlicher, zumal sie sagen, dass sie sich für das erste Ergebnis entscheiden, weil es als erstes aufgeführt wird. Oft werde, so die Studie, die Suchmaschine für glaubwürdiger gehalten, als die Website, die von ihr gefunden wird, die Autoren der gefundenen Information werden oft nicht nachgefragt, die Ergebnisse einfach benutzt:

Zitat
Researcher: What is this Web site?

Respondent: Oh, I don't know. The first thing that came up.

Nur 10 Prozent der Studenten machten Bemerkungen zu den Autoren einer Information oder zu deren Glaubwürdigkeit. Nachgeprüft wurde die Glaubwürdigkeit allerdings von keiner Versuchsperson. Gefragt, welche Website sie benutzen, um Nachrichten zu lesen, sagte die Mehrzahl, dass sie eine voreingestellte Startseite in ihrem Browser dafür verwenden, in aller Regel die News von Google oder Yahoo oder die ihres Internetproviders. Meist werden kommerzielle Anbieter aufgesucht, Wikipedia wird hingegen vergleichsweise wenig benutzt, andere Websites nur, wenn es um spezielle Suchen geht, beispielsweise um Fahrpläne oder medizinische Informationen. Allerdings sagen die Studenten, dass eigentlich Informationen auf Websites des Staates oder von Bildungseinrichtungen verlässlicher seien als solche von der Privatwirtschaft. Und manchmal versuchten die Studenten auch, die Information, die sie auf einer Website fanden, durch das Aufrufen einer anderen zu überprüfen.

Ganz entscheidend aber ist, so die Wissenschaftler, dass die Studenten sich anhand von Brands orientieren, die ihnen verlässlich erscheinen, wohl auch, weil sie populär sind. Und was von den Meisten verwendet wird, so sagte ein Student über Google und demonstrierte so die Neigung zur Herdenbildung und -orientierung, müsse doch auch wichtig und damit verlässlich sein. Auch wenn die Studenten alle mit dem Internet groß geworden sind, so seien sie deswegen nicht auch schon "savvy with digital media", wenn es um die Einschätzung der Glaubwürdigkeit von Informationen geht, und bringen Google und Co. mehr Vertrauen entgegen, als vernünftig wäre. Für die kritische Interneterziehung sei es wichtig, so Eszter Hargittai, bestimmte Websites in der Klasse zu präsentieren und darüber diskutieren, warum eine Informationsquelle glaubwürdig ist oder warum sie dies nicht ist.

Quelle : http://www.heise.de/tp/
Titel: Anonymes Suchen und Finden mit MetaGer
Beitrag von: SiLæncer am 07 April, 2014, 16:30
Die Meta-Suchmaschine MetaGer bietet seit heute eine anonyme Ergebnisanzeige an. Der Betreiber der besuchten Website erfährt nicht, woher der Besucher kommt.

Die Meta-Suchmaschine MetaGer aus Hannover bietet seit heute eine anonyme Ergebnisanzeige an. Dafür wurde ein Anonymisierungsserver eingerichtet, über den die Suchergebnisse angeklickt werden können.

Der Betreiber der besuchten Website erfährt nicht, woher der Besucher kommt. Er erhält nämlich nur die Daten des MetaGer-Servers. Neben jedem einzelnen Suchergebnis erscheint der Link "anonym öffnen", über den die jeweilige Webseite besucht werden kann.

Der ganze Artikel (http://www.heise.de/newsticker/meldung/Anonymes-Suchen-und-Finden-mit-MetaGer-2165076.html)

Quelle : www.heise.de
Titel: Suchmaschine MetaGer wird nutzerfreundlicher
Beitrag von: SiLæncer am 21 August, 2014, 16:57
Die Meta-Suchmaschine MetaGer modernisiert ihr Aussehen und verbessert die Suchfunktion sowie das Ergebnis-Ranking. Nutzer können die Neuerungen in der Betaversion ausprobieren.

Die Meta-Suchmaschine MetaGer aus Hannover präsentiert in einer Betaversion eine gründliche Überarbeitung ihres Suchangebots. Dafür wurde nicht nur das Design kräftig entschlackt, sondern auch das Ranking der Suchergebnisse verbessert. Außerdem haben die Betreiber die Suchfunktionen nutzerfreundlicher gestaltet.

Der ganze Artikel (http://www.heise.de/newsticker/meldung/Suchmaschine-MetaGer-wird-nutzerfreundlicher-2297435.html)

Quelle : www.heise.de